Online-MegazineInterview

TRANSPORT LEAGUE

Ein Männlein steht im Walde

TRANSPORT LEAGUE

Acht Jahre und zwei Alben nach ihrer Reunion im Jahr 2009 schicken die schwedischen Groove-Metaller von TRANSPORT LEAGUE mit „Twist And Shout At The Devil“ erneut eine bockstarke Langspielplatte ins Rennen und feuern darauf höllisch groovend aus allen Rohren. Wir klingelten bei Frontmann Tony Jelencovich durch, der 1994 den Startschuss für die Truppe gab, sie 2005 vorübergehend auflöste und dann doch wieder zusammenführte. Im Interview äußerte sich der sympathische Frontmann ausführlich über die neue Scheibe und lässt sich dabei auch nicht von drei Verbindungsunterbrechungen und seinen anfänglich laut im Hintergrund kreischenden Kindern beirren.

Tony, wenn du dir euer neues Album „Twist And Shout At The Devil“ ins Gedächtnis rufst – was kommt dir als erstes dazu in den Sinn, das es für dich besonders macht?

»Das Erste, was mir zu unserem neuen Output in den Sinn kommt, ist die Energie und positive Einstellung, die wir in den Entstehungsprozess dieses Album gesteckt haben. Dabei sind einige wirklich harte Riffs herausgekommen. Gut, wir sind alle nicht mehr in unseren Zwanzigern, scheinen aber trotzdem noch immer eine gewissen Energie in uns zu haben, die wir auf „Twist And Shout At The The Devil“ übertragen konnten. Das fühlt sich großartig an!« (Es folgt für mehrere Sekunden Stille und die Verbindung bricht ab, bevor sich der Sänger kurz darauf zurückmeldet.)

Tony, bist du da?

»Hi, hier bin ich wieder, tut mir leid. Ich bin gerade im Urlaub, total abgeschieden irgendwo in den Wäldern Finnlands, ungefähr zwanzig Kilometer fernab jeglicher Zivilisation. Scheint wohl ein Verbindungsproblem gewesen zu sein. Jetzt bin ich hier, alles cool!«

Schön! Dann weiter im Text: Woraus zieht ihr diese Energie für eure Musik, die du eben angesprochen hast? „Twist And Shout At The Devil“ klingt wie schon seine Vorgänger kraftvoll, wütend und natürlich.

»Diese rohe Energie und wütende Ausdrucksweise soll auf jeden Fall nicht bedeuten, dass wir während der Aufnahmen tatsächlich auf irgendjemanden oder irgendetwas wütend sind. Im Gegenteil, wir fühlen uns dabei total glücklich und groovy. Aber Rock 'n' Roll war eben schon immer die Musik des Teufels (lacht). Wir hören viele Bands der Neunzigerjahre, aber auch einiges an neuem Material, das wir heutzutage so entdecken. Genügend Einflüsse also, aus denen wir gewissermaßen unseren eigenen Stil formen und unsere Energie ziehen. Klar heraushören kann man zum Beispiel Clutch, ein bisschen Danzig und vielleicht sogar ein paar Corrosion-Of-Conformity-Vibes. Im Großen und Ganzen denke ich aber, dass wir diese Energie einfach in uns haben, also werden wir weiter Musik machen, bis wir sterben! (lacht) That's the spirit of Rock 'n' Roll!«

Hat sich seit dem 2015er Album „Napalm Bats And Suicide Dogs“ bei TRANSPORT LEAGUE stilistisch etwas geändert?

»Unser Comeback-Album haben wir ja sozusagen 2013 mit „Boogie From Hell“ abgeliefert. Dann haben wir zwei Jahre später „Napalm Bats And Suicide Dogs“ aufgenommen, das natürlich auch wirklich cool war. Dabei sind aber auch erstmals einige melancholische Doom-Vibes und düstere Songelemente mit eingeflossen. Eine wirklich coole Erfahrung, unseren Sound in diese Richtung zu erkunden. Auf „Twist And Shout At The Devil“ haben wir uns wieder mehr an „Boogie From Hell“ orientiert, die meisten Songs auf der neuen Platte sind geradliniger und energiegeladener geworden. Außerdem haben wir mit Dennis Österdal einen neuen Bassisten in der Band, der bereits ziemlich stark ins Songwriting involviert war. Noch mehr sogar als sein Vorgänger.«

Weil du das Thema gerade ansprichst: Euer früherer Bassist Lars Häglund musste die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen, für ihn kam Dennis Österdal.

»Lars klagte seit längerer Zeit über Probleme mit dem Rücken. Er hatte die Band zum Zeitpunkt des Line-Up-Wechsels bereits länger verlassen und sich beinahe ein Jahr Auszeit genommen. Dennis ist während dieser Zeit als Ersatzmann für ihn eingesprungen. Schließlich kam Lars zurück, bekam diese Rückenprobleme aber erneut und wieder holten wir Dennis als Ersatz für ihn. (Zum zweiten Mal bricht die Verbindung ab, doch der Laune des Frontmanns scheint das nach dem erneuten Rufaufbau nicht zu schaden.)

Hi again! Here I am, rock you like a hurricane! (lacht) Ein Reminder hat sich auf meinem Handy gemeldet und die Verbindung gekappt, tut mir leid. Auf jeden Fall hat sich Lars schlussendlich entschieden zu gehen, diesmal aber aufgrund von persönlichen, familiären Problemen. Also haben wir Dennis gefragt, ob er Lust hätte, unserer Band als vollwertiges Mitglied beizutreten. Er hat sofort zugesagt und wir alle waren glücklich. Tatsächlich war er in den letzten zwei, drei Jahren mehr der Bassist von TRANSPORT LEAGUE als Lars und somit eine offensichtliche Wahl für uns. Außerdem hat er sich sehr am Songwriting und an der Weiterentwicklung unseres Sounds beteiligt und ist noch dazu ein großer Fan. Er war natürlich sehr glücklich darüber, der Bassist einer seiner Lieblingsbands zu werden.«

Ihr habt wieder mit eurem langjährigen Produzenten Roberto Laghi zusammengearbeitet, der auf vielen eurer Alben maßgeblich am Sound beteiligt ist. Ist er für euch mittlerweile so etwas wie das fünfte Bandmitglied?

»Ja, das ist er definitiv! Er versteht unsere Arbeit und weiß, was wir brauchen und auf unseren Aufnahmen erreichen wollen. Außerdem beurteilt er unser Songwriting stets kritisch, aber in einem angemessenen Rahmen. Wir werden sehr wahrscheinlich auch für weitere Alben mit ihm zusammenarbeiten, denn wir spüren, dass unser Sound mit ihm energiegeladen ist und gewisse analoge und natürliche Vibes mit sich bringt. Ich habe wirklich die Schnauze voll von all diesem digitalen Plastik-Metal, der mittlerweile so in Mode gekommen ist. Das gibt mir nichts. Ich liebe noch immer den Sound des ersten Danzig-Albums und der alten Clutch-Aufnahmen. Sie vermitteln mir überhaupt erst die Freude an der Musik.«

'Winter War' setzt sich mit einer interessanten und ernsten Kriegsthematik auseinander. Welche Themen behandelt ihr sonst in euren Songs?

»Vor einiger Zeit habe ich über den finnischen Scharfschützen Simo Häyhä gelesen, der den Weltrekord der meisten erschossenen Soldaten durch einen Scharfschützen in Kriegszeiten hält (Simo Häyhä war ein finnischer Soldat, der im Krieg zwischen Finnland und der Sowjetunion 1939/40 als Scharfschütze eingesetzt wurde. Aufgrund seiner hohen Abschussrate von über 500 bestätigten bis geschätzt 700 sowjetischen Soldaten, bekam er von der Roten Armee den Beinamen „Weißer Tod“, - sb). Diese Geschichte hat mich fasziniert, ich habe sie aufgearbeitet und so den Song 'Winter War' geschrieben. Er handelt vom Kampf der Finnen, die sich mit aller Kraft gegen die russischen Angreifer wehren. Mein Großvater stammt aus Finnland und hat selbst noch im Zweiten Weltkrieg gekämpft. Es gibt aber auch noch andere Tracks die relativ ernste Themen behandeln. 'One Last Way' beispielsweise beschreibt die Folgen einer schweren Drogenabhängigkeit für eine Familie und wie diese damit umgeht, während 'Swine To Shine' den ständigen inneren Kampf mit sich selbst und die Tatsache behandelt, dass man immer an sich glauben und ein starkes Selbstwertgefühl aufbauen muss, das einen voranbringt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Tracks, die nur erfundene Geschichten von Zombies, Aliens oder Rock'n'Roll-Partys erzählen (lacht).«

Auf euren Covern sind oft Tiere zu sehen, auf „Twist And Shout At The Devil“ gleich drei. Welche Bedeutung haben sie?

»In der Mitte des Frontcovers kann man einen Werwolf sehen, ein fiktives Tier, denn die gibt’s ja schließlich nicht (lacht). Whatever. Links daneben sieht man ein Faultier, das mit dem Song 'Power Of The Sloth' (dt.: Macht des Faultiers) in Verbindung steht. Der Songtitel soll ausdrücken, dass auch Ruhe und Coolness große Macht haben, und man das Leben manchmal damit anpacken sollte. Es geht darum, Entscheidungen ein bis zweimal zu überdenken, bevor man sie trifft. Das letzte Tier auf dem Cover ist ein Wildschwein, das man dem Track 'Swine To Shine' zuordnen kann. Für die Verbindungen zwischen den Tieren und den Songtiteln ist allerdings ein guter Freund von mir verantwortlich, der das Artwork gestaltet hat. Ich habe ihm das Album geschickt, er hat sich die Songs angehört und daraufhin das Cover gezeichnet.«



Ihr habt ein Video zum Song 'Cannibal Holobeast' gedreht. Darin lauft ihr mit Fackeln durch einen dunklen Tunnel und spielt mit Gasmasken hinter Schutzzäunen, während sich davor ein „The Walking Dead“-mäßiges Zombie-Szenario abspielt. Wie lässt sich der Clip mit dem Songtitel in Verbindung bringen?

»Tatsächlich steht das Video in keiner engen Verbindung mit den Lyrics zum Song. In 'Cannibal Holobeast' geht es um das Ende der Welt, unsere Erde implodiert und frisst sich schlussendlich selbst auf. Die Bildern im Video zeigen etwas anders. Wir wollten auf jeden Fall Zombies dabei haben, um das Ganze gruseliger wirken zu lassen. Gleichzeitig haben wir diese Örtlichkeit gefunden, in der wir mit Fackeln durch diese Tunnel laufen. Das ist ein altes Munitionslagerhaus in den Wäldern vor Göteborg, auch dadurch ist der Clip ein bisschen gruselig geworden. Das hat aber nichts mit der eigentlichen Thematik des Songs zu tun. Wir wollten mit diesem Videos etwas für's Auge schaffen. Bilder, bei denen die Leute sagen: Wow! Das sieht beeindruckend aus!«

Hätten TRANSPORT LEAGUE ohne die vorübergehende Auflösung im Jahr 2005 das erreicht, auf das ihr heute als Band zurückblicken könnt?

»Wahrscheinlich nicht. Wir bildeten in dieser Zeit die Band M.A.N., mit der ich auch ein paar Alben veröffentlicht habe. Das erste Album von M.A.N. sollte eigentlich unter dem Namen TRANSPORT LEAGUE erscheinen, aber während der Aufnahmesessions haben wir mehr und mehr realisiert, dass wir uns gegenüber unseren Anfangszeiten hinsichtlich Sound und Stil sehr verändert hatten. Hinzu kamen einige personelle Wechsel im Line-up. Es fühlte sich einfach komplett anders an, wir hatten nicht mehr das Recht dazu, unsere Musik unter dem Namen TRANSPORT LEAGUE fortzuführen. Also schlossen wir das Album als M.A.N. ab. Nach einiger Zeit traf ich mich dann aber mit einigen alten Bandmitgliedern, wir haben zusammen gejammt und schließlich 2009 eine Reunionshow gespielt. Nach dieser Auszeit funktionierte TRANSPORT LEAGUE wieder. Wir waren zurück in der Spur und bald darauf wirklich zufrieden mit unserem Album „Boogie From Hell“.«

Ihr seid jetzt seit über 20 Jahren im Musikbusiness aktiv. Welche Ziele setzt ihr euch nach einer so langen Zeit als Band noch?

»Ja. Wir streben noch immer danach, ein breiteres Publikum mit unserer Musik anzusprechen, als uns das bisher gelungen ist. Das war bislang noch nicht möglich für uns, weil wir hauptsächlich bei kleineren Labels unter Vertrag standen.«
(Wieder machen uns die Wälder Finnlands einen Strich durch die Telefonrechnung, die Stimmung des Frontmanns scheint dafür mit jedem Verbindungsabriss weiter zu steigen.)

Gleich haben wir es geschafft Tony, nur noch kurz durchhalten!

»(Er lacht:) Ah, da sind wir ja wieder. Was ich sagen wollte: Wir sind froh darüber, mit Rodeostar ein stärkeres Label als bisher gefunden zu haben. Jetzt hoffen wir darauf, all die Clutch-, Danzig-, Corrosion-Of-Conformity- und vielleicht sogar Machine-Head-Fans dort draußen zu erreichen, denen unsere Musik wirklich gefallen könnte, die uns bislang aber noch nicht entdeckt haben. Wir waren niemals darauf aus, besonders groß zu werden oder eine Menge Geld zu verdienen. Wir machen Musik, weil wir kreativ sind und mit Leidenschaft hinter unserer Sache stehen. Yeah!«

Eine letzte Frage: Bist du rückblickend zufrieden mit „Twist And Shout At The Devil“?

»Absolut!«

Eine klare Ansage, mit der sich doch wunderbar abschließen lässt. Tony, danke für das Gespräch!

»Perfekt, ich danke dir! Bye bye!«

 

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