Online-MegazineInterview

DEVILDRIVER

Erst Deutschland, dann ganz Europa

DEVILDRIVER

DEVILDRIVER befinden sich momentan auf Festival-Tour durch Europa, spielen aber an Day-Offs auch einige Headlinergigs zum immer noch aktuellen Album „Beast“. Weil Dez Fafara, der unangefochtene Kopf der Band, immer etwas zu erzählen hat, trafen wir ihn an einem heißen Sommertag in Münster zu einem Gespräch.

Hallo Dez, vielen Dank, dass du dir vor eurem Gig Zeit genommen hast! Zuallererst muss ich dich fragen: Was machst du morgen Abend?

»Morgen Abend bin ich in Griechenland und schaue mir Black Sabbath an.«

Oh. Du schaust dir also nicht das Finale der Fußball-Europameisterschaft, Spanien gegen Italien, an?

»Nein.«

Interessiert dich Fußball nicht?

»Ich habe elf Jahre lang Fußball gespielt, als ich noch ein Kind war, aber jetzt interessiere ich mich nicht mehr dafür. Ich schaue mir gar keinen Sport mehr an.«

Gar nichts mehr?

»Eigentlich nicht, nein. Naja, ich schaue mir Bullenreiten an, aber das war es dann auch.«

Um ehrlich zu sein, bin ich davon ausgegangen, dass du dir das Spiel ansehen wirst, denn…

»Naja, vielleicht sehe ich es auch. Kann sein, dass wir in einer Kneipe sind und das Spiel da läuft und dann schaue ich es mir natürlich auch an. Ich mag die Energie bei solchen Spielen. Wir waren beim Finale in den letzten zwei Jahren hier (Dez scheint da etwas zu verwechseln… - ch) und es ist großartig, am Tag des Spiels irgendwo unterwegs zu sein und die Atmosphäre zu erleben.«

Soweit ich weiß, bist du Italiener, richtig?

»Ich habe italienische Wurzeln, ja. Aber ich habe auch portugiesische und polnische Wurzeln. So wie jeder in Amerika: Ich bin ein Mischling.«

DevildriverMeines Wissens nach ist für Italiener die Familie immer sehr wichtig. Und bezüglich dessen: Hast du noch Kontakt zu eurem Ex-Bassisten Miller? Weißt du, wie es ihm aktuell geht?

»Ich habe keinen Kontakt zu Miller und ich hoffe, es geht ihm gut. Ich wünsche ihm nur das Beste.«

Also scheint es absolut keine Chance zu geben, dass er jemals zur Band zurückkehren wird?

»Korrekt. Ich denke, dass es absolut keine Chance für ihn gibt, jemals wieder zurückzukehren. Weißt du, die anderen Bandmitglieder sind mit ihm zusammen aufgewachsen und wenn sie ihn nicht wieder dabei haben wollen, was soll ich dann dazu sagen. Wir entscheiden in der Band demokratisch. Und außerdem… Die Dinge waren zum Schluss einfach nicht mehr okay.
Wir hatten eine großartige Zeit mit ihm und er hat einen super Job gemacht, aber im Endeffekt ist es besser für ihn und auch für uns, dass wir getrennte Wege gehen.«

Ihr spielt momentan auf europäischen Festivals und gebt hier auch einige Headliner-Gigs. Bist du zufrieden damit, wie „Beast“ in Europa läuft?

»Absolut. Das Album lief gut in Großbritannien, ging in Australien sogar in die Top 10 und in den USA ohne Radiounterstützung sogar in die Top 40. Das Album ist sehr heavy, ist thrashiger und härter als unsere alten Scheiben. Man findet wahrscheinlich nicht so schnell Zugang, aber je öfter man es hört, desto mehr findet man die Hooklines, die einen dann nicht mehr loslassen.
Ja, ich bin sehr zufrieden, wie das Album bei den Fans angekommen ist.«

Du hast heute auf Twitter geschrieben: „… und dann geht es zurück nach Hause zu meiner Frau, den Kindern, den Hunden und der Normalität.“ Ist touren ein notwendiges Übel für dich? Ich nehme an, dass du die Auftritte an sich liebst, aber nervt dich das ganze Drumherum?

»Wir nähern uns dem Ende der Tourperiode für „Beast“, wir sind jetzt seit knapp sechs Wochen hier in Europa unterwegs, es ist einfach Zeit, nach Hause zu gehen. Wir fliegen heute Abend nach dem Konzert in der Nacht noch nach Griechenland und fliegen die ganze nächste Woche von Gig zu Gig. Mit dem Tweet wollte ich einfach sagen: Es wird Zeit, zu Hause wieder meine Akkus aufzuladen. Meine Familie ist für mich das absolut Wichtigste, daher fühle ich mich immer sehr wohl, wenn ich wieder zu Hause ankomme.
Aber ich muss touren, ich könnte niemals damit aufhören, denn ich liebe es einfach, Shows zu spielen. Wir spielen mit DEVILDRIVER sehr viele Konzerte im Jahr, mehr als viele andere Bands.«

Du bist momentan sehr eingespannt mit DEVILDRIVER, der Reunion von Coal Chamber und deinem Projekt Born Of The Storm. Findest du überhaupt noch Zeit für dein Privatleben? Oder wirst du dir in naher Zukunft eine Auszeit gönnen, um dich wieder den wichtigeren Dingen im Leben zuwenden zu können?

»Naja, doch, ich finde schon noch die benötigte Zeit. Wenn ich zu Hause bin, arbeite ich eh an neuer Musik. So hat sich auch Born Of The Storm ergeben: Ich war zu Hause, Mark (Morton, Lamb-Of-God-Gitarrist) war zu Hause, er hat mir die Songs rübergeschickt und ich habe meine Parts aufgenommen. Ich war zwei Stunden im Studio und konnte danach nach Hause gehen. So wie jemand anderes jeden Tag acht Stunden zur Arbeit geht, war ich zwei oder drei Stunden im Studio.
Aber ja, es wird eine Zeit geben, in der ich mir eine lange Auszeit nehmen werde. Das wird höchstwahrscheinlich ab März 2013 sein. Die ganze Band wird sich dann eine Pause gönnen. Wir nehmen das neue Album im Dezember und Januar auf, gehen dann im Februar und März hier in Europa auf Tour und machen dann Pause bis Ende August oder Ende September. Das haben wir noch nie gemacht.«

Wieso dann jetzt?

»Meine Familie und ich brauchen das und ich weiß, dass die anderen Jungs die Auszeit ebenfalls benötigen. Es ist einfach eine notwendige Pause, bevor ein neues Album auf einem neuen Label herauskommt und wir dieses wahrscheinlich ohne Unterbrechung zwei Jahre lang betouren werden. Und wenn ich ohne Unterbrechung sage, dann meine ich das auch so, denn wir werden wahrscheinlich höchstens für acht Tage nach Hause kommen und dann wieder direkt auf Tour sein.«

Habt ihr die neuen Songs denn schon fertig?

»Ich schreibe jeden Tag und die Jungs haben schon ein paar Songs. Sie haben auch schon Demos gemacht, aber es ist noch nicht so weit, dass ich sie bekommen kann. Ich freue mich schon auf den künstlerischen Prozess, denn der ist immer total interessant für mich.«

Du hast gerade von einem neuen Label gesprochen. Wo wird das neue Album denn erscheinen?

»Für Nordamerika haben wir bei Napalm Records unterschrieben, für Australien sieht es so aus, dass wir bei Roadrunner/Warner unterschreiben werden, für Japan suchen wir noch ein Label. Ich bin sehr glücklich, bei Napalm zu sein. Sie lieben die Band und scheinen sich genau angesehen zu haben, was Roadrunner nicht mit uns gemacht haben und denken, dass sie genau hier ansetzen und es besser machen können. Ich bin sehr gespannt darauf zu sehen, ob sie das schaffen. Ich war in meiner gesamten musikalischen Karriere immer bei Roadrunner und finde das gerade alles sehr interessant.«

Hmm.. Ich will dir nicht auf die Füße treten, aber ich wusste gar nicht, dass ihr nicht mehr bei Roadrunner seid. Hat das Label euch fallengelassen oder habt ihr den Vertrag einfach nicht mehr verlängert? Hatte es eventuell etwas mit dem zu tun, was mit Roadrunner Europe passiert ist?

»Naja, ich war sauer wegen dem was passiert ist, ja, denn die Bands, die noch vertraglich an das Label gebunden sind… Ich hoffe, dass Warner wenigstens irgendwelche der Roadrunner-Leute behält, denn die wissen wenigstens, was zu tun ist. Du musst deine Hausaufgaben gemacht haben, wenn du irgendeine Underground-Musik pushen willst, egal ob Metal oder Blues, Jazz oder Punk. Es funktioniert nicht, wenn du da einfach irgendeinen BWL-Typen dran setzt.
Aber im Endeffekt war es bei uns eine Kombination von beidem, denke ich. Unser Deal war abgelaufen, sie wurden in Warner integriert und damit fühlte ich mich nicht besonders wohl, also haben wir uns ein neues Label gesucht. Wir haben mit jedem Label gesprochen und ich wollte unbedingt zu einem Label gehen, wo noch die Leidenschaft für unsere Musik vorhanden ist. Und diese Leidenschaft spüre ich bei Napalm.«

Kannst du bitte erzählen, wie es zu der Coal-Chamber-Reunion kam? Gibt es irgendwelche Pläne für ein neues Album?

»Um es kurz zusammenzufassen: Wir waren zehn, elf Jahre auseinander, in der Zeit sind die anderen Coal-Chamber-Mitglieder von harten Drogen runtergekommen, sie kamen dann zu unseren Shows mit DEVILDRIVER und sprachen mit mir. Meegs hat ‚Loco‘ mit mir und DEVILDRIVER zusammen gespielt und danach hat es nochmal vier Jahre gedauert, bis wir uns entschlossen, wieder Shows zusammen zu spielen. Wir wollten es machen, weil wir nach wie vor die Songs lieben und weil wir den Fans die Chance geben wollten, die Songs nochmal live sehen zu können, bevor es zu spät ist. Mit 70 will uns keine Sau mehr sehen.
Ich weiß nicht, wie weit ich mich damit beschäftigen möchte. Wir werden ein paar Gigs spielen, ja, aber ob es eine richtige Tour oder gar ein neues Album geben wird, eher nicht.«

Devildriver - BeastUnd wie schaut es mit Born Of The Storm aus? Ist außer dir und Mark Morton von Lamb of God noch irgendjemand anderes involviert? Wollt ihr die Songs irgendwann auch mal live auf die Bühne bringen?

»Kevin Talley (u.a. Six Feet Under, Daath) ist unser Schlagzeuger und noch ein paar andere Jungs, die früher schon mit Mark gespielt haben.
Wie weit es mit der Band geht… Ich hab keine Ahnung. Ich kann dir folgendes dazu sagen und es fühlt sich für mich auch gut an, das zu sagen: Mark ist der Boss. Und das ist gut, denn ich bin so einfach nur der Sänger. Bei DEVILDRIVER mache ich noch die ganze geschäftliche Seite… ach, im Grunde mache ich alles. Bei Born Of The Storm bin ich einfach nur der Sänger und wenn Mark die Songs live spielen will, sagt er mir Bescheid. Wenn er Songs veröffentlichen will, dann macht er das. Er hat das Sagen. Klar, es darf weder mit Lamb Of God noch mit DEVILDRIVER kollidieren, aber ansonsten hat er komplette Freiheit.«

Du bist mit DEVILDRIVER heute in Münster und die Stadt ist nicht gerade für eine große, lebendige Metalszene bekannt. Wolltet ihr bewusst hier spielen und wenn ja, wieso?

»Wir hatten damit nicht viel zu tun. Unser Booker hat mit den Promotern gesprochen und deswegen sind wir heute hier. Wir spielen überall, wo wir spielen können, denn wenn wir zurückkommen, sind beim nächsten Mal viel mehr Leute da als vorher.
Wir kommen leider nicht für zweieinhalb Monate am Stück nach Europa wie andere Bands, aber das geht bei uns einfach nicht. Wir haben alle Frauen und Kinder und können unsere Familie nicht so lange vernachlässigen.
Aber wir spielen gerne an neuen Orten. In Frankreich haben wir mit voller Absicht viele Venues außerhalb von Paris bespielt und jetzt ist Frankreich eines der Länder in Europa, in dem wir unglaublich gut verkaufen. Wir hoffen, das passiert uns in Deutschland ebenso.«

Reagieren die europäischen Fans anders auf euch und eure Musik als die Fans in eurem Heimatland, den Vereinigten Staaten? Und wenn ja, was sind die Unterschiede?

»Hmm.. Ich sehe in Deutschland ein sehr gemischtes Publikum: Viele Punkrock- und Hardcore-Kids zusätzlich zu den Metal-Kids. Und das ist super. Aber die Reaktionen sind ansonsten auf der ganzen Welt die gleichen.
Wir alle lieben es, in Deutschland zu spielen: Die deutschen Fans lieben ihren Metal! Wenn du zur richtigen Zeit im Jahr hier bist, so wie jetzt, ist es garantiert, dass die Shows gut laufen. Es können 150 oder 1000 Leute sein, die Energie während eines Konzertes in Deutschland kann dieselbe sein. Außerdem erinnert mich Deutschland ein wenig an Los Angeles oder New York: Wenn du es als Band hier schaffst, dann schaffst du es überall in Europa. Und für uns läuft es sehr gut hier in Deutschland, denn wir arbeiten auch sehr hart und wir lieben die deutschen Fans einfach. Und sie uns hoffentlich auch.«

Jeder, der dir auf Twitter folgt, erfährt sehr viel von dir, da du dort sehr offen bist. Hast du jemals darüber nachgedacht, das Rezept für dein allseits geliebtes Chili zu veröffentlichen?

»Oh ja, in der Tat, und ich bin sogar schon in einigen Kochbüchern vertreten (grinst). Meine gefüllten Pilze sind meine große Spezialität und jeder, der sie jemals probiert hat, kann nicht genug davon bekommen. Ich habe das Rezept dafür in einem Rock’n’Roll-Buch veröffentlicht.
Und Twitter benutze ich, weil es einfach großartig ist. Ich kann direkt mit meinen Fans in Kontakt treten und wenn ich einem eine Frage beantworte, dann liest nicht nur er sie, sondern alle meine Follower. Das ist einfach großartig!«

Dez, was ist deiner Meinung nach in der gesamten Metalwelt derzeit die beste aber sträflichst unterbewerteste Band von allen?

»Cancer Bats. Sie sollten viel, viel größer sein. Und nicht nur, weil ich auf dem neuen Album singe (lacht). Sie sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Ich liebe ihren Groove, ich liebe die einfachen Riffs und ihre Rohheit. Sie sind halb Punkrock, halb Metal und das ist super. Im Oktober und November touren wir mit ihnen und Gwar in den Staaten, da ich Gwar empfohlen habe, die Cancer Bats mit auf Tour zu nehmen. Ich freue mich jetzt schon darauf.«

Vielen Dank für deine Zeit und ich wünsche dir gleich einen erfolgreichen Gig!

 

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