Online-MegazineInterview

ALL THAT REMAINS

Ein Herz für Tiere

ALL THAT REMAINS

Am 06. November erscheint mit „A War You Cannot Win“ das mittlerweile sechste Album der aus Springfield stammenden ALL THAT REMAINS. Der neue Videoclip wurde vor wenigen Tagen abgedreht, die US-Tour ist gebucht, und auch Europa darf sich bald auf die fünf Amis freuen. Ein gut gelaunter Mike Martin – ALL THAT REMAINS-Gitarrist, Mitbewohner von Killswitch-Engage-Gitarrist und ATR-Produzent Adam Dutkiewicz – erzählt von den Albumaufnahmen, den Tourplänen und versucht sich als Katzenflüsterer.

Mike, eure Tour startet bald und ihr werdet euch demnächst u.a. mit Machine Head, The Black Dahlia Murder, Rob Zombie und Marilyn Manson die Bühne teilen. Bist du schon aufgeregt?

»Oh ja! Ich bin aufgeregt und freue mich total! Es ist knapp zehn Monate her, dass wir das letzte Mal unterwegs waren. Das habe ich total vermisst. Songwriting und das alles macht auch Spaß und ist wichtig. Ich genieße währenddessen auch die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden, aber mir haben die Shows gefehlt.«

Wie habt ihr euch auf den anstehenden Tourmarathon vorbereitet?

»Wir haben in letzter Zeit viel geprobt. Ich habe mich auch wieder verstärkt sportlich betätigt, damit ich fit bin. Ich mache generell viel Sport, ich glaube das ist mein größtes Hobby, und wenn ich darüber nachdenke, auch mein einziges Hobby. Ist Musik ein Hobby? (lacht!) Aber im Ernst: ich liebe Sport, und das hilft mir auf Tour fit zu bleiben und die Gigs zu rocken. Die anderen machen das genau so, wir sind alle recht sportlich und versuchen uns fit zu halten.«

Rennt ihr auf Tour auch schon mal eine Runde um den Nightliner?

»Was für eine Idee! Das werde ich vorschlagen. Nein, jeder macht seinen eigenen Sport. Ich schaue meistens, dass mir einer von der Crew zeigt, wo ein Fitnessstudio ist. Ich mache lieber Krafttraining.«

All That Remains - A War You Cannot WinLass uns über das neue Album „A War You Cannot Win“ sprechen. Kannst du ein bisschen was über die Zeit im Studio erzählen?

»Sehr gern. Wir haben es zu Hause aufgenommen, so wie wir es bis jetzt immer getan haben.«

Zu Hause?

»Öh ja. Also ich lebe mit Adam von Killswitch Engage zusammen und er ist unser Produzent. Wir haben das Album also in unserem Haus aufgenommen, bzw. in einem Studiokomplex, der liegt ca. 10 Minuten von unserem Heim entfernt. Sehr cool, sehr entspannt und sehr praktisch. Adam ist im Moment übrigens auch hier, die nehmen momentan die Vocals zum neuen Killswitch-Album auf. Alle von uns leben hier im Umkreis, also waren die Aufnahmen wirklich sehr angenehm. Und wir hatten eine Menge Zeit. Wir haben uns drei Monate - Januar bis März – für das Songwiriting genommen, und dann noch mal drei – April bis Juni – um die Songs aufzunehmen. Das ist ein großer Luxus. Man kann viel rumprobieren, Adam hat eine Menge guter Tipps und viel Geduld... Sag mal... was ist das?«

Was?

»Dieses Geräusch? Stirbt da jemand?«

Äh nein. Ich habe grad fünf Katzenbabies zur Pflege hier rumlaufen.

»Na ha?! Was? Katzenbabies?! Die laufen durch deine Wohnung? Awwww kitty kitty kitty! Helloooo! Hellooooooohohoho! Kitty! Kittyyyyy!!«
(Eine fremde Stimme) »Was um alles in der Welt? Geht’s dir gut?«
»Hey Adam, deutsche Katzen am Telefon!«
(Adam von KILLSWITCH ENGAGE) »Was?« Adam kommt näher.
Adam: »Hallo?«
(Mittlerweile toben alle fünf Katzen um das Telefon herum und miauen laut.)
Adam: »Sie sterben!«

Nein! Hier stirbt niemand!

Adam und Mike: Bubububuu kitties. Hello. You Speak English? Kitty kitty kitty say 'hi'! Say 'hello'!«
Adam: »Ich muss zurück. Ich wünsche euch noch viel Spaß! Ist das Business?« (lacht und geht)
Mike: »Worüber hatten wir gesprochen?«

Lass mich kurz überlegen! Ah, das neue Album. Jetzt wo ich weiß, dass ihr praktisch alle um die Ecke wohnt: wie läuft das bei euch mit dem Songwriting? Trefft ihr euch tatsächlich im Proberaum? Oder werkelt jeder für sich zu Hause?

»Oh nein, wir setzen uns alle zusammen in den Proberaum. Klar, jeder hat zu Hause für sich schon ein wenig ausprobiert und spielt dann was vor.
Die anderen machen sich ihre Gedanken dazu, jeder bringt seine Ideen mit ein. So wachsen unsere Songs Stück für Stück. Aber eigentlich sind immer alle daran beteiligt. Die Gitarren entstehen dabei fast immer zuerst, alles andere wird drum herum gebaut.«

Was ist der größte Unterschied zu eurem letzten Album, oder wie würdest du eure musikalische Entwicklung beschreiben?

»Es gibt eigentlich keine großen Veränderungen. Wir wollen unsere Songs immer auf den Punkt bringen. Die Leute sollen unsere Lieder gern hören und sich an sie erinnern. Früher ging es uns mehr darum ausgeklügelte Parts zu entwickeln und alle mit unserem ultraschnellen Gitarrengefrickel zu beeindrucken. Über die Jahre sind wir aber zu dem Schluss gekommen, dass es vollkommen legitim ist auch Tracks zu schreiben, die vielleicht ein wenig simpler sind, dafür aber besser im Ohr bleiben.«

Ich habe die letzten Tage ein paar Fotos von euren Videodreh zur Single „Stand Up“ gesehen.

»Ja, wir haben den Clip vor ein paar Tagen gedreht. Jetzt ist das Material im Schnitt und sollte bald fertig sein. Das wird ganz schön böse. Ich meine an den Sachen auf der Homepage und am Design von „A War You Cannot Win“ erkennt man schon die ganze Stimmung. Ich kann nicht zu viel verraten, aber auf dem Set habe ich mich gefühlt wie in einem Rambo-Film! Oder nein warte, wie bei „Expendables“ - kennst du den?
Toller Film! Das war am Anfang irgendwie ungewohnt, und am Ende hat es einfach nur noch Spaß gemacht wie ein Irrer mit Kriegsbemalung im Gesicht durch den Wald zu rennen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, wann wir es veröffentlichen, aber es kann nicht mehr lange dauern. Ich bin auch total gespannt, wie es fertig aussehen wird. Ich hab die Bilder auf unserer Facebooks-Seite auch nur zufällig gesehen, und war irgendwie erschrocken, wie das rüber kam. Ganz schön böse. Böse Bilder auf dem bösen Facebook.«

Böses Facebook? Wie meinst du das?

»Das ist in letzter Zeit so unser Running Gag. Wir sind irgendwo auf der Show und im Backstage sitzen alle mit ihre Smartphones und Notebooks und sind versunken in ihrer Facebook-Welt. Es gibt da nicht mal genug Steckdosen, um alle Laptops mit Strom zu versorgen. Weißt du früher, da gab es im Backstage noch nackte Frauen, Partys und Drogen... heute gibt es Facebook oder World of Warcraft (lacht laut). Nein, im Ernst: Twitter finde ich irgendwie lustig, aber ich habe vor ein paar Wochen meinen Facebook-Account gelöscht. Ich denke ich bin damit einer von zehn Menschen auf der Welt, der kein Facebook hat. Ich verstehe Menschen, die das toll finden. Und für unsere Band ist es wirklich wichtig geworden.
Ich bin dankbar für die Leute, die wir über das Internet erreichen. Aber in meinem Privatleben, wenn man das so sagen kann, da ist dieses Social Networking eine Krankheit. Ich mach da lieber andere Sachen. Zum Beispiel mal wieder wirklich mit einem Menschen reden. Ist dir aufgefallen, dass die meisten das nicht mehr können? Einfach mit einem Menschen reden, Auge in Auge, ohne dabei ihr Smartphone alle paar Sekunden nach Neuigkeiten abzuchecken? Das finde ich grausam, irgendwann wissen die Menschen gar nicht mehr, wie man miteinander redet. War das überhaupt die Frage? Sorry, das musste grad einfach raus.«

Aber eignet sich Facebook nicht zum Beispiel gut dafür, um während einer Tour mit deiner Familie oder Freunden in Kontakt zu bleiben?

»Ich schreibe lieber Mails. Oder rufe ab und zu an. Aber alles andere nervt mich wirklich. Ich nutze dann die Zeit lieber, um Leute kennen zu lernen, oder Gitarre zu üben. Ja, Gitarre spielen und Sport, das macht mir auf Tour am meisten Spaß.«

Spielst du dann eure eigenen Songs, oder was sind deine Favoriten?

»Nein nein, nicht unsere Songs! Also klar, am Anfang muss ich neue Songs üben, aber wenn du dann auf Tour bist, und die jeden Abend spielst, dann musst du die irgendwann nicht mehr üben. Ich spiele dann anderes Zeug, so Sachen mit denen ich aufgewachsen bin. Metallica zum Beispiel sind große Helden von mir. Oder Killswitch Engage, von denen zocke ich auch gern die Songs. Die beiden Bands haben mir wirklich geholfen meine Schnelligkeit zu verbessern. Ab und an spiele ich aber Achtziger-Hair-Metal-Zeug, damit bin ich aufgewachsen. Was sehr cool ist: mein alter Gitarrenlehrer ist jetzt mit mir in einer Band! Ich hatte vier Jahre lang Unterricht bei einem Lehrer, das hat mir aber keinen Spaß gemacht. Damals wollte ich lieber Baseball spielen. Aber später, als ich angefangen habe Metal zu hören, habe ich Oli Herbert kennen gelernt, und er hat mir Gitarre spielen beigebracht. Das war glaube ich das Klügste, was ich in meinem Leben gemacht habe: in die Band meines Gitarrenlehrers einzusteigen. Jetzt bekomme ich umsonst Unterricht.«

Wirklich clever! Aber hast du es überhaupt noch nötig zu üben? Oder machst du das aus reinem Spaß?

»Auch wenn ich wirklich nicht sehr diszipliniert bin, was das Üben angeht, aber ich denke jeder sollte so viel Zeit mit seinem Instrument wie möglich verbringen, wenn er es ernst mit der Musik meint. Man kann immer besser werden. Wäre irgendwie cool, wenn es da Leute gibt, die vielleicht mit unseren Songs Gitarre spielen lernen. Nicht, dass ich Werbung machen will! Aber ich glaub das fände ich wirklich extrem cool!«

 

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