Online-MegazineInterview

GORTHAUR´S WRATH

Auf in den Krieg!

GORTHAUR'S WRATH

Wie aus dem Nichts traten GORTHAUR'S WRATH mit "War For Heaven" aus dem kroatischen Rijeka in den letzten Monaten in die hiesige Metalszene, ohne dass vorher jemand groß etwas über die mittlerweile zum Quintett angewachsene Combo gehört hatte. Wir sprachen mit Frontmann Morbid über komplizierte Anfänge im Heimatland und eine brennende Motivation, seitdem sich die Umstände für seine Band erheblich gebessert haben.

Morbid, GORTHAUR'S WRATH existieren jetzt seit rund 15 Jahren, aber in den meisten Teilen Europas konntet ihr bis 2013 nicht wirklich durchstarten. Wo siehst du die Gründe dafür?

»Ja, das ist korrekt. Wir waren jahrelang im Underground unterwegs, bis wir in Kontakt mit Nicole und Rob von der „Heavy Space“-Agentur getreten sind. Die beiden betreiben auch das neuen Plattenlabel Eternal Sound Records. Im Endeffekt sind sie es, die für unseren plötzlichen Erfolg zuständig sind. Der wesentliche Grund, warum wir so lange im Unterground hängen geblieben sind, waren die vielen Line-up-Wechsel und andere Probleme mit Ex-Mitgliedern in der Vergangenheit. Außerdem macht es die Tatsache, dass wir aus Kroatien kommen, nicht einfacher. Die meisten Leute wissen nicht mal, wo das ist und für alle Bands aus der Gegend ist es schwierig, aus diesem schwarzen Loch herauszukommen. Manchmal kommt es einem wie zwei verschiedene Welten vor. Es gibt eine Menge Metalfans, aber Promotion bekommst du hier so gut wie gar keine. Es gibt weder Labels noch Vertriebe und nur in den großen Städten ein paar ordentliche Clubs. Erst dieses Jahr kam ein neues Metal-Magazin heraus und das „Underwall“-Festival gibt es seit drei Jahren. Alles darüber hinaus muss man selbst machen. Ich will mich nicht beschweren, wir sind das hier so gewohnt, aber seit das deutsche Management hinzugekommen ist, hat sich alles gewaltig verbessert. Heutzutage haben wir drei deutsche Bandmitglieder und sind insofern schon mehr eine deutsche, als eine kroatische Band. Kroatien ist nun Mitglied der EU und hoffentlich entwickeln sich die Dinge jetzt so, wie es schon begonnen hat.«

War es in den Neunzigern schwierig, überhaupt eine Art von Szene aufzubauen? In der damaligen politischen Situation und der Teilung des ehemaligen Jugoslawien gab es bestimmt nicht viel Raum dafür, oder?

»Ja, diese Nachkriegsjahre waren schwierig, aber gleichzeitig haben sich viele Bands gegründet und sich wie wir einen Namen gemacht. Wir waren alle ziemlich fanatisch damals und je mehr Druck von außerhalb kam, desto mehr haben wir uns eingeschlossen und an unserer Musik gearbeitet. Wir waren von der ganzen negativen Energie motiviert, statt von ihr zerstört zu werden. In dieser Zeit war es kompliziert sich eine Show anzusehen, oder selbst einen Gig zu organisieren, also sind wir nach Italien, Deutschland oder Slowenien gefahren, um uns eine Band live anzusehen. Ich erinnere mich an eine Cannibal-Corpse-Show 1996 in Zagreb, ebenso wie Napalm Death und At The Gates in der selben Zeit. Diese Bands haben es gewagt herzukommen, während andere noch geglaubt haben, dass hier noch Bomben runterkommen. Ich denke, alle Metalheads, die dort gewesen sind, werden sich daran erinnern und zollen ihnen seitdem den höchsten Respekt. Im Jahr 2001 haben wir Behemoth und Carpathian Forest supported, ebenso wie Vital Remains, Graveworm und andere, als sich die Lage gebessert hatte. Die Dinge haben sich langsam bewegt, aber die Szene war unter der Oberfläche immer vorhanden.« 

Kannst du GORTHAUR'S WRATH einem bestimmten Subgenre zuordnen? Wenn ich mir eure Songs anhöre, empfinde ich es als straighten Mix zwischen melodischem Black- und Death Metal, sowie traditionellen Metalriffs mit Iron-Maiden-Schlagseite in der Leadgitarre.

»Definitiv. Wir sind permanent auf der Suche nach einem speziellen Sound, wollen aber immer unseren Black-Metal-Roots verbunden bleiben. Mit jedem Album kann man dieser Veränderungen nachverfolgen. Mit „War For Heaven“ haben wir die meisten Änderungen vollzogen und den für uns bisher unverwechselbaren Sound gefunden. In den Reviews sehe ich, dass die Leute das bemerkt haben, was uns sehr zufrieden stellt. Ross Feratu ist ein perfekter Songwriter, der fast alle Ideen umsetzen kann, wie ich sie mir vorgestellt habe. Auf der anderen Seite geben ihm meine Lyrics ebenfalls Inspiration, womit sich der Kreis schließt. Wir sind von vielen Bands und und Stilrichtungen beeinflusst und wenn du Iron Maiden sagst, ist das sicher nicht falsch. Zusammen mit dunkleren Dissection und ab und zu auch Punk Rock wie den Murderdolls. Wir versuchen einfach etwas Neues zu erschaffen, was wir selbst gern hören und das sich aus unseren Einflüssen und Stilen, die wir mögen, zusammensetzt. Inspiration, nicht nur kopieren, das ist ein großer Unterschied. Die Szene ist voll mit Copycats, wir versuchen eine New Wave of Dark-Extreme-Melodic-Metal zu machen. Je schwerer es wird uns zu beschreiben, desto näher kommen wir unserem Ziel.

Das Artwork eurer neuesten Scheibe „War For Heaven“ zeigt ein ziemlich typisches Schlachtengemälde mit einem Krieger, Schwertern und einer Art Drachen. Ist so eine Optik heutzutage noch reizvoll?

»Ich denke, das ist subjektive Ansichtssache. Ich wollte von Timo (Wuerz, Artworkdesigner, ms) ein Bild, das den Kampf zwischen dem Teufel und Erzengel Michael zeigt, nur dass der Erzengel im Kampf unterliegt. Timo hat das Bild dann in seinem eher Fantasy-Comic-artigen Stil fertiggestellt, anstatt wie ein altes Kirchengemälde. Aber wir mochten es wirklich gern und haben uns entschlossen, es zu verwenden. Nun bezieht es sich mehr auf die Schlachten in Mittelerde, als auf mittelalterliche Darstellung von Engeln und Dämonen. Aber das ist auch ein Teil dieser Band und die Story wiederholt sich seit Anbeginn der Menschheit immer wieder, nur eben in unterschiedlichen Varianten. Es zeigt eine Schlacht zwischen Gut und Böse, um es kurz zu machen und zum Konzept von „War For Heaven“ passt es ausgezeichnet. Luzifers Rückkehr in den Himmel, meine persönlichen Lebenserfahrungen, in diesen Metaphern formuliert, sind es, wofür dieses Album steht: Das Schlachtfeld des Lebens. Und somit passt das Cover perfekt zu uns.«

Weiter hinten im Booklet dankst du einem Universitätsprofessor für seine Transkriptionen altertümlicher Schriften. Gibt es da einen näheren Schulterschluss mit den Texten?

»Er ist mein bester Freund, mehr wie ein Bruder für mich. Er hilft mir manchmal bei Ideen zu Texten und Formen weiter und dafür möchte ich ihn immer erwähnen. Da wir beide sehr auf Lovecraft stehen, beziehe ich mich immer in so einer „altertümlichen“ Weise auf ihn. Keine andere Beziehung wie diese kann in dem Booklet gefunden werden. Oder vielleicht... (lacht).«

Warum habt ihr den Eröffnungs-Track 'Übermensch' deutsch betitelt, obwohl alle Lyrics ausschließlich auf Englisch verfasst sind?

»Die Idee zum 'Übermensch'-Song kommt von Nietzsche und ich wollte das ursprüngliche Wort gern so belassen. Die Idee der Menschengötter gab es ja schon früher, als der Teufel Adam und Eva das Angebot machte, die Götter des Garten Eden zu werden, auch wenn sie den Apfel probieren würden. Mit dieser Thematik eröffnen wir das Album, da es an dieser Stelle interessant für die Geschichte der Menschheit wird.« 

Wie seid ihr auf V. Santura (Dark Fortress, Triptykon, ms) als Produzenten gekommen und was war das Besondere an der Zusammenarbeit mit ihm?

»Durch unser deutsches Management. Wir wollten gern jemanden, der bei Dark Fortress und Triptykon schon für so großartigen Sound und Atmosphäre gesorgt hat und unser Wunsch hat sich erfüllt. Er ist ein netter Typ und ein sehr talentierter Musiker und Produzent. Im Studio war er wie ein Bandmiglied und sein Einfluss ist auf dem Album genau so zu hören wie seine Stimme auf dem letzten Track 'Faithfall'. Er mochte die Band und unsere Musik so sehr, dass wir ihn gefragt haben, ob er nicht ein paar Gastvocals beisteuern möchte. Er ist wirklich sehr professionell und perfektionistisch. Aber das sind wir auch und wir möchten in Zukunft gern wieder mit ihm arbeiten.« 

Für den Track '1000 Years' wurde ein offizielles Video abgedreht. Hat euer Label die finanziellen Ressourcen dafür gestellt, oder musstet ihr in die eigene Tasche greifen?

»Was das Video angeht, haben wir alles selbst bezahlt. Unser Label und Management kümmern sich um das Studio, Merch, CDs und anderen Kram.« 

Welche Symbolik kommt dem Raben zu, der immer wieder in den Fokus gerückt wird?

»Der Rabe ist ein Todessymbol, aber auch ein Bote. Mit diesem Song senden wir die Botschaft, dass wir zurück sind und dieses Mal den Schritt aus dem Underground heraus schaffen, um uns zu nehmen, was uns gehört. Ich bin außerdem ein Fan der Warhammer-Romane und bin von diesen Geschichten beeinflusst. Wenn du dort einen Vampir-Lord oder einen anderen Untoten antriffst, kannst du den Raben nicht entfliehen, die als Zeichen ihrer Ankunft mit ihnen fliegen. Ich wusste, dass ich für das Video auch einen Raben brauchte, was dann auch gut gepasst hat.«

Offiziell arbeitet ihr als Trio zusammen, aber auf den letzten Promofotos kann man fünf Leute sehen. Inwieweit ist euer Line-up denn jetzt fest?

»Es stimmt, dass wir das Album als Trio erarbeitet haben. Ross Feratu, Mara und ich. In der Zwischenzeit kamen Ralf als Rhythmusgitarrist und Kim als Drummer dazu. Das ist jetzt unser normales Line-up. Im Studio hat Christian Bass, der auch schon mit Der Weg einer Freiheit, Night in Gales und Heaven Shall Burn gearbeitet hat, die Schlagzeugarrangements und -aufnahmen übernommen.« 

Welche Live-Erfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit sind euch am besten in Erinnerung geblieben? Ich habe euch jedenfalls noch auf keinen größeren Event gesehen.

»Zuletzt waren wir 2011 als Support von Ektomorf in Deutschland unterwegs. Das war unsere erste wichtige Tour, von der man natürlich sagen muss, dass sie uns auch deshalb im Gedächtnis geblieben ist. Auch wenn das Publikum nicht unbedingt zu uns passte, haben die Leute erstaunlich positiv reagiert, was uns eine Menge bedeutet hat. Wir haben uns auch mit der anderen Supportband, Korzus aus Brasilien, gut angefreundet. Außerdem haben wir beim Metalcamp, dem Metal Breed Fest und beim ersten „Underwall“ in Kroatien gespielt, das damals noch „Burning Sea“ hieß. Wir sind also Schritt für Schritt auf dem Weg nach oben und machen keine Gefangenen.«

Wird es 2014 eine GORTHAUR'S WRATH-Headliner-Tour geben, oder hab ihr von anderen Plänen oder Support-Gelegenheiten zu berichten?

»Im Moment verhandeln wir mit einigen Bands für Tourplanungen. Ebenso sind einige Einzelshows und Festivals vorgesehen, aber ich kann noch keine Details dazu verraten. Auf unserer Website wird man das alles rechtzeitig nachlesen können. Wir werden auf jeden Fall unterwegs sein, insbesondere in Deutschland. Der Krieg hat begonnen!« 

Morbid, vielen Dank für das Interview!

 

www.facebook.com/gorthaurswrath