Online-MegazineInterview

ROB ZOMBIE

Ein kleines bisschen Horrorshow

ROB ZOMBIE

Keine halben Sachen: ROB ZOMBIE ist nicht nur Vollblut-Musiker, sondern auch noch Horror-Regisseur und Veranstalter. Aus dem, was der Mann im Verlauf eines einzigen Jahres im Alleingang auf die Beine stellt, könnte man gut und gerne drei separate Jobs schaffen. Wir unterhielten uns mit dem sympathischen US-Amerikaner, der nicht nur zu seinem neuen Film „The Lords Of Salem“ eine Menge zu erzählen hat.

Rob, ich habe mir eben deinen neuen Film angeschaut, der hierzulande ab dem 31. Oktober im Handel erhältlich sein wird. Das ist sozusagen perfektes Timing, weil es auch in Deutschland immer populärer wird, Halloween zu feiern. Vor 15 Jahren sah das noch ganz anders aus.

»Ich habe den Eindruck, als würde Halloween momentan überall auf der Welt größer werden. Inzwischen feiert man sogar schon in Japan. Das ist eine tolle Sache.«

Hast du schon Pläne für den Tag? Lange ist es nicht mehr hin.

»Ich habe in Kalifornien eine große Veranstaltung auf die Beine gestellt, die vom 10. Oktober bis zum 2. November stattfindet. Die Sache läuft unter dem Motto „The Great American Nightmare“. Wir haben drei riesige Spukhäuser gebaut, die jeweils auf einem meiner Filme basieren. Eines von ihnen ist ganz im Stil von „The Lords Of Salem“ gehalten, das zweite an „House Of Thousand Corpses“ und das dritte an „The Haunted World Of El Superbeasto“ angelehnt. Wir werden täglich Konzerte spielen, und ich muss mich auch um die sonstige Organisation der Veranstaltung kümmern. Halloween ist für mich Hochsaison, ich habe jedes Jahr wahnsinnig viel zu tun.«

Soll das eine einmalige Sache bleiben, oder willst du die Veranstaltung wiederholen, falls sie Erfolg hat?

»Wenn es gut läuft, wollen wir das Ganze im nächsten Jahr an einem anderen Ort aufziehen. Wir haben sogar schon überlegt, damit nach Europa zu kommen. Du hast ja gerade selbst gesagt, dass Halloween auch bei euch immer größer wird. Es wäre toll, die ganze Welt mit dieser Show zu bereisen.«

Wo wir schon beim Thema sind: Könntest du dir vorstellen, noch weitere Sequels zu deinen „Halloween“-Filmen zu drehen?

»Eigentlich sollte der erste „Halloween“-Film eine einmalige Sache bleiben, und auch nach dem zweiten habe ich mir wieder vorgenommen, nicht mehr mit diesem Franchise zu arbeiten. Zurzeit habe ich tatsächlich keine Pläne. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.«

Gibt es noch weitere Filme, von denen du gerne mal ein Remake produzieren würdest?

»Nein. Eigentlich bin ich gar kein großer Fan von Remakes. Ich habe mehr Spaß daran, etwas ganz Eigenes auf die Beine zu stellen.«

Ich habe vor einiger Zeit aber mal gelesen, dass du an einer Neuverfilmung von „The Blob“ arbeitest. Was ist mit dem Projekt passiert?

»Stimmt, das hatte ich vor. Während der Dreharbeiten zu „Halloween 2“ trat jemand an mich heran und schlug mir vor, als nächstes „The Blob“ zu drehen. Ich habe tatsächlich eine ganze Weile mit dem Gedanken gespielt, mich am Ende aber dagegen entschieden. Es ist ziemlich kompliziert, einen Film zu drehen, und oftmals ist es fast unmöglich, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wenn jemand auf dich zukommt und dir so ein Angebot macht, dann ist es schwer, nein zu sagen. Manchmal muss man aber eben doch ablehnen.«

Heutzutage gehört es fast schon zum guten Ton, die beiden Genres Horror und Komödie miteinander zu vermischen. Ein Film wie „The Lords Of Salem“, der sich an den ernsten Horrorstreifen der Sechziger und Siebziger orientiert und völlig auf komödiantische Elemente verzichtet, wirkt fast schon erfrischend anders.

»Ich finde nicht, dass Horror und Komödien besonders gut zusammen passen. Meine Lieblingsfilme waren schon immer diejenigen mit einem ernsten Unterton. „The Exorcist“, „The Omen“, „Shining“, das sind für mich die großen Klassiker. Je ernster, desto besser. Natürlich kommt auch „Evil Dead“ bei den Leuten gut an, aber ich stehe einfach auf eine andere Art von Horror.«

Dann stehst du vermutlich auch eher auf Dario Argento und Roman Polanski als auf die modernen Regisseure?

»Ich finde die Arbeiten von Stanley Kubrick und Polanski ganz hervorragend, auch wenn das keine reinen Horror-Regisseure sind. Von Argento mag ich ebenfalls sehr viele Filme. Generell gefällt mir vieles, was aus Italien kommt.«

Die Hexenprozesse von Salem dienten in der Vergangenheit bereits als Inspirationsquelle für unzählige Filme und Bücher. Wie viel echte Geschichte steckt in „The Lords Of Salem“?

»Nicht besonders viel, um ganz ehrlich zu sein. Ich bin in Massachusetts aufgewachsen und bereits als Kind in Kontakt mit diesen Geschichten gekommen. Als Vorbereitung für den Film habe ich mich ausgiebig mit den damaligen Geschehnissen beschäftigt, mich am Ende aber doch dazu entschlossen, die Faktenlage zu ignorieren, weil sie mir nicht interessant genug zu sein schien. Die europäischen Hexenprozesse, in deren Zuge all diese wahnsinnigen Folterwerkzeuge eingesetzt wurden, bieten viel besseres Material. Die Frauen, die in Salem getötet wurden, wurden bis auf eine einzige Ausnahme schlicht und einfach gehenkt. Es gab hierzulande keine Hexenverbrennungen und auch keine Instrumente wie den Nagelstuhl oder die Eiserne Jungfrau.«

Ist es schwer, ein Studio zu finden, das einen Film wie diesen produziert?

»Normalerweise wäre das ziemlich schwierig. Ich hatte aber einen tollen Deal, der mir die totale Kontrolle über den Film gegeben hat, solange ich das Budget gering hielt. Dieser Deal hat es mir ermöglicht, mich außerhalb von den Bedingungen, die normalerweise gelten, zu bewegen.«

Was steht als nächstes an? Ein neuer Film? Oder eine neue Platte?

»Momentan arbeite ich an einem Konzertfilm. Wir haben im Sommer gedreht und befinden uns jetzt in der Nachproduktion.«

Wie kriegst du all diese Dinge unter einen Hut? Deine Musikerkarriere ist quasi ein Vollzeitjob, und gleiches gilt für deine Tätigkeit als Regisseur.

»Ich schlafe nicht besonders viel (lacht). Tagsüber schneide ich meinen nächsten Film, in der Nacht arbeite ich an der Veranstaltung, von der ich dir vorhin erzählt habe. Zwischendurch schreibe ich an neuen Songs. Ich arbeite an sieben Tagen in der Woche, um alles zu schaffen.«

Und was treibst du in deiner vermutlich nicht sehr umfangreichen Freizeit? Kommst du noch dazu, dir selbst Filme anzuschauen?

»Ich versuche, mindestens einen am Tag zu schauen, wann immer das möglich ist. Ich bin immer daran interessiert, was andere Regisseure treiben. In letzter Zeit ist allerdings nicht viel erschienen, was mich interessiert hätte. So ist es im Sommer ja immer, da kommen nur Superheldenfilme in die Kinos. Ich habe mich also im Wesentlichen darauf beschränkt, mir ein paar Klassiker anzusehen.«

Und wie sieht es mit Fernsehserien aus?

»Dafür fehlt mir die Zeit. Die einzige Serie, die ich in letzter Zeit verfolgt habe, war „Breaking Bad“, und die ist kürzlich zu Ende gegangen.«

Hat dir das Ende gefallen, oder hättest du etwas anders gemacht, wenn du es gedreht hättest? Du hast schon bei Episoden von diversen TV-Serien Regie geführt.

»Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Ich hätte Jesse und Walther für ihre letzte gemeinsame Szene nur ein wenig mehr Zeit gegönnt. Immerhin habe ich das Schicksal der beiden jetzt fünf Jahre lang verfolgt, und das Ende kam mir etwas kurz geraten vor.«

 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

RAMMSTEIN + DEEP PURPLE + SCORPIONS + EVANESCENCE + IN FLAMES + FIVE FINGER DEATH PUNCH + ROB ZOMBIE + EMPEROR + ALTER BRIDGE + EUROPE + u.v.m.16.06.2017
bis
18.06.2017
BE-DesselGRASPOP METAL MEETINGTickets