Online-MegazineInterview

DAWN OF DESTINY

Selbst ist der Mann!

Zehn Jahre DAWN OF DESTINY: Pünktlich zum Jubiläum veröffentlicht der Female-Fronted-Melodic-Metal-Fünfer aus Bochum sein bereits sechstes Studioalbum, "To Hell". Zeit für eine Bestandsaufnahme mit Bandgründer, Bassist und Vokalist Jens Faber.

Jens, Herzlichen Glückwunsch zum zehnjährigen Bandbestehen!

»Vielen Dank. Wir haben kurz darüber nachgedacht, ob wir anlässlich des Jubiläums unser erstes Album noch mal neu einspielen wollen, das machen ja viele Bands. Letzten Endes haben wir uns allerdings dagegen entschieden. Richtig zum Feiern war sowieso keinem von uns zumute, weil unser Gitarrist Veith Offenbächer vor kurzem ausgestiegen und nach Schweden gezogen ist. Wir haben relativ lange nach einem Ersatzmann gesucht, das hat die Feierlaune ein wenig überschattet.«

Kam der Ausstieg überraschend?

»Für uns schon. Veith hatte sich schon eine Weile auf seinen Weggang vorbereitet und hat uns die Nachricht im vergangenen Winter überbracht. Das war für uns ein ziemlicher Schock, weil wir menschlich immer ein sehr gutes Verhältnis zueinander hatten. In der gemeinsamen Zeit haben wir sehr viel zusammen erlebt. Veith ist zu uns gestoßen, als wir vor bald zehn Jahren unser erstes Album aufgenommen haben, und über die Jahre ist eine echte Freundschaft entstanden. Die Trennung tat schon weh, aber er hat sich mit der Auswanderung einen Lebenstraum erfüllt. Jetzt spielt er bei den schwedischen Destiny, dem Namen ist er also treu geblieben (lacht).«

Immerhin habt ihr mit Felix Rodermund einen kompetenten Ersatzmann gefunden.

»Absolut. Felix hat vorher bei Deviated Presence gespielt. Die Jungs sind etwas progressiver unterwegs, und Felix ist an der Gitarre richtig fit. Kommenden Monat stehen die ersten Gigs mit ihm an und ich bin schon sehr gespannt, wie das laufen wird. Die Suche nach dem Nachfolger für Veith lief ganz klassisch: Auf der einen Seite haben wir Anzeigen geschaltet, auf der anderen Seite Leute aus dem Bekanntenkreis gebeten, die Augen und Ohren offen zu halten. Den Kontakt hat letztendlich eine Freundin von mir hergestellt. Man denkt ja immer, dass es Gitarristen wie Sand am Meer gibt, aber die Sache muss ja nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich passen. Das ist gar nicht so einfach.«

Hat Felix auch schon an eurem neuen Longplayer mitgearbeitet?

»Nein, "To Hell" ist noch ohne seine Mitwirkung entstanden. Ich bin eigentlich Bassist, habe aber für die Platte auch die Gitarren eingespielt. Das habe ich zuletzt bei den Aufnahmen für unser Debütalbum gemacht, bevor Veith damals eingestiegen ist (lacht). Wir haben mit der Produktion von "To Hell" begonnen, als Veith schon in Schweden war. Er hat deswegen nur noch drei Gitarrensoli für die Platte eingespielt. Ein weiteres Solo stammt von Marco Wriedt (Axxis, 21 Octayne - jp), der Rest von mir. Ich hatte richtig Spaß an den Aufnahmen. Neben Marco haben wir auf dem Album noch weitere Gastmusiker an Bord. Björn Strid von Soilwork und Zak Stevens von Savatage (und Circle 2 Circle - jp) haben kleine Passagen eingesungen.«

Zak ist nicht der erste ehemalige Savatage-Musiker, mit dem ihr zusammenarbeitet.

»Stimmt, auf dem letzten Album war Jon Oliva zu hören. Ursprünglich hatten wir Jon gefragt, ob er auch diesmal wieder dabei sein möchte, aber das passte leider terminlich nicht. Wir hätten den Release der Platte verschieben müssen, weil er erst später Zeit gehabt hätte, die Sachen einzusingen. Er hatte im Frühjahr zu viel mit der Savatage-Reunion und dem neuen Trans-Siberian-Orchestra-Album zu tun. Mit Zak hatten wir ein bisschen mehr Glück. Er ist zwar auch für die TSO-Tour gebucht und musste deshalb seine eigenen Shows absagen, hatte aber noch Zeit, seine Spuren für uns einzusingen.«

Mit Jeanette Scherff habt ihr auch im gesamteuropäischen Kontext eine sehr starke Frontfrau an Bord. Dein Gesang stand hingegen schon desöfteren in der Kritik. Hast du angesichts dessen schon mal überlegt, auf den Part zu verzichten und Jeanette komplett das Mikro zu überlassen?

»Tatsächlich wurde meine Leistung bisher immer nur bei euch kritisiert, und gerade im Bezug auf das neue Album habe ich sonst nur positives gehört. Ich bin mit meiner eigenen Stimme sehr kritisch und würde das gar nicht machen, wenn ich nicht Bestätigung von anderen Leuten bekommen würde. In erster Linie ist mir natürlich die Meinung meiner Bandmitglieder wichtig. Die fanden die Sachen allerdings gut, und die meisten Kritiker ebenfalls. Ich persönlich finde, dass es Bands gibt, bei denen der männliche Gesangspart schlechter ist, ohne da jetzt Namen nennen zu wollen. Auf der anderen Seite ist mir klar, dass ich kein besonders herausragender Sänger bin und das vermutlich auch nie sein werde. Die Entscheidung, überhaupt mit einer männlichen Gesangsstimme zu arbeiten, wurde ursprünglich aus der Not geboren. Wir wollten damals, das war noch zu Zeiten unserer ehemaligen Sängerin, ein bisschen mehr Abwechslung in unsere Songs bringen. Ursprünglich wollte ich nur ein paar Demos einsingen, aber der Rest der Band fand die Aufnahmen so gut, dass wir sie auf das Album genommen haben. Irgendwie sind wir dann auch für die nächsten Platten dabei geblieben (lacht).«

 

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DISKOGRAFIE

... Begins (2007)

Rebellion In Heaven (2008)

Human Fragility (2009)

Praying To The World (2012)

F.E.A.R. (2014)
To Hell (2015)