Online-MegazineInterview

EAT THE GUN

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EAT THE GUN

Neues Label, neue Platte, neuer Bassist: Bei den Münsteraner Hardrockern EAT THE GUN stehen die Zeichen derzeit auf Sturm. Frontmann Hendrik Wippermann spricht mit uns über den verzögerten Release des neuen Albums „Stripped To The Bone“, was den Reiz einer Clubshow ausmacht und warum die Band schon wieder bei einer neuen Plattenfirma gelandet ist.

Hendrik, hast du schon Reviews  zu „Stripped To The Bone“ gelesen?

»Man bekommt schon so ein wenig mit, was die Presse oder die Medienpartner zu dem Album sagen. Die Resonanz ist erfreulicherweise sehr positiv ausgefallen. Damit haben wir eigentlich nicht gerechnet, weil wir das so gar nicht kennen (lacht).«

Echt nicht? Ich habe im Vorfeld unseres Interviews einige Reviews zu euren Platten gelesen. Die waren aber mehrheitlich positiv im Tenor.

»Grundsätzlich war es nie so, dass wir komplett verrissen worden sind. Das stimmt. Aber es macht sich mit dem neuen Album bemerkbar, dass wir, was Reviews angeht, breiter aufgestellt sind. Früher kamen die Rezensionen meistens aus dem Hardrock- oder Metal-Bereich, wohingegen wir heute auch aus anderen Bereichen positive Resonanzen bekommen. Das mag damit zu tun haben, dass das neue Album Alternative-lastiger ausgefallen ist. Das ist schon cool. Vor allem, weil die alten Stimmen nicht wegfallen.«

Was war denn der Grund für den verschobenen Release von „Stripped To The Bone“?

»Das Album wurde verschoben?«

Ja, in einem Live-Review von EAT THE GUN wurde erwähnt, dass der Release nach hinten verschoben wurde.

»Ach so, ja. Das Album wurde zwei Monate nach hinten verschoben, was aber nicht an uns lag. Da waren logistische Gründe seitens der Plattenfirma ausschlaggebend. Die Labels haben immer Phasen, in denen sie eine bestimmte Anzahl an Veröffentlichungen auf den Weg bringen und wir passten in der einen Phase einfach nicht mehr mit in das Paket. Deshalb sind wir nach hinten gerutscht. Das waren also ganz banale Gründe (lacht).«

Ok, ich hatte mir vorgestellt, dass das für euch eine ziemlich blöde Situation ist. Ihr seid auf Tour und das Album ist noch nicht auf dem Markt. Das hat fast Spinal-Tap-Charakter.

»Geiler Vergleich (lacht). Super Film. Richtig auf Tour waren wir zu dem Zeitpunkt nicht. Wir haben lediglich ein paar Warm-Up-Shows gespielt, um unseren neuen Bassisten vorzustellen und uns als Band live zu finden. Eine richtige Tour zum Album wird es nächstes Jahr geben. Wir haben aber tatsächlich überlegt, ob wir die Shows verlegen, weil das Album zu dem Zeitpunkt noch nicht draußen war. Bei einigen Gigs haben wir uns auch dafür entschieden. Die Konzerte werden im März 2014 nachgeholt. Wir haben uns für die Fans als Besonderheit ausgedacht, „Stripped To The Bone“ komplett und die Songs in der Reihenfolge, in der sie auch auf dem Album zu finden sind, zu spielen. Das war schon sehr geil und den Leuten hat es auch Spaß gemacht, denke ich. Für uns war es jedenfalls cool zu sehen, wie das Publikum auf das ihnen unbekannte Material reagiert.«

Einen größeren finanziellen Verlust habt ihr also nicht eingefahren, nur weil das Album noch nicht auf dem Markt war?

»Nein, überhaupt nicht. Das war schon in Ordnung. Wir hätten die Platte gerne früher draußen gehabt, aber so ist das eben im Business. So was kann immer passieren und solange es kein „Chinese Democracy“ wird, ist alles in Butter (lacht).«

EAT THE GUN haben schon mit allerlei großen Bands wie den Toten Hosen auf der Bühne gestanden. Was macht für dich das Besondere an einer Clubshow aus, worin liegt der Reiz einer Hallenshow?

»Der Reiz liegt grundsätzlich erst einmal darin live zu spielen. Das ist der Moment, indem man das Musikmachen am intensivsten erlebt. Man kann es nur schwer in Worte fassen, aber auf der Bühne entsteht pure Energie. Es ist einfach geil, live zu spielen. Ob das jetzt in einem Club oder auf einer großen Festivalbühne stattfindet, ist zunächst einmal zweitrangig. Wir spielen mit EAT THE GUN primär in kleinen Clubs und da liegt der Reiz einfach darin, dass man den Leuten im Publikum näher ist und die Reaktionen der Fans noch besser mitbekommt. Die Atmosphäre ist einfach eine andere, verglichen mit einer Hallenshow. Bei einer großen Show ist natürlich die Menschenmasse geil, und wie das Publikum mitgeht. Die Energie, die durch die Halle geht und der Punkt, wenn man als Band merkt, wie es im Publikum brodelt, das ist schon super. Das sind zwar zwei unterschiedliche, aber ähnlich intensive Erlebnisse.«

Lass uns nochmal über „Stripped To The Bone“ sprechen. Das neue Album klingt reduzierter als zuletzt. Würdest du da zustimmen?

»Das stimmt. Wir überlegen im Vorfeld aber nicht, wie ein neues Album werden soll. Vielmehr machen wir das, was uns in diesem Moment gerade gefällt und merken irgendwann im Songwritingprozess wohin die Reise geht. Bei „Stripped To The Bone“ war es so, dass ich alle Songs ganz klassisch auf der Westerngitarre komponiert habe. Ich habe mich dabei ganz auf die Texte und die Gesangsmelodien konzentriert. Mir war es dabei wichtig, eine Basis für gute Songs zu schaffen. Als Trio im Proberaum haben wir ebenfalls versucht das auch so umzusetzen, getreu dem Motto „weniger ist mehr“. Jedes Instrument sollte ausreichend Platz bekommen und die Songs auf den Punkt arrangiert werden. Das Ganze sollte auf dem Album so rüberkommen, wie wir die Songs beim Spielen auch in unseren Köpfen hören. Unser Produzent Gudze (Stephan Hinz/H-Blockx - cb) hat uns da sehr geholfen, weil er genau verstanden hat, worum es uns ging. Als riesiger AC/DC-Fan findet er so einen reduzierten Sound, wie wir ihn jetzt auf dem Album haben, natürlich auch gut. Wir haben auch den Albumtitel bewusst gewählt. Es gibt auf der Scheibe nichts konstruiertes, die Musik ist einfach „Stripped To The Bone“ (lacht). Ich denke, dass die neue Platte die ehrlichste ist, die es bislang von uns zu hören gibt und am ehesten das widerspiegelt, was wir auch live auf der Bühne machen.«

Das finde ich auf jeden Fall besser als irgendwelche überproduzierten Platten, auf denen man fünfstimmige Gitarrensoli hört, die Band das live aber nicht reproduzieren kann.

»Stimmt. Die Musiker, die mich berührt haben, sind alles Solokünstler, die einen völlig eigenständigen Sound geprägt haben. So Leute wie Angus Young, Tony Iommi, B.B. King oder Ritchie Blackmore haben alle eigenen Groove, eine eigene Art Töne zu erzeugen. Das ist etwas, dass durch eine Überproduktion verloren geht. Oder, wenn man das richtige Feeling nicht hat, überspielt wird (lacht).«

Einen guten Eindruck von eurem aktuellen Stil bekommt man durch die aktuelle Single 'Loner'. Ich habe dich als sehr netten Zeitgenossen kennengelernt. Bei dem Song klingst du aber richtig angepisst. Was ist denn der Grund dafür?

»Echt, findest du (lacht)? Der Text hat dieses rebellische Element. Es geht darum, seinen eigenen Weg zu gehen, nicht immer auf jeden zu hören. Man sollte sich auch nicht ständig von den falschen Leuten beeinflussen lassen und einfach sein eigenes Ding machen. Dabei ist es völlig egal, ob jemand Musiker ist oder eine Vollkornbäckerei besitzt. Entscheidungen zu treffen, bedeutet eben oft auch, einsam zu sein. Es ist heute so, dass man viel zu oft wenig oder gar keine Unterstützung erhält, wenn man sich traut seinen eigenen Weg zu gehen. Das ist meiner Meinung nach sehr schade und kann einen auch mal sehr ärgerlich stimmen (lacht).«

In einigen Reviews wurde der Sound der Platte als zu glattgebügelt bemängelt. Du hast gerade schon gesagt, dass man seinen eigenen Weg gehen muss. Was entgegnest du Leuten, die kritisieren, dass ihr auf der neuen Platte einen massenkompatibleren Sound habt?

»Ich weiß nicht, ob sich das generell ausschließt. Das ist ein althergebrachter Gedanke aus einer Undergroundbewegung heraus. So ungefähr: Wenn man dagegen ist, muss es auch dreckig klingen und möglichst nicht kommerziell sein. Das sehe ich anders, denn das hat überhaupt nichts miteinander zu tun. Ich finde auch nicht, dass unser Album glattgebügelt klingt. Wir haben bei der Produktion auch nicht mit einem Budget gearbeitet, das eine kommerzielle Produktion begünstigt hätte. Ich finde, unser Album klingt eher minimalistisch und rough. Wenn wir noch einmal 30.000 Euro mehr zur Verfügung gehabt hätten, könnten wir jetzt wahrscheinlich über eine wesentlich glattere und fettere Produktion reden (lacht). Wir hatten aber zu keinem Zeitpunkt die Intention, in irgendeiner Form kommerziell zu klingen. Ich finde es witzig, was die Leute da alles auf unseren Alben hören (lacht).«

Ich finde den Ausdruck „kommerziell“ in Bezug auf „Stripped To The Bone“ auch etwas deplatziert. Was man aber festhalten kann, ist, dass die Platte das Potential hat eine breitere Schicht zu erreichen.

»Es kommt doch häufig vor, dass Leute aus der Szene einem so was vorwerfen. Ich verstehe das nicht. Es ist doch schön, wenn man mit seiner Musik viele Leute erreicht. Ich sehe auch nicht, dass ich mich in irgendeiner Szene behaupten muss, um noch glaubwürdig zu sein. Man muss nicht besonders hart oder angepisst klingen. So höre ich auch keine Musik. Ich finde beispielsweise die Foo Fighters total geil. Ich finde Metallica, Volbeat oder Airbourne super. Ich bin da sehr offen und mache dementsprechend auch sehr vielschichtige Musik.«

Du fühlst dich also keiner bestimmten Szene zugehörig?

»Ich sehe mich selbst als Rockmusiker, finde Schubladen - darum geht es ja hier - aber auch sehr wichtig. Man braucht einfach Kategorien, um über ein Thema reden zu können. Für mich selbst finde ich es hingegen nicht so wichtig, in welchem Genre ich mich bewege und ob die Musik von EAT THE GUN jetzt mehr Metal oder mehr Alternative Rock ist. Ich spiele gerne Metal, ich spiele gerne Blues und ich spiele gerne Alternative Rock. Ich sauge lieber alles in mich auf und mache daraus mein eigenes Ding. Wie gesagt, ich bin da sehr offen.«

Kannst du mit deiner Musik auch sein. Ich finde, dass man, ohne es negativ klingen zu lassen, viele Bands in der Musik von EAT THE GUN heraushören kann, ohne dabei gleich an ein Plagiat denken zu müssen.

»Ja, das sehe ich auch so. Meine Meinung dazu ist, dass gute Musik aus guter Musik entsteht. Bands brauchen einfach auch Vorbilder und werden immer von anderen Bands inspiriert. Jeder Musiker wird zunächst von seinen Lieblingsbands inspiriert Musik zu machen. Ein eigener Stil entsteht im Laufe der Zeit automatisch. Man hört aber bei allen Bands raus, von wem sie beeinflusst wurden. Vielleicht nicht immer auf Anhieb, aber spätestens dann, wenn man sich mit der Musik richtig auseinander setzt.«

„Stripped To The Bone“ erscheint abermals bei einem anderen Label als der Vorgänger. Was ist denn da los bei euch?

»Ja, was ist da los (lacht)? Das ist aber ganz einfach zu beantworten. Metalville haben zweifelsohne einen super Job gemacht. Das neue Album passte aber nicht mehr zu der Firma, weshalb wir uns in gegenseitigem Einverständnis voneinander getrennt haben. Glücklicherweise haben wir jetzt die Möglichkeit, mit SPV zusammenzuarbeiten und haben den Deal auch mit dem Segen unseres alten Labels unterzeichnet.«

Völlig ohne böses Blut? Das ist aber eher selten der Fall.

»Nee, das sind Leute, die uns unheimlich viel geholfen haben. Da muss man einen sauberen Weg gehen. Man muss manchmal einfach Entscheidungen treffen. Ein Label wie Metalville muss sich auch Gedanken machen, ob ein Album wie „Stripped To The Bone“ ins Profil der Firma passt. Wie gesagt, ist es für uns eine glückliche Fügung, dass wir jetzt mir Olly Hahn und SPV zusammenarbeiten dürfen. Die Jungs mögen die Band alle total und stehen wirklich hinter EAT THE GUN. Das ist ein geiles Gefühl.«

 

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Pic: Stefan Mager