Online-MegazineInterview

LEGION OF THE DAMNED

Der gute alte Spirit

LEGION OF THE DAMNED

Das Feature in Rock Hard # 298 war – wie der komplette Re-Release des Debüts „Malevolent Rapture“ – ganz der gemeinsamen Bandgeschichte mit Twan Fleuren gewidmet, der LEGION OF THE DAMNED noch während der ersten Tour verließ und im Mai 2011 Selbstmord beging.

Im ausführlichen Interview ließ Frontmann Maurice Swinkels allerdings auch die Vorgeschichte zum Namenswechsel von Occult zu LEGION OF THE DAMNED Revue passieren und äußerte sich auch zum aktuellen Status Quo des Thrash-Quartetts:

»Beinahe 15 Jahre Occult waren kein Pappenstiel, wir hatten einige Probleme zu meistern. Aber auch jede Menge Spaß, was am wichtigsten ist. Aber am Ende war es einfach zu hart, so weiterzumachen, zumal wir von „Elegy Of The Week“ nur um die 1000 Exemplare absetzen konnten. Verkäufe haben uns nie sonderlich interessiert, aber ohne anständige Zahlen bekommt man auch keine guten Tourslots und Festivalauftritte, die uns seit Jahren juckten. Die waren für Occult unerreichbar. A&R-Mann Jaap gab Andy Siry von Boomer Entertainment eine Kopie von „Malevolent Rapture“, als das Album noch nicht veröffentlicht war und wir darüber nachdachten, Karmageddon wegen ihrer vielfältigen Probleme zu verlassen. Andy war sofort besessen von dem Album und wollte dem Werk eine Chance geben, aber nur unter der Bedingung, dass wir die drastische Namensänderung vornehmen. Ich wusste immer, dass wir mit einem anständigen Label im Rücken erfolgreich sein könnten. Wir merkten es auf den Touren: Mit unseren simplen und eingängigen Riffs brachten wir die Leute zum Bangen, ohne permanent zeigen zu müssen, was wir an Gitarre und Drums drauf haben. Viele Bands vergessen das – wo bleibt der gute alte Spirit? Mir war es auch ein persönliches Anliegen, ich war es leid, unter der Occult-Flagge zu marschieren. Ich war mit meiner damaligen Co-Sängerin Rachel verheiratet und zwei Wochen später geschieden. Mit unserem alten Label Painkiller ging es beinahe vor Gericht und wir mussten einen Anwalt einschalten. Ich war auch die ganzen Interviews über satanische Hintergründe leid. Als wir uns zur Namensänderung entschieden, hatten wir keine Idee und stolperten schließlich über den Song 'Legion Of The Damned'. Ein oder zwei Tage später hatten wir das passende Logo. Es war auch für Andy ein großes Risiko, mit uns neu anzufangen.«

Das bereits 2004 eingespielte Album „Malevolent Rapture“ erschien nach langen Vorbereitungen erst im Januar 2006.

»Die Strategie ist wichtig, aber auch ein starkes Album, ein guter Name, hochwertige Fotos... Als Occult haben wir das zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Manche Bands gewinnen einen Wettbewerb, werden massiv unterstützt und haben trotz null Erfahrung Erfolg. Andere bemühen sich 20 Jahre und spielen immer noch als Supportband. Man braucht also etwas Glück und ein perfektes Timing, gerade weil es heutzutage so viele Bands gibt.«

Um dem Stigma als ewig erfolgloser Underground-Tipp zu entgehen, wurde versucht, die Bandgeschichte bei der Promotion von „Malevolent Rapture“ mehr oder minder geheim zu halten. Maurice reagierte auf Fragen nach Occult – und erst recht seiner Beteiligung an den sagenumwobenen Bestial Summoning – gereizt.

»Letztlich konnten wir es nicht verbergen, zu viele wussten um die Herkunft der Band. Ich wollte die Vergangenheit ruhen lassen, weil ich aus den eben erwähnten Gründen diese Zeit regelrecht hasste. Aber das Interesse blieb bestehen und ich öffnete das Buch ziemlich schnell wieder, um dem gerecht zu werden.«

Stilistisch und personell vollzog sich der Übergang von Occult zu LEGION OF THE DAMNED nahtlos: Das Occult-Album „Elegy Of the Weak“ erlebte 2008 mit Bonusmaterial unter dem da bereits etablierten Bandnamen eine Auferstehung als „Feel The Blade“.

»Für mich hat es sich auch nie wie eine neue Band angefühlt, wie haben auch noch viele alte Fans, die uns die Treue halten.« Eine Neueinspielung des kompletten Albums stand nicht zur Diskussion, obwohl das Titelstück in den 2008er Sessions bei Andy Classen erneut angegangen wurde.

Die Neuauflage von „Malevolent Rapture“ enthält neben dieser Aufnahme auch noch vier Songs vom vorletzten Occult-Werk „Rage To Revenge“, im Original von 2002.

»Das Album war ein einziger Alptraum und entstand in der Zeit, als Rachel und ich nicht mehr im selben Raum sein konnten. Ich hatte Richard, Twan und Erik schon mitgeteilt, dass sie die Band nach den Aufnahmen verlässt und wir ein Album rausbringen würden, dessen Gesang wir nicht in der Form live bringen könnten. Wobei Rachel uns nicht verließ, sondern ich ihr nahe legte, die Bandaktivitäten zu stoppen. Auf den folgenden Touren musste ich das Material alleine singen, während die Studioversionen ihre Growls und meine Schreie nutzten. Während der finalen Aufnahmen brachte sie immer neue Entschuldigungen vor, nicht im Studio zu erscheinen. Bei einem Song waren unsere beiden Beiträge völlig untight und wir wollten, das sie noch mal zurückkommt und ihre Part korrigiert, aber sie weigerte sich. Mich hat das sehr wütend gemacht, weil ich genau damit im Vorfeld gerechnet und die Band darauf vorbereitet hatte. Als es an die Auswahl für diesen Re-Release ging wusste ich also, welche Songs ich wählen musste. Was Rachel betrifft: Ich würde nie wieder die Bühne mit ihr teilen!«

Wesentlich besser ist das Verhältnis von Maurice zu Gründungsmitglied Sjors Tuithof, der Occult 1999 verließ und so Platz für Twan Fleuren machte.

»Das war eine ganz andere Geschichte, Sjors konzentrierte sich einfach zunehmen auf seine geschäftlichen Aktivitäten. Während der Aufnahmen zu „Of Flesh And Blood“ konnte er seine Bassparts nicht anständig spielen, weil er so einen enormen Proberückstand hatte. Er wollte aus Karrieregründen nach New York ziehen. Wir setzten uns zusammen und entschieden, dass die Trennung das Beste sei. Er zog tatsächlich nach Amerika, lebt immer noch in der Stadt und müsste dort als Softwareanalytiker arbeiten. Wir haben täglich übers Internet Kontakt und besuchen uns gegenseitig.«

Auf den Selbstmord von Twan Fleuren angesprochen, legt Maurice seine Sichtweise zum Suizid dar.

»Natürlich denkt man an die Familie und die anderen Hinterblieben, aber es ist auch hart, nur für sie mit einer Depression weiterzuleben. Jeder geht damit anders um und es ist natürlich die größte Herausforderung, sich selbst wieder aufzurichten. Den eigenen Selbstmordgedanken entgegentreten. Sich zu sagen „Nein, ich bekomme mich in den Griff, lebe mein Leben und durchlaufe diese Sorgen und Probleme.“ Dazu muss man sehr stark sein. Für Twan wird die Entscheidung richtig gewesen sein, da er nie eine gefestigte Persönlichkeit war und wenigstens jetzt seinen Frieden gefunden hat.«

Harold Gielen und Twan kannten sich nur namentlich.

»Sie waren weder verwandt noch befreundet. Harold hatte immer seinen eigenen Stil und kopierte Twan nie, und genau so sollte es sein.«

Aus gegeben Anlass werden 2012 verstärkt Debütsongs in den Live-Set finden. Seit dem überraschenden Ausstieg von Richard Ebisch, der sich offensichtlich völlig aus dem Musikerleben zurückgezogen hat, probt und tritt die Legion mit Twan Van Geel als neuen Gitarristen auf. Der spielte in den letzten Jahren in vielen verschiedenen Bands mit einer Bandbreite von Thrash, Hardcore und Death Metal bis hin zu doomigen Klängen.

»Ich kenne ihn von Flesh Made Sin, die sehr nach Kreator klangen. Ich mochte die Band und habe auch Twan als guten Kerl kennen gelernt. Als Richard uns verließ, dachte ich sofort an ihn, zumal ich sah, wie sich seine Band erfolglos abmühte. Ich wusste, dass er zu uns passen und die Songs lieben würde. Wir trafen uns schon Monate vor Richards Abschied und er war sehr beeindruckt davon, wie es mit LEGION OF THE DAMNED lief. Er träumte von einer solchen Band, insofern war es für beide Seiten eine leichte Entscheidung. Wir arbeiten noch nicht gemeinsam an neuem Material, aber ich habe schon einige neue Riffs von ihm gehört«, weiß Maurice zu berichten. »Seine Lieblingssongs von uns sind 'Bleed For Me', 'Pray And Suffer', 'Diabolist', 'Taste Of The Whip', 'Legion Of The Damned' und ich glaube auch 'Cult Of The Dead'.«

In frühen Statements hatte Maurice Van Geel eine Dissection-Attitüde attestiert. Diese bezog sich jedoch nicht auf dessen ideologische Verortung als antikosmischer Satanist/MLO-Anhänger.

»Damit meinte ich nur seinen Stil als Gitarrist, die Atmosphäre von Riffing und Melodie.«

Wobei letzteres im LEGION-OF-THE-DAMNED-Kosmos bislang eher ein Fremdwort war. Freuen wir uns also auf ein paar neue Elemente. Einige Fans warfen der Band zunehmen Stagnation vor und favorisierten die Aufnahme eines zweiten Gitarristen als Lösung.

»Twan in der Band zu haben ist schon ein Vorwärtsschritt, gleich zwei neue Musiker zu integrieren wäre derzeit wohl etwas viel verlangt«, winkt Swinkels ab.

Für kurze Zeit spielte Van Geel auch bei einem der wohlbehütetsten Geheimnisse der niederländischen Death-Metal-Geschichte: Den reformierten Antropomorphia, deren großartiges „Necromantic Love Songs“-Minialbum kürzlich mit Demo-Material als Doppel-LP erstmals auf Vinyl aufgelegt wurde. Das 1998er „Pure“-Album bleibt allerdings ein Phantom.

»Ich half ihnen letztes Jahr beim berühmten Neurotic Deathfest in Tilburg aus, bin aber kein Mitglied bei ihnen«, meldet sich der Neu-Gitarrist am Ende selbst zu Wort. »Das war zunächst der Plan, aber dann änderte sich alles, weil ich nun bei LEGION OF THE DAMNED Saiten zerstöre. Was Details zu „Pure“ betrifft: Ich weiß nur, dass das Album existiert, alles andere muss man die Band selbst fragen. Sie arbeiten derzeit an neuen Songs, die sicherlich großartig werden und vor Gore-Erotik und beleidigender Dunkelheit überfließen werden.«

 

Zum Interviewteil von Ausgabe 298 geht es hier entlang!

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Diskographie

Malevolent Rapture (2009, Re-Release 2012)
Sons Of the Jackal (2007)
Feel The Blade (2008; Re-Release von Occult “Elegy Of The Weak”)
Cult Of The Dead (2008)
Slaughtering... (2010, Live)
Descent Into Chaos (2011)

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