Online-MegazineInterview

ABRAMELIN

Brief aus Florida

ABRAMELIN

Mit „Transgressing The Afterlife – The Complete Recordings 1988 – 2002“ lassen Century Media auf drei CDs/fünf LPs das komplette Schaffen der australischen Death-Metal-Mitbegründer ABRAMELIN auferstehen. Growler Simon Dower schließt eine livehaftige Wiederauferstehung nicht aus und hat im Heftteil des Interviews in Rock Hard Vol. 320 angekündigt, dass Gitarrist Tim Aldridge bereits Material für ein drittes Album komponiert hat und eine spielfähige Besetzung im Handumdrehen stünde. Hier nun die Online-Ergänzung.

Simon, seid ihr über den erzwungenen Namenswechsel von Acheron zu ABRAMELIN sehr angepisst gewesen, oder passte euch das ganz gut in den Kram? Schließlich habt ihr euch zu der Zeit von einer traditionellen Death-Metal-Band mit viel Florida-Stilmerkmalen zu einer brutaleren Spielweise mit mehr Grind aber auch Groove entwickelt. Habt ihr die Florida-Acheron um Vincent Crowley jemals getroffen?

»Irgendwann in den frühen 1990ern erhielten wir ihren Brief, in dem sie kundtaten, den Namen als erste etabliert zu haben und von uns eine Umbenennung forderten. Wir hielten das für absoluten Blödsinn, da wir unsere ersten Gigs als Acheron Mitte 1988 gespielt hatten und bereits ein halbes Jahr zuvor unter dem Namen probten. Da wir jedoch Verwechslungen aus dem Weg gehen wollten, nannten wir uns eben ab da ABREMALIN. Klar waren wir zunächst wütend, aber das hat sich schnell gegeben und wir machten weiter wie bisher. Die stilistischen Veränderungen ergaben sich immer natürlich, nie nach Besprechungen über mögliche Änderungen im Sound. Seit 1987 war ich ziemlich intensiv als Tapetrader im Underground unterwegs und wusste genau, was jeweils in Europa und den USA abging. Von Anfang an wusste ich, wohin es uns bringen würde, wir mussten nur die richtigen Leute dafür finden.«

Es gibt den australischen Straßenköter-Kneipenrocksound, dazu einen eigenen Black-Thrash- und War-Metal-Klang. Aber ein Aussie-Death-Metal-Sound, ähnlich spezifisch wie der in Schweden, Florida oder New York blieb aus, oder?

»Das ist korrekt. Klar gab es damals eine Rotte Death-Metal-Bands, mit denen wir immer wieder Gigs hatten, aber daraus hat sich nie ein landestypische Stilart entwickelt. Speziell in Melbourne hatten wir alle unseren individuellen Sound und waren alle recht originell.«

Sind die vielen Besetzungswechsel vor allem in musikalischen Belangen begründet, oder gab es viele private/zwischenmenschliche Spannungen?

»Oh ja, wir hatten viele Leute, die ein und ausgingen, auch wenn es rund um Tourneen immer Momente der Stabilität gab. Wer je in einer Band gespielt hat, weiß: der Mix muss stimmen. Viele Umbesetzungen ließen sich nicht abwenden: Mitglieder spielten schlecht, waren nicht teamfähig oder ganz einfach unzugängliche Charaktere. 15 Jahre sind eine lange Zeit und rückblickend waren die meisten Wechsel solche zum Positiven, die neuen Musiker führten uns näher an den ultimativen ABRAMELIN-Sound, bis zu dem „Deadspeak“-Album, nach dem wir die Band auflösten.«

„Abramelin“ wurde wegen seiner brutalen Texte in Australien zensiert – war das 1995 ein gängiges Problem im Zuge der weltweiten Aufmerksamkeit, gerade bezüglich Cannibal Corpse? Gegenüber Blood Duster waren eure Texte doch harmlos...

»Die hiesigen Zensoren waren viele Jahre lang ein riesiges Problem, gerade zu der Zeit hatten sie sich extrem auf Metal eingeschossen. So weit ich weiß, waren wir die einzige lokale Band, die darunter litt, aber internationale Veröffentlichungen von Cannibal Corpse, Pungent Stench und Dismember mussten dran glauben. Genau so unangenehm schossen sie gegen Filme und einige Bücher. Glücklicherweise ist dieses Gebaren Geschichte und heute geht das Meiste problemlos durch, abgesehen von einigen wirklich herben Horrorfilmen.«

Durch die Lizenzierung von „Abramelin“ via Repulse bekam die Band auch in Europa einen Push. Warum habt ihr über die Spanier nicht bald ein weiteres Album nachgelegt? Mangelte es an Songmaterial, oder gab es interne Streitereien?

»Für uns war es immer sinnvoll, zunächst bei einem einheimischen Label zu unterschreiben und den lokalen Support zu genießen, totale Kontrolle zu haben. Zudem arbeitete ich für das hiesige Label. Gerne hätten wir den Kontakt zu Repulse weiter ausgebaut und mehr über sie veröffentlicht – aber leider haben sie uns komplett abgezogen und nie einen Cent gezahlt. Sehr armselig von ihnen. Auch wenn wir an der Veröffentlichungsfront nicht die schnellsten waren, ist die Band doch durchgehend sehr aktiv gewesen – und zwar live. Leider sind wir nie außerhalb von Australien auf Tour gegangen. Damit hätten wir sicher schnell weitere Auslandslizenzen bekommen und uns weltweit wesentlich mehr Freunde machen können.«

Woher stammen die gänzlich unveröffentlichten Studio-/Demosongs des Boxsets?

»Die Frage könnte Tim besser beantworten. Die meisten bislang unbekannten Sachen sind Live-Mitschnitte, die zu hören mir großes Vergnügen bereitet. Ich habe uns immer primär als Bühnenband betrachtet. Da klangen wir besser, als im Studio. Wobei ich bislang noch gar nicht gehört habe, was Century Media hinsichtlich des Remasterns unserer kompletten Diskografie rausgeholt haben. Obwohl ich involviert war, bin ich mit manchen Stücken, die Tim beigesteuert hat, nicht vertraut.«

„Deadspeak“ erschien nach dem für euch unerfreulichem Abenteuer mit Repulse wieder ausschließlich in Australien.

»Unser ganzes Material lief hier über Shock, also hielten wir daran fest. Es gab zwar einige internationale Vertriebe, die es listeten, aber es gab keine Lizenzen. Wir hatten ein Jahr vorher als komplette Band viel Spaß bei den Aufnahmen, waren aber mit dem Resultat nicht zufrieden und parkten es zunächst. Als wir uns dann schließlich zu einer Neuaufnahme entschieden, hatten wir keine intakte Besetzung mehr und brauchten insbesondere einen Drummer. Auch wenn nur Tim und ich beteiligt waren, sehen wir es dennoch als komplettes Bandalbum und tourten danach wieder intensiv über den Kontinent.«

Warum zur Hölle wurdet ihr 1999 von Chatterbox/Phantom Records nicht für die „Under The Southern Cross“-Doppel-CD-Compilation berücksichtigt, die einen guten Überblick über den australischen Extreme-Metal-Underground bot?

»Da musst du sie fragen, ich hab absolut keine Ahnung.«

Wie lebendig waren ABREMALIN über die Jahre in euren Gedanken und in der Nachfrage der Fans?

»Der letzte Gig liegt nun zehn Jahre zurück. Obwohl natürlich viele der jüngeren Metalheads gar nicht mehr mit uns vertraut sind, erinnern sich die älteren noch sehr gut an uns. Unser Merch ist mittlerweile sehr rar, aber hin und wieder sehe ich jemanden mit einem Shirt von uns in der Stadt, was mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert.«

 

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