Online-MegazineInterview

PAIN

Die Hoffnung auf eine zweite Chance

Mit „You Only Live Twice“ hat Workaholic Peter Tägtgren kürzlich das siebte PAIN-Album veröffentlicht. Wir sprachen mit ihm über Lyrics, Musikvideos und warum das Blut schon mal in das falsche Gehirn fließen kann. Im Herbst erwartet uns dann eine ausführliche Europatour, für die Peter sich viel vorgenommen hat.

Peter, „You Only Live Twice“ beinhaltet seit langem „nur“ 10 Songs. Hast du dieses mal mehr Zeit in jeden einzelnen Track investiert?

»Am Anfang waren es eigentlich 12 oder 13 Songs, aber man braucht immer ein paar Bonustracks und ich wollte neun gleichstarke Tracks auf der Scheibe haben. Alles unter 40 Minuten ist für mich ziemliche Zeitverschwendung. So habe ich noch ein paar Songs für iTunes und solche Sachen parat.«

Warum leben wir ausgerechnet zweimal? Übrigens erinnert mich der Titel auch an einen alten James Bond-Film, der den gleichen Namen trägt.

»Haha, damit hat es aber nichts zu tun. Im Titelsong geht es zum Beispiel um Neid und darum, ein schlechtes Leben zu haben. Wenn man in seine Kindheit zurückblickt und man sich erinnert, wie man mal werden wollte und alles anderes geworden ist. Es ist die Hoffnung auf eine zweite Chance.«

Viele Songtitel wie 'Let Me Out', 'Leave Me Alone' oder 'Monster' klingen angepisst und wütend. Ebenso die musikalische Ausrichtung, die häufig in Richtung Hypocrisy tendiert. Welche Einflüsse haben dein Songwriting in diese heftige Richtung bewegt?

»Ich denke es liegt daran, dass die Songs in erster Linie auf der Gitarre entstanden sind. Bisher sind die meisten Sachen auf dem Keyboard entstanden und die Gitarrenspur war darunter. Die Gitarren sind diesmal der Pilot, der dieses Album fliegt. Deshalb ist es härter geworden und die Gitarren haben mehr Raum bekommen.«

Möchtest du noch mehr zu den Lyrics des Albums sagen? Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der eine zentrale Aussage zusammenfasst?

»'Let Me Out' handelt zum Beispiel von der Frustration als Songwriter und Produzent. Man möchte im Songwriting einen Schritt weiterkommen und sich als Musiker weiterentwickeln, was oft sehr frustrierend ist. Es fühlt sich an, als ob man sich immer wieder im selben Rad dreht und nicht vorankommt. In 'Feed The Demons' geht es darum, seine inneren Dämonen in Schach zu halten. In 'Monster' ist es das gleiche. Es geht um eine durchgeknallte Person, die Medikamente nehmen muss, um normal zu bleiben.«

'Dirty Woman' klingt wie eine Art „Bad-Boy-Variante“ des „Pretty Woman“-Classics zusammen mit AC/DC-Elementen und fetten Gitarren. Was war die Idee hinter dem Song?

»Ja, vielleicht. Ich wollte in jedem Fall was anderes ausprobieren. Ich habe mich sowohl mit Pain, als auch Hypocrisy nie vor neuen Dingen gefürchtet. Aber wie ich schon sagte, möchte ich mich weiterentwickeln. Es ist einfach etwas, wo ich das Gefühl habe, es zu brauchen.«

Was war die Idee hinter dem Musikvideo?

»Ich glaube ich kam im vergangenen September darauf, als wir in
Südamerika waren. Wir haben über Videos und das neue Pain-Album gesprochen. Und ich wollte gern mal nicht im Mittelpunkt stehen. Und dann hatte ich die Idee: Was wäre wenn David hinter unserem Rücken durchdreht und wir es gar nicht mitkriegen (Schlagzeuger David Wallin zerlegt im Video hinter dem Rücken der Band sein Drumkit und zündet es letztendlich an, Anm. d. Verf.)? Und so haben wir die ganze Video-Idee entwickelt. Die Lyrics in dem Song handeln von uns Männern, nicht von den Frauen. Sobald eine schöne Frau im Raum ist, fließt unser Blut aus unserm Gehirn in das andere. Und dann werden wir zu Robotern und die Frau kann uns steuern, wohin sie will. Man denkt mit dem falschen Kopf.«

Die Pain-Videos sind generell immer sehr originell und witzig. Am Ende von „Dirty Woman“ laufen diese Plüschtiere über die Straße, die im Video zu „The Great Pretender“ eine Bank überfallen, aber nur Möhren und Bananen bekommen. Gibt es da einen tieferen Sinn?

»Außer den drei Tieren gibt es keine weitere Verbindung. Sie wollen eigentlich Geld, aber die Frau in der Bank versteht es nicht. Darum prügeln sie sich am Ende des Videos.«

Du warst immer ein großer Freund der Alien-Thematik. Wann und wodurch wurde dein Interesse daran geweckt?

»Das ist schon mein ganzes Leben da. Vor 15, 16 Jahren habe ich begonnen, darüber zu schreiben. Aber auf diesem Album ist zu diesem Thema nichts dabei. Generell fühle ich mich mit diesem Thema wohl. Es hat 1994 mit „The Fourth Dimension“ angefangen und sich immer weiter entwickelt. Es ist einfach eine Art, Geschichten zu schreiben. Derzeit habe ich das Gefühl, das in der Hinsicht alles gesagt ist, aber man weiß ja nie.«

Im Herbst gehst du mit Pain auf Europatour. Was können wir im Hinblick auf die Show und die Songauswahl erwarten?

»Wir werden definitiv eine Menge Zeug mit auf die Bühne bringen. Wir werden etwas Großes daraus machen und die Möglichkeiten der Clubs ausnutzen. Die Showeffekte werden sehr cool. Was die Songs angeht, werden wir noch eine Umfrage starten und schauen, was die Fans hören wollen. Es ist immer am besten, den Fans zu vertrauen, da sie dafür bezahlen und wir ihnen dafür auch etwas Wertiges bieten wollen.«

Welche der neuen Pain-Songs haben deiner Meinung nach die besten Live-Qualitäten und wieso?

»Das wird sich zeigen. Wir haben die neuen Songs erst drei oder vier mal live gespielt. 'The Great Pretender' und 'Dirty Woman' haben sehr gut funktioniert. Übrigens ist das Album in Deutschland auf Platz 40 der Charts gelandet. Das ist unsere höchste Platzierung bisher und ich habe es gestern gesehen und gedacht: wow! Was sich auch noch live anbietet, ist der Titeltrack. Und genauso der Opener des Albums als Opening-Track der Shows.«

Wie sind deine Pläne für den Rest des Jahres? Ist dein Terminkalender voll mit der PAIN-Promotion, Touren und Produzenten-Jobs, oder hast du auch etwas Freizeit?

»Das Jahr ist schon ziemlich voll. Wir werden nicht so viele Festivals spielen, weil wir uns alles für die Tour aufheben wollen. Die Tour ist von Mitte September bis Ende November angesetzt und wird von Tag zu Tag größer. Wir werden zehn Gigs in Schweden, fünf in Finnland und wohl auch einige in Norwegen spielen. Ebenso im Rest von Europa. Im Dezember werde
ich wahrscheinlich das neue Overkill-Album mixen und Ende Dezember mit Sabaton arbeiten. Das nächste Jahr wird mehr aus Produzenten-Jobs, als Auftritten bestehen. Im nächsten Sommer werden aber hoffentlich einige Festivals anstehen.«

 

(Fotos - Promo: Heile)

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