Online-MegazineInterview

PRIMAL ROCK REBELLION

Der Geruch des englischen Sommers

PRIMAL ROCK REBELLION

PRIMAL ROCK REBELLION machen es sich und den Adrian-Smith-Fans mit ihrem Debütalbum „Awoken Broken“ nicht leicht. Schon in den ersten Sätzen auf ihrer Homepage bestätigen sie, dass die Band aus Adrians Komfortzone als bejubelter Iron-Maiden-Gitarrist heraustritt. Die Fama von der Supergroup – wenngleich nicht vom Label (Spinefarm) oder der Band selbst gestreut – wird die Akzeptanz der ungewöhnlichen Paarung bei weltweit millionenstarken Jungfrauen-Bruderschaft kaum erhöhen.

Zu Beginn des Phoners verkündet die Promoterin, dass neben Mr. Smith auch Sänger Mikee Goodmann anwesend sei und möglichst ins Gespräch integriert werden solle. Da Adrian in den ersten Minuten außerhalb des Raums pausiert und offenbar nur ein Telefon zur Verfügung steht, klärt zunächst der außerhalb des UK weitgehend unbekannte blonde Rastazopfträger erste Fragen zum gemeinsamen Schaffen.

Mikee, das völlige News-Embargo rund um PRIMAL ROCK REBELLION lässt sich nur mit einem Omerta-artigen Schweigegelübde gegenüber Rod Smallwood erklären.

»Wir waren uns alle einig, dass das die beste Idee ist, anstatt tröpfchenweise Informationen preiszugeben. Also entschieden wir zu warten, bis wir und das Album bereit sind.«

Hast du denn eine Vermutung, wer Ende 2010 die Informationen über den geplanten, schließlich abgesagten Geheimgig hat durchsickern lassen?

»(Lacht) ich weiß genau wer das war, und ich hatte eine Auseinandersetzung mit ihm. Wir dachten, dass uns ein solcher Auftritt Spaß macht und wir einfach feststellen können, wie die Songs funktionieren. Und dann hat der Typ... Es hat einfach die falsche Entwicklung genommen. Ich werde nicht zu viel darüber reden, denn das ist Vergangenheit und die meisten haben es bereits mitbekommen. Wir wollen lieber über das Album sprechen.«

Sind dessen zwölf Songs das komplette Ergebnis der gemeinsamen Aufnahme-Sessions?

»Wir werden eine Single veröffentlichen (das energische 'No Place Like Home' - btj), darauf wird ein weiterer Track sein. Vielleicht wird in Zukunft der ein oder andere weitere Song auftauchen. Es wird auch einen Bonussong für iTunes geben, wie unser Labelbetreuer mir gerade mitteilt.«

Als Adrian Iron Maiden 1989 verlassen musste, machte er mit seinen Kumpeln aus Teenager- und Urchin-Zeiten als A.S.A.P. – Adrian Smith And Project – softe AOR-Mucke im Sinne der „Wasted Years“ Single-B-Seite 'Reach Out'. Auch bei Psycho Motel hatten er und die Musiker einen vergleichbaren Background. Bei PRIMAL ROCK REBELLION sieht das anders aus: Ihr repräsentiert eine neue Generation, die sich aggressiver artikuliert und weniger vom traditionellen Hardrock und Metal geprägt ist. War Adrian schon Anfang der 2000er mit den ersten EPs deiner Band SikTh vertraut?

»Wir kennen uns durch gemeinsame Freunde bereits recht lange. Adrians Sohn war ein SikTh-Fan und er rief mich an und bat uns, auf dem Geburtstag von Dylan zu spielen, was wir auch taten.«

Hat dich Adrians Popularität und seine Geschichte von mehr als einem halben Jahrhundert als Profimusiker eingeschüchtert?

»Absolut nicht, es hat mich eher inspiriert. Ich denke immer zuerst an die Musik, und dann an den Status. Es kommt auf die spielerischen und kompositorischen Qualitäten an. Diesbezüglich war es eine Bereicherung, mit einem so erfahrenen Kollegen gemeinsame Sache zu machen. Mich hat einfach interessiert, wie weit wir gehen können und habe alle meine Energie investiert.«

'Mirror & The Moon' fällt als Ballade aus dem Rahmen. Ebenso wie das vorhergehende 'Snake Ladders' hat es einen staubigen Wüstengeschmack.

»Es sind zwei individuelle Songs, aber ich erkenne die gemeinsamen Vibes. 'Snake Ladders' schrieb ich über eine sehr kaltherzige Person, die dir alles nimmt, was sie bekommen kann, um dich dann vor die Tür zu setzen. Das ist die Metapher dahinter. Statt einen sehr direkten Song darüber zu schreiben, habe ich eine fiktive Geschichte erfunden, weil ich dadurch diese verschiedenen Stimmen im Dialog einbringen konnte. Es gibt eine Schlange in dieser Geschichte und der Refrain lautet „there ain't no love in the air you breathe/there ain't no fire in the heart you leave“. Das Gedicht zu 'Mirror & The Moon' habe ich im Sommer verfasst. Der Song bedeutet mir sehr viel, weil er genau so klingt, wie der Text sich anfühlt. Er beschreibt den Sommer in England aus meiner Sicht. Du riechst den Sommer, und es regnet. Man verspürt eine Freude, die man teilen möchte. Dann explodiert der Song und nimmt eine andere Wendung. Aber ich will nicht vorweg greifen, jeder kann seine eigenen Vermutungen über den Inhalt anstellen.«

Verglichen mit dem Opener 'No Friendly Neighbour', der mit Loops startet und den vielen Arrangementschichten der meisten anderen Tracks, ist 'Mirror & The Moon' sehr klassisch gestaltet und könnte auch als Unplugged-Version funktionieren.

»Wir haben schon darüber gesprochen, andere Songs dafür umzuarrangieren und müssen schauen, welche sich dafür anbieten. Bei den schnellen Stücken wird das eher schwierig. 'No Place Like Home' müsste man auf ein Drittel der jetzigen Geschwindigkeit drosseln.«

Die unterschwelligen „ohohoh“-Gesänge in besagter erster Single sind die einzigen, die ansatzweise an Iron Maiden erinnern.

»Die hat Adrian eingesungen. Wir haben uns für den Song als erste Single entschieden, weil er direkt einschlägt und wir die Hookline des Refrains lieben.«

Die Jungendkrawalle in England zur Jahresmitte haben deinen Text zu 'Savage World' nachträglich bestätigt.

»Ich reflektiere negative Erfahrungen am besten dadurch, dass ich einen Song darüber schreibe. Dadurch kann man die negative Energie in etwas positives verwandeln. Wer ähnlich fühlt, merkt dadurch, dass er nicht alleine ist.«

Die ersten beiden Titel lesen sich nacheinander wie ein Widerspruch: Das abwertende 'No Friendly Neighbour' und das positive 'No Place Like Home'.

»In 'No Place Like Home' heißt es: “No place like home, but it ain’t here/No, it’s nowhere near”. Diese Zeilen sagen, dass ein Ort sich eigentlich nach Heimat anfühlen sollte, es aber nicht tut. Es geht um Eskapismus und darüber, sich nach London zu begeben. Dazu wird es auch ein Video geben. Es könnte um jede Stadt gehen. Viele Menschen suchen nach einem friedlicheren Ort als den, wo sie wohnen. Der Text von 'No Friendly Neighbour' ist sehr direkt.«

Abschließend noch etwas Adrian-Smith-O-Ton , der bei der Printversion des Telefoninterviews entfiel.

„Awoken Broken“ erscheint bei Spinefarm. Die Firma startete Anfang der 1990er als rein finnisches Label mit obskurem Death und Black Metal wie Funebre und Beherit.

»Das wusste ich nicht. Wir kamen durch unseren Labelbetreuer Dante (Bonutto, ein ehemaliger Kerrang!-Schreiber – btj) zu Spinefarm. Er war immer sehr daran interessiert, was Mikee musikalisch machte.«

Was bedeutet es dir, dass Urchin plötzlich wieder populär sind und ein Label sich nach euch High Roller benannt hat?

»Diesbezüglich habe ich gemischte Gefühle. Weder ich noch irgendwer von den alten Urchin-Musikern hat darüber irgendeine Kontrolle. Einerseits ist es schön, diese alten Aufnahmen als Album veröffentlicht zu sehen, aber andererseits wäre es schon nett gewesen, wenn man uns wenigstens gefragt hätte. Ich könnte wirklich wütend werden, aber das Leben ist dafür zu kurz. Es handelt sich dabei um Demos, die wir mit einem äußerst geringen Budget eingespielt haben, als wir noch sehr jung waren. Jemand hat vor nicht allzu langer Zeit eine Homepage für Urchin eingerichtet, was sehr cool war. Darüber bin ich wieder mit den anderen in engerem Kontakt. Seither gab es Gerede um eine Reunion und wir hatten sogar einen Jam angesetzt, der dann nicht stattfand. Aber diese Jungs sind meine ältesten Freunde.«

Einige von ihnen waren auch bei A.S.A.P. beteiligt. Eine Neuauflage von „Silver And Gold“ mit den insgesamt vier darauf unveröffentlichten B-Seiten der EPs wäre wünschenswert.

»In der Hinsicht ist leider gar nichts geplant.«

Während das 1995er Psycho Motel-Debüt „State Of Mind“ problemlos erhältlich ist, scheint die Auflage von „Welcome To The World“ zwei Jahre später wesentlich geringer gewesen zu sein.

»Vielleicht steigt das Interesse daran durch PRIMAL ROCK REBELLION, ich bin auf diese Alben sehr stolz. Es wäre schön, wenn sie etwas mehr Aufmerksamkeit erhielten.«

 

Zum Interviewteil von Ausgabe 298 geht es hier entlang!

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