Online-MegazineInterview

NEAL MORSE

Der richtige Zeitpunkt

Mit dem neuen Album „Testimony 2“ und seiner Autobiografie „Testimony – The Inspirational And Spiritual Journey Of A Prog Rock Musician“ meldet sich NEAL MORSE gleich mit zwei Projekten zurück. Wir sprachen mit den Tausendsassa über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Neal, am 20. Mai erscheint dein neues Album “Testimony 2”. Was möchtest du unseren Lesern über das neue Album erzählen?

»Als ich an meinem Buch gearbeitet habe, hatte ich sehr viele musikalische Ideen in meinem Kopf. Ich wusste nicht, in welche Richtung sie gehen würden und habe mal geschaut, wie sie so zusammenpassen und damit rumgespielt. Dann bekam ich aus heiterem Himmel von meinem Freund Fred aus Holland eine E-Mail in der er mich fragte, ob ich je daran gedacht hätte, „Testimony 2“ zu schreiben. Naja, ich dachte zwar immer daran, irgendwann mal „Testimony 2“ zu machen, aber es gab keinen Zeitplan. Als Fred die Idee in meinen Kopf setzte, war ich aber sofort davon angetan.«

Wann und wo wurden die Songs für das Album geschrieben und hast du alle Songs alleine komponiert?

»Ja, ich habe das komplette Album alleine geschrieben, die meiste Zeit hier in Nashville und einen Teil auch in Kalifornien, als wir dort während des Erntedankfestes zu Besuch waren. Meistens bin ich schon morgens um 4 Uhr aufgestanden und habe solange komponiert, bis meine Kinder wach waren, denn dann habe ich mit ihnen und meiner Frau Zeit verbracht. Ich hatte aber eigentlich immer meine Gitarre dabei und wenn die Kids draußen gespielt haben, saß ich bei ihnen und konnte dennoch Ideen ausarbeiten.«


Mit welchen anderen Musikern hast du das Album aufgenommen?

»Mike Portnoy (Ex-Dream Theater), Randy George (Ajalon), Steve Morse (Deep Purple), Paul Bielatowicz (Carl Palmer Band), Matthew Ward (2nd Chapter Of Acts), Eric Brenton und den Mitgliedern der Nashville Symphony.
Und die Jungs von Spock‘s Beard sind auch zu hören. Es gibt auf dem Album den Song 'Time Changer', in dem ich über die Zeit singe, als es mit Spock’s Beard das erste Mal bergauf ging. Für den Song habe ich einen A-Capella-Part geschrieben, dessen Gesangslinien ganz in der Tradition von Spock’s Beard stehen und ich dachte mir, es wäre super cool, wenn die Jungs diesen Part mit mir einsingen würden. Also habe ich sie gefragt und das Ergebnis klingt phantastisch!«

„Testimony 2“ ist ein Konzeptalbum, das deine Zeit bei Spock's Beard behandelt. In den Texten des neuen Album bist du sehr ehrlich und sprichst auch offen an, dass du damals lange gezweifelt hast, ob der Ausstieg bei Spock’s Beard die richtige Entscheidung ist. Hast du nicht Angst, dass du dich durch deine Ehrlichkeit vielleicht sogar angreifbar machst?

»Oh, hm, ja, das kann vielleicht sein. Aber ich denke, es ist richtig, einfach ehrlich zu sein und die Wahrheit zu sagen. Und ich glaube auch, dass es ganz gut ist, ein wenig verletzlich zu sein. Ich möchte keine falschen Behauptungen aufstellen und wenn man den Leuten seine persönliche Geschichte erzählt, sollte man so ehrlich wie möglich sein. Das macht es doch erst zu etwas Besonderem.«

Zusätzlich zum Album erscheint auch, wie schon angesprochen, eine Autobiografie von dir mit dem Titel “Testimony – The Inspirational And Spiritual Journey Of A Prog Rock Musician”. Hast du schon lange mit dem Gedanken gespielt, ein Buch zu schreiben?

»Nein, überhaupt nicht. Ich erwähne das auch im Vorwort des Buches. Während der letzten Welttournee habe ich die ganze Zeit darüber gebetet, was als nächstes kommt, denn ich hatte keine Ahnung, was ich machen soll. Und beim allerletzten Gig der Tour kam mein Freund Jeff aus Irland zu mir und fragte mich plötzlich: „Hast du schon mal darüber nachgedacht, ein Buch zu schreiben?“ Und ich sagte: „Nein, niemals!“ Ich meine, wer interessiert sich schon für meine Lebensgeschichte? (lacht) Als ich dann darüber gebetet habe, habe ich mich dazu entschlossen, dass das Buch genau das ist, was ich als nächstes machen werde.«

Hast du das Buch selbst geschrieben oder es in ein Aufnahmegerät gesprochen und dann verschriftlichen lassen?

»Ich habe tatsächlich all die Sachen in ein Aufnahmegerät gesprochen und eine Freundin von meiner Frau hat es dann verschriftlicht. Das habe ich mir dann angesehen und gemerkt, dass die Art wie ich etwas sage und die Art, wie ich etwas schreiben möchte, fast komplett unterschiedlich sind (lacht). Also habe ich nochmal von vorne angefangen und alles tatsächlich im August und September 2010 selbst geschrieben. Im Oktober 2010 habe ich das Ganze dann von einem Redakteur gegenlesen und korrigieren lassen und dann war das Buch auch schon fertig.«

Wird das Buch weltweit zu kaufen sein?

»Ja. Ich suche keinen Verlagsdeal oder etwas in der Art, ich veröffentliche es einfach und schaue dann mal, was passiert. Es gibt übrigens auch eine deutsche Übersetzung, die am 28. Mai fertig sein soll. Ich hoffe, dass wir auf den Konzerten in Deutschland einige Exemplare dabei haben werden, aber ich kann nichts versprechen, da dass ein extrem knapper Zeitraum ist.«

Neal, wenn ich dir eine Frage abseits der Musik stellen darf: Vor circa zwei Wochen wurde besonders in den USA lautstark und voller Freude der Tod Osama Bin Ladens gefeiert, obwohl es nicht einen einzigen Versuch gab, ihn festzunehmen und vor ein (Kriegs-)Gericht zu stellen. Was sind deine Gedanken dazu?

(Neal macht eine kleine Pause) »Ich habe zu meinem Sohn gesagt, dass ich mich nicht über den Tod eines Menschen freuen kann. Das fühlt sich für mich einfach nicht richtig an, ganz egal wer es ist. Am Tag danach hat ein Freund von mir auf Facebook ein Zitat aus der Bibel gepostet: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der Herr […]“ (Hesekiel 18:23 – ch). Gott erfreut sich nicht daran, wenn solche Menschen umgebracht werden. Ich verstehe zwar, wieso meine Landsleute glücklich waren, aber ich denke nicht, dass man als Christ so reagieren sollte. Ich hätte mir auch gewünscht, dass sie wenigstens versuchen, ihn gefangen zu nehmen. Sie sagen zwar, dass sie es versucht hätten, aber dass er nach einer Waffe gegriffen hätte. Ich weiß nicht… Ich bin nicht überzeugt davon.«

Es wurde mittlerweile bestätigt, dass er unbewaffnet war, als er erschossen wurde.

»Genau! Und man sollte doch nie zu dem werden, was man selbst verabscheut.«

Möchtest du exklusive Neuigkeiten über deine noch namenlose Rockoper oder dein neues Mainstream-Rockprojekt verraten?

»Schon vor einigen Jahren habe ich eine Rockoper über das Leben von Jesus geschrieben, sozusagen meine Sichtweise der Gospelsongs (lacht). Ich habe versucht, mich möglichst nahe an der Bibel zu halten und das Ergebnis ist großartig. Bis jetzt wurde aber noch nichts produziert und ich lege dieses Projekt in Gottes Hände und schaue, wie es sich entwickelt.
Die andere Sache ist ein Projekt mit Steve Morse, Mike Portnoy, Dave LaRue (Joe Satriani, John Petrucci, Planet X, Diexie Dregs) und Casey McPherson (Alpha Rev). Die Band hat noch keinen Namen, aber wir haben gerade die Aufnahmen abgeschlossen und hoffentlich erscheint das Album schon im Herbst diesen Jahres.«

Für mich klingt das gerade danach, als ob du wirklich ständig und permanent neue Musik schreibst. Gibt es auch Zeiten, in denen du dich einfach zurücklehnst und entspannst?

»Ja, durchaus. Meine Schwiegertochter hat jetzt bald ihren Collegeabschluss und dort fahren wir hin. Wir gehen auch zu dem Konzert meines Sohnes, der in einem Chor hier in Nashville singt. Ich versuche schon, genug Zeit für Ruhephasen zu finden. Das ist sehr wichtig, auch für die Gesundheit.«

Neal, was ist an den Gerüchten dran, dass der Gedanke an eine Spock’s Beard-Reunion eventuell nicht mehr ganz so weit hergeholt erscheint, wie noch vor einigen Jahren?

»Wir verstehen uns mittlerweile alle wieder super und es ist deutlich entspannter, als es noch vor einigen Jahren war. Wenn wir jemals das Gefühl haben sollten, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Reunion gekommen ist, dann steht dem nichts mehr im Wege, denke ich. In den letzten Jahren sind zwischen uns viele gute Dinge passiert und viele Wunden  verheilt.«

Möchtest du unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

»Ich hoffe, dass ich euch alle im Sommer sehen werde! Die Konzerte werden eine einmalige Erfahrung sein. Wir werden Songs spielen, die wir bisher noch nie live gespielt haben und spielen jeden Abend für euch drei Stunden.«

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