Online-MegazineInterview

RUNNING WILD

Ballast über Bord

Nur zwei Jahre sind vergangen, seitdem Rock 'n' Rolf seine Band RUNNING WILD bei einem letzten Gig in Wacken öffentlich zu Grabe getragen hat. Anfang 2010 wurde bekannt, dass Rolf darüber nachdenkt, altes Material für eine Best-of-Compilation neu aufzunehmen und die Geschichte mit einigen neuen Songs anzureichern. Daraus ist nun mehr geworden: Rolf hat klammheimlich zehn neue Songs ausgeheckt und einen Plattendeal bei SPV unterschrieben. Im April 2012 soll das neue Album „Shadowmaker“ veröffentlicht werden.

Während Rolf sich im Heftinterview in Ausgabe 295 ausführlich zu den Gründen für die Wiederbelebung von RUNNING WILD äußert, geht er im Online-exklusiven Teil auf den Inhalt der neuen Texte, die musikalische Ausrichtung der „Shadowmaker“-Songs und die Möglichkeit von Live-Aktivitäten ein.

Rolf, wenn man dich in dem Interview auf der „The Final Jolly Roger“-DVD und in dem neuen Video-Statement reden hört, hat man das Gefühl, dass du nicht mehr so eine Wut und Bissigkeit in dir trägst. Ist Rolf Kasparek altersmilde geworden?

»(Lacht) Wer mich kennt, würde das auf das Äußerste verneinen. Ich denke nicht, dass ich etwas von meiner Bissigkeit verloren habe, das wird man auch sehen, wenn man sich die Texte von „Shadowmaker“ zu Gemüte führt. In dieser Hinsicht bleibt RUNNING WILD das, was es ist, auch musikalisch. Es gibt sicherlich ein paar Neuerungen. Die Platte ist zum Beispiel vom Spektrum viel weiter gefächert als die vorherigen Alben. Es gibt melodiöse und knüppelharte Songs, da ist eine große Spannbreite entstanden.«

Hätte es ohne die Auflösung im Endeffekt kein neues Album gegeben?

»Ja, diese Projektgeschichten, die ich zwischendurch gemacht habe – es gibt ja neben Toxic Taste noch ein weiteres Projekt namens Giant X, das ich mit meinem Gitarristen PJ mache – waren Teil des Weges. Ohne die Projekte hätte ich dieses Album, das ich gerade vorbereite, so nicht machen können.«

Mit welchen Musikern wirst du im Studio und live arbeiten?

»Das ist eine Sache, die aufgrund der Tatsache, dass momentan im Livebereich nichts geplant ist, sehr getrennt ist. Vielleicht noch getrennter als zuvor. Ich werde halt die Leute ins Studio holen, die für mich die richtigen sind. Wenn es eine Livegeschichte geben sollte, die ich machen wollen würde, dann werde ich den Musikern, die zuletzt mit mir zusammen gespielt haben, auch bitten, auf der Bühne mit mir zu spielen. Das liegt aber in weiter Ferne, da will ich mir noch gar keine Gedanken zu machen.«

Mittlerweile reicht es ja kaum noch, eine Platte zu veröffentlichen. Das wirkliche Geld wird heutzutage mit Tourneen verdient.

»Man muss aber auch sehen: Die Kosten von Tourneen sind in den letzten zehn Jahren so derartig gestiegen, dass man erheblich abspecken muss, um auf dem gleichen Niveau weitermachen zu können. Alleine die Kosten für Pyrotechnik haben sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Das ist also wirklich eine Sache, die sich rechnen muss. Die letzte Tournee von RUNNING WILD war schon sehr abgespeckt. Wir hatten zwar immer noch 800 bis 1.000 Leute auf den Konzerten, aber man fragt sich dann schon: Wo soll da der untere Punkt sein? Wie weit will man noch abspecken? Von Tourneen an sich werde ich deshalb Abstand nehmen, das hatte ich aber auch schon in der Vergangenheit gesagt. Die letzte Tour war wirklich die letzte Tour. Es gibt natürlich Sondersachen oder Festivalgeschichten, aber das ist alles überhaupt noch nicht in Planung und nicht spruchreif.«

Einige deiner alten Texte, besonders die Konzepte von „Pile Of Skulls“ bzw. „Masquerade“, passen aufgrund der politischen Weltlage wieder hervorragend in die heutige Zeit. Bestätigt dich das in dieser Linie, oder in welche Richtung gehen die neuen Texte?

»Teils, teils. Die Platte heißt ja „Shadowmaker“, sprich: sie beschäftigt sich mit dem Schatten. Es gibt auch einen Song, der heißt 'Black Shadow', ein anderer nennt sich 'Into The Black'. Ein weiterer Song trägt den Titel 'Dracula' und bezieht sich auf die Story von Bram Stoker. Es geht so ein bisschen in alle Richtungen von dem, was RUNNING WILD so gemacht haben. Auch das Piratenthema taucht in zwei Texten wieder auf.«

Du erwähntest bereits, dass ohne Toxic Taste ein neues Album nicht möglich gewesen wäre. Brauchtest du einen Blick über den Tellerrand oder einen Ausbruch aus dem RUNNING WILD-Korsett?

»Ja, ich habe ja immer gesagt, dass ich kein Bedürfnis hätte, etwas anderes zu machen, sonst würde ich es unter einem anderen Namen machen, was ich dann ja auch getan habe. Als ich RUNNING WILD beendet hatte und wir aus Spaß an diesem Toxic-Taste-Projekt arbeiteten, merkte ich ganz schnell, dass da in mir ein Potenzial für diese Musik vorhanden war, das ich so bisher nicht gesehen habe. Ich habe ja nicht nur die 15 Titel des „Toxification“-Albums in kürzester Zeit geschrieben: Ich hatte auf der Festplatte – lass mich nicht lügen – 40 oder 50 Titel. Ich glaube, auf dem Album ist kein Song, an dem ich länger als eine halbe Stunde geschrieben habe.
Es war nun ganz interessant, dass Olly Hahn und Andreas Rennmann von SPV beim Anhören der RUNNING WILD-Demos positiv anmerkten: „Das ist aber sehr auf die Basis des Songs fokussiert.“ Die Songs klingen von Ballast befreit. Ich denke, dass wäre nicht möglich gewesen ohne dieses völlige Strip-Down-Prinzip der Toxic-Taste-Tracks.«

„Victory“ und „The Brotherhood“ waren sehr Riff-Rocker-lastig. Auch auf dem letzten RUNNING WILD-Album „Rogues En Vogue“ befand sich kaum schnelles Material. Kann man sagen, dass du deine Liebe für Riff-Rocker bei Toxic Taste ausgelebt hast und nun wieder Lust auf schnellere Sachen bekommen hast?

»Nein. Auf dem neuen Album sind zwei Doublebassnummern, die sich ungefähr in der Geschwindigkeit von 'Angel Of Mercy' von der letzten Platte bewegen. So richtig schnelle Songs wird es auch in der Zukunft nicht mehr geben, in der Richtung habe ich mich sozusagen „ausgeschrieben“. Dazu habe ich alles gesagt, was ich sagen konnte. Es gab bei der letzten Platte mit dem Bonustrack 'Libertalia' noch einen Ausflug in diese Region, aber ich glaube nicht, dass da in Zukunft noch was kommt. Wenn ich natürlich eine geniale Idee habe, die ich supergeil finde, dann mache ich das natürlich. Aber es ist nicht das Metier, in das ich will. Die neuen Sachen sind schon eher im Midtempo und Low-Bereich angesiedelt. Die Gitarrenarbeit kann man aber schon mit „Pile Of Skulls“ und „Masquerade“ vergleichen.«

Wird „Shadowmaker“ das letzte Album sein, oder willst du dauerhaft weitermachen?

»Das ist noch nicht sicher. Ich habe die Option, eine zweite Platte zu machen. Ich will es auf mich zukommen lassen, wie es weitergeht. Da will ich noch keine Prognose treffen. Ich will das locker sehen und den Spaß daran behalten. Jetzt ist es erst mal wichtig, das Album zu machen.«

Ein ausführliches Interview mit Rolf findet ihr in der ROCK HARD-Ausgabe # 295 (VÖ: 16.11.11).

Pics: Promo

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