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DEATH SS

Der größte Sieg

DEATH SS

DEATH SS lassen sich schon lange keinem eindeutigen musikalischen Genre zuordnen und haben in über 35 Jahren Bandgeschichte mit ihrem Horror Rock/Metal Freunde wie Feinde gereizt. Mit „Resurrection“ beenden Bandgründer Steve Sylvester und seine Schergen einige Jahre relativer Stille, die von Wiederveröffentlichungen und anderen Projekten sowie der 2012er EP „The Darkest Night“ geprägt waren.

Steve, auch wenn die Band in den letzten Jahren nicht aufgelöst war, haben DEATH SS schon einige Wiederauferstehungen erlebt.

»Wir sind keine Band wie die meisten anderen... DEATH SS sind Monster, die periodisch sterben und sich wieder exhumieren, wenn sie etwas Wichtiges zu sagen haben. Daher kamen und gingen über die Jahre auch so viele Musiker in den Rollen des Zombies, der Mumie, des Werwolfes und so weiter. Bedeutend ist, dass das umfassende Konzept bestehen bleibt und seinem Rhythmus folgt, der manchmal sehr langsam sein kann.«

Sowohl Opus Dei/W.O.G.U.E. als auch Sancta Sanctorum haben das neue Album beeinflusst – manche Songs haben einen stärken Dark-Wave-Einschlag, in der zweiten Hälfte gibt es auch doomiges Material. Geschah dies bewusst als Blutauffrischung?

»Absolut. Diese Erfahrungen abseits von DEATH SS haben unseren Sound bereichert und einen Teil dazu beigetragen, dass „Resurrection“ so frisch klingt. Speziell 'Dionysus' hat viel von den 80er Genen, die W.O.G.U.E. ausmachen.«

Wie ehrlich und vollständig ist deine Biographie? Viele Kollegen geben an, dass sie sich beim Schreiben ihrer Memoiren zügeln mussten, damit sie und ihre Mitmusiker nicht vor dem Scheidungsrichter oder im Knast landen...

»Leider gibt es noch keine englische Fassung des Buchs, aber interessierte Übersetzer sollten den Verlag Crag Editions kontaktieren, die das Unternehmen gerne stemmen würden. „The Necromancer Of Rock“ ist nicht nur eine Biographie sondern beschreibt die wahre Geschichte der Geburt von DEATH SS und konzentriert sich auf die Phase von meiner Teenagerzeit bis zum ersten Split 1982. Die Erzählweise ist absolut authentisch und reich an nackten, rohen Details. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der The Sweet, Punk Rock, sexy Horror-Comics, Horrorfilme und eine Form von Okkultismus liebte und eines Tages entschied, eine Band von Wahnsinnigen zu gründen, die all das vereinte. In Italien war das Buch ein großer Erfolg, nicht nur unter Fans, sondern auch bei Lesern, die damit eine bestimmte kulturelle Epoche der späten 1970er wiederentdeckt haben. Damals formierte sich eine erste genuin italienische Rock-Ausprägung. Die Produzentenbrüder Manetti haben sich die Rechte am Buch für eine Verfilmung gesichert...«

Ihr habt die Musik und Optik von Kiss und Alice Cooper weiterentwickelt. Welche Bands sind heute offensichtlich von DEATH SS beeinflusst?

»Die Beobachtung ist korrekt, wobei damals noch niemand diese Ästhetik auf die Spitze getrieben hatte, mit mehr Referenzen zu alten Horrorfilmen, Magie und satanischen Ritualen. Wir schufen also etwas Neues, dass über die Jahre auch jüngere Künstler inspirierte, nicht nur in Italien. Ich nenne ungern Namen, aber von Cradle Of Filth über Lordi hin zu Ghost B.C. gibt es viele Bands, auf die das zutrifft. Wir sind auch die einzige italienische Band, zu deren Ehren zwei international besetzte Tribute-Alben veröffentlicht wurden.«

Gibt es in Italien auch viele Tribute-Bands, die mit euren alten Konzepten hausieren gehen, oder seid ihr dafür auf dem Live-Sektor zu präsent?

»Derzeit sind es drei oder vier, die in den charakteristischen Make-Ups verschiedener DEATH SS-Perioden auftreten. Ich habe Deathless Legacy und Heavy Demons gesehen und muss sagen, dass sie das Eintrittsgeld wert sind! Aber nach der Veröffentlichung von „Resurrection“ werden wir wieder touren und ich hoffe, dass möglichst viele von euch die Originale live erleben werden.«

Wie auch Pentagram habt ihr in den ersten Bandjahren kaum offizielle Veröffentlichungen zustande gebracht, seid aber durch Tapetrading und Mund-zu-Mund-Propaganda eine Kultband geworden. Würdest du vieles aus jener Zeit gerne ändern oder war genau diese Obskurität der Nährboden für die kreative Explosion ab den späten 1980ern?

»Die ganze Amateurarbeit in den ersten Bandjahren war sicherlich sehr bedeutsam für das wesentlich professionellere Revival. Unsere Reise war immer schon von besonderen Schwierigkeiten geprägt. Der Weg zum Erfolg war voller Hindernisse. Nicht zuletzt durch den Bandnamen „In Death Of Steve Sylvester = DEATH SS“, der von vielen als Nazi-Provokation missverstanden wurde. Aber ich würde gar nichts ändern wollen. Auch wenn ich nie reich oder ein Superstar wurde, habe ich immer meinem wahren Willen verfolgt und das ist für einen Crowley-Anhänger der größte Sieg.«

 

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