Online-MegazineInterview

HOT 'N' NASTY

Blues im Blut

Hot 'N' Nasty (c) Volker Beushausen

Die Dortmunder Bluesrock-Institution HOT 'N' NASTY stand nach dem plötzlichen Tod von Ausnahmesänger Patrick Pfau im April des letzten Jahres vor dem Aus. Umso überraschender war die Nachricht, dass sich Malte Triebsch (g.), Dominique Ehlert (dr.) und Jacob Müller (b.) trotz des furchtbaren Schicksalsschlages entschlossen haben, weiterzumachen. Mit Sänger Robert Collins verpflichtete man einen starken Frontmann, der in der Lage ist, die riesige Lücke, die Patrick Pfau hinterlassen hat, auszufüllen. Grund genug, um HOT 'N' NASTY-Mastermind Malte Triebsch zum Interview in die heiligen Redaktionshallen einzuladen.

Malte, wir müssen natürlich zuerst über den Tod von Patrick Pfau sprechen. Kann man so einen schweren Schicksalsschlag überhaupt verarbeiten?

»Patrick war einer meiner besten Freunde, sein Tod ein großer Schock und heftiger, persönlicher Verlust. Wir haben in dieser Besetzung zehn Jahre Musik gemacht, und da ist so viel zusammengewachsen. Neben HOT 'N' NASTY habe ich mit Patrick auch viele Unplugged-Geschichten gemacht, und zwischen uns bestand sowohl menschlich als auch musikalisch eine sehr tiefe Verbindung, die man nicht ersetzen kann.«

Wie kam es zu der Entscheidung, das Kapitel HOT 'NASTY doch nicht zu beenden?

»Wir sind in ein tiefes Loch gefallen. Der Gedanke, die Band ganz aufzulösen, war greifbar nahe. Aber der riesige Zuspruch von Freunden und Fans, mit dem ich so nicht gerechnet hatte, hat uns in dieser schweren Zeit Kraft und Zuversicht gegeben. Nach etlichen Diskussionen haben wir den Entschluss gefasst, nochmal richtig durchzustarten.«

Wie bist du auf Robert Collins gestoßen? Die Suche nach einem Sänger, der auch nur ansatzweise die Qualitäten von Patrick Pfau mitbringt, stelle ich mir sehr schwierig vor.

»Für mich war die Bedingung, dass wir nur mit einem richtig guten Sänger weitermachen können. Alles andere würde keinen Sinn machen und hätte sich mit unseren musikalischen Ansprüchen nicht in Einklang bringen lassen. Da ich viele Musiker kenne, die in der Szene gut vernetzt sind, habe ich verschiedene Leute ganz gezielt kontaktiert und bin schließlich durch einen Tipp auf Robert Collins aufmerksam geworden, der bereits erfolgreich mit vielen Profis zusammengearbeitet hat. Bei den ersten Proben hat sich schnell herausgestellt, dass er musikalisch voll auf unserer Wellenlänge liegt. Wir machen Bluesrock der härteren Gangart, da benötigt man einen Sänger wie Robert, der über eine markante Stimme verfügt. Nach einem längeren Gespräch bei ein, zwei Bier, war klar, dass es auch vom Menschlichen her super passt. Man verbringt als Musiker auf Tour und im Studio so viel Zeit miteinander, dass die Chemie stimmen muss.«

Gibt es schon konkrete Pläne für ein neues Album?

»Wir haben bereits zwei neue Stücke im Programm, wollen uns aber beim Schreiben weiterer Songs Zeit lassen. Das Material muss richtig stark werden - zumal die Messlatte sehr hoch ist, denn unser letztes Album "Boost" ist von Fans und Presse hervorragend aufgenommen worden. Ich denke, dass wir realistisch gesehen in der Mitte des kommenden Jahres mit einer neuen Produktion aufwarten können.«

Du genießt als Gitarrist einen hervorragenden Ruf. Viele unserer Leser spielen Gitarre. Hast du vielleicht einen guten Tipp für diejenigen, die nach der ersten Euphorie Motivationsprobleme bekommen und die Brocken hinschmeißen wollen?

»Ich spiele seit dem 14. Lebensjahr Gitarre und habe glücklicherweise nie solche Phasen gehabt, in der ich über mehrere Wochen und Monate die Gitarre nicht angerührt habe. Bei mir hat es von Anfang an gefunkt, und die Leidenschaft hat nie nachgelassen. Grundsätzlich gilt aber, dass es besser ist, sich in Geduld zu üben und nicht zu schnell zu viel zu wollen. Es empfiehlt sich, den Druck rauszunehmen und erstmal einfache Sachen auszuprobieren. Der Frust ist einfach zu groß, wenn sich die Fortschritte nicht so einstellen, wie man es gerne hätte. Ich habe mir autodidaktisch viel beigebracht und bestimmte Scheiben so oft rauf und runter gehört, bis ich die entsprechenden Licks und Riffs richtig konnte. Dadurch fordert man sich und macht enorme Entwicklungsschritte, da eine solche Vorgehensweise neben der Fingerfertigkeit das Gehör extrem gut schult.«

Wenn du jemanden für Bluesrock begeistern möchtest, welche fünf Scheiben würdest du als Einstieg empfehlen?

»Auf jeden Fall sollte man eine Scheibe von Stevie Ray Vaughan gehört haben. Meine Lieblingsplatte ist "Couldn´t Stand The Weather". Dann muss natürlich eine Platte von Johnny Winter sein. Aus der Fülle seiner erstklassigen Veröffentlichungen würde ich entweder "Saints & Sinners" oder "White, Hot And Blue" empfehlen, die Johnny Winter von seiner rockigen Seite zeigen. Auch "Irish Tour ´74" von Rory Gallagher ist ein Muss. Und eigentlich kommt man auch nicht um Gary Moore herum, der bei aller Kritik den Blues wieder sehr etabliert hat. Auch die Beschäftigung mit ganz alten Klassikern kann nicht schaden. Ich habe mir die Tage noch die großartige Blues-Breakers-Scheibe von John Mayall und Eric Clapton angehört.«

 

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Pic: Volker Beushausen