Online-MegazineInterview

CAROUSEL

Diamantenfieber

CAROUSEL

Rockröhre Dave ist nicht etwa von einem Schleudergang im eigenen CAROUSEL angeschlagen, sondern nach seiner Ankunft im alten Europa ordentlich mit Jetlag geplagt. Der Mix aus Classic Rock und Proto-Metal kickt auf dem Debüt „Jeweler´s Daughter“ dennoch.

Dave, sind die anstehenden Europa-Gigs eure ersten Konzerte außerhalb der USA?

»In der Tat - und Touren funktioniert hier anders als bei uns. Hier bekommen wir in beinahe allen Clubs was zu essen, einen Raum, um uns zurückzuziehen, und Erfrischungen. All das kann man in den USA nicht erwarten, obwohl die Leute dort auch großzügig sind. Das Publikum ist sehr enthusiastisch, hier scheint es jede Menge Rock´n´Roller zu geben. Außerdem darf man als Mitfahrer etwas trinken. Das ist bei uns daheim ein absolutes No-Go.«

Eine Achterbahn ist immer für einen Adrenalinschub gut, aber ein solches Fahrgeschäft kann in den Schatten gestellt werden. Ein Karussell hingegen dreht gemütlich seine Runden und erfüllt mit nostalgischen Gedanken. Trifft diese Charakterisierung auch auf euch als Band zu?

»Wir haben keine Formel, nach der wir komponieren, sondern schreiben einfach die Songs, die wir selbst gerne hören würden. Das ist weder kalkuliert noch Nostalgiegefühlen geschuldet.«

Jede junge Band ist ein Amalgam ihrer Einflüsse. Wann wird man von einem genuinen CAROUSEL-Sound sprechen können?

»Man kann sich nicht in die Hörerschaft hineinversetzen und ihre Auffassung der eigenen Musik vorhersehen. Aber wir haben uns zwischen unserer EP und „Jeweler´s Daughter“ entwickelt. Momentan schreiben wir Songs für das zweite Album. Wer weiß, wohin uns das bringen wird. Wir können uns alle auf Bands wie Black Sabbath und Thin Lizzy einigen, haben aber durchaus verschiedene Geschmäcker.«

Seid ihr junge Männer mit alten Seelen?

»Es gibt vieles, was wir an den 1960ern und 1970ern lieben, neben der Musik auch das Design. Aber es reizt uns überhaupt nicht, in anderen Zeiten als im Jetzt zu leben.«

Habt ihr es dennoch bei neun Songs belassen, damit „Jeweler´s Daughter“ problemlos auf eine reguläre LP passt?

»Auch live heißt unsere Philosophie, das Publikum nach mehr verlangen zu lassen, statt seine Gastfreundschaft überzustrapazieren. Viele unserer Lieblingsalben haben auch nur acht oder neun Songs. Nicht enthaltene Stücke wie ´November´ und ´Tears Of Stone´ haben wir zudem bereits 2012 auf einer 12“ veröffentlicht.«

Gerade in ´On My Way´ sind eure Diamond-Head-Einflüsse sehr deutlich, wodurch ihr auch nicht zu weit von den ganz frühen Metallica entfernt seid. Genau das drückt ihr auch auf dem Facebook-Foto eurer Mastering-CD mit den bekannten Metallica-Lettern aus. Ist es möglich, dass ihr im Laufe eurer Entwicklung härter und thrashiger werdet?

»Wir lieben Metallica und andere Thrash-Bands, fühlen uns aber eher jenen Gruppen verbunden, die diese Szene inspirierten, so wie Jaguar und Motörhead. Uns selbst sehen wir als schlichte Rock´n´Roll-Band.«

Sicherlich haben Thin Lizzy, Wishbone Ash, Judas Priest und einige Southern-Rock-Bands die Gitarrenharmonien salonfähig gemacht, Iron Maiden das Rezept nur verfeinert. Dennoch klingt beispielsweise euer Titelsong deutlich mehr nach den NWOBHM-Helden. Welche ihrer Besetzungen bedeutet euch am meisten?

»Paul Di´Anno war für die ersten beiden Albern perfekt, aber um die Entwicklung der Band nicht aufzuhalten, brauchten Iron Maiden einen dynamischeren Sänger, den sie in Bruce Dickinson fanden. „Powerslave“ ist bandintern unser Lieblingsalbum von ihnen.«

Von Thin Lizzy habt ihr hingegen ´Warriors´ gecovert.

»Das Label Mind Cure Records gehört unserem Kumpel Mikey Seamans. Er hat ein Projekt aufgezogen, bei dem er ein Jahr lang im Monatstakt Singles lokaler Bands auflegt. Auf der A-Seite soll ein eigener Song sein, auf der Rückseite ein Cover nach Wahl. Das hat riesigen Spaß gemacht, also greifen wir gerne wieder zu, wenn wir ähnliche Chancen geboten bekommen.«

´Diamonds Are A Girl´s Best Friend´ wusste schon Marylin Monroe. Was hat es mit der Juwelierstochter auf sich? Gibt es ein reales Vorbild, oder ist die Dame einem feuchten Traum entsprungen?

»Ich weiß wirklich nicht, was ich darauf sagen soll - außer, dass meine Texte auf persönlichen Erfahrungen beruhen.«

Kennt ihr wenigstens das Covermodel, und wird man bei der LP vielleicht dank Gatefold mehr von ihr zu sehen bekommen?

»Das ist unsere gute Freundin Tilley, die in der Pittsburgher Punkband Zeitgeist singt. Aber sorry: Mehr als den Coverausschnitt gibt es in keinem Format von ihr zu bewundern.«

Bleibt die Frage, was man so einer Dame schenkt - mit Schmuck wird man der Tochter eines Juweliers schwerlich imponieren können.

»Das ist wohl wahr. In dem Fall müssen wir uns wohl auf unseren unwiderstehlichen Charme verlassen.«

Die Einleitung von ´Long Time´ klingt direkt vertraut nach ´Under My Thumb´. Haben eure Eltern euch mit den Rolling Stones schon im Kindesalter zu Rockern erzogen?

»Wir lieben die Band, sehen sie aber nicht als einen unserer Haupteinflüsse. Aber jetzt wo du es sagst, erkenne ich die Ähnlichkeiten beider Parts. Das US-Radio hat uns mit ihren Songs vertraut gemacht - man kann es keine drei Minuten laufen lassen, ohne einen Stones-Song zu hören.«

Tretet ihr öfter als Kiss-Coverband auf, oder war der Gig im Oktober 2011 mit anderen Bands, die Tribute-Sets für Black Sabbath, CCR und Joy Division spielten, eine Ausnahme?

»Ursprünglich studierten wir das Programm für eine Halloween-Show ein. Da wir nur 20 Minuten zugesprochen bekamen, verbanden wir einige unserer Lieblingssongs in dieser Reihenfolge: ´Deuce´, ´Cold Gin´, ´Lick It Up´, ´God Of Thunder´, ´Love Gun´, ´She´, ´Shout It Out Loud´ und ´Rock And Roll All Nite´. Seither haben wir dieses Medley noch zweimal aufgeführt und werden es sicher wieder tun.«

 

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DISKOGRAFIE

Tears Of Stone (12“, 2012)
On My Way (7“, 2013)
Jeweler´s Daughter (2013)