Online-MegazineInterview

GRAND MASSIVE

Der Teufel von der Rückbank

GRAND MASSIVE

GRAND MASSIVE aus Bayern veröffentlichen lieber EPs und Singles statt Longplayer. Mit ihrer aktuellen, schlicht „2“ betitelten EP, räumt das Quintett um Daredevil-Records-Chef Jochen Böllath ordentlich im hiesigen Stoner-Rock-Underground auf. Hier sind leidenschaftliche Musiker mit einer Vorliebe für schwere Riffs und alte Monsterfilme am Werk!

Jochen, kannst du GRAND MASSIVE unseren Lesern die euch noch nicht kennen, mit ein paar Sätzen näher bringen?

»Nun ja, der Sound stellt einen Mix unserer langjährigen Einflüsse dar. Aufgebaut auf schweren Riffs ergibt sich der Rest meist von selbst. In den Reviews fallen oft die üblichen Verdächtigen als Einflüsse: Down, COC, Crowbar, Danzig, Sabbath, Black Label Society. Ich finde, wir haben schon einen eigenständigen Sound, aber die Leute brauchen ja immer einen Vergleich. Wir alle machen schon seit ein paar Jahren Musik und haben einfach Freude an der Band; sie ist zwar nur ein Hobby und eine Liebhaberei, aber wir nehmen die Sache sehr ernst und stecken viel Herzblut rein.«

Eure Diskografie setzt sich ausschließlich aus EPs und Singles zusammen. Wolltet ihr mit Absicht einen stetigeren Output haben, ehe ihr eure Fans jahrelang auf ein Album warten lasst?

»Beabsichtigt war das von Anfang an nicht. Aber ja, genau was du anführst ist der Grund. Unser Arbeitstempo ist nicht das schnellste, das habe ich mit den Jahren gelernt. Wir haben bis jetzt zwei EPs und zwei Singles rausgebracht. Und bevor wir zehn Songs aufnehmen und dann ist für zwei oder mehr Jahre Funkstille, haben wir uns entschlossen, weiterhin nur EPs zu veröffentlichen und dadurch schneller neues Material nachzuschieben. Gerade heutzutage ist es wichtig, präsent zu bleiben. Momentan nehmen wir die Drums für die nächste CD auf, die dann hoffentlich Ende des Jahres erscheinen wird.«

Insbesondere bei Vinyl-Singles muss neben der Liebhaberei aus die Finanzierung drin sein. Kannst du das problemlos über dein Label Daredevil Records lösen?

»Auch wenn der Boom momentan ja wieder in diese Richtung geht, habe ich nie aufgehört, Vinyl zu hören und zu sammeln. Ich hab Vinyl einfach auch gern in der Hand. Bei der „Going Into Red“-Single wollten wir nach einer längeren Auszeit unseren neuen Sänger Alex vorstellen und hatten mit John Lancaster von Chum noch einen meiner Lieblingssänger für einen Song gewinnen können. Auch aus diesen beiden Gründen wollten wir was besonderes mit den zwei Songs anstellen und haben so viel wie nur geht in die Single gepackt: Farbposter, Sticker, Inlay, Schutzhülle und eine CD. Ich denke, jeder Käufer bekommt ganz schön viel Bonus zur Single und für den Preis! Die Finanzierung so eines Vorhabens ist natürlich nie problemlos, vor allem nicht über Daredevil Records. Aber wir fanden es eine gelungene Aktion und haben es dann halt einfach gemacht. Restexemplare gibt es noch auf unserer Webseite im Shop.«



Ihr habt „2“ bei Dan Swanö produzieren lassen. Es ist bekannt, dass er nicht gerade wenige Platten im Jahr mastert. Wieso hast du gerade ihn ausgesucht, den Sound für deine Band zu gestalten?

»Die Arbeit von Dan Swanö verfolge ich schon seit seligen Edge Of Sanity und zu deren Kur-Nu-Gi-A-Demozeiten. Das war 1990 und Edge Of Sanity ist seitdem eine meiner liebsten Death-Metal-Bands geblieben. Als ich dann die letzte Motorjesus im Auto hörte und sah, dass Dan daran gearbeitet hat, war mir klar, dass ich für die nächste Scheibe einen ähnlich fetten Sound will. Und ich wollte Dan! Ich würde nie so weit gehen und sagen, dass wir zwei nun gute Bekannte sind, aber wir haben uns gleich auf Anhieb gut verstanden, lagen auf der selben Wellenlänge und haben einige Anekdoten aus der damals aufkommenden Death-Metal-Bewegung ausgetauscht. Mit einem meiner Lieblingsmusiker zusammenzuarbeiten, war schon traumhaft. Und ich finde, Dan hat die aktuelle Scheibe mit einem fetten Sound veredelt.«

Wenn man sich das Booklet anschaut, fällt auf, dass ihr alle Instrumente in unterschiedlichen Studios aufgenommen habt. Lag das an vorhandenem Equipment, persönlichem Geschmack, unterschiedlichen Wohnorten, oder noch anderen Gründen?

»Natürlich lag das vor allem an finanziellen und logistischen Gründen. Mehrere Tage zusammen in einem Studio zu verbringen, war einfach nicht machbar. Wir waren gut vorbereitet und jeder hat in dem Studio seiner Wahl eingespielt. Aber bis auf die Gesangs- und Bassaufnahmen waren wir schon immer dabei. Die Arbeitsweise war für uns neu, hat sich aber letztendlich ausgezahlt.«

Im Stoner-/Doom-Sektor sind viele Sound- und Equipment-Spezialisten unterwegs. Wie wichtig ist dir, über welche Gitarren- und Ampmodelle du spielst?

»Mir persönlich ist das relativ unwichtig, da ich schon vor gut 15 Jahren meinen persönlichen Sound fand und seitdem den gleichen Marshall-Amp und die gleiche Gibson Studio benutze. Das ist der Sound, den ich haben will und da wird sich wohl auch nicht mehr großartig was ändern. Amp – Kabel – Gitarre. Rein und kraftvoll, ohne jeden Firlefanz. Aber wenn du unseren anderen Gitarristen Peter fragst, erzählt er dir da wahrscheinlich genau das Gegenteil.«

Welche Tipps kannst du, besonders im Bezug auf tiefergestimmte, groovebetonte Klänge, weitergeben?

»Ich bin sicherlich nicht in irgendeiner Position um Tipps oder ähnliches an andere Musiker zu geben. Lasst es aus dem Bauch und aus dem Herzen kommen! Nur das zählt doch letztendlich.«

Zuletzt habt ihr in München im Vorprogramm von Corrosion of Conformity gespielt. Waren für den Supportslot im Vorfeld besondere Connections zu Bookern von Vorteil?

»Das weiß ich letztendlich nicht, da wir von unserem Supportslot für C.O.C. relativ spät auf der C.O.C.-Seite Notiz nahmen. Natürlich ist es ein kleiner Vorteil, wenn man zu den Münchner Clubs und Bookern einen guten Draht hat. Chaos Squad aus München arbeitet eng mit GRAND MASSIVE zusammen und kümmert sich sehr gut um uns. Und in der süddeutschen Szene hat Chaos Squad auch hier und da gute Kontakte.«

Zu zwei Songs von „2“ existieren bereits Videoclips. Besonders der zum straighten Opener 'Sounds Of War' ist wirklich witzig geworden. Darin zertrampelt eine grüne Dinosaurier-Figur eine Modell-Eisenbahnlandschaft. Ihr seid Fans von den alten Godzilla-Monsterfilmen, oder?

»Natürlich gehörten die Streifen mit zu unserer Jugend. Damit  ist man doch aufgewachsen. Der Film zum Videoclip stammt aber von Chaos-Squad-Chef Harry und hat schon sage und schreibe 17 Jahre auf dem Buckel. Der Film ist ein kleines Meisterwerk, besitzt in unserem Bekanntenkreis Kultstatus und liegt schon zu lange unbenutzt herum. Erst jetzt konnte Randy von Freqstv ihn dazu überreden, den Film einer größeren Masse zugänglich zu machen. Und ich denke, der Clip ist ganz gut geworden und passt auch sehr gut zum Song bzw. der Song zum Video. Randy M. Salo hat den Streifen dann für den Song 'Sound Of War' zurechtgebogen und hier wirklich ein gutes Ergebnis vollbracht. Wobei bei einer solchen Art von Videoclip natürlich der Grad zwischen lustig und lächerlich immer sehr dünn ist, aber in meinen Augen ist das hier absolut gelungen.«

Die zweite Auskopplung 'In The Woods' stellt quasi den anderen Gegenpol eures Sounds da. Die Stoner-Gitarrenwand weicht akustischem, bluesigerem Sound, euer Sänger singt den Song allein am nächtlichen Lagerfeuer. Gibt es bei dem Video auch eine Story zu der Idee im Hintergrund?

»Da der Song relativ minimalistisch ist, wollten wir auch einen simplen Clip dazu haben. Wir wollten etwas Atmosphäre schaffen, Düsternis, Einsamkeit, Dunkelheit. Darum ist auch nur Alex im Video zu sehen. Einsam und allein in der Nacht, mehr brauchte es nicht. Im Hinterkopf zu 'In The Woods' hatten wir immer das Plattencover von Samhain`s „November Coming Fire“.«

Sind nach eurem Sängerwechsel auch die Lyrics von ihm übernommen worden? 'Backseat Devil' ist wahrscheinlich kein nörgelndes Kleinkind auf dem Rücksitz, oder? Im Ernst: Was sollte man über die Texte von GRAND MASSIVE wissen, um auch die Aspekte neben der Musik kennenzulernen?

»Obwohl wir fast alle Kinder haben, ist der „Devil“ natürlich kein Kleinkind auf dem Rücksitz, eher ein dunkler Passagier der ständig mitfährt und mal mehr oder weniger von hinten ins Steuer, und somit ins Leben, greift. Von der ein auf die andere Sekunde, ohne Vorwarnung. Teile von 'My Own Sickness' stammen noch von unserem alten Sänger Tony, aber bis auf das Chum-Cover 'Embracing The Eyesore' hat Alex alle Lyrics verfasst und über sehr alltägliche Dinge geschrieben. Aber eben immer irgendwie mit dem gewissen Dreh ins Düstere bzw. natürlich auch ins Positive. Bei 'I Am Atlas' z.B. denken viele gleich an etwas mystisches oder bedrohliches, aber wenn man zwischen den Zeilen liest, geht es mehr um die Entdeckung der eigenen Stärke oder eben für Andere stark zu sein.«

Wo und wann kann man euch auf Bühnen abseits von Süddeutschland in nächster Zeit begutachten? Gibt es schon feststehende Termine?

»Momentan gibt es keine aktuellen Sommertermine, außer es kommt noch was kurzfristig rein, dann sind wir natürlich immer bereit. Aber gerade sind wir mitten in den Aufnahmen zur nächsten CD. Ansonsten planen wir für Herbst die nächsten Shows.«

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