Online-MegazineInterview

THE OATH

Die Mischung macht's

THE OATH

Mit der „Night Child“-Single und einer Tour im Vorprogramm von Ghost haben THE OATH das erste Mal für Aufmerksamkeit sorgen können. Das Debütalbum (VÖ: 17. März) gehört zu den mit großer Spannung erwarteten Alben in diesem Jahr. Wir baten Sängerin Johanna Sadonis schon einmal zum Vorab-Gespräch.

Die Frontfrau gehört zu den umtriebigsten Leuten der Berliner Metalszene. Bekannt ist sie vor allem für ihre monatliche Metalparty „Kill 'em All“, auf der sie das Bangervolk mit feinstem Old-School-Stoff beschallt (und damit die perfekte Ergänzung zu dem an einem anderen Wochenende stattfindenden, Death-Metal-lastigeren „Pissing In The Mainstream“ bildet – mal als Hinweis für Metaltouristen). Zum Gespräch kommt sie ziemlich durchgefeiert, denn erst seit ein paar Stunden ist sie aus London zurück, wo THE OATH an der Seite von Bands wie Horisont, Purson, Troubled Horse und Blood Ceremony das 25-jährige Jubiläum ihres Labels Rise Above begangen haben. Im Interview wird sie aber schnell aktiv, antwortet ausführlich und in dezentem Berlinerisch, schweift gelegentlich ab, lacht viel und packt eine Anekdote nach der anderen aus.

Johanna, stell deine Band bitte kurz vor!

»Die Band heißt THE OATH und wurde vor einem Jahr gegründet. Das war meine Idee. Durch Zufall kam Linnéa, die gerade nach Berlin gezogen war, über Henrik von In Solitude zu mir. Wir sind also, obwohl wir unsere Basis in Berlin haben, eine internationale Band. Unsere Haupteinflüsse sind Old-School-Hardrock und Heavy Metal, und so klingen wir auch.«

Du sagst, ihr seid eine internationale Band. Inwiefern macht das einen Unterschied gegenüber einer Band, bei der alle aus dem selben kleinen Kaff kommen?

»Naja, wir kommen zwar fast alle aus der Metalszene - bis auf unseren ersten Bassisten (Simon Bouteloup – fp), der kam eher aus der Psychedelic-Ecke - haben aber total unterschiedliche kulturelle Hintergründe, denn die Szenen variieren ja doch in den einzelnen Ländern. Das finde ich besonders interessant, weil dadurch ja eine ganz andere Mischung entsteht als wenn alle im gleichen Kaff aufgewachsen sind.«

Schweden ist ja auch, gerade was die aktuelle Szene angeht, schon ein spannendes Land.

»Ja, total! Aber eigentlich war das schon immer so. Ich bin ja mit dem Black- und Death Metal der Neunziger aufgewachsen, und da hat Schweden neben Norwegen natürlich eine große Rolle gespielt.«

Ihr habt euch also 2012 gegründet, 2013 kam die Single und die Tour mit Ghost, im Frühjahr 2014 soll das Album erscheinen. Das ist schon ein ziemlich schneller Start. Kommen euch da die Erfahrungen und Kontakte eurer alten Bands zu Gute?

»Natürlich. Ich meine, ich habe jetzt auch schon 20 Jahre Heavy Metal durch, und das zahlt sich natürlich aus. Wir hatten ja schon ein paar Musikerwechsel innerhalb der kurzen Zeit. Unser erster Bassist ist zu Kadaver abgewandert, der erste Schlagzeuger wurde mit Andy (Angel Witch) ausgetauscht, und unser neuer Bassist ist Leo Smee (ex-Cathedral). Das sind alles Leute, an die wäre ich mit 18 Jahren nicht mal so eben rangekommen.«

Wenn man nach euch im Netz sucht, wird relativ schnell klar, dass Linnéa und du die Kernmitglieder sind, während die anderen Posten rotieren. Sucht ihr bei den beiden Positionen auch nach einer gewissen Stabilität, oder macht es euch nichts aus, da Annihilator-mäßig jedes Mal mit anderen Leuten zu arbeiten?

»Es wäre schon praktischer, wenn die ganze Band in Berlin wäre. Aktuell wohnen Leo und Andy in London. Das macht es ein bisschen schwierig, aber wir haben keine Wahl, weil die beiden so gut sind, dass wir in Berlin keinen Ersatz finden würden. Also müssen wir das erst mal irgendwie so hinkriegen. Im Idealfall bleibt es so, denn die beiden sind wirklich Topleute, Leo ist ein super Bassist. Unser erster Bassist war schon super. Dazu kommt, dass ich ein riesiger Cathedral-Fan bin, und er war da halt lange Jahre. Da muss man dann Kompromisse machen, das ist ein bisschen schwierig. Zum Beispiel haben wir vor dem Auftritt in London seit der Ghost-Tour nicht geprobt. Ich bin also um drei Uhr aufgestanden, nach London geflogen, ab in den Proberaum und noch schnell zweimal den Set spielen, bevor du dann in London vor deinem Labelboss und all den anderen Leuten auf die Bühne gehst. Das ist ein bisschen gemein, aber gut, dass ist dann halt wie eine Feuertaufe. Das war die Ghost-Tour ja auch.«

Wie ist das eigentlich zu Stande gekommen?

»Ghost sind Freunde von uns. Ich kenne die Band, weil ich die erste Berliner Show 2011 organisiert habe, und zu ihrer nächsten Show habe ich sie auch eingeladen. Seitdem sind wir befreundet. Und Linnéa wiederum als Schwedin, die auch als Journalistin für das Sweden-Rock-Magazin schreibt, kennt natürlich auch jeden. Also haben sie uns eingeladen, weil sie als Präferenz befreundete Bands auswählen.«

Und wie ist die Tour mit Ghost gelaufen?

»Es war halt ein bisschen gemein, dass es ein Sprung ins kalte Wasser war. Wir haben gleich die erste Show in Wiesbaden im Schlachthof gespielt, anstatt erst einmal klein anzufangen. Ich hatte eigentlich eine Show mit Devil (Nor) und Below (Swe) veranstaltet, da habe ich uns als Support dazu gebucht. Das sollte eigentlich unsere erste Show werden. Aber dann kam das Angebot, und weil wir mit der Ghost-Tour auch in Berlin spielen sollten, habe ich uns dann rausgecancelt. Und obwohl wir natürlich alle mit anderen Bands Erfahrung haben, muss sich jede Band warm spielen. Aber ich hab auf dieser Tour so viel Blut geleckt, dass ich eigentlich nicht mehr nach Hause kommen wollte. Und es gibt schon weitere Pläne, im Frühjahr werden wir mit Uncle Acid And The Deadbeats touren. Aber erst mal kommt ja das Hell Over Hammaburg, dann die Tour, dann Roadburn und dann noch eine Woche mit Uncle Acid durch England. Die waren Freitag übrigens total geil. Nach der Black-Sabbath-Tour sind die so was von tight. Ich hab die in Dortmund gesehen und auch kennengelernt, und es war einfach unglaublich. Die waren auch selbst total geflasht, dass die auf so eine Tour gekommen sind.«

Ich fand euch musikalisch super, aber ich hatte den Eindruck, dass ihr Schwierigkeiten hattet, die Energie zwischen den Songs aufrecht zu erhalten. Es gab keine Ansagen, keine Zwischenspiele, und auch keinen Fluss zwischen den Songs.

»Das lag daran, dass wir nicht genug Vorbereitungszeit hatten. Es war halt so, dass die anderen Musiker eine Woche vor der Tour nach Berlin gereist sind. Dann haben wir jeden Tag geprobt. Aber du kannst noch so erfahren sein, wenn du in einer neuen Konstellation neue Songs spielst, die du gerade erst zusammengeschustert hast, brauchst du eine gewisse Zeit, um dich warm zu spielen. Die hatten wir aber nicht. Ich mache da keinen Hehl draus, und mir ist das auch nicht peinlich. Ich habe mich gestern erst mit Alia von Blood Ceremony darüber unterhalten. Sie hat gesagt, am Anfang waren sie total scheiße. Aber inzwischen haben sie so viel gespielt, dass es gestern einfach nur genial war. Aber überleg' mal, wie viele Jahre dazwischen liegen. Die Erfahrung haben wir noch nicht. Es kann auch keiner erwarten, dass du sofort ein megageiler Rockstar wirst. Aber ich denke mal, wenn du uns nach dem Monat mit Uncle Acid nochmal siehst, ist das alles auch ein bisschen lockerer.«

Auffällig sind eure extravaganten Bühnenklamotten.

»Was wir als Heavy-Metal-Fans früher gut fanden, waren coole Bühnenoutfits von Bands wie W.A.S.P., Judas Priest oder The Runaways. Ich habe privat fast immer Bandshirts, schwarze Jeans und 'ne Lederjacke an. Das ist auch cool, das haben wir auch bei einer Show gemacht, in Leipzig, da hatten wir einen Day-Off, und da haben wir mit meinen Kumpels von Black Salvation eine Show im Black Label Pub gemacht, so ein ganz kleiner Laden, die Bühne war nur so hoch wie eine Stufe. Das war dann Rock 'n' Roll, das war auch mal cool. Aber ansonsten finde ich das total wichtig. Wir haben uns die Dinger von Sharon Ehmann von Toxic Vision anfertigen lassen, in deren Arsch irgendwie alle verknallt sind. Der haben wir Beschreibungen gegeben. Linnéa wollte einen Anzug haben, der nach Lita Ford aussieht. Wir hatten genaue Vorstellungen und haben da viel Kohle für bezahlt. Wir werden uns da auch immer mal wieder neue Sachen machen lassen.«

Ich stand ja total auf den Hut von eurem Bassisten...

»Ja, das ist ein total geiler Holy-Mountain-Hexenhut. Den hat er bei Cathedral schon immer aufgehabt. Manche Leute konnten damit nichts anfangen. In Berlin haben ein paar Leute gesagt: Sah ja alles ganz geil aus, bis auf den Scheißhut. Ich finde es halt cool, wenn Leute einfach anders aussehen. Und so ein Hexenhut hat halt auch eine okkulte Verbindung (lacht).«

Bei deinem Outfit hatte ich den Eindruck, dass die Leute mehr darüber geredet haben, als über die Musik.

»Das hat natürlich auch was mit Einfältigkeit zu tun. Die Musik ist das Wichtigste, und ich hoffe, dass wir uns damit am Ende durchsetzen. Aber mir ist es wichtig, dass man zu der Musik auch was zum Gucken hat. Zumindest, solange das Konzept stimmt. Klar, manche Leute sind dann so blöd und reduzieren einen darauf. Nach der ersten Show kam ich von der Bühne, und dann kam der Clubpromoter zu mir und sagte: Ihr seid aber schon so eine zusammengecastete Band. Ich war natürlich höflich und freundlich zu dem und hab ihm erklärt, dass wir Mädels diejenigen sind, die die Musik schreiben. Damit zeigt er ja nur, wie eingeschränkt er in seiner Vorstellungskraft ist, weil er sich nicht vorstellen kann, dass wir, wenn wir so aussehen, auch talentiert sein und Heavy-Metal-Songs schreiben können.«

Ich hatte bei Ghost ein bisschen den Eindruck, als ob das nicht hundertprozentig euer Publikum war, die ziehen ja nicht mehr nur Metalheads.

»Ja, aber noch mehr als Uncle Acid. Die Leute hinter Ghost haben eine lange Metalhistorie hinter sich, und uns verbindet musikalisch total viel. Ich bin auch selbst ein großer Ghost-Fan. Ich sage das nicht, um rumzuschleimen, sondern es war für mich tatsächlich das ideale Geschenk, mit denen auf Tour zu gehen. Das neue Album ist natürlich ganz schön glatt produziert, aber ich liebe das Songwriting, und die Leute dahinter haben eine Vision, die sie umsetzen.«

Das Interessante bei Ghost ist doch, dass hier Metal-Musiker Poprock spielen – und ihren Poprock doch eine ganze Ecke heavier spielen als üblich.

»Aber das Geile ist doch, das moderner Satanismus so salonfähig gemacht wird. Wenn ich in den Neunzigern mit 'nem Mayhem-Shirt rumgelaufen bin, war ich der totale Außenseiter, ein Freak. Und heute rennt jeder Vice-Magazin-Hipster mit einem Black-Metal-Shirt durch die Gegend. Und die heben das noch einmal auf ein ganz anderes Level. Die skandinavische Metalszene ist da ja sowieso nochmal anders. Früher waren wir Outcasts, und heute? Enslaved haben in Norwegen einen Grammy gewonnen, Watain sind in den größten Zeitungen und der totalen Mainstream-Musikpresse. Der Teufel klatscht sich doch in die Hände vor Freude, dass man aus solchen Inhalten Populärmusik machen kann. Das ist total cool!«

Ghost ist da sicherlich auch die Band, die da am weitesten geht.

»Die haben sich das ja auch so vorgenommen und machen auch keinen Hehl daraus. Die Underground-Scheuklappenträger rufen jetzt natürlich "Verrat!", aber wenn Musik gut ist, hat es auch einen Grund, dass sie in den Mainstream kommt. Es gehört schon was dazu, solche Musik überhaupt schreiben zu können, die so viele Leute auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Das man true und im Underground bleiben muss, ist ja auch eine Teenager-Einstellung. Hey, wenn Ghost mit dem, was sie machen, Erfolg haben und Geld verdienen können – umso geiler. Ich gönne denen das. Bei der Tour sind wir denen ja üblicherweise mit unserem Van hinterhergejuckelt, aber einmal bin ich bei denen im Bus mitgefahren, und morgens vor der Location rausgestolpert. Da standen schon Leute auf dem Parkplatz und haben geschaut, wer aus dem Bus kommt. Das ist der Reiz der Maskerade, aber dahinter steckt halt auch ein wahnsinniger Aufwand. Da mussten im Backstage teilweise die Fenster zugeklebt werden, damit die Leute nicht reingucken können, wer sich gerade umzieht. Wie bei Kiss.«

Nochmal zurück zu den anderen beiden Mitgliedern. Sind das jetzt feste, gleichwertige Mitglieder?

»Es ist schon so, das Linnéa und ich der Kern sind, die Songs schreiben und alle Entscheidungen treffen. Zu den anderen: Ich bin froh, dass die dabei sind, aber der Kern der Sache sind Linnéa und ich.«

Lass uns mal zu euren Einflüssen kommen. Der erste Einfluss: Mercyful Fate!

»Bingo! (lacht) Klar. „Don't Break The Oath“ ist auch eindeutig die beste Mercyful-Fate-Platte. Ein Hit nach dem nächsten.«

Warst du eigentlich letztes Jahr beim Rock Hard Festival?

»Nein, und du brauchst das Messer auch nicht weiter in der Wunde rumdrehen, weil ich mir dafür in den Arsch beißen könnte, dass ich nicht da war (lacht wieder). Ich hab den King das letzte Mal 1999 live gesehen, und da hab ich ihn auch kennengelernt. Das war ziemlich cool, und da bin ich auch stolz drauf.«

Hat er so viel erzählt, wie man ihm das immer nachsagt?

»Nee. Das war so: Ich war damals mit Enslaved in Wacken. Enslaved waren damals nicht so groß, und Wacken war auch kleiner, und wir waren mit dem King im gleichen Hotel. Und dann kamen immer diese Shuttle-Busse, um die Bands zum Festival-Gelände zu fahren. Der King hatte seinen eigenen Shuttle, nur wir nicht. Wir standen draußen und haben gewartet, und er hat uns gesehen und hat uns rübergewunken und gesagt, dass wir bei ihm mitfahren können. Die Enslaved-Jungs waren totenstill, weil sie alle Riesenfans waren, und ich bin ganz nach hinten gekrabbelt. Er setzte sich neben mich. Ich saß stocksteif da und habe krampfhaft aus dem Fenster auf die nebeligen Felder geguckt, und auf einmal haut er mir mit dem Ellenbogen in die Rippen und sagt: „Hey, psst, did you see the witches dance?“ (zu deutsch: Hast du die Hexen tanzen gesehen? - fp) Ich fand das total cool, wusste aber nicht, was damit gemeint war, bis ich dann das Album (sie meint „Time“ von Mercyful Fate, auf dem der Song 'Witches' Dance' drauf ist – fp) gekauft habe. Und ich war die Einzige, zu der er was gesagt hat. Das ist so eine Rock-'n'-Roll-Erinnerung, die mir lieb ist.«

Ansonsten würde ich euch die etwas dunkleren Bands der New Wave Of British Heavy Metal andichten, so etwas wie Angel Witch oder Diamond Head...

»Ganz genau! Das sind die Klassiker für mich als Einfluss und auch für Linnéa. Dazu dann noch Doom-Metal-Bands. In den Neunzigern waren Cathedral für mich total wichtig. Ich muss sagen, meine ersten wirklich wichtigen Einflüsse, sogar bevor für mich die Black-Metal-Phase Mitte der Neunziger angefangen hat, waren Danzig, das war so die erste satanische Band, die ich geil fand, und die sind nach wie vor ein großer Einfluss. Ich bin ein riesiger Danzig-Fan! Und der andere ist Cathedral. Und das Witzige ist, dass der Spieß jetzt umgedreht wurde, früher stand ich bei Cathedral vor der Bühne. 1994 haben die hier in Berlin Black Sabbath supported, und ich war nicht wegen Black Sabbath da, sondern wegen Cathedral, und jetzt ist es so, dass Lee Dorian (Cathedral-Sänger - fp) uns geil findet, und das ist total unglaublich!«

Ich habe spontan so ein bisschen an die ersten paar Thrash-Bands gedacht. Ich hätte da keine Band als Einfluss rausgehört, aber man merkt, dass ihr euch auf dieselben Bands beruft.

»Tatsächlich sind diese Bands aber Einflüsse für uns. Gerade Metallica: Als ich mit 13 das erste Mal auf Konzerte gegangen bin, waren das einmal Guns N' Roses und eben Metallica. Und das hat mich ohne Frage musikalisch beeinflusst. Dazu war mir früher englischer Doom in den Neunzigern noch wichtig, aber so was wie Pentagram natürlich auch.«

Ansonsten finde ich, dass ihr gerade in der Gitarrenarbeit so einen latenten Punk-Vibe habt...

»Das ist Linnéas Einfluss. Ich war nie der große Punk-Fan, aber Linnéa total. Sie ist auch ein riesiger Motörhead-Fan, die sind ja auch relativ punkig und rau. Und das ist auch beabsichtigt. Wir wollen keine ultraglatte, perfekt durchproduzierte Band sein. Es soll schon rau und zackig sein. Ich habe ja in letzter Zeit öfter unterstellt bekommen, dass wir eine Okkult-Metal-Band wären. Das ist halt dieses Schubladending, was ich immer ein bisschen limitiert finde. So nach dem Motto, wir sehen zwei Weiber, und da fällt ihnen nichts anderes ein als trendy Okkult-Metal. Wir können nichts dafür, dass wir Mädels sind, und wir lieben einfach nur die Musik, und unsere Einflüsse sind halt ganz klar Oldschool-Hardrock und Heavy Metal. Schön, dass es so eine Schublade gibt, aber das ist nicht der Grund, warum wir Musik machen.«

Ich finde es auch ein bisschen irritierend, dass ihr teilweise als die deutsche Antwort auf The Devil's Blood gehandelt werdet.

»Ja, da passen wir ja gar nicht hinein. Verstehe mich nicht falsch, The Devil's Blood sind Freunde von mir, und ich liebe ihre Musik, aber es war nie unsere Absicht da anzuknüpfen oder von jemandem abzukupfern. Unsere Musik ist an die Sachen angelehnt, die uns früher geprägt haben. Das ist eigentlich schon eine Art Chauvinismus: Nur weil wir Mädels sind. Und die Überleitung zu diesen punky Riffs ist, dass zum Beispiel The Devil's Blood vom musikalischen her sehr durchdacht sind. Selim ist ja ein Genie, wenn es um diese abgefahrenen Riffs geht. Bei uns ist es dagegen eher sloppy wie zum Beispiel bei The Runaways.«

Bleiben wir kurz beim Thema Chauvinismus: Bist du der Meinung, dass Frauen in der Metalszene allgemein noch anders behandelt werden?

»Ja, na klar! Das war immer so und wird auch immer so sein. Die Metalszene ist halt von Männern dominiert. Aber mit der Einfachheit vieler Leute muss man halt mit Humor umgehen. Ich habe auch genug Kerle in der Szene, die mich respektieren und auf Augenhöhe behandeln. Früher als Teenie gab es halt noch viel weniger Frauen in der Metalszene, und da konnte man sich vielleicht auch noch nicht sofort so artikulieren, dass die Leute merken, dass man auch was in der Birne hat und tatsächlich mit vollem Herzen Heavy-Metal-Fan ist, das war dann für mich schon schwerer. Aber mit dem Alter kommt ja auch die Weisheit (lacht). Letztendlich muss man da drüber stehen, und irgendwann merken die Leute ja, dass man Ahnung hat und mit Herzblut dabei ist.«

Laut eurer Bandbeschreibung ist einer der Punkte, der euch verbindet, der Drang, sich in den Einengungen der Gesellschaft ein bisschen Freiheit zu verschaffen. Inwiefern ist da eine Metalband der richtige Ort für?

»Generell, alles was künstlerisch ist, egal ob das jetzt ein Musiker ist, ein Filmemacher oder ein Maler, bedeutet ja, sich eine Welt abseits der Realität zu schaffen, eine Welt in der du leben willst. Du bist ja selber Metalfan, du fühlst dich am wohlsten, wenn du in deiner Welt bist, auf einem Festival oder so, mit deiner Musik und den dazugehörigen Leuten. Und dazu dient die Kunst ja, dass man sich verlieren kann in einer Parallelwelt, die man sich selber geschaffen hat.«

Also geht es auch ein Stück weit darum, die Kreativität über die Rationalität zu stellen?

»Ich bin sowieso überhaupt kein rationaler Mensch. Klar, Rationalität ist ein wichtiges Überlebenswerkzeug, aber generell strebe ich danach, mir die Welt so zu schaffen, wie ich sie gerne um mich herum hätte, so bescheuert das vielleicht klingt. Und es gibt halt Bands, die sind so wochenendmäßig drauf, und dann gibt es Bands wie Watain, die das ernst meinen und von vorne bis hinten durchziehen. Die in ihrer Welt leben. Die meisten dieser Bands sind schon ewig dabei und die Musiker sind selbst große Musikfans. Und man glaubt ihnen das, was sie machen. Sie sind halt total authentisch. Und so sind wir auch.«

Wo du gerade schon die Verbindung zu Watain ansprichst: Erik hat euer Logo gezeichnet, in eurer Bandbeschreibung steht „Two women sworn to the dark“, was ich mal als Referenz auf das gleichnamige Album deuten würde...

»Na klar! (lacht) Das war ein Horns Up an Watain. Das sind halt wirklich gute Freunde von uns.«

Ein Bekannter, der auch großer Watain-Fan ist, hat mir mal gesagt, dass er auf die Band aufmerksam geworden ist, weil Watain als sehr ernsthafte Black-Metal-Band aufgetreten sind, als niemand sonst eine ernsthafte Black-Metal-Band sein wollte – zumindest von den großen Bands nicht.

»Ja, genau! Es gibt nur sehr wenige noch existierende Bands, die ich komplett ernst nehme. Und bei Watain ist einfach das ganze Konzept von vorne bis hinten stimmig, ob das jetzt die Texte sind, das Visuelle, und natürlich die Musik.«

Lass uns mal wieder zu euch zurückkommen! Ich tendiere immer ein bisschen dazu, in Watain-Schwärmerei zu verfallen...

»Kann ich nachvollziehen (lacht). Erik war auch bei uns im Studio, als wir in Stockholm in den zwei Wochen aufgenommen haben und hat da ein bisschen mit uns abgehangen.«

Hat er sich das Material angehört und gesagt, was er cool findet?

»Ja, und er hat auf der Platte einen Gitarrenheuler versteckt. So ein typisches Watain-Heulen.«

Lass uns mal zu euren Texten kommen. 'Black Rainbow': Wenn ein Regenbogen normalerweise als Weg zu den Göttern gedeutet wird, ist der schwarze Regenbogen dann der Weg in den Abgrund?

»Nicht unbedingt. Eher alle Facetten des Todes und der Morbidität (lacht). Aber es ist natürlich eine Brücke in genau diese Parallelwelt, über die wir gerade gesprochen haben. In das Spirituelle. Dieses ganze Konzept von As Above, So Below – alles was auf der Welt ist, spiegelt sich im Spirituellen wieder. Und der Schlag dazu ist der Regenbogen. Ich will gar nicht so viel über die Texte sagen, weil ich es gut finde, wenn man nicht alles zu sehr erklärt. Wenn du einen David-Lynch-Film guckst und den auf einmal verstehen würdest, wäre ja auch so ein bisschen die Magie weg. Für mich hat das alles eine Bedeutung, und wir sind auch spirituell, authentisch, auch wenn es auf meine eigene Weise verpackt ist. Ich bin vielleicht auch kein Genie beim Texten, das weiß ich nicht. Da steckt aber in jedem Fall mein Herzblut und meine Art von Spiritualität drin. Zu 'Night Child' kann ich noch sagen, dass das eine Ode an Luzifer ist, an eine Art Vater oder wie du es auch immer nennen willst. Was Danzig schon ganz am Anfang gemacht haben. Es lag mir auf dem Herzen, so etwas zu schreiben. 'Night Child', so empfinde ich mich, und so habe ich auch mein ganzes Leben bisher gelebt.«

Und wie geht für euch weiter?

»Im Sommer kommen wahrscheinlich noch ein paar Festivals dazu, und dann spielen wir vielleicht sogar in den USA. Aber erst mal wollen wir das Album veröffentlichen, auf das wir sehr stolz sind. Das Artwork macht im Übrigen Bielak, der schon die letzten Watain- und Ghost-Cover gemacht hat.«

Du bist ja jeden Tag mit unmöglich viel Musik konfrontiert, du arbeitest im Plattenladen, hast deine eigene Metalparty, etc.

»(unterbricht mich enthusiastisch) Absolut, das geht morgens schon los, ich habe nämlich in jedem Zimmer eine Stereoanlage, ich werde von meinem Handy mit einem Song geweckt, dann geh ich ins Bad, mache da ein CD an und so weiter...«

Verändert das auch den Blick auf deine eigene Musik?

»Klar, weil ich dadurch, dass ich so viel Musik höre, ohne Musik gar nicht mehr existieren kann. Ich werde auch nicht müde. Aber ich höre unglaublich viel unterschiedliche Musik. Ich höre nicht nur Metal. Und dann durchläuft man verschiedene Phasen, und dass sind verschiedene Einflüsse, die auch alle wichtig sind. So bekommt man immer wieder neue Ideen und Inspiration. Auch wenn es komische Sachen sind, wie dass ich aktuell viel Fleetwood Mac und Heart höre.«

Dann ganz zum Schluss: Deine Top 5 2013:

»Oh, da hab ich mir kaum Gedanken gemacht. Also, keine Reihenfolge, einfach durcheinander, weil ich mich schwer tue, zu bewerten. Auf jeden Fall In Solitude - „Sister“, dann die letzte Cathedral-Scheibe, die mir das Herz bricht, weil ich so ein großer Fan bin. Dann Beastmilk, deren Chef ist auch ein Freund von mir, der hat mir damals die Demokassette von Beastmilk geschickt. Ich sollte die aber niemandem vorspielen, weil da eigentlich nichts mehr passieren sollte. Ich hab das dann In Solitude vorgespielt und Solstafir, und alle fanden das super und wollten eine Kopie haben. Ich hab dann Matt angebettelt, aber er wollte nicht. Jetzt ist es doch draußen, und es ist der Oberkiller. Die neue Angel Witch finde ich ziemlich gut, und ich würde Black Sabbath mit reinnehmen, weil ich es viel beschissener erwartet habe. Man kann halt nicht erwarten, dass Black Sabbath so klingen, wie sie früher geklungen haben. Und natürlich Watain! Das sind dann schon sechs. Verdammt, wir haben Ghost vergessen!«

Fünf sind eindeutig zu wenig...

»Dann muss ich die Angel Witch wieder rausnehmen.«

War die nicht eh von 2012?

»Stimmt. Dann nimm die raus, dann haben wir eine Top 6. Aber Watain und Ghost müssen da rein!«






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