Online-MegazineInterview

THE NEW ROSES

Ein Mann mit einer Idee

THE NEW ROSES

Obwohl THE NEW ROSES noch eine relativ junge Band sind, haben die Jungs um Sänger Timmy Rough schon einige positive wie negative Aspekte des Business kennen gelernt. Neben dem gelungenen Debütalbum „Without A Trace“ und dem damit verbundenen Plattenvertrag haben die Rheingauer aber auch schon die Schattenseiten des Business kennen gelernt. Der sympathische Frontmann klärt uns darüber auf, warum er die Kritik am Debüt völlig entspannt sieht und keinen Schimmer hat, wie man es auf den „Sons Of Anarchy“-Soundtrack geschafft hat.

Timmy, ihr habt für euer Debütalbum „Without A Trace“ durchweg gute, aber keine überschwänglichen Kritiken einfahren können. Was fehlt dem Album deiner Meinung nach?

»Ich bin da ganz entspannt. Es ist ja so, dass es sich bei dem Album um unser Debüt handelt und einige Songs schon zehn Jahre alt sind. Genau genommen befinden wir uns mit der Band bereits auf einem ganz anderen Level und wir wissen heute, was wir wollen und was nicht. Ich denke, woran wir noch mehr arbeiten müssen und das auch tun, ist eigenständiger zu klingen. Man kann zuweilen noch hören, dass es das erste Album ist, bei dem alles noch etwas wackelig klingt.«

Ich habe gelesen, dass ihr das Album noch einmal neu einspielen musstet. Wie kam es denn dazu?

»Wir sind damals einen Produzentenvertrag eingegangen und hatten dazu noch die Gelegenheit in einem sehr geilen Analogstudio aufzunehmen. Wir fanden das ziemlich cool – zunächst. Wie es aber manchmal so ist, gab es im Nachhinein Streitigkeiten mit dem Produzenten, so dass wir zum Ende nur noch über Anwälte kommunizierten. Dadurch gingen uns quasi eineinhalb Jahre verloren, in denen wir an dem Album gearbeitet hatten. Zudem waren wir vollkommen pleite und standen auf der Straße. Zu dem Zeitpunkt lag durchaus ein wenig Abschiedsstimmung in der Luft. Immerhin hatten wir neun Jahre auf die Möglichkeit einer Plattenproduktion hingearbeitet, nur damit es dann gleich in die Hose ging. Trotz der Frustration wollten wir aber noch einen Versuch unternehmen, haben unser letztes Geld zusammengekratzt und in einer umgebauten Garage das Album erneut aufgenommen.«

Wie viel Vorwissen hattet ihr denn, was Albumproduktionen angeht? Der zweite Anlauf scheint ja folglich in Eigenregie stattgefunden zu haben.

»Ehrlich gesagt, war auch das ein erster Versuch. Natürlich hat jeder im Laufe der Jahre schon den einen oder anderen Trick aufgeschnappt, aber im Prinzip war das Neuland für uns. Von daher sind wir auch Markus Teske (Bazement Studio - cb) für seine Hilfe sehr dankbar. Natürlich hört man heraus, dass kein Rick Rubin an den Reglern saß, genauso wie man der Platte auch den Zeitdruck, unter dem wir gestanden haben, anhören mag. Ein erfahrener Produzent hätte aus dem Album sicherlich noch mehr raus holen können. Andererseits hätten wir das Album nicht veröffentlicht, wenn wir uns nicht sicher gewesen wären, dass das Ergebnis gut genug ist. Wir sind zufrieden mit dem Album, stolz darauf und froh, dass wir das Ruder noch herumgerissen haben. Die damalige Zeit war doch eine sehr emotionale für uns.«

Kann ich mir vorstellen. Wie sieht es mit den Einflüssen von THE NEW ROSES aus? Auf dem Debüt erinnern einige Songs an Nickelback, andere an neuere Bon Jovi und auch härtere Sachen habt ihr in petto. Ist dir dieses breite Spektrum beim Schreiben wichtig?

»Aus meiner Sicht lässt sich das glücklicherweise nicht vermeiden, da wir als Musiker innerhalb der Band aus ganz verschiedenen Ecken kommen. Weiterhin ist unsere Schnittmenge, was Bands und Einflüsse angeht, recht groß. Wenn ein iPod im Tourbus auf „Shuffle“ steht, fördert das ganz unterschiedliche Sachen wie Social Distortion, Bruce Springsteen, Brad Paisley, Ray Charles oder Metallica und Pantera zu Tage. Das beweist, dass es einfach unglaublich viele Stile gibt, die mich interessieren und beeinflussen. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, dass wir diese unterschiedlichen Elemente in den Songs noch besser kombinieren.«

THE NEW ROSESBands werden immer gerne einem bestimmten Genre zugeordnet. Wenn du müsstest, in welchem würdest du THE NEW ROSES verorten?

»Schlicht und einfach Rock 'n' Roll. Das spiegelt unsere Lebenseinstellung wider und deshalb sehen wir uns als Rock-'n'-Roll-Band. Wie andere Leute das beurteilen, interessiert uns eigentlich nicht, da wir uns, wie gesagt, als solche empfinden. Früher haben wir unsere Musik auch ab und zu als Power-Blues bezeichnet, da meine Art Gitarre zu spielen und zu singen sehr blueslastig herüberkommt. Im Prinzip spielen wir aber Rock 'n' Roll.«

Für eine deutsche Band klingt ihr sehr amerikanisch. Ist das Zufall, oder spekuliert ihr bei entsprechender Promotion auf den Erfolg in Übersee?

»Nein, überhaupt nicht. Eine solche Berechnung oder dergleichen spielt dabei gar keine Rolle. Unsere Musik ist eine komplette Herzensangelegenheit. Mit 13 oder 14 Jahren habe ich eine The Black Crowes-Platte geklaut, nur weil ich das Cover cool fand. Welche Art von Musik die Leute machten, wusste ich gar nicht. Als darauf ziemlich schnell die „Live In Donington“ von AC/DC raus kam, war es dann um mich geschehen. Der britische Rock hingegen hat mich nie so richtig gekickt. Klar, gute Sachen sind auch dort zu finden, aber mir fehlt dabei oft das dreckige Element. Lieber The Rolling Stones als The Beatles, wenn du mich so fragst (lacht). Generell haben wir uns aber auch noch gar nicht mit der Idee auseinander gesetzt, ob THE NEW ROSES irgendwem in den USA gefallen würde. Keine Ahnung, ob da mal was geht.«

Hast du eigentlich schon was bezüglich Verkaufszahlen gehört?

»Mit dem Thema Euros habe ich gar nichts zu tun. Mir ist zu Ohren gekommen, dass alles super läuft, beziehungsweise besser als erwartet und das genügt mir. Ich kümmere mich eher darum, dass genug Material für die nächste Platte da ist. Dadurch fehlt mir komplett der Nerv, mich mit irgendwelchen Tabellen auseinander zu setzen (lacht).«

Das könnte auf der anderen Seite aber durchaus auch nach hinten los gehen. Gerade im Musikbusiness gibt es nicht wenige Leute, die sich an einer jungen Band gerne bereichern.

»Ich sagte ja auch nicht, dass sich niemand darum kümmert (lacht). Es hat sich in den letzten Jahrzehnten so entwickelt, dass dafür unser Drummer den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und die geschäftliche Seite akribisch überwacht (lacht). Aber auch wir haben unsere Lektion bereits lernen müssen, weshalb alles, was von außen kommt, im Sinne der Band genau geprüft wird. Schlimm wäre es, wenn jemand aus der Band sein eigenes Ding durchziehen würde. Das wäre ein krasser Vertrauensbruch. Zum Glück verhindert das bei uns der Rock-'n'-Roll-Faktor, denn wir sind eine Familie und halten zusammen.«

Liegt dir ein Song von „Without A Trace“ besonders am Herzen?

»Ganz klar der Titelsong, weshalb er auch eben dieser geworden ist. Die Nummer habe ich für einen meiner besten Freunde geschrieben, einem Soldaten bei der US-Army. Von ihm habe ich erfahren, was man als Soldat alles mitmachen muss. Diese Beschreibungen haben mich dann über Monate nicht mehr los gelassen und so habe ich versucht, das Ganze über die Lyrics etwas auf mich zu beziehen. Das wiederum führte zu der Erkenntnis, dass ich eine Kriegssituation psychisch keine zehn Minuten aushalten würde. Das war schließlich die Initialzündung für den Song. Ich habe versucht mich in einen Soldaten hinein zu versetzen, aber mit meinen eigenen Gefühlen. Deshalb ist der Song für mich eine Herzensangelegenheit. Als Songwriter könnte ich dir natürlich zu jedem der Songs eine schöne Geschichte erzählen, aber der Titeltrack ist schon etwas Besonderes.«

Als alleiniger Songwriter stehst du besonders im Fokus. Spürst du Druck, wenn du an neues Material für die nächste Platte denkst?

»Es gab da tatsächlich einen kurzen Augenblick nach unserer Releaseparty, als mich unser Manager Ole auf ein Bier zur Seite genommen hat und meinte, dass ich zwar für das aktuelle Material 28 Jahre Zeit hatte, für das Komponieren neuer Songs aber nur sechs Monate. Da ist mir kurzzeitig das Bier im Hals stecken geblieben (lacht). Ich glaube, wenn man sich selbst Druck macht, haut das nicht hin. Zumindest bei mir nicht. Ich versuche mich von allem Ballast zu befreien und nicht an irgendwelchen Druck zu denken. Trödeln darf man aber trotzdem nicht, sonst setzt besagter Druck doch irgendwann ein. Für mich heißt das, dass ich wieder vermehrt mit offenen Augen durch die Welt gehen muss, um mir Inspiration zu holen. Zumindest hoffe ich, dass es auf diese Weise funktioniert (lacht). Eigentlich gibt es doch nichts Schöneres, als quasi aus dem Nichts heraus einen Song zu erschaffen. Das finde ich immer geil. Selbst, wenn man stolz wie Oskar in den Proberaum kommt, die Band den Song scheiße findet und man ihn noch einmal bearbeiten muss, ist dieser Entstehungsprozess durch nichts zu ersetzen (lacht).«

Wie habt ihr es eigentlich auf den Soundtrack zu der Serie "Sons Of Anarchy" geschafft?

»Puh, keine Ahnung (lacht).«

Na dann...

»Nein, ernsthaft. Auf dem Sampler ist 'Without A Trace' zu hören, und dass die Nummer dafür höchst prädestiniert ist, war uns allen klar. Dass wir es tatsächlich auf den Soundtrack schaffen würden, hatten wir allerdings nicht gedacht und es ist im Wesentlichen wohl unserem Manager zu verdanken. Der scheint irgendwann mal irgendwo mit dem richtigen Typen ein Bier getrunken zu haben (lacht). Als unser Manager Ole mich darüber informierte, dass wir auf dem Soundtrack sein werden, war ich total baff und habe gar nicht gefragt, wie es dazu gekommen ist. Das war mir in dem Moment aber auch scheißegal (lacht). Das war einfach eine geile Aktion und kam auch der Band zugute. Es war schon alleine bezogen auf unsere Glaubwürdigkeit ein Statement. Wir sind zwar eine junge Band, aber wir wissen, was wir da tun. Ich würde sagen, dass wir in der Hinsicht viel Glück hatten und einen Mann mit einer Idee.«

Ich habe hier und da schon gehört, dass du gerne eine Lanze für das gute alte Vinyl brichst. Was macht den Reiz der großen schwarzen Scheibe für dich aus und warum sollten auch jüngere Fans zu Vinyl greifen?

»Für mich persönlich gibt es da verschiedene Aspekte, die aber alle gleich wichtig sind. Zum einen fällt mir immer wieder auf, was es im Vergleich mit einer CD oder mp3 soundmäßig für einen Unterschied macht. Anhand unseres Albums kann ich das recht gut erklären, da ich jeden Ton auf der Platte kenne. Ich habe die Platte auf jedem Format gehört und als unlängst unsere Schallplatten ankamen, ist mir zuhause vor dem Plattenspieler klar geworden, dass das nochmal einen vollkommenen anderen Klang ergibt. Zum einen klingt die Musik hier viel dreidimensionaler, viel tiefer und man hat das Gefühl, die Band würde direkt vor einem stehen. Die zweite Sache ist, dass beim Abspielen von Vinyl das Hören von Musik an sich wieder einen höheren Stellenwert erhält. Vinyl hast du nicht auf deinem Handy dabei, nicht beim Joggen oder dergleichen. Man setzt sich bei Vinyl bewusst hin und hört die Musik. Eben fast so wie früher, wenn man sich mit Freunden traf und Platten hörte. Meiner Meinung nach ist genau das der geile Spirit, der dabei mitschwingt. Das ist etwas ganz anderes, als die Kids das heute beispielsweise im Zug machen, wenn sie irgendwelche Youtube-Clips in schlechter mp3-Qualität aus den noch schlechteren Handylautsprechern hören. Die haben ja gar keine Ahnung, wie geil Musik eigentlich klingen kann. Deswegen breche ich bei jeder Gelegenheit eine Lanze für Vinyl (lacht). Das ist nicht nervig, nicht überholt, das ist einfach nur geil. Kauft euch einen Plattenspieler und findet es raus.«

Sehe ich ganz genauso. Ihr habt im Booklet eures Albums viele unterschiedliche Fotos von verschiedenen Leuten. Wer hatte die Ehre, sich darin wieder zu finden, und warum?

»Das war der Versuch diesen 'Without A Trace'-Gedanken weiter zu spinnen. Über das Coverfoto bin ich beispielsweise bei der Suche nach Inspiration gestolpert und habe mir beim Anblick des Bildes schlicht gedacht, das ist es. Das Bild zeigt sehr genial, wie die Zeit vergeht und wie abstrus die damalige Gegenwart aus heutiger Sicht wirkt. Es wirkt alles so weit weg, obwohl es noch gar nicht so lange her ist. Im Booklet selbst sind Bilder von Verwandten, die man selbst nicht kennen gelernt hat. Im Kontrast dazu haben wir Bilder von Leuten im Booklet, die der Band nahe stehen, ohne dabei Interviews zu geben oder im Rampenlicht zu stehen. An der Stelle war es uns wichtig zu sagen, dass bevor diese wichtigen Menschen 'Without A Trace' verloren gehen es uns eine Herzensangelegenheit ist, sie dadurch ein bisschen zu ehren.«

Stehen bei euch, neben der Deutschlandtour im Oktober, auch Gigs im Ausland auf dem Plan?

»Aktuell geplant ist nichts, aber wir stehen auch noch am Anfang und werden sehen, was kommt. Noch nicht abzuschätzen ist beispielsweise, wie es mit Airplay bei Radiostationen aussieht und ob unsere Musik dort überhaupt gefragt ist. Ich weiß, dass in Tschechien und im UK über die Band berichtet wurde. Wir werden das checken und dann dort nachhaken, sobald wir uns in Deutschland einen groben Überblick geschaffen haben. Genaues kann ich da aber erst nach der Tour sagen.«

 

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Pics: Thomas Nägler (Promo)

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