Online-MegazineInterview

AURA NOIR

Eins mit der Musik

AURA NOIR

20 Jahre AURA NOIR – ein guter Anlass, die Zeit mal ein wenig Revue passieren zu lassen. Auf dem Party.San Open Air haben wir uns Sänger und Bassist Apollyon geschnappt und mitten im Feld über die Zukunft der Band, die Szene in Norwegen und deutschen Black-Thrash geplaudert.

Apollyon, du bist gerade erst am Gelände angekommen. Wie war die Reise?

»Ach, die Reise war laaang, sehr lang. Es ist ja oft so, dass die Reise länger ist als die Show, die man spielt. Eigentlich haben wir erst ganz gut Party gemacht, bis wir dann in den Flieger gestiegen sind, da waren wir plötzlich alle hundemüde und haben geschlafen.«

Gefällt es dir hier? Bist du aufgeregt wegen des Konzerts morgen, oder ist das alles schon zu einer Art Routine geworden?

»Nee, ich bin immer noch aufgeregt vor den Shows. Wir haben zwar schon mal auf dem Party.San gespielt, damals war das aber noch auf einem anderen Gelände. Nun hier Schlotheim zu entdecken, ist auch total spannend, wir freuen uns hier zu sein.«

Wie ist das denn für dich live zu spielen? Bist du nahezu besessen von den Riffs, den Beats und allem was dazu gehört?

»Naja, natürlich ist das die Traumvorstellung, wenn man während eines Gigs total besessen von allem ist, in der Realität sieht das aber oft anders aus. Man muss darauf achten, dass der Sound auf der Bühne cool ist, einen nichts nervt und man sich wirklich auf das reine Musizieren fokussieren kann. Man hat zwar nie in der Hand, wie das Ganze sich dann für die Masse vor uns anhört, aber solange wir zumindest mit allem zufrieden sind, können wir uns voll und ganz auf das Konzert einlassen. Und da wir ja nun schon ziemlich lange unterwegs sind, läuft meistens alles perfekt, oder zumindest gut ab. Dann sind wir wirklich besessen und werden einfach eins mit der Musik.«

2012 hast du mit AURA NOIR ja auf dem Wacken gespielt. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht? Für mich persönlich hat das Ganze nur noch wenig mit Heavy Metal zu tun. Es scheint, als mutiere ein Musik-Festival zu einer Art Kirmes, mit einem Haufen sinnfreier Attraktionen und einer Vielzahl von Leuten, die sich gar nicht wirklich für die Mucke interessieren.

»Hm, natürlich hat das schon noch irgendwie etwas mit Heavy Metal zu tun, aber seltsam ist, dass das Festival bereits ausverkauft ist, bevor überhaupt irgendeine Band bestätigt wurde. Ich glaube, Wacken ist einfach ein riesiges Zusammentreffen von Leuten aus aller Welt. Mein Ding ist es nicht, ich habe da jetzt einmal mit AURA NOIR und zwei mal mit Immortal gespielt, da war es natürlich ganz okay. Aber mich haben gerade mal zwei Bands vom gesamten Billing interessiert und viel zu viele Leute sind da auch. Das ist typisch für Wacken, irgendwie buchen die da überwiegend Scheiße. Das Hellfest in Frankreich dagegen ist zwar auch total groß, dafür haben die aber immer coole Bands am Start. Vielleicht sollte man mal die Organisation von Wacken mit dem Billing vom Hellfest vereinen, dann hätte man ein cooles Festival. Am liebsten gehe ich aber sowieso auf kleinere Festivals wie das Hell's Pleasure oder das Muskelrock.«



Lass uns in eine Zeit zurückreisen, wo Metal noch nicht ganz so dem Mainstream verfallen war, wie heute. 1993 wurde AURA NOIR gegründet. Wie kam es dazu?

»Angefangen hat das als ein Projekt unter Freunden. Wir kannten uns alle vom Abhängen in einigen Clubs in Oslo. Am meisten trafen wir uns in der Elmstreet Rock Bar. Dahinter befand sich ein riesiges Gebäude, das ganz viele Proberäumen beherbergte. Gefühlte 200 Bands haben dort geprobt, auch Bands wie Mayhem oder Satyricon. Viel gefeiert haben wir dort übrigens auch, haha. Naja, wie so oft saßen wir rum, haben das ein oder andere Bier getrunken und sind dann hoch in den Proberaum. Carl-Michael (Aggressor) wollte, dass ich bei einer seiner Ideen die Drums und bei einer anderen Gitarre spiele. Das war aber eher so seltsamer Avantgarde-Kram und als wir uns das Aufgenommene angehört haben, dachten wir nur: “Ach, scheiß drauf. Lass uns einfach geilen Thrash Metal spielen.” Den Namen AURA NOIR haben wir beibehalten, obwohl er eigentlich für das Avantgarde-Projekt gedacht war. Carl hat ihn nämlich von einem der Original-Mitglieder von Infernö bekommen. Naja und so hat das alles dann irgendwie angefangen.«

Wie kamt ihr darauf Black UND Thrash zu spielen? Ich meine, eigentlich hatte in den Neunzigern in Norwegen der Black Metal seine Hochphase. Hast du etwas an dieser Musik vermisst und deswegen einen anderen musikalischen Pfad eingeschlagen?

»Hm, das ist eine lange Geschichte... Eigentlich wollten wir einfach nur Thrash Metal spielen, aber wie du schon richtig erkannt hast, gab es zu dieser Zeit kaum eine richtige Thrasher-Szene. Es gab vielleicht hier und da ein paar Nu-Metal-Acts, aber das ist etwas, was ich nie anfassen würde. Die Thrash-Szene war quasi tot, weil irgendwie jede norwegische Thrash-Band zu dieser Zeit nur Scheiße veröffentlicht hat. Und ich war angepisst, weil jede Band in den Neunzigern angefangen hat den gleichen Mist zu spielen, der zum Beispiel irgendwie nach Darkthrone oder Mayhem klingt. Wir wollten mit AURA NOIR aber anders klingen. Wir sind ja auch mit Thrash Metal aufgewachsen, Bands wie Sodom und Kreator haben uns zu dieser Zeit total fasziniert. Wir wollten einfach genau so etwas böses, dreckiges kreieren und uns vom Weltverbesserer-Thrash und dem scheiß Nu-Metal abgrenzen und dabei kam dann unsere “Black Thrash Attack” heraus.«


Ist ja cool, dass euch auch deutsche Bands so beeinflusst haben. Kennst du denn neuere Black-Thrash-Acts aus Deutschland, die dir gefallen?

»Die ersten Band, die mir da in den Kopf kommt ist Nocturnal. Ach und Ketzer.«

Was braucht denn eine gute Black-Thrash-Band, um dich in ihren Bann zu ziehen?

»Es muss irgendetwas sein, das ich nicht sofort wiedererkenne. Ich will das Gefühl haben, dass ich das vorher noch nie wirklich gehört habe. Außerdem muss der Sound der Drums gut sein, da lege ich großen Wert drauf. Es muss sich so anhören, als ob der Drummer die Scheiße aus dem Schlagzeug prügeln will – ich möchte keinen getriggerten Kram hören. Insgesamt muss das Ganze einfach originell und überzeugend klingen, ich will merken, dass die Band wirklich 100 Prozent gibt. Damit meine ich nicht, dass sie alles perfekt spielen und aufnehmen müssen, sondern, dass da Leidenschaft hinter steckt.«

Bekommst du denn auch viel von der deutschen Metal-Szene mit und könntest du sie mit der in Norwegen vergleichen?

»Naja, eigentlich fokussiere ich mich nicht auf irgendwelche Länder. Ich höre gerne Musik von coolen Bands – wo die her kommen ist mir total egal. Spontan würde ich sagen, dass die Szene in Norwegen ziemlich scheiße ist, aber im Endeffekt kann man das auch für alle anderen sagen, haha. In Deutschland habt ihr auf jeden Fall viel mehr coole Festivals, als wir in Norwegen.
Ich kann aber einfach nur sagen, dass ich generell Szenen mag, in denen Bands sich unterscheiden und nicht alle das Gleiche wollen. Szenen, wo Bands ins Studio gehen und einfach mal experimentieren. Solchen in Massen produzierten Mist kann ich gar nicht ab. Derartige Musik stammt von Leuten, die sich mehr darauf konzentrieren etwas Perfektes zu schaffen, statt etwas, das Charme, Identität und einfach was Brutales und Cooles hat.«

Okay. In Deutschland gibt es also mehr coole Festivals, dafür findet man in Norwegen aber eine wunderschöne Landschaft vor, oder? Hast du einen Lieblingsplatz?

»Absolut. Wir haben so viele schicke Plätze in Norwegen, da kann ich mich nur schwer für einen entscheiden. Generell finde ich die Berge überall beeindruckend. Vor einigen Jahren bin ich mal durch eine Gegend gewandert, die zwischen Oslo und Trondheim liegt. Dort gibt es die höchsten Berge und so 'nen Kram. Ich war dort bestimmt fünf Stunden am Stück unterwegs und habe höchstens einen Menschen in dieser Zeit getroffen, das war super. Ich mag so verlassene Plätze, wo man für sich sein kann. Atemberaubend ist es auch in der gesamten Region von Lillehammer bis Dovre - wo übrigens auch das “Till Dovre Faller”, eines der wenigen guten Festivals in Norwegen, stattfindet. Die Landschaft ist dort der Hammer, die Luft ist so frisch und kalt und der Ausblick von einem Berg, an einem See oder im Wald dort ist einfach grandios.«

Können solche Ausblicke dann auch eine Quelle für neue AURA NOIR-Songs sein?

»Ich denke schon, weil ein Spaziergang dich immer dazu inspirieren kann, irgendwas zu tun. Das ist sowieso etwas total Besonderes: Du läufst da lang und fühlst dich plötzlich einfach ganz klein. Du kannst einfach so weit in die Ferne schauen, ohne auch nur ein Haus, ein Licht zu erblicken. Das ist der Wahnsinn.«

Das stimmt. In solchen Momenten denkt man auch oft über das Leben nach, oder? Wie ist das denn mit AURA NOIR: Ist das für dich “nur” ein Bandprojekt, oder eine Art Selbstverwirklichung?

»Natürlich letzteres. AURA NOIR bedeutet einfach alles für mich.«

Denkst du, AURA NOIR wird es noch weitere 20 Jahre geben?

»Naja, schau dir mal Motörhead an, die machen ja auch immer noch Musik. Also ich denke schon, dass das möglich ist, ja. Wir wollen mit Stil altern, sind aber immer interessiert an neuer Musik und ich glaube, das kann für uns von Vorteil sein. Es ist alles einer Frage der Attitüde. Natürlich werden wir wohl nicht mehr sechs Wochen lang durch die Welt touren und uns wie heute einen kleinen Bus mit Marduk und Satyricon teilen. Man weiß auch nicht, ob die Stimme noch funktionieren wird, vielleicht muss ich dann flüstern oder so, haha. Aber doch, ja, ich glaube wir werden auch in 20 Jahren noch coole Scheiße abliefern.«

Klingt super. Was sind denn eure konkreten Pläne, die in naher Zukunft liegen? Wird es ein neues Album geben?

»Eigentlich wollten wir nächste Woche schon anfangen am neuen Album zu arbeiten. Aber auf der einen Seite sind wir manchmal ein bisschen faul, und andererseits müssen wir noch vieles besprechen und klären. Allerdings haben wir schon eine Menge an neuem Material, nur fest geplant ist noch nichts. Das Gute ist aber: ich war im letzten Jahr fleißig und habe eine Schule besucht, um mich im Fach Musikproduktion zu bilden. Ich war mit dem Sound des letzten Albums nämlich so unglaublich unzufrieden, dass ich fortan meine Musik selber abmischen möchte – und das kann ich jetzt. Das wird sicher interessant.«

Ich bin gespannt. Danke für deine Zeit und das Interview!

»Danke dir!«

Deine letzten Worte an unsere Leser?

»Rock hard, haha! Nee, keine Ahnung. War ein gutes Interview, ging schnell und ich habe die ganze Zeit schon dieses Tier da vorne im Visier (zeigt auf einen schwarzen Fleck in der Ferne). Ist das ein Hund? Oder ein Wildschwein? Egal, lass es uns schnappen!«

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

CAULDRON + AURA NOIR + (DOLCH) + MALICIOUS + NEKROMANTHEON + OBLITERATION + POSSESSION + RANGER + DROWNED + BLACK MAGIC + u.v.m.25.05.2017
bis
26.05.2017
Berlin, CassiopeiaLIVE EVIL BERLIN Tickets
AMON AMARTH + AVANTASIA + KREATOR + MAYHEM + SALTATIO MORTIS + PARADISE LOST + HEAVEN SHALL BURN + LACUNA COIL + POWERWOLF + CANDLEMASS + u.v.m.03.08.2017
bis
05.08.2017
WackenWACKEN OPEN AIRTickets
URFAUST + MARDUK + OVERKILL + DESASTER + MISTHYRMING + MOURNING BELOVETH + VADER + ABBATH + AZARATH + MANTAR + u.v.m.10.08.2017
bis
12.08.2017
Schlotheim, Flugplatz ObermehlerPARTY.SAN OPEN AIRTickets