Online-MegazineInterview

BRING ME THE HORIZON

Das beste Studio der Welt

BRING ME THE HORIZON

Tropfende Regenschirme künden dieses Jahr nicht nur vom September, sondern auch vom neuen BRING ME THE HORIZON-Album „That’s The Spirit“, das trotzdem entspannter klingt als sein bereits recht elektronischer Vorgänger „Sempiternal“, bei dem spätestens der letzte Alt-Emo die schleichende Verabschiedung vom Deathcore der frühen Alben nicht mehr überhören kann. Ein kommerzieller Schachzug oder eine musikalische Entwicklung? Sechssaiter Lee Malia verrät es uns.

Lee, euer neues Album „That’s The Spirit” wurde am 11. September veröffentlicht. Wie viele Witze musstet ihr euch bisher über dieses Veröffentlichungsdatum anhören?

»Oh, eigentlich keine. Sony hatte beschlossen, das Album an dem Datum zu veröffentlichen. Die dachten wohl nicht, dass Leute das mit 9/11 assoziieren würden, das ist schließlich ziemlich lange her. Es gibt auf dem Longplayer auch keine Bezüge zu dem, was damals passiert ist. Wir wollten endlich das Album veröffentlichen.«

Beim ersten Hördurchgang merkt man bereits, dass das nicht wirklich der Klang von „Suicide Season” ist; nicht mal der von „Sempiternal”. Ihr klingt wesentlich klarer, weniger hart und massentauglicher. Wie kam es zu dieser musikalischen Entwicklung?

»Als wir mit dem Schreiben anfingen, haben wir nicht großartig darüber nachgedacht, in welche Stilrichtung wir schreiben. Wir fingen einfach an, Songs zu schreiben und die klangen leichter, unbeschwerter und wir waren ziemlich schnell begeistert! Wir legten cleanen Gesang drüber und es klang großartig, sodass wir das Material dann in diese Richtung weiterentwickelt haben. Das war nie eine bewusste Angelegenheit, sondern entstand aus dem Moment und es sind wirklich gute Songs, bei denen nicht wichtig ist, welchen Stil sie nun haben.«

Es ist wohl kaum abzustreiten, dass ältere Fans eure Soundentwicklung so nicht erwartet hätten. Glaubt ihr, dass ihr mit dem neuen Album ältere Fans halten könnt?

»Wenn du das neue Album nicht magst, dann magst du es halt nicht, das ist eine Meinung. Aber wir mögen es! Wir können nicht einfach eine CD aufnehmen, die heavy klingt, aber die uns nicht gefällt, das wäre ziemlich seltsam. Wir sind glücklich mit dem, was wir machen, und wenn es nicht dein Fall ist, kannst du dich ja an die alten Alben halten, es gibt schließlich eine Menge härteres Zeug von uns. Das ist einfach der nächste Schritt für uns; ich weiß nicht, man kann nicht einfach etwas machen, das man selbst nicht mag, wenn es sich nicht gut anfühlt.«

Ihr habt „That’s The Spirit!” in den Black Stone Studios auf Santorin aufgenommen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

»Wir haben einfach bei Google „beste Aufnahmestudios der Welt” eingegeben und das ist eines, das bei den Ergebnissen auftauchte. Wir schrieben die Songs Anfang des Jahres in Sheffield und das Wetter war halt wirklich mies, also dachten wir uns: „Wenn wir das aufnehmen, wären wir lieber irgendwo, wo es schön ist.“ Man fühlt sich eben besser wenn es warm und sonnig ist, wir wollten uns entspannen und uns nicht gestresst fühlen. Also entschieden wir uns, dorthin zu fliegen und das war eine gute Entscheidung, weil es nun mal eine Insel ist, auf der es sonst nichts zu tun gibt, sodass wir uns ganz auf das Album konzentrieren konnten. Wenn man mal eine Pause hat, kann man schwimmen gehen oder so, es war also relativ entspannt.«

Zur Single „Throne”: Ich glaube, es ist kein Zufall, dass das Video mich an die Serie „Game Of Thrones” erinnert. Seht ihr eine Verbindung zu den Lyrics?

»Na ja, es kommt das Wort „Thron“ vor, also denke ich, es wird ohnehin mit „Game Of Thrones“ assoziiert werden. Wir wollten, dass es irgendwie wie eine fette Produktion aussieht, und so sehen solche Serien nun mal aus. Wir wollten es jetzt nicht gezielt wie „Game of Thrones“ aussehen lassen, aber wir mögen die Serie und werden vermutlich durch das Video damit in Bezug gesetzt werden. Wenn es danach aussieht, dann sieht es eben danach aus.«

Vor einiger Zeit behauptete euer Sänger Oli, dass ihr „etwas rausbringen wolltet, dass auch Leute beeindrucken würde, die keinen Ahnung von der Band hätten.“ Findet ihr, man sollte BRING ME THE HORIZON innerhalb ihrer Entwicklung als Band sehen?

»Was dieses Album angeht, so denke ich, dass man nicht unbedingt Rock oder Metal lieben muss, um es zu mögen. Ich denke, dass diese CD auch Leute erreichen kann, die mit unserem härteren Stoff nicht so viel anfangen können; die reinhören und es mögen und sich vielleicht dann auch mal mit unseren älteren Sachen beschäftigen. Ich glaube, es wird auch Leute ansprechen, die keine Ahnung von Rock haben und die es dann trotzdem mögen werden und sich den Sachen nähern, die wir vorher gemacht haben.«

Du bist seit dem ersten Album Mitglied der Band. Wenn man bedenkt dass du erst 28 bist, mag diese Frage komisch erscheinen, aber denkst du, das Alter der Bandmitglieder hat einen Einfluss auf eure Musik?

»Ziemlich genau, so ist es tatsächlich. Man kann den frühen Alben gut anhören, dass wir noch recht jung waren. Wenn du keine Ahnung von den Alben hast und sie in eine Reihenfolge bringen müsstest, merkst du ziemlich schnell, wie die Musik mit uns älter geworden ist. Wenn man älter wird und in einer Band ist, und dann so lange Zeit harte Musik spielt, mit Screaming und allem, dann will man irgendwann mal was Neues ausprobieren. Das ist der nächste Schritt für uns, da befinden wir uns gerade.«

Euer inoffizieller Produzent Jordan ist gleichzeitig Keyboarder der Band. Ist dies der Grund dafür, dass das Album relativ keyboardlastig ausgefallen ist?

»Na ja, Jordan besaß bereits ein Studio, bevor er in der Band war, er weiß also, wie man die ganzen Feinheiten macht. Aber es wurde eher von uns allen produziert, die Gitarren und den Bass haben Matt und ich im Studio aufgenommen. Aber ich finde, dass alle Sounds, die man darauf hört, eine Gruppenentscheidung waren. Es ist nicht so, als ob Jordan plötzlich die Macht übernommen hätte und so etwas sagte wie „Ich bin hier der Produzent, das kommt nicht mit drauf!“ Eigentlich sind aber schon ordentlich Gitarren hörbar, die mit den Synthies harmonisieren. Zu sagen, sei es sehr synthielastig, klingt eher so, als seien keine Gitarren zu hören. Ich glaube, Besucher unserer Live-Shows werden relativ schnell sehen und hören, was da alles drauf ist. Wir spielen immer noch als komplette Band auf dem Album!«

Ihr habt bisher ein ziemlich geschäftiges Jahr hinter euch: Ihr habt ein Album komponiert, die DVD „Live At Wembley“ veröffentlicht, im Herbst werdet ihr auf Tour gehen und das erste Mal in ausverkauften Arenen spielen. Wisst ihr schon, wie es danach weitergehen soll?

»Ich weiß nicht, wir haben uns nie wirklich konkrete Ziele gesetzt. Wir haben immer viel Arbeit in die Band gesteckt, seit über zehn Jahren mittlerweile, aber wir haben uns nie gesagt: „Jetzt langsam müssten wir mal Arenen ausverkaufen, sonst haben wir echt versagt!“ Wir sind ziemlich glücklich mit dem, was wir bisher geschafft haben und machen einfach so weiter.«

Danke für das Interview!

»Ich danke auch!«

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