Online-MegazineInterview

HOLY GRAIL

Ein Funken Hoffnung

HOLY GRAIL

Die amerikanischen Power Metaller HOLY GRAIL haben in ihrer noch recht jungen Karriere schon viel erlebt. So durfte die Band bereits mit großen Acts auf Tour gehen oder ein Gastspiel in Wacken geben – alles ohne auch nur ein Album veröffentlicht zu haben. Mittlerweile steht bereits das zweite Album „Ride The Void“ in den Startlöchern und wir haben uns mit Sänger James-Paul Luna und Gitarrist Eli Santana über das Zweitwerk unterhalten.

Holy Grail - Ride The VoidJames-Paul, Eli, wie lange war euer Studioaufenthalt für „Ride The Void“?

James-Paul: »Ich denke, wir waren so insgesamt fünf oder sechs Monate im Studio.

Eli: Stimmt. Der ganze Prozess, angefangen bei der Vorproduktion bis hin zum finalen Mastering hat sich circa ein halbes Jahr hingezogen.«

Da blieb euch nicht viel Zeit, um die Zügel schleifen zu lassen. Sind die Songs auf „Ride The Void“ denn komplett neu oder habt ihr auch auf älteres Material zurückgegriffen?

James-Paul: »Zwei Nummern basieren auf ein paar übrig gebliebenen Riffs von der letzten Session. Die waren einfach zu gut, um sie außen vor zu lassen. Der Rest auf „Ride The Void“ ist aber komplett neueren Datums.
Wir schauen eigentlich nicht zurück und versuchen uns kompositorisch immer weiterzuentwickeln. Die beiden Stücke sehen wir eher als Brückenschlag zwischen den beiden Alben.«

Im Kontext der aktuellen Platte sprechen ja viele Musiker immer von dem besten Album, das sie bisher aufgenommen haben. Hand aufs Herz, wie zufrieden seid ihr mit „Ride The Void“ wirklich?

James-Paul: »Ich für meinen Teil denke eigentlich immer, dass ich an meinem Gesang noch etwas verbessern könnte. Aber natürlich ist die neue Platte besser als die letzte. Auch wir sind da wie alle Künstler (lacht). Aber im Ernst, wir sind sehr stolz auf die neue Scheibe, weil das Resultat nun mal sehr gut klingt.«

Eli: »Ich stimme James da zu. Wenn man dieses Album mit „Crisis In Utopia“ vergleicht, bin ich mit dem Ergebnis unserer aktuellen Arbeit zufriedener als mit unserem Debüt. Wir waren durch eine vernünftige Vorproduktion auch wesentlich besser auf die Zeit im Studio vorbereitet.
Von daher hatten wir auch eine klare Vorstellung wie sich „Ride The Void“ anhören sollte.«

Man kann der Platte durchaus anhören, dass ihr euch im Vorfeld viele Gedanken zu dem Album gemacht habt. So klingt der Sound auf „Ride The Void“ noch ein Stück weit moderner als auf eurem Debüt. War das auch ein Vorsatz, den ihr mit ins Studio genommen habt?

James-Paul: »Wir hatten zwar unsere Ideen, was den Sound betrifft, aber mit der Intention noch moderner als auf dem Debüt zu klingen, sind wir nicht an die Aufnahmen herangegangen. Das ist für uns eher ein natürlicher Prozess gewesen. Um ehrlich zu sein, wollten wir schon, dass das erste Album einen moderneren Touch hat. Von daher stimmt deine These also wieder. Oberstes Gebot war aber einfach das Aufnehmen stimmiger Songs.«

Ich kann mir vorstellen, dass ein solch transparenter Sound – der ja wichtig für eure Musik ist – sich live schwierig umsetzen lässt.

Eli: »Es wird auf jeden Fall nicht einfach werden, das hast du richtig erkannt. Wir haben das neue Material noch nicht live gespielt und ich bin deswegen ehrlich gesagt auch ein wenig nervös. Spannend wird es auf jeden Fall zu erfahren, wie sich die Songs live anhören werden.«

James-Paul: »Ich sehe das größte Problem darin, dass wir als Opening Act oder als Toursupport nicht wirklich den Sound bekommen könnten, den wir für unsere Musik brauchen. Es wäre natürlich schön, einen Sound wie Blind Guardian zu bekommen. Erstaunlicherweise haben die jeden Abend den gleichen Sound wie auf Platte. Ein solches Level wäre natürlich das Optimum. Im Grunde waren wir aber bisher live sehr zufrieden. Fans mögen unsere Musik, was dafür spricht, dass die Songs auch bei nicht so optimalen Bedingungen funktionieren.«

Bei der vorherigen Frage schwang auch der Hintergrund mit, dass viele Bands Gitarren und Melodien im Studio vielfach doppeln. Auf der Bühne reicht die Kapazität nicht aus, die Licks und Melodien des Originals umzusetzen. Wie seht ihr das?

Eli: »Das stimmt. Oft werden Backingtracks für die Bühne benutzt, was ich allerdings in Ordnung finde, wenn Bands versuchen den Studiosound wiederzugeben. Andererseits bin ich als Fan aber bei einem Konzert, um die Performance der Band zu hören und keine Spuren aus der Konserve. Das ist immer eine zwiespältige Angelegenheit für Musiker. Wir versuchen in der Pre-Production-Phase immer Songs so zu schreiben, dass man die Melodien oder Licks aus der Albumversion live wiedergeben und erkennen kann. Auf der anderen Seite steht der optimale Klang auf dem Album, wo gedoppelte Gitarren sich einfach besser und voller anhören. Wir handhaben es nicht wie beispielsweise Iced Earth, die meistens klar zwischen Rhythmus- und Leadgitarre trennen, sondern versuchen beides zusammen zu realisieren. Wenn es nötig ist, streichen wir live auch die Rhythmusgitarren zu Gunsten der Harmonien. Die Mission ist erfüllt, wenn es sich gut anhört (lacht).«

Wie würdet ihr die Musik von HOLY GRAIL in ihrem Charakter beschreiben?
Man kann in eurer Musik logischerweise auch Einflüsse von anderen Bands heraushören. Um sicher zu gehen, dass wir d’accord sind, nennt mir doch bitte Bands oder Stile, die euch als Band beeinflusst haben!

Eli: »So banal das klingt, ich würde sagen, wir spielen einfach Heavy Metal. Wir sind auf jeden Fall genauso von einigen Thrash-Metal-Bands beeinflusst, wie von der NWOBHM. Jedes Bandmitglied hat aber auch seine individuellen Einflüsse, die sich irgendwie in unserem Sound widerspiegeln. Ich persönlich mag Death Metal genauso wie Gitarristen wie Yngwie Malmsteen, Chuck Schuldiner oder Paul Gilbert. Von daher würde ich sagen, dass wir unterschiedlichen Einflüssen gegenüber aufgeschlossen sind und nicht darauf achten, was jetzt einem Genre entspricht oder was nicht.«

Ein angenehmer Nebeneffekt eures musikalischen Potpourris dürfte sein, dass ihr verschiedene Fanschichten ansprecht.

James-Paul: »Ja, keine Frage. Wobei wir unsere Musik in erster Linie so schreiben, wie wir sie gerne hören möchten. Wenn wir damit verschiedene Fanschichten ansprechen, freut uns das natürlich. Es handelt sich aber auch hier nicht um eine bewusste Entscheidung von uns, zumal wir auch nicht irgendwelchen Trends entsprechen wollen. Wir spielen schlicht Metal und ich denke, die Mehrheit der Metalheads weiß so was auch zu honorieren.«

Auf der anderen Seite habt ihr einen Bandnamen, der nicht unbedingt hilfreich dabei erscheint viele unterschiedliche Vorlieben auf sich aufmerksam zu machen. Dem Klischee entsprechend denke ich bei HOLY GRAIL zuerst an eine True-Metal-Band.

James-Paul: (lacht) »Ja, stimmt wohl. Keine Ahnung, wie ich auf den Bandnamen gekommen bin. Er kam mir irgendwann in den Kopf, über die kausalen Zusammenhänge habe ich dabei nicht wirklich nachgedacht. Auch die Jungs hatten an dem Vorschlag nichts auszusetzen. Für den Namen HOLY GRAIL spricht aber – abgesehen davon, dass man ihn sich sehr gut merken kann – dass für uns die Essenz unserer Musik der heilige Gral des Heavy Metal ist (lacht). Du siehst, bei genauerem hinsehen funktioniert der Name doch ganz gut – für uns zumindest (lacht).«

Nachdem wir jetzt erörtert haben, dass ihr relativ wenig mit den klassischen Vertretern des Power Metal gemein habt, werden eure Texte sicherlich auch nicht die typischen Drache-jagt-Elfe-Themen behandeln.
Sie wirken sogar für Power Metal vergleichsweise düster, oder?

James-Paul: »Ja, die Lyrics haben durchaus einen düsteren Touch. Die meisten Themen handeln aber davon, sich seinem Schicksal nicht zu ergeben, sondern es zu meistern. Das Titelstück beispielsweise klingt zu Beginn recht nihilistisch, offeriert dem Hörer gegen Ende aber auch einen Funken Hoffnung. Die Texte drehen sich um vermeintlich ausweglose Situationen, bei denen der Protagonist aber erkennt, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen.«

Zu den düster angehauchten Lyrics passt meiner Meinung nach auch das Cover von „Ride The Void“. Gestaltet von Dylan Cole, der u.a. in den Hollywood-Blockbuster „Avatar“ involviert war. Wie seid ihr an den vermutlich viel beschäftigten Mann gekommen?

James-Paul: »Ja, Dylan hat so einiges zu tun und es versuchen viele Bands ihn für ein Artwork zu bekommen. Wir haben das Glück, dass wir uns von der High School kennen und immer in Kontakt geblieben sind. Er mag unsere Musik sehr gerne und so konnten wir uns gegenseitig aushelfen.«

Eli: »Dylan hat uns ein wunderbares Cover gezaubert und wir haben bei einem seiner Projekte mitgewirkt, indem ich ein Stück für ihn geschrieben habe. Ich denke, dass wir bei dem Deal besser abgeschnitten haben (lacht).«

Was ich bei HOLY GRAIL sehr bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass ihr mit vielen großen Bands und auch beispielsweise schon in Wacken gespielt habt, bevor ihr überhaupt eine Platte draußen hattet.

James-Paul: »Das war natürlich sehr beeindruckend für uns. Es gibt für eine junge Band überhaupt keine bessere Gelegenheit, als sich auf einer Bühne wie in Wacken vor so einem großen Publikum zu präsentieren.«

Eli: »Wir hatten das Gefühl Teil eines Wunders zu sein. Man kann das echt schlecht in Worte fassen. Es war einfach überwältigend.«

Aber war das nicht nur die Spitze des Eisberges? Ihr habt euch auch mit bekannten Bands wie Blind Guardian, Dragonforce oder 3 Inches Of Blood die Bühne geteilt. Welche Erfahrungen konntet ihr dabei sammeln?

James-Paul: »Wir haben vor allem gelernt, was es heißt, richtig professionell zu arbeiten. Nicht nur auf der Bühne, sondern gerade auch dahinter. Es war schon beeindruckend zu sehen, wie dabei die verschiedensten Räder ineinander greifen. Auch mit den Bands persönlich haben wir uns auf einem angenehmen Level austauschen können. Dabei haben wir viele nützliche Tipps für unser künftiges Tourleben mitnehmen können.«

Haben euch diese Erfahrungen beim Songwriting- und Aufnahmeprozess zum neuen Album geholfen?

James-Paul: »Total. Ich meine, du kannst nicht längere Zeit mit diesen Bands auf Tour sein und dich nicht von ihnen beeinflussen lassen. Schon allein wenn du jeden Abend diese großartigen Songs hörst, wirkt das auf dich. Nach der Tour geht man mit einer ganz anderen Inspiration und neuen Ideen für das Songwriting ins Studio.«

Eli: »Sei es bewusst oder unbewusst – irgendwann wollten wir plötzlich lauter Blind-Guardian-Chöre in unseren Songs haben. (lacht)«

 

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