Online-MegazineInterview

HATE SQUAD

Ein offenes Gespräch

Eigentlich wollten wir mit Burkhard Schmitt, dem Sänger von HATE SQUAD, ein ganz normales Interview zum neuen Album „Katharsis“ führen. Eigentlich. Doch dann öffnete Burkhard sein Herz und seine Seele und sprach Dinge aus, die seit Jahren in ihm brodeln und die er noch nie jemandem erzählt hat. Und deshalb bekommt er hier nun auch den Raum dafür, den seine Worte verdient haben.

Burkhard, welche tiefen Narben hat die Geschichte von HATE SQUAD denn bei dir hinterlassen?

»(lacht) Du fängst ja gleich heftig an! Ich sag mal so: Wenn man so was über 18 Jahre macht und nicht nur Höhen, sondern auch viele Tiefen hinter sich hat, dann bleibt da schon die eine oder andere Blessur zurück. 1995 auf der Tour mit Kreator habe ich mir z.B. beim Stagediven in Frankreich zwei Lendenwirbel gebrochen und die restlichen 45 Shows dennoch durchgezogen. Schließlich hatte ich damals meinen Traumjob bei SPV für die Show geschmissen, da wollten wir nicht nach vier Tagen die Tour abbrechen.«

Mit genau diesem Opener, 'Deep Scars', leitet ihr „Katharsis“ ziemlich ungewöhnlich ein. Wie kam es dazu?

»Ach, daher die Frage nach den Narben (lacht). Eigentlich ganz spontan. Wir haben auf dem Album drei akustische Songs verteilt, die zwar allesamt relativ kurz, aber dennoch eigenständig sind. Es ist auch mal was anderes, ein heftiges Album so einzuleiten. Viele andere Bands haben ein düsteres, bedrohliches Intro und wir nun eben ein akustisches Intro mit spanischem bzw. mexikanischem Touch. Sozusagen die Ruhe vor dem Sturm.«

Ihr wurdet mit euren ersten Alben als Death/Thrash gelabelt, werdet nun aber als Metalcore verkauft und auch von Metalcore-Bands als Wegbereiter der Szene in Deutschland genannt. Wo ordnest du dich selber eher ein?

»Diese Frage kriege ich momentan in jedem Interview gestellt (lacht). Schon 1993 haben wir auf unseren Konzertflyern Begriffe wie „Metalcore“, „Deathcore“, „Hardcore/Thrash Metal“ und alle anderen, möglichen Bezeichnungen benutzt. Uns als Band ist es relativ egal, wie die Leute uns betiteln. Früher hieß das so oder so alles Crossover (lacht). Für HATE SQUAD sind und waren drei Säulen immer ganz wichtig: Thrash Metal, Death Metal und Hardcore/Punk. Unsere Songs setzen sich immer aus diesen drei Säulen zusammen, von daher ist es bestimmt nicht falsch, wenn in der Bezeichnung irgendwie die Worte Metal und Core vorkommen.
Und ja, es stimmt, dass viele Metalcore-Bands uns heute als maßgeblichen Einfluss nennen. Dennoch ist es schon auffällig, dass wir zum Beispiel auf Wikipedia zwar als die Wegbereiter der Metalcore-Szene in Deutschland bezeichnet werden, aber wenn es in irgendeinem Magazin einen Bericht über diese Szene gibt oder die Geschichte des Metalcore in Deutschland aufbereitet wird oder ähnliches, wir nirgends erwähnt werden. Deswegen ist es mir mittlerweile auch egal. Wir machen einfach harte, aggressive Musik, die sich aus diesen drei Säulen zusammensetzt. Sollen die Leute es betiteln, wie sie wollen. Man kann als Band sowieso nichts dagegen machen.«

„Katharsis“ erscheint auf Massacre Records und damit wieder auf einem namhaften Label. Siehst du die Scheibe als Comeback-Album oder wart ihr nie weg?

»Also, das kann ich dir ganz deutlich sagen und muss ich jetzt auch hier ein für alle Mal feststellen: Wir haben uns im April 1993 gegründet und seitdem gibt es HATE SQUAD ununterbrochen! Ohne Auflösung, ohne Pause, ohne auch nur überhaupt mal einen Monat darüber nachzudenken, ob wir Schluss machen oder nicht. Alles andere sind Gerüchte oder es wurde nicht vernünftig recherchiert. Wenn wir mal drei oder vier Jahre nicht präsent waren, dann hat niemand mal bei uns angefragt, was denn nun Stand der Dinge ist, sondern es hieß gleich: „Die gibt es nicht mehr“ oder „Die haben sich aufgelöst.“
1999/2000, als wir gerade im Songwriting für die nächste Platte waren und es leider auch zusätzlich sehr viele Todesfälle im Bandumfeld gab, habe ich per Zufall auf Ebay eine DVD von unserem alten Label Gun Records gefunden, die Götz Kühnemund moderiert hat. Auf der DVD sagt Götz dann unser Video mit folgenden Worten an: „Und nun kommt ein Videoclip einer tollen Band, die es leider auch schon nicht mehr gibt, was echt schade ist.“ Götz war uns ja immer wohlgesonnen. Ich saß dann hier und dachte, einerseits ist es schön, dass er sich so positiv über uns äußert, aber auf der anderen Seite hätte er mich doch auch mal anrufen und nachfragen können. Wir hatten mit dem Rock Hard in den Neunzigern so engen Kontakt aber niemand hat sich in der Zeit gemeldet. Ich hätte mich in der Zeit aufhängen können und niemand hätte es mitgekriegt.
Und es ärgert mich einfach, dass damals von allen Leuten gesagt wurde, dass es uns nicht mehr gibt, aber im Endeffekt hat es niemand richtig gewusst, sondern nur vermutet. Obwohl es uns immer gegeben hat. Es kommen deswegen heute sogar Leute zu mir, die mir das nicht glauben! Die sind fest davon überzeugt, dass ich sie anlüge, wenn ich denen sage, dass es uns immer gegeben hat. Obwohl ich es ja am besten wissen muss, denn ich war von Anfang an dabei.
Und Comeback-Album… Seit 2004 veröffentlichen wir regelmäßig alle drei/vier Jahre ein Album. Wir sind eben keine 18 mehr und außer mir kann sich der Rest der Band eben nicht mehr den ganzen Tag um die Band kümmern, da sie alle feste Jobs, Familie und Kinder haben. Da wird der Zyklus der CD-Veröffentlichung schon mal etwas länger. Metallica, Kreator oder Exodus bringen auch nicht jedes Jahr ein neues Album raus und werden auch nicht nach ihrem Comeback gefragt.
Klar, zwischen der „Pzyco!“ und der „H8 For The Masses“ lagen sieben Jahre. Das lag aber daran, dass unser damaliger Gitarrist ausgestiegen, Mark wieder zu uns zurückgekommen und Martin (Blankenburg/Gitarre – ch) neu dazugekommen ist. Wir haben dann 25 fertige Songs in die Tonne gekloppt und haben komplett von vorne angefangen. Und in genau diesen Jahren gab es die ganzen Todesfälle, die ich schon erwähnt habe.
Ja, wir hätten diese Songs einfach 2000/2001 veröffentlichen können, dann hätte es dieses ganze Thema nie gegeben. Aber wir hatten zwei neue Gitarristen und wollten, dass jeder in der Band zufrieden ist und sie nicht einfach Zeug von jemandem spielen müssen, der gar nicht mehr in der Band ist. Deswegen haben wir alles von vorne gemacht.
Gut, rückblickend war das vielleicht ein Fehler und wir hätten die Sachen einfach veröffentlichen sollen. Aber das alles erklärt jetzt endlich auch mal die lange Pause zwischen den Platten.
Heutzutage habe ich eh das Gefühl, dass die meisten jungen Bands auf Teufel komm raus jedes Jahr eine neue Scheibe veröffentlichen. Wahrscheinlich aus Angst, dass sie sonst weg vom Fenster sind.«

Ein Zeichen unserer schnelllebigen Zeit…

»Genau. Aber ich kann aus Eigenerfahrung sagen, wenn man immer Vollgas gibt, alles für die Band macht, aber dann nicht immer alle mitziehen können – mal bekommt der eine ein Kind oder der andere verliert seinen Job und braucht einen neuen – dann steht man irgendwann an dem Punkt, an dem man keine Band mehr hat. Und genau deswegen lösen sich viele Bands nach zwei oder drei erfolgreichen Alben vollkommen zerstritten auf. Man muss sich einfach auch Ruhephasen gönnen.
Ich habe viele Bands uns weit überholen sehen, aber mittlerweile gibt es die meisten davon nicht mehr. Das gibt uns vielleicht dann doch wieder recht, denn wir existieren immer noch, wir sind immer noch Freunde und haben immer noch Spaß daran. Wir haben uns vielleicht auch in den ersten fünf Jahren zu sehr unter Druck setzen lassen und das wollen wir nicht mehr. Wenn Massacre Records jetzt zu uns gesagt hätte: „Ihr müsst jetzt aber... und hier… und jetzt aber schnell…“, dann hätten wir wohl gesagt: „Leute, macht keinen Stress und sucht euch jemand anders!“ Dann hätten wir es halt selber gemacht.«

Du hast es jetzt mehrmals angedeutet: Von der Musik leben könnt ihr nicht, richtig?

»Richtig. Es gab mal zwei, drei Jahre, in der jeder in der Band ausschließlich von der Band gelebt hat. Ich denke auch, wenn sich jeder in der Band ausschließlich nur darauf konzentrieren würde, kämen wir auch mit viel harter Arbeit und viel Energie wieder dorthin. Dann spielst du mehr Konzerte, verkaufst dadurch mehr Merchandise und so weiter. Das ist ja wie eine Lawine, die du in Gang setzt.
Wir sind aber alle keine Dummköpfe und außer mir haben alle anderen feste Jobs. Ich habe mich die letzten vier, fünf Jahre wieder mehr auf die Musik konzentriert und möchte jetzt mein altes Baby „Violent Propaganda“ wieder an den Start bringen und mich wieder selbstständig machen. Klar würde ich deutlich mehr verdienen, wenn ich mir einen festen Job suchen würde, aber ich will es nochmal versuchen. Ich habe auch keine Kinder, das ist bei zwei von uns anders und da kann ich die anderen auch absolut verstehen, weil sie noch für jemand anderen außer sich selbst in der Verantwortung stehen.
Klar, ich hätte vor zehn Jahren sagen können: „Leute, ich will richtig nach vorne, für euch sind andere Dinge wichtiger, also verlasst bitte die Band und ich suche mir andere Musiker“. Wahrscheinlich wäre ich dann auch an einer ganz anderen Position, als ich es heute bin. Aber für uns war immer die Freundschaft wichtig. Wir haben als Freunde angefangen und obwohl es kaum etwas gibt, das mir wichtiger ist als diese Band, steht eine Freundschaft dort immer noch drüber.
Du stocherst da auch gerade in alten Wunden rum, denn ich war damals der Typ, mich hättest du in einen Tourbus sperren können und ich wäre da ein Jahr lang nicht mehr ausgestiegen. Von daher habe ich es von allen am wenigsten verkraftet, dass es jetzt nicht mehr so ist wie früher. Ich musste sehr damit kämpfen, denn ich habe mein ganzes Leben für die Band geopfert. Ich habe meinen Traumjob damals dafür hin geschmissen, etliche Beziehungen sind daran zerbrochen und wenn du dann siehst, dass es alles nichts gebracht hat, ist es schon manchmal ein bisschen bitter. Für mich ist diese Band mein Leben und ich sag dir ganz ehrlich: Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug mit dieser Band zu tun haben. Und wenn ich mit 65 in meinem Sessel sitze und meine alten Proberaumaufnahmen beschrifte. Es ist schon eine harte Zeit zu sehen, dass es nicht mehr so nach oben geht wie früher. Natürlich gibt es dafür auch Gründe, aber ich habe immer mein Bestes gegeben, bis weit über meine finanziellen, gesundheitlichen und emotionalen Grenzen hinaus.«

Das ist ja auch richtig so, schließlich muss man sich immer selbst in die Augen sehen können. Und du kannst immer sagen, dass du das getan hast, was du tun wolltest.

»Genau. Das macht mich auch aus. Natürlich gibt es Freunde, die zu mir kommen und fragen, ob es nicht eventuell doch besser wäre, wenn ich mir mal wieder einen festen Job suchen würde. Und natürlich, wenn man diese Sicherheit nicht hat, hat man auch finanziell starke Schwankungen in seinem Leben. Besonders die letzten fünf Jahre waren alles andere als leicht für mich. Aber ich bin da auch so stur, dass ich sage: „Ich ziehe das durch, und wenn ich dabei draufgehe, ist mir scheißegal!“ Das können nicht alle Menschen verstehen, gerade wenn man zum Beispiel eine Freundin hat. Die möchte dann mit einem in den Urlaub fahren und du denkst nur daran, wie du das Studio bezahlt bekommst.
Das alles ist oft ein Kampf, aber für mich ist das ganze Leben ein Kampf. Wenn nicht damals so viel Schimpf und Schande und Schadenfreude über uns hereingebrochen wäre, hätte mich das heute vielleicht nicht so stark gemacht.«

Schimpf und Schande aus welcher Ecke?

»Eigentlich aus jeder Ecke. Du weißt ja: „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!“ Weißte, die einen konnten uns von Anfang an nicht ab und haben sich gefreut, dass es bergab geht mit uns und für die anderen waren wir die absolute Hoffnung und die waren dann total angepisst, dass wir es versaut haben.«

Habt ihr es denn versaut?

»Sagen wir es so: Wir mussten an gewissen Punkten Entscheidungen treffen und da sind vielleicht zwei-, dreimal nicht die richtigen Entscheidungen getroffen worden. Da habe ich mich damals auch von anderen Leuten zu sehr bequatschen lassen. Hätte ich mich damals so sehr dagegen gestemmt, wie ich es eigentlich wollte, dann wären diese Sachen nicht passiert und dann wären wir wahrscheinlich überhaupt nicht abgestürzt, sondern dann wäre es richtig nach oben gegangen.
Kurz vor der Kreator-Tour 1995 verließ uns Mark und dafür brauchten wir einen Ersatz. Mit diesem Ersatz ging dann die nächsten zwei Jahre alles bergab, auch durch sein Zutun. Dadurch, dass dieser Mensch dazu kam, sind viele Dinge passiert, die ich hätte splitten müssen. Aber ich habe mich einlullen lassen, auch weil ich auf zu viele Leute gehört habe. Als unser Vertrag mit Gun auslief, wurde dieser nicht neu verlängert und so ist dann nach und nach alles zusammengebrochen.
Unser damaliger Manager Andy Siry war damals auch einer meiner besten Freunde. Leider hatte sich die Band dazu entschlossen, sich von ihm zu trennen und als Sprachrohr der Band musste ich ihm diese Meldung überbringen, obwohl ich dafür gestimmt hatte, dass er unser Manager bleibt. Daran ist unsere Freundschaft zerbrochen und die beiden Leute, die eigentlich dafür verantwortlich sind, dass er gegangen wurde, sind schon seit über zwölf Jahren nicht mehr in der Band. Und ich muss das heute immer noch ausbaden.«

Die Freundschaft mit Andy hast du also nicht wieder kitten können?

»Ich habe es mehrmals versucht. Es steht da auch immer noch etwas zwischen uns, was man nicht so einfach kitten kann, aber ich bin ihm gegenüber immer noch genauso eingestellt wie damals und habe ihm nichts vorzuwerfen und habe immer noch Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser wird, als es die letzten Jahre der Fall war.
Das ist… Alles was bei HATE SQUAD kacke läuft, wird immer mir in die Schuhe geschoben und wenn ich es nicht angelastet bekomme, dann bekomme ich es aber zu hören. Ich bin das Sprachrohr, das Gesicht, der Kopf der Band und bekomme deswegen immer alles ab.
Als es mit uns Ende der 90er bergab ging, wurde ich sogar mehrfach tätlich von diversen Leuten angegriffen, die mit mehreren Leuten gleichzeitig auf mich losgegangen sind. Ich kannte die Leute gar nicht, hatte sie nie zuvor gesehen. Ich habe auch über mehrere Jahre hinweg massive Morddrohungen bekommen.«

Moment… Wegen der Musik? Wegen HATE SQUAD?

»Ja klar. Ich sag dir mal ganz ehrlich: All die Sachen die bei uns passiert sind, so was zum Beispiel, das hat kein einziges Magazin je aufgegriffen und nie darüber berichtet oder Stellung bezogen. Aber von jedem Hans-Franz wird berichtet, ob er Durchfall hat oder so, wenn er denn ausreichend Platten verkauft, weißte? Gerade das Rock Hard hat mich damals so massiv unterstützt, wir haben mit Frank (Albrecht – ch) und Götz zusammen gesoffen und alles. Und gerade in dieser harten Zeit Ende der Neunziger, in der ich echt massiv bedroht und angegriffen wurde, in der meine Freundin und meine Eltern verstorben sind, in der über meine Band der Hohn und Spott ergossen wird, da hat sich niemand auch nur einmal gemeldet, so dass ich mich echt fallen gelassen gefühlt habe.
Da braucht mich auch niemand fragen, woher meine Wut kommt. Ich werde diese Scheiße so lange weitermachen, bis ich aus dem letzten Loch pfeife, alleine damit ein paar Leute abkotzen, das kannst du mir glauben! Und damit meine ich jetzt nicht das Rock Hard, sondern die Leute, die mich tätlich angegriffen haben.
Weißte, als wir damals unseren Gitarristen in Bayern hatten, da waren wir zu einer Party auch dort und ich wollte mit meiner damaligen Freundin Sonntag morgens zurück nach Hause fahren. Und bevor wir in das Auto einsteigen konnten, sind drei Leute - teilweise ganz schöne Kanten - auf mich los und haben mich zusammengeschlagen. „Da isser! Deine Kackband! Du bist an allem schuld!“ und PAFF ging es los.
So was ist mir Ende der 90er, Anfang der 2000er sieben- oder achtmal passiert, zusammen mit den Morddrohungen. Die Leute haben teilweise bei meinen Eltern zu Hause angerufen und gedroht, dass sie mich wegen der Band umbringen.«

Das ist echt harter Tobak, den du hier erzählst und es ist sehr mutig, dass du damit nun an die Öffentlichkeit gehst.

»Weil es auch einfach niemand bisher wusste. Als sich nach der Kreator-Tour das Loch so langsam auftat, weißte wer sich da als einziger bei mir gemeldet hat? Mille. Der hat mich echt zu Hause angerufen und gefragt, wie es mir geht, weil ich durch die Tour damals meinen Job und meine Traumfrau verloren habe. Das werde ich ihm nie vergessen.
Meine Eltern hatten eigentlich von Anfang an Drohungen bekommen, sowohl aus der rechten als auch aus der linken Szene. Die einen wussten, dass wir keine Nazis sind und die anderen dachten, wir sind welche. Meine Mama hat mir irgendwann ganz schockiert erzählt, dass nachts um vier Uhr Leute angerufen haben mit: „Wir werden euch alle vergasen! Wir brennen euch die Bude ab!“ und so einem Mist. Meine Eltern wussten ja gar nicht was los ist. Ich Dummkopf hab damals als junger Kerl einfach die Telefonnummer von zu Hause ins Booklet gepackt, da habe ich doch nicht an so eine Scheiße gedacht. Das waren auch nicht alles leere Drohungen, denn aufgrund der Morddrohungen hat die Polizei damals ermittelt und ist davon ausgegangen, dass Leute dahinter stecken, die bereits durch Gewaltverbrechen aufgefallen sind. Die Polizei selbst hat mir damals schon gesagt: „Wenn du mit HATE SQUAD weitermachst, dann wird dir was passieren.“ Und so ist es Jahre später ja auch gekommen.«

Schockierend.

»Jahre später ergeben die Dinge manchmal Sinn. Es gab mal einen bitterbösen Leserbrief über uns, der damals bei euch im Rock Hard abgedruckt war und ich habe dann herausgefunden, dass der Leserbriefschreiber a) eine eigene Band hatte, mit der er nichts geschissen bekommen hat und b) auf meine damalige Freundin scharf war. (lacht)
Vielleicht war ich mit meiner Fratze auch einfach zu oft im Fernsehen und war auch zu selbstsicher aufgrund unseres Erfolges. Ich weiß heute noch konkrete Sätze auf Viva, die ich besser niemals gesagt hätte und die ich auch bereue. Auch wenn ich nur gesagt habe: „Wem die Musik nicht gefällt, der soll sich einfach die Platte nicht kaufen“, dann wurde mir das als Arroganz ausgelegt und ich habe Briefe bekommen, in denen die Leute sich darüber beschwert haben und ab jetzt keine CDs mehr von uns kaufen wollten.«

Es ist gerade alles für mich nicht nachvollziehbar. Wenn mir ein Album einer Band nicht gefällt, dann kaufe ich mir das Album eben nicht. Wenn ich eine Band nicht (mehr) leiden kann, dann kaufe ich eben nichts mehr von der Band. Aber was muss denn bitte schief gelaufen sein, dass ich auf die Idee komme, deswegen den Bandmitgliedern Gewalt anzutun?

»Richtig, so sehe ich das auch. Letztendlich soll doch jeder in seinem Leben das tun, was ihm gefällt und was ihn glücklich macht, solange er damit keinem anderen schadet usw. So ist ja eigentlich auch der Grundgedanke unseres ganzen Zusammenlebens.
Wenn sich da manche nicht dran halten wollen, was will man machen? Ich hatte mich eine Weile sogar darauf eingestellt und bin ein Jahr lang nicht mehr ohne Gaspistole aus dem Haus gegangen. Oder ich rechne damit, dass irgendwann mal aus irgendeiner Ecke was angeflogen kommt und dann war es das vielleicht.
Das alles klingt jetzt vielleicht dick aufgetragen, aber weißte, ich erzähle dir das hier nicht, um mich wichtig zu machen oder sonstiges. Ich habe es bis jetzt niemandem erzählt und heute lasse ich es einfach mal raus. Ich bin noch nicht mal 40 und was man alles schon an Höhen und Tiefen erleben musste… Manchmal ist das alles einfach nur unglaublich.«

Burkhard, vielen, vielen Dank für deine offenen Worte und ich drücke dir ganz persönlich die Daumen, dass die nächsten Jahre deines Lebens sich positiv entwickeln!

Wer mit Burkhard und HATE SQUAD direkt in Kontakt treten will, kann dieses hier tun: http://www.hsosd.com