Online-MegazineInterview

FEN

Epochaler Sound

Mit ihrem zweiten Album „Epoch“ haben die Engländer FEN ein atmosphärisch und soundtechnisch dichtes Werk im Dunstkreis zwischen epischem Black Metal und Post Rock erschaffen. Im Interview spricht Sänger und Gitarrist The Watcher über die Einflüsse seiner Heimat, menschliches Zeitverständnis und der spannenden Reise in musikalisches Neuland.

Wo ist für euch die Verbindung zwischen den Bandnamen, den Fens und den Lyrics?

»Die Fens (eine Moorlandschaft im Osten Englands, Anm. d. Verf.) sind ein trostloser, isolierter und etwas einsamer Ort. Es ist eine Gegend, die einen zur Selbstbesinnung anregt, ein Ort mit ausgedehntem grauen Himmel, ebenen Feldern und wenigen Belegen, die von der Existenz der Menschheit zeugen. Ich habe meine prägendsten Jahre in dieser Landschaft verbracht und es hatte weitreichende Auswirkungen auf meine Entwicklung als Individuum.«

Die Landschaft hat mein Empfinden von Einsamkeit und Verzweiflung als Teenager auf den Punkt gebracht - gewissermaßen hat es die negative Selbstbetrachtung meiner Psyche personifiziert. Die Lyrics von FEN – im besonderen von „Epoch“ – verleihen diesen Gedanken eine Stimme, wobei die äußeren Dinge als Metapher für das Innere stehen. Darin besteht in der Tat eine starke Verbindung zwischen dem Bandnamen und den Texten unserer Songs.«

Euer 2009er Werk heißt „A Witness For The Passing Of Aeons“, das neue Album trägt den Titel „Epoch“. Warum ist euch dieses universelle Thema der Zeitalter so wichtig?

»Zeit ist ein sehr kraftvolles Konzept - es ist etwas so völlig Grundsätzliches für unsere Existenz, das unsere Spezies erst noch begreifen muss. Unsere Zeitmessung ist unglaublich willkürlich und ich denke, dass es noch sehr viel gibt, dass außerhalb unseres Verstandes liegt. Es hat Wissenschaftler und Philosophen über Jahrhunderte geplagt und wir sind „der Wahrheit“ nicht wirklich näher, falls sie überhaupt existiert.«

Eure Lyrics und die Atmosphäre lassen Bilder aus der Urzeit aufkommen, bevor der Mensch die Natur für sich beanspruchte. Das „Epoch“-Artwork zeigt Natur und vom Menschen geschaffenen Gegenstände nebeneinander. Wollt ihr kritisieren oder nur zeigen, wie die Dinge sind?

»Ich denke, dass wir uns alle nach einfacheren Zeiten sehnen, frei von den erstickenden Zwängen moderner Existenz. Wir möchten alle gern uneingeschränkt von den Gaben der Natur leben können.
Von daher sind die Lyrics und das Artwork nicht so sehr Kritik an der allmählichen Beherrschung der Umwelt durch die Menschheit, sondern mehr eine Beobachtung des Wandels – darüber wie sich Landschaften entwickeln und über die Zeit anpassen. Das hängt wiederum mit dem Album-umfassenden Thema zusammen, wo das Gefühl allmählicher Veränderung als Metapher für die Naturzyklen der Entwicklung für uns als Menschen steht.«

Der Sound von „Epoch“ ist sehr individuell, verhallt und klingt, als ob die Musik sozusagen von ferner herzuschallen scheint. Bedeutet euch Sound und Produktion viel?

»Definitiv. Ich bin für die meisten Produktionsarbeit an unserer Musik verantwortlich und es ist sehr zentral, dass diese die Atmosphäre reflektiert, die wir zu erschaffen versuchen. Für „Epoch“ und auch „The Malediction Fields“ wollten wir einen nebeligen, entfernten Sound. Analog zu den feuchten Nebelfeldern, die über den Fenlands schweben können, wenn es zu dämmern beginnt. Es ist technisch nicht perfekt – die Grenzen meines Equipments und den Limitierungen meiner eigenen Fähigkeiten als Amateur würde das unmöglich machen – aber das stört uns nicht. Ein makelloser, polierter Modern-Metal-Sound würde sich für FEN total fremd anhören. Es ist viel angebrachter für uns, unsere persönliche Vision zu erfüllen, ohne Rücksicht auf Technik.«

In euer Biographie heißt es, dass ihr FEN 2006 gegründet habt, um die kalte Rasanz des Black Metal mit besinnlicheren Einflüssen aus dem Post Rock/Shoegaze-Genre zu verschmelzen. Heutzutage hat sich in diese Richtung eine Art Subgenre entwickelt. Was haltet ihr davon?

»Es ist interessant, denn als wir uns gründeten, kannten wir keine anderen Bands, die diesen Stil verfolgten. Alles was wir kannten, war die erste Welle des Post-Black-Metal (Fleurety, Ved Buens Ende, Arcturus, In The Woods) aber diese Acts tendierten mehr zum Avantgardistischen, während wir – wenn man ein Wort dafür finden muss – eine „künstlerische“ Annäherung wollten. Wir wollten etwas Persönlicheres transportieren, direkter wenn man so will. Unsere ersten Proben waren sehr spannend, denn wir hatten das Gefühl, wirklich in ein neues Territorium vorzustoßen. Erst als wir begonnen haben, Musik an die Öffentlichkeit zu bringen (im besonderen mit dem Release der „Ancient Sorrow“ EP), haben wir von Bands wie Alcest und Altar Of Plagues gehört, mit denen wir verglichen wurden. Erst dadurch wurde uns bewußt, das sich dort eine Art Szene entwickelt.«

Wenn mich eure Musik an eine andere Band erinnert, dann an Agalloch. Sind sie ein Einfluss für FEN?

»Agalloch sind kein direkter musikalischer Einfluss für uns, aber sie sind defintiv eine Inspiration. Sie sind eine weitere Band, die mir vom Hörensagen bekannt war, aber ich habe mich nie hingesetzt und sie mir in Ruhe angehört, bis die Vergleiche aufkamen. Sie sind auf jeden Fall eine exzellente Band und wir hatten die Ehre, ein paar Mal mit ihnen zu spielen. Sie sind in künstlerischer Hinsicht sehr auf unserer Wellenlänge. Trotzdem denke ich nicht, dass wir SO gleich klingen – obwohl ich mich immer geschmeichelt fühle, wenn wir mit Agalloch verglichen werden, gibt es dennoch sehr klare Unterschiede in unserem Sound.«