Online-MegazineInterview

BLACK CITY

»Da tragen die Justin-Bieber-Fans dein Shirt, und wissen nicht, wer du bist!«

BLACK CITY

Wer erinnert sich noch an Myspace? Genau, anders als bei Facebook konnte man sein Profil „individuell“ gestalten, und einer der wichtigsten Faktoren war tatsächlich die Musik. Ein Glück für Sänger Bjørn Poulsen, denn vor knapp vier Jahren wurde er als Solokünstler von einem Majorlabel auf Myspace entdeckt. Der kreative Kopf sammelte alsbald seine Kollegen Kristian, Anders und Hanson um sich, und BLACK CITY aus Kopenhagen waren geboren. Ihr zweites Album „Fire“ veröffentlichte die Band Anfang April diesen Jahres auch in Deutschland. Im Interview berichtet  Bjørn ausführlich über die Gründung der schwedischen Hardrock-Combo, wie es ist, seinen Song das erste Mal im Radio zu hören, und warum Rockmusik  für Justin-Bieber-Fans pädagogisch wertvoll ist.

Im Internet findet man recht wenig über die Anfänge von BLACK CITY. Wie genau hat das mit euch begonnen?

»Das glaubt einem fast keiner, wenn man das erzählt. Die Band gibt es mittlerweile seit vier Jahren. 2010 ist unser erstes Album „Black City“ erschienen. Direkt bei einem Major-Label. Das kam so: Ich hatte damals einen Account bei Myspace und habe meine Songs hochgeladen. Das war quasi ein Solo-Projekt, bei dem ich alles selbst komponiert und eingespielt habe. Und eines Tages klingelt das Telefon, als ich auf der Arbeit war. Ich dachte, da wären meine Freunde dran, die mich verarschen wollten. Ich meinte nur „fuck off“ und hätte fast aufgelegt, bis mir nach und nach klar wurde, wer da am Telefon war, und was die von mir wollten! Und was mich bis heute echt wundert ist, dass die vom Label nur drei meiner Songs gehört hatten, und schon mit dem Vertrag ankamen. Das baute auf der einen Seite natürlich jede Menge Druck auf, weil ich wusste, dass ich mehr Songs liefern musste. Auf der anderen Seite war das die Chance!«

Dann ging es ja ziemlich schnell ins Radio mit euch, richtig?

»Ja genau, das konnte ich kaum glauben! Unsere Single 'Summertime' war in den Airplaycharts.«

Ist es denn im skandinavischen Raum ungewöhnlich, dass Musik wie eure, also härtere Stilrichtungen im Radio gespielt werden?

»Es geht. Also VOLBEAT waren da ein enorm starker Vorreiter. Die haben hier viel bewegt in der Szene. Aber selbstverständlich ist es nicht, dass einem in Schweden und den benachbarten Ländern die Gitarren-Soli um die Ohren fliegen. Das war eine wirklich große Ehre für uns alle.«

Und dann ging es weiter steil bergauf. Ihr habt für AC/DC als lokaler Support gespielt.

»Genau! Besonders unser Gitarrist ist ein riesiger Fan. Dem sind fast die Tränen gekommen.«

Konntet ihr denn auch mit AC/DC sprechen?

»Nein, das wollten wir auch nicht. Wir haben großen Respekt vor den Musikern und wissen, dass Gott und die Welt die belagern und sie kennenlernen wollen. Ich glaube wir hatten da sogar irgendwie Schiss vor. Weißt du, man macht sich ein Bild von so einer Legende wie AC/DC, und hat vielleicht Angst, dass die Jungs dann nicht so sind, wie man es erwartet. Oder dass man sie einfach auf dem falschen Fuß erwischt. Da haben wir beschlossen, dass wir die Jungs lieber in Frieden lassen. Aber die Crew der Band haben wir kennen gelernt. Unfassbar sympathische Menschen sind das. Unser Gitarrist spielt den selben Amp wie Angus Young. Wir stehen auf der Bühne beim Soundcheck, und auf einmal hat unser Gitarrist irgendeinen Radiosender auf seinem Amp. Das ist uns vorher so noch nicht passiert, und wir hatten keine Ahnung, was zu tun war. Da kam der Techniker von AC/DC und meinte, dass Angus nur ein paar Minuten vorher das gleiche Problem hatte. Und mit ein paar Handgriffen hat er die Angelegenheit gefixt. Das hat uns viel bedeutet.«

Ist AC/DC auch eine der Bands, die dich persönlich in deinen Musikpräferenzen und deinem Songwriting beeinflusst hat?

»Ja auch. Ich bin mit Country aufgewachsen, das haben meine Eltern gehört. Und dann habe ich aber ganz schnell durch Freunde Bands wie D-A-D, Alice Cooper und Aerosmith, Foo Fighters und Queens Of The Stone Age kennen- und lieben gelernt. Ich denke, dass diese Bands mich ganz besonders beim eigenen Komponieren beeinflusst haben.«

Viele von diesen Bands waren in ihren frühen Tagen noch stark an Underground- oder Subkulturen gebunden. Heutzutage scheint es so, dass Rock und Metal auch immer mehr im Mainstream ankommen. Ihr wurdet ja auch im Radio gespielt. Würdest du dieser Überlegung zustimmen?

»Gute Frage. Ja du hast Recht. Ich sehe sogar so kleine Justin-Bieber-Kids Iron-Maiden-Shirts tragen. Aber die Frage ist ja, ob sie überhaupt wissen, wer das auf dem Shirt ist, und was der für Musik macht. Verrückt, kann es sein, dass Metal als Mode in den Mainstream kommt, aber nicht die Musik? Ich bin da kein Experte, aber das scheint mir irgendwie der Fall zu sein. Da tragen die kleinen Kids deine Shirts, weil sie das Design cool finden, aber haben keine Ahnung, wer du bist. Aber nein, ich denke Rock ist und wird nie Mainstream werden. Schon gar nicht Metal. Dafür ist die Musik zu anders, zu komplex. Weißt du, wie ich das meine? Ich denke, man braucht viel Zeit, um die Musik zu verstehen, und ich glaube es wird nie der Fall sein, dass eine große Masse diese Art von Musik liebt. Dafür ist sie zu hart. Das mag nicht jeder.«

Da stimme ich dir absolut zu.

»Aber warte! Damit will ich nicht sagen, dass diese Musik auch nur einer gewissen Hörerschaft zugänglich gemacht werden sollte. Rock 'n' Roll ist für jeden! Das sollen auch ruhig die Justin-Bieber-Fans hören, wenn sie wollen. Da können die noch was von lernen.«

Ja das wäre eine gute pädagogische Maßnahme. Aber noch mal zurück zu eurer Platte. Ich habe da eine Frage: Was bedeutet das Cover, dieser brennende Domino-Stein?

»Mhmm... ok. Jetzt hast du mich erwischt. Ich weiß es nicht! Der sieht einfach cool aus. Also doch, wir haben uns da schon was bei gedacht. Klar, die Platte heißt „Fire“, darum brennt das Ding. Und ein Dominostein, weil der eine Kettenreaktion auslöst. Und das haben wir uns auch von dem Album erträumt. Dass wir die Leute nach und nach mitreißen und mit unserer Musik umhauen. Aber primär fanden wir das Artwork einfach nur super cool.«

Kannst du noch ein wenig zu den Albumaufnahmen erzählen?

»Ja sehr sehr gerne. Das war nämlich eine extrem schöne und intensive Zeit. Beim ersten Album musste alles irgendwie sehr schnell gehen und war recht hektisch. Bei „Fire“ hingegen war das ein sehr organischer und natürlicher Prozess, bei dem wir uns Zeit lassen konnten. Was uns allen viel bedeutet hat war, dass wir die Tracks tatsächlich alle zusammen in einem Raum aufgenommen haben. Also nicht, wie das oft üblich ist, das jeder in seiner Kabine sitzt, sondern wir konnten uns in die Augen sehen und die Musik gemeinsam fühlen. Ich denke darum klingt das Album auch so, wie es klingt. Vielleicht nicht zu 100 Prozent sauber, aber echt.«

Besteht darin auch der größte Unterschied zum ersten Album? Im Sound und dem Feeling?

»Ja. Aber das würde ich nicht als den größten Unterschied sehen. „Fire“ ist auch nicht ganz so aggressiv. Irgendwie versprüht die Platte ein positiveres Feeling.«

Ich hab die das erste Mal beim Autofahren gehört, und habe mich fast geärgert, weil ich irgendwie das Bedürfnis hatte, mich zu den Songs zu bewegen.

»Herrlich! Genau das! Das wollten wir mit den Songs erreichen. Natürlich sind die Texte immer noch ernst. Wir sind keine Partyband. Aber es sollte mehr Leichtigkeit in dem Ganzen stecken, und unsere aktuelle Gemütslage widerspiegeln. Das scheint ja dann funktioniert zu haben. Beim ersten Album war ich offen gesagt mit der Art und Weise, in der die Aufnahmen abgelaufen sind, nicht ganz zufrieden. Das war mir zu viel Druck und zu viel Hektik. Manchmal denke ich, dass man diese Unzufriedenheit auch der Stimmung des Albums anhört. Die Songs wirken tatsächlich ein wenig melancholischer könnte man sagen. Bei „Fire“ hingegen hört man unsere gute Laune.«

Ich hoffe, die werdet ihr euch live versprühen. Wann kommt ihr nach Deutschland, damit man euch live erleben kann?

»Im Oktober spielen wir einige Dates in Deutschland. Wir sind sehr gespannt auf das Publikum. Ich hoffe die bekommen auch Lust, das Tanzbein zu schwingen.«

 

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