Online-MegazineInterview

GLOOMBALL

Der rote Vogel fängt den Wurm

GLOOMBALL

Mannheims Söhne machen Soul? Von wegen! GLOOMBALL sind der erfreuliche Beweis dafür, dass die Stadt am Neckar auch in Sachen Modern Rock und Metal einiges zu bieten hat. „The Distance“, die Debütscheibe des Fünfers, fährt für einen Erstling erstaunlich gute Kritiken ein – unter anderem 8 von 10 Punkten im Rock Hard. Gitarrist Björn Daigger (ex-Majesty) stellt uns seine Truppe vor und verrät, was GLOOMBALL mit der neusten Diesel-Kollektion, den „Rocky“-Filmen und selbständigen Brötchenbäckern gemeinsam haben.

Björn, ein wenig Namensforschung zum Einstieg: Verrate uns doch einmal, wie ihr zu eurem Bandnamen GLOOMBALL gekommen seid, der ja nicht unbedingt zum 08/15-Metalvokabular gehört.

»Der Bandname ist auf den Mist unseres Sängers Alen Ljubic gewachsen. Am Anfang war die Band ja eigentlich ein Studioprojekt. Damals war ich auch noch gar nicht dabei. Das waren völlig andere Leute als jetzt, und die haben sich damals GLOOMBALL genannt. Warum, weshalb... das weiß keiner so genau. Alen meinte nur: „Das klang halt gut!“, und als dieses Studioprojekt dann irgendwann im Sande verlaufen ist, haben wir den Namen einfach weiterverwendet. Das sorgt natürlich immer mal für ein bisschen Spott bei manchen Leuten. Aber der Name ist einprägsam und besteht aus einem Wort. Es ist ja heutzutage auch sehr schwierig, Bandnamen zu finden, die aus einem Wort bestehen. Bullet For My Valentine, My Chemical Romance, Bring Me The Horizon und wie die alle heißen. Das sind jetzt auch nur die kurzen, die man sich merken kann. Da ist GLOOMBALL eigentlich nicht so schlecht. Als ich dann 2010 dazukam, haben wir den Bandnamen deshalb einfach beibehalten. Der war halt noch frei, haha.«

Und was hat es mit dem komischen Vogel – pardon – Phönix auf sich, der euer Cover ziert?

»Zu unserem Cover gibt es eine witzige Story: Unser Designer Jens Reinhold (u.a. tätig für Sodom und Running Wild) hat für den Phönix eine freie Grafik verwendet, worüber ich am Anfang gar nicht so begeistert war. Jetzt ist das selbe Ding aber auf der neuen Shirt-Kollektion von Diesel aufgetaucht, was dann natürlich schon fast wieder cool ist. Danke, Diesel, dass ihr kostenlos Werbung für uns macht! «

Gloomball - The Distance

Wie du gerade schon gesagt hast, haben GLOOMBALL als Studioband angefangen. In den letzten Jahren habt ihr aber doch ziemlich oft live gespielt. Wie kam es denn zu diesem Meinungsumschwung?

»Die alte Besetzung hat damals während dieser Studiogeschichte schon ein paar Gigs gespielt und wir haben das noch weiter ausgebaut. Und die Sache ist doch einfach die: Ein Studioprojekt - wer bitte braucht das denn wirklich? Das ist zwar ganz nett, aber als Alen und ich uns damals kennengelernt haben, war uns beiden klar, dass wir eine richtige Band an den Start bringen wollten. Und gerade im Rock 'n' Roll geht das eben nur, wenn man live spielt. Alen war mein Nachbar, und irgendwann, bei einer Flasche Rotwein auf der Neckarwiese, haben wir uns kennengelernt und beschlossen, etwas zusammen zu machen. Die Idee dahinter war einfach: Es gibt hier schon einige Songs, es gibt einen Bandnamen, und das verwenden wir jetzt. So konnten wir auch direkt auf die Bühne gehen. Wir haben dann aber komplett neue Songs geschrieben und von den alten Songs ist inzwischen gar nichts mehr am Start.«

Wo wir gerade von den neuen Songs auf eurer Platte sprechen: „The Distance“ hat ja ziemlich gute Reviews bekommen, in denen ihr oft in die Alternative-Metal-, bzw. Modern-Rock-Schublade gesteckt werdet. Es fallen immer wieder Vergleiche mit Bands wie Godsmack, Alter Bridge, Stone Sour und Konsorten auf. Findest du diese Vergleiche gerechtfertigt, oder gibt es ganz andere Bands und Musiker, die euch beeinflusst haben?

»Ich denke, die Beispiele passen eigentlich ganz gut. Der Bandname Godsmack fällt halt immer, weil Alen eine ziemlich ähnliche Stimme hat. Musikalisch gesehen mögen wir diesen Kram auf jeden Fall, wobei sich das bei uns auch eher auf ganz natürliche Weise entwickelt hat. Wir haben uns nie zusammengesetzt und beschlossen, dass wir so klingen wollen wie Band X oder Band Y. Alen und ich haben zusammen Songs geschrieben, und dann klang es eben nach dieser Richtung. Die Einflüsse unserer Band sind furchtbar breit gestreut. Unser Basser Basti kommt zum Beispiel eigentlich mehr aus der Death-Metal-Ecke. Ich selbst bin so einer von diesen ganz furchtbaren Alleshörern, Alen letzten Endes auch. Unser zweiter Gitarrist Jossi kommt mehr aus dem Prog-Bereich, und so ergänzt sich das alles eigentlich sehr gut. Man muss aber wirklich sagen, dass wir die vorhin genannten Bands alle sehr gern hören. Es spielen aber auch völlig andere Geschichten eine Rolle.«

Zum Beispiel...?

»Also ich persönlich höre auch gern sehr viel mainstreamiges Zeug, Popmusik, aber auch richtig harten Kram. Ich denke, ihr hört aus all diesen verschiedenen Richtungen Einflüsse auf der Platte. Unsere Nummer 'Burning Gasoline' zum Beispiel hat ein ziemlich hartes Opening-Riff, ist sehr Achtziger-lastig, geht dann aber in eine eher hardrockige Strophe. Bei 'Blown Away And Gone' haben wir auf der anderen Seite am Anfang diese Doppel-Lead-Gitarren, über die sich die Iron-Maiden-Fans immer freuen. Die werden dann aber enttäuscht, weil das der einzige Maiden-Part auf der Platte ist, haha.«

Stichwort Maiden: Du selbst warst ja früher eher im Bereich True- und Power Metal unterwegs, zum Beispiel als Gitarrist bei Civilization One und vor allem bei Majesty. Das ist stilistisch doch ein kleiner Unterschied zur Musik von GLOOMBALL. Wieso hast du so eine 180-Grad-Drehung hingelegt? Keine Lust mehr auf Power Metal?

»Haha, naja, das hat sich irgendwie so entwickelt. Wer mich kennt, der weiß, dass ich jetzt nie so der beinharte True-Metaller war. Majesty und alle anderen Truppen, in denen ich mitgespielt habe, sind natürlich tolle Bands. Aber, wie gesagt, ich höre auch gern anderen Kram. Ich bin ein Vertreter der Fraktion „ein guter Song ist ein guter Song, und eine gute Band ist eine gute Band“. Ob das nun nach Hardrock klingt, nach Power Metal oder nach Death Metal, war mir eigentlich immer ziemlich egal. Bei GLOOMBALL lautete der Plan jetzt auch nicht: „Ich will mal was Modernes machen.“ Das hat sich einfach so ergeben. Ich höre Power Metal immer noch gern und stehe auch hinter dem Kram, den ich damals gemacht habe. Ich denke, man darf da gar nicht so einen Unterschied machen. Metal ist Metal. Egal ob das nun Power Metal ist, Alternative Metal oder Death Metal. Es gibt überall gute Bands.«

Kommen wir mal zu 'The Distance', eurer ersten Single-Auskopplung...

»Inzwischen gibt es sogar schon die zweite. Wir haben gerade erst 'Overcome' rausgehauen.«

Gut, dann verrate uns doch, wieso ihr euch gerade diese beiden Songs ausgesucht habt. Sind sie besonders charakteristisch für die Band?

»Bei 'The Distance' war es, um ehrlich zu sein, vor allem eine Entscheidung unseres Labels SPV, wobei der Song auch für uns gefühlt der stärkste Track auf der Platte ist. Deswegen ist er ja auch unser Titeltrack geworden. Der ist natürlich nicht so typisch für uns, weil es sich eher um eine ruhigere Nummer handelt. Deshalb habe wir uns auch entschieden, zu 'Overcome' noch ein zweites Video rauszubringen, denn der Song zeigt eigentlich, wofür GLOOMBALL stehen. Ich glaube, dass einige, als wir mit der ersten Single ankamen, GLOOMBALL im ersten Moment für eine Gothic-Band gehalten haben, haha. 'The Distance' ist also definitiv nicht der repräsentativste Track, war für uns aber schon der stärkste, und als ersten offiziellen Auftritt sollten man ja schon den „Hit“ raushauen.«

Auf eurer Scheibe sind nicht ausschließlich eure eigenen Songs vertreten, sondern auch Robert Teppers Nummer 'No Easy Way Out' vom „Rocky IV“-Soundtrack. Seid ihr Fans der Filme?

»Ja, natürlich sind wir „Rocky“-Fans! Ich glaube, jeder ist „Rocky“-Fan. Nein, unser Sänger Alen ist da ganz traditionell und hört beim Training im Fitnessstudio immer die „Rocky“-Soundtracks um sich zu pushen. Dann kam er irgendwann auf die Idee: „Lasst uns doch ein Cover machen!“, und ich war sofort Feuer und Flamme. Solche Songs, die dann ein bisschen härter aufgezogen sind, wie zum Beispiel das Disturbed-Cover des Genesis-Songs 'Land Of Confusion', fand ich schon immer großartig. Und dann haben wir gesagt, wir probieren das auch mal aus. Am Anfang haben wir den Song immer live gespielt. Als Newcomer ohne Album ist es eben manchmal ganz gut, wenn du einen Song hast, den die Leute auch kennen – vor allem, wenn du vor völlig neuem Publikum spielst. So sind wir bei diesem Song hängengeblieben. Wir werden ständig gefragt, wieso wir nicht 'Eye Of The Tiger' genommen haben, aber der ist einfach zu ausgelutscht. Da hat 'No Easy Way Out' einfach besser gepasst.«

Du hast ja bereits erwähnt, dass ihr bei SPV/Steamhammer unter Vertrag steht. Nicht gerade das kleinste Label, das ihr euch da geangelt habt. Fühlt ihr euch dort gut aufgehoben? Inwiefern hat sich euer Bandalltag seit dem Signing verändert?

»Auf jeden Fall fühlen wir uns da super aufgehoben. Diese Alternative-Metal-Geschichte ist in Deutschland ja nicht so unglaublich verbreitet. Da war es von Anfang an nicht so einfach, ein gutes Label zu finden. Labels wie Nuclear Blast sind ja eigentlich rein Metal-orientiert. Deshalb hatten wir von Anfang an gehofft, dass SPV Interesse hat, weil die musikalisch viel breiter aufgestellt sind. Die haben auch ein paar Pop-Acts und richtig hartes Zeug. Als sie dann Interesse anmeldeten, war es eigentlich das Beste, was uns passieren konnte. Sind ja alles namhafte Acts da, und das von dieser Seite Interesse bestand, war natürlich eine schöne Sache. Und zum Bandalltag: Ich denke, wir arbeiten jetzt auf jeden Fall fokussierter als vorher. Wir haben inzwischen auch schon mit einigen Songs für die zweite Platte angefangen, damit wir da gegen Ende nicht in Stress geraten.«

Hast du das Gefühl, dass das Label euch ausreichend pusht?

»Ja, das würde ich schon sagen. Ich habe ja auch den Vergleich zu früheren Labels, und da kann man sich wirklich nicht beschweren. Da machen SPV bisher einen wirklich guten Job.«

Da wir gerade beim Thema „guter Job“ sind: Eure Scheibe „The Distance“ ist nicht nur im deutschsprachigen Raum auf den Markt gekommen, sondern in ganz Europa und auch in Nordamerika. Wie war bisher die internationale Resonanz? Kommt ihr im Ausland gut an?

»Ja, gerade im Ausland. Vor allem aus Amerika kriegen wir viel Feedback. Es sagt ja auch immer jeder, dass wir eigentlich Musik für den amerikanischen Markt machen. Solche Bands wie Shinedown, die bei uns in ganz kleinen Hallen spielen, verkaufen da drüben ganze Stadien aus. Und da wir gern in die Alternative-Ecke gepackt werden, ist es eigentlich nachvollziehbar, dass wir dort, vor allem in Hinblick auf die zweite Platte, viel mehr machen sollten. Wobei es natürlich für eine deutsche Band schwierig ist, da überhaupt etwas zu reißen. Aber vielleicht hilft ja der Exoten-Bonus, wir werden sehen. Insgesamt sind die Resonanzen aus dem Ausland aber alle super. Einen richtigen Verriss hatten wir bisher noch gar nicht. Natürlich gibt es immer ein paar durchwachsene Reviews, das ist klar. Es kann ja auch nicht jedem gefallen. Aber insgesamt sind die Reviews eigentlich erschreckend gut, haha.«

„Erschreckend gut“ sind die Kritiken auch in Deutschland. Eigentlich muss ich gar nicht fragen, ob eure Platte hier gut ankommt. Unter anderem habt ihr den zweiten Platz der Amazon-Hardrock- und Metalcharts und die Top Ten der iTunes-Charts geknackt – bei einem Debütalbum ja eher ungewöhnlich...

»Natürlich freut man sich da! Man darf das aber auf der anderen Seite auch nicht überbewerten. Das sind ja alles Download-Charts. Da muss man ganz klar sagen: Deine Platte kommt auf den Markt, dann bist du da zwei oder drei Tage drin und dann fliegst du auch schon wieder raus. Trotz allem war scheinbar von Anfang an mehr Interesse an unserer Platte da, als wir erwartet hätten. Man muss aber da ein bisschen aufpassen, denn das Internet täuscht oft. Man sieht da zum Beispiel Bands, die bei YouTube 300.000 Views haben, aber auf deren Konzerte kommen dann nur zwei Leute. Das ist immer ein bisschen mit Vorsicht zu genießen, aber klar, natürlich haben wir uns tierisch gefreut, gar keine Frage.«

Du persönlich hast ja das Glück, mit der Musik deine Brötchen verdienen zu können, allerdings ist das nicht bei jedem Musiker der Fall. Würdest du einem Jugendlichen heute noch empfehlen, Berufsmusiker zu werden?

»Oh, das ist eine gemeine Frage, haha. Es kommt natürlich immer darauf an, was man unter „Musiker“ versteht. Ich verdiene mein Geld ja auch hauptsächlich mit Gitarrenunterricht. Ich war zwar für etwa ein Jahr sehr viel mit Coverbands unterwegs, habe aber gemerkt, dass das nichts für mich ist und mich mehr auf das Unterrichten verlegt. Ich denke, wenn jemand darauf Bock hat, dann soll er es machen. Das Leben ist ja heutzutage nicht so starr. Wenn es nicht funktioniert, kann man immer noch eine Umschulung machen oder etwas anderes lernen. Also warum nicht? Es ist allerdings nicht immer einfach, aber ich glaube, das Problem hat jeder, der selbständig ist – egal, ob er nun Brötchen verkauft oder Musik macht. Es macht auf jeden Fall Spaß, und auch das Unterrichten ist eine tolle Sache. Ich zumindest stehe jeden Morgen auf und freue mich aufs Arbeiten, und das ist doch eigentlich eine tolle Geschichte. Aus dieser Sicht kann ich es eigentlich nur empfehlen.«

Vollkommen ab von GLOOMBALL: Stelle doch mal das Line-up deiner absoluten Traumband für uns zusammen – tot oder lebendig.

»Die meisten Guten sind ja heutzutage tot! Als alter Guns-N'-Roses-Fan, das war für mich auch die Initialzündung an der Gitarre, muss natürlich Slash dabei sein. An der zweiten Gitarre fände ich Billy Duffy von The Cult ganz cool. Ich glaube, der ist eine gute Rhythmus-Maschine. Am Bass muss natürlich Lemmy spielen. Es gibt keinen cooleren Bassisten als Lemmy. Der spielt dann zwar wahrscheinlich lauter als der Rest der Gitarristen, aber macht ja nichts. Am Schlagzeug wäre vielleicht Dave Grohl von den Foo Fighters eine ganz lustige Sache. Ziemlich bunte Mischung, haha. Aber bei Schlagzeugern habe ich auch nicht so den Plan. In Deutschland spielt ja überall Mike Terrana, aber nehmen wir mal den Grohl. Fehlt noch was?«

Ja, wer singt denn?

»Ganz witzig wäre vielleicht James Michael von Sixx: A.M., der ist auch ein guter Songwriter und könnte das Ganze dann auf ein etwas moderneres Level bringen. Wenn ich jetzt DIO gesagt hätte, wäre das wahrscheinlich etwas langweilig und vorhersehbar gewesen.«

Kommen wir wieder zurück zu deiner realen Band. GLOOMBALL haben zwar schon ziemlich viele Gigs auf dem Buckel, allerdings beschränkten sich eure Konzerte bisher hauptsächlich auf den süddeutschen Raum. Gibt es bereits Pläne, auch den Rest von Deutschland live mit eurem Songmaterial zu beglücken oder international zu touren?

»Ja, auf jeden Fall. Der Punkt ist einfach der, dass wir im Moment noch keine passende Tour gefunden haben. Wenn das aber der Fall ist, würden wir natürlich überall spielen, wo eine Steckdose ist. Das ist ja auch das, was eine Band wirklich nach vorn bringt. Platten sind natürlich immer eine schöne Sache, aber wegen der Live-Spielerei machen wir das ja überhaupt. Wir und SPV arbeiten gerade daran und ich hoffe, dass irgendwann in den nächsten Wochen etwas feststehen wird.«

Das hoffen wir natürlich auch. Vielen Dank!

»Ich danke euch!«

 

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