Online-MegazineInterview

FORSAKEN

Doom mit Herz

FORSAKEN

FORSAKEN sind Kinder der sonnigen Mittelmeerinsel Malta und seit 1990 eine starke Institution im Doom Metal. Passt nicht zusammen? Oh doch! Nach einer siebenjährigen Veröffentlichungsdurststrecke hat sich die Band am 13. Oktober mit einem Paukenschlag namens „Pentateuch“ zurückgemeldet. Bassist und Bandtexter Albert Bell bringt im Gespräch mit uns das Konzept der neuen Scheibe und die Überzeugung von der eigenen Musik zum Ausdruck.

Albert, wenn ich an dein Heimatland Malta denke, würde ich es nicht automatisch mit Doom Metal in Verbindung bringen. Hast du dir das schon oft anhören dürfen?

»Ja, das höre ich wirklich ziemlich oft (lacht). Die Leute haben einen bestimmten Eindruck von der Insel, sie denken dabei nur an Sonne, Meer, Bier, schöne Frauen, und all das... du weißt, was ich meine. In Wahrheit ist die multi-soziale Landschaft aber um einiges tiefgründiger als das. Hier herrscht eine eindeutige Präsenz von... ich würde es Doom-bezogene Themen nennen. Spiritualität, Leid und tiefgehende religiöse Aspekte, die jeden Tag einen Einfluss auf uns haben und sich auch in unserer Musik und besonders den Songtexten niederschlagen.«

Spielt Religion allgemein eine wichtige Rolle in deinem Leben, die auch ihren Einfluss auf „Pentateuch“ hatte?

»Versteh' mich nicht falsch, ich bin kein biblischer Priester. Ich wurde als Katholik geboren und getauft, bin aber ein starker Kritiker des institutionalisierten Katholizismus. Gleichzeitig war die Atmosphäre dieses religiösen Kontexts in Malta aber immer sehr präsent. Das verändert sich mittlerweile sehr, Malta wird immer profaner. Ich weiß also nicht, ob Religion noch einen solchen Einfluss auf Jüngere hat, wie sie es in meiner Jugend auf mich gehabt hat. Für FORSAKEN sind diese religiösen Themen aber sehr wichtig. Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich kein Priester oder etwas ähnliches. Ich spüre aber, dass sich unser Glaube noch immer in einigen sehr grundsätzlichen Werten wie Solidarität, Toleranz und Respekt widerspiegelt. Das Konzept von „Pentateuch“ vertritt dagegen eine eher ausgeglichene Auffassung von Gott. Besonders des oft sehr brutalen Gottes, wie er im Alten Testament beschrieben wird. Die ersten fünf Bücher des Alten Testaments beinhalten einige der wirklich fundamentalen Episoden der Bibel. Deshalb bezieht sich der Begriff „Pentateuch“ auch auf diese Bücher. Ich bin sehr tief in die Auffassung und das Verständnis von Gott eingetaucht. Im neuen Testament wird er ja als allumfassende und bedingungslose Liebe dargestellt. Wenn man im Vergleich dazu das Alte Testament sehr genau liest, dann erkennt man, dass Gott jemand anderes ist. Einerseits gnädig gegenüber denjenigen, die ihm Respekt zeigen, aber auch strafend denjenigen gegenüber, die das nicht tun. Das große Konzept, das drumherum entsteht, hat mich wirklich fasziniert.«

Du hast im Presseschreiben auch klar betont, dass du „dein ganzes Herzblut in die Lyrics gesteckt hast“.

»Oh ja, Ich bin wirklich glücklich mit den Lyrics auf diesem Album. Besonders über die Metaphern, die ich verwendet habe, um die religiösen Geschichten auf meine Art auszudrücken. Außerdem bin ich sehr froh darüber, wie unser Sänger Leo (Stivala, sb) sie interpretiert hat. Klar, wenn du keinen guten Sänger hast, nutzen dir die besten Lyrics nichts und es war alles umsonst (lacht). Er ist wirklich leidenschaftlich an die Sache herangegangen. Im Moment arbeite ich sogar schon an einer Konzeptidee für das nächste Album, das auf jeden Fall in eine andere Richtung steuern wird. Mehr werde ich im Moment aber noch nicht verraten, es befindet sich schließlich alles noch im Entstehungsprozess.«

Euer neues Label Mighty Music hat „Pentateuch“ den „Comeback-Album“-Stempel aufgedrückt. Würdest du das so unterschreiben?

»Ich denke schon, denn seit dem Release unseres letzten Albums im Jahr 2009 ist schließlich schon einige Zeit vergangen. (Zündet sich eine Zigarette an) 2010 haben wir eine exklusive Split-EP mit einer finnischen Metalband namens Fall Of The Idols und zwei anderen Bands veröffentlicht, sind seitdem aber ziemlich faul gewesen. Wir haben uns auf jeden Fall niemals richtig aufgelöst oder etwas in der Art. Es gab verschiedene Gründe, warum es so lange gedauert hat, ein neues Album zu veröffentlichen. Einmal, weil wir auf der Suche nach einem neuen Label waren, mit dem wir glücklich werden und auch aufgrund einiger persönlicher Vorkommnisse innerhalb der Band. „Pentateuch“ wurde von unserem Gitarristen Sean (Vukovic, sb) produziert. Er ist während des Produktionszeitraums umgezogen und außerdem ist damals sein Vater gestorben, das hat natürlich alles etwas verzögert. Die Songs sind bereits um das Jahr 2012 herum entstanden. 'Serpent Bride', 'Sabaoth (The Law Giver)' und 'Primal Wound' habe ich zum Album beigetragen, der Rest stammt von Sean. Wir haben zu dieser Zeit anders gearbeitet, nicht in der typischen Gemeinschaft einer Band. Deshalb findest du wahrscheinlich auch ein paar unterschiedliche Elemente an verschiedenen Stellen des Albums.«

Hast du einen Lieblingssong auf der Platte?

»Naja, sie alle sind natürlich unsere Babys, um ehrlich zu sein (lacht). Ich liebe verschiedene Songs aus verschiedenen Gründen. Ich mag zum Beispiel 'Decalogue' wegen seines grandiosen Basssounds sehr gerne. Oft wird der Bass im Mix stark vernachlässigt, auf diesem Album kommt er aber allgemein sehr gut zum Ausdruck, wie ich finde. Ich liebe auch 'The Dove And The Raven' und die epische Atmosphäre, die den Track umgibt. Mein persönlicher Favorit unter den Liedern, die ich geschrieben habe, ist wahrscheinlich 'Sabaoth (The Law Giver)'.«

Wer sind nach über 25 Jahren Banderfahrung eure großen Helden?

»(Lacht) Eine gute Frage! Ich liebe zum Beispiel Old-School-Thrash-Metal, besonders deutsche Sachen wie Sodom oder Destruction, aber auch Onslaught aus England. Dazu bin ich ein wirklich großer Celtic Frost- und Venom-Fan. Die anderen in der Band haben aber auch unterschiedliche Einflüsse, Sean ist zum Beispiel sehr in den Siebzigern verankert und hört viele Bands aus dieser Zeit, wie Deep Purple, Rainbow oder Led Zeppelin. Leo ist ein Achtziger-Jahre-Metalhead, für ihn sind Dio, King Diamond und Mercyful Fate sehr wichtig. Schlussendlich läuft für uns aber alles in unserer Liebe zu Black Sabbath zusammen. (Denkt kurz nach) Gleich danach kommen aber Candlemass! (grinst).«

Auf einem Bild auf eurer Homepage ist mir auch dein Pagan-Altar-Shirt aufgefallen.

»Pagan Altar ist auch eine von diesen Bands, die ich seit langem bewundere. Ich bin auch persönlich mit ihnen befreundet. Unglücklicherweise, wie du wahrscheinlich weißt, ist Terry Jones (Pagan Altar-Sänger, sb) vor einigen Jahren gestorben und wird schmerzlich vermisst. Wir haben zweimal zusammen mit ihnen gespielt, einmal auf dem „Metal Inquisition“-Festival in England und auf dem „Dutch Doom Days“-Festival. Dabei haben wir sie sehr gut kennengelernt. Das Fantastische an Pagan Altar ist, dass sie nicht nur eine großartige Band, sondern auch großartige Menschen sind. Es hat wirklich gut funktioniert, ihnen auf einer freundschaftlichen Ebene zu begegnen. Wenn du eine Band triffst und es stellt sich heraus, dass sie alle totale Arschlöcher sind, wirst du damit aufhören, sie zu verehren. Das macht meiner Meinung nach den Unterschied zwischen einer großartigen Band und einer noch viel großartigeren Band aus (lacht herzlich).«

Was ist für dich die Essenz deiner Musik? Was bedeutet Doom Metal für dich?

»Okay, das ist eine wirklich gute Frage. Als ich in meiner Jugend damit angefangen habe, Heavy Metal zu hören, war ich vielleicht zehn oder elf Jahre alt. Meine erste Liebe waren die klassischen Bands der damaligen Zeit, Black Sabbath, Kiss, Rainbow und all die anderen. Dann bin ich intensiv in die New Wave Of British Heavy Metal und die Proto-Thrash-Szene der frühen 80er eingetaucht. Das ist für viele Jahre meine hauptsächliche musikalische Ausrichtung geblieben. Das hat sich aber besonders zu dem Zeitpunkt geändert, als Trouble 1990 ihr selbstbetiteltes Album herausgebracht haben. Diese Härte, die Melodien, die unterschiedlichen Stimmungslagen -  wahrscheinlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt einfach keine Lust mehr auf ständige, simple Aggression. Also habe ich mich nach etwas anderem umgesehen, das all die genannten Elemente miteinander verbindet. Und genau das ist, was Doom Metal schafft. Es konfrontiert dich sehr stark mit deinen Gefühlen: Trauer, Wut, vielleicht sogar Liebe oder Hass. Ich denke, dass Doom Metal, im Vergleich zu anderen Genres im Heavy Metal, diese unterschiedlichen Emotionen in sich vereint. Trotzdem ist die Definition natürlich subjektiv und manche Menschen betrachten wahrscheinlich My Dying Bride oder Funeral Doom als den wahren Doom. Sie würden vermutlich auch argumentieren, dass Candlemass oder FORSAKEN viel mehr durchschnittlicher Heavy Metal sind. Meine Definiton von Doom Metal umschließt Bands wie Trouble, Saint Vitus, Candlemass, Count Raven, Revelation, Iron Man, Pentagram und Solitude. Sie bringen Emotionen zum Ausdruck und spielen nicht nur sechzig Minuten lang diese extrem langsamen Songs, das wäre meiner Meinung nach ziemlich langweilig. Das ist ein wichtiger Punkt, den man bedenken sollte: Im Doom Metal geht es nicht hauptsächlich darum, möglichst langsam zu spielen, sondern darum, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich selbst treu zu bleiben. Wenn du das Tempo mal ein bisschen anziehen willst, weil es sich einfach besser anfühlt, warum nicht?«

Albert, jetzt kann ich nur noch sagen: Vielen Dank!

»Danke für alles! Darf ich das hier noch mit einer Botschaft an eure Leser abschließen?«

Na klar, schieß los!

»Wenn ihr Lust habt, checkt unser lokales Festival hier in Malta an: Das "Malta Doom Metal Fest", das wir auch selbst organisieren. Es findet immer im Oktober statt, nächstes Jahr vom 19. auf dem 20. Dann werden wir das zehnte Jubiläum unseres Festivals feiern und es wird definitiv etwas Besonderes!«

 

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