Online-MegazineInterview

THE OTHER

Auf Draculas Spuren

THE OTHER

15 Jahre THE OTHER, und am 20. Oktober veröffentlicht die Horrorpunk-Rasselbande - gerade noch pünktlich, um die Halloweenpartys der Republik angemessen zu beschallen - ihren neuen Longplayer, "Casket Case". Wir unterhielten uns mit Frontmann Rod Usher.

Rod, ihr habt zwar gerade ein neues Album in den Startlöchern, aber auch abseits davon gibt es etwas zu feiern: THE OTHER sind kürzlich 15 Jahre alt geworden. Herzlichen Glückwunsch!

»Vielen Dank, wie die Zeit vergeht. Manchmal wünschte ich mir fast, dass wir noch nicht so lange dabei wären, weil es als alteingesessene Band immer schwieriger wird, neue Leute für sich zu begeistern - egal, wie gut eine neue Platte wird (lacht). Ich bin allerdings auch wirklich zufrieden mit dem, was wir in den letzten 15 Jahren erreicht haben. 90 Prozent aller Bands schaffen es ja gar nicht erst so weit, das muss man immer im Hinterkopf behalten.«

Zumal man sagen muss, dass die Entscheidung, in Deutschland eine Horrorpunk-Band zu gründen, schon ein Stück weit mutig war. Das ganze Genre war ja immer schon ein eher amerikanisches Phänomen...

»Ja, stimmt. Die Wurzeln liegen bei den Misfits, und wenn man weiter ausholen möchte, auch bei Alice Cooper und Kiss, bzw. The Monster Mash. Das ist alles sehr amerikanisch, ganz klar. Die ganzen Monster und die zugehörigen Geschichten sind vielleicht irgendwann einmal in England erdacht worden, richtig bekannt wurden sie aber erst durch die Universal-Filme. Man muss sich aber auch ins Gedächtnis rufen, dass sowohl Schauergeschichten als auch Gothic ihren Ursprung in Europa haben. Gerade in Deutschland haben Gruselmärchen eine lange Tradition. Das Düstere und Gruselige liegt uns im Blut, könnte man sagen. Dementsprechend denke ich, dass wir zu unseren Anfangstagen offene Türen eingerannt haben. Als wir damals losgelegt haben, war die Szene in Deutschland deutlich größer als in Amerika. Inzwischen hat sich das komplett gedreht.«

Du würdest also sagen, dass ihr vor 15 Jahren den Nerv der Zeit getroffen habt?

»Absolut. Als ich mein Label (er meint Fiend Force Records - jp) gegründet habe, war Horrorpunk hierzulande total angesagt. Ich habe seinerzeit zig Bands unter Vertrag genommen, die gerade mal ihre ersten Demos veröffentlicht hatten. Die Fanbase war riesig. Als ich Blitzkid zum ersten Mal nach Deutschland geholt habe, waren die Clubs gerappelt voll, da sind hunderte von Leuten gekommen. Wir haben zusammen im Conne Island (Club in Leipzig - jp) vor 700 Leuten gespielt, das ging richtig ab. Als die Amis dann nach solchen Touren zurück in die Staaten gefahren sind, mussten sie wieder in Jugendclubs in der Provinz vor fünf Besuchern auftreten. Klar, dass die dann lieber hierzulande gespielt haben. Das Resultat war, dass der Markt irgendwann gesättigt war und der familiäre Gedanke verloren ging. Das passiert ja in beinahe jeder Szene früher oder später. Die Bands treten zunehmend in Konkurrenz, denken, sie wären etwas besseres, und machen nur noch ihr eigenes Ding. Dadurch laufen die Dinge früher oder später auseinander. In Amerika ist in der Zwischenzeit genau das Gegenteil passiert, und deshalb konzentriert sich momentan alles auf den US-Markt. Wir waren im letzten Jahr auf Tour durch die Staaten und haben überall junge und hungrige Bands getroffen, die wir vorher nicht kannten. Da waren ein paar echt geile Acts bei. Ich hoffe, dass das früher oder später auch wieder nach Europa schwappt.
Wir selbst haben allerdings das Glück, dass wir, obwohl wir nach wie vor unter Horrorpunk laufen, uns von der Szene zumindest ein Stück weit entfernt haben. Zu unseren Konzerten kommen Metalheads, Punks und Gothics, und wir spielen auch auf den entsprechenden Festivals.«

Was sich auch in eurer Musik widerspiegelt, denn "Casket Case" ist stilistisch zumindest ein Stück weit breiter als die Vorgänger aufgestellt.

»Das sehe ich genau so, allerdings war das kein Kalkül. Man will sich als Musiker ja immer weiter entwickeln, und wir sind fünf verschiedene Charaktere mit verschiedenen musikalischen Vorlieben. Ben Crowe (g.) ist vor allem im Classic Rock und Hair Metal verwurzelt, Pat Laveau (g.) und ich hören viel Punk. Irgendwo in der Schnittmenge spielt sich unsere Musik ab. Irgendwann kann man es auch nicht mehr allen Recht machen. Der alte Fan möchte am liebsten nur Geknüppel hören, der neue schätzt uns für den Variantenreichtum. Am Ende müssen wir das machen, was uns gefällt, und hoffen, dass wir die Leute damit abholen.«



Apropos gefällt: Ihr tretet geschminkt auf und verwendet Synonyme.

»Die Bühnenshow ist uns total wichtig. Wenn es nach mir ginge, würde ich mich auf der Bühne köpfen lassen, Monster würden durchs Publikum spazieren, es würde ordentlich knallen und Blut würde von der Decke tropfen. Als Punkband ist das aber leider nicht so einfach, wir spielen ja nicht gerade in riesigen Arenen. Grundsätzlich halte ich es da aber mit Alice Cooper oder Kiss - je mehr, desto besser. Ich kann auch Leute nicht verstehen, die zu einem Kiss-Konzert gehen und danach nicht völlig begeistert sind. Das ist doch einfach geiles Rundum-Entertainment.«

Irgendwann werdet ihr es also Mötley Crüe gleichtun und auf der Bühne eine Achterbahn aufbauen?

Er lacht wieder: »Liebend gerne - wobei mir eine Geisterbahn noch lieber wäre. Es wär' doch geil, wenn die Leute gleich nach dem Einlass durch einen Tunnel in die Venue geleitet werden, wo man sie dann ordentlich erschreckt.«

Das wär' doch was für eure Halloween-Party. Ihr habt in den letzten Jahren am Abend vor Allerheiligen immer im Kölner Underground gespielt, der kürzlich seine Pforten geschlossen hat. Dieses Jahr findet das Konzert deswegen in der benachbarten Live Music Hall statt.

»Genau, und das ist schon ganz schön dicke Hose. Die Live fasst ja eine ganz andere Besucherzahl als das kleine Underground. Wir konnten den Umzug allerdings erst relativ kurzfristig bekannt geben und hoffen, dass das noch ein paar Leute mitbekommen. Momentan läuft der Vorverkauf ganz gut. Das Underground war in den letzten Jahren immer ausverkauft, und die Besucherzahl haben wir bereits überschritten. Trotzdem, da geht hoffentlich noch mehr.«

Lass uns abschließend über Horrorfilme sprechen. Ich weiß, dass du ein großer Fan bist. Stehst du mehr auf die Klassiker, oder schaust du auch neue Streifen?

»Beides, wobei ich bei den neuen Sachen Abstriche machen muss. Ich mag diese ganzen Torture-Porn-Geschichten nicht, bei denen Menschen gequält und verstümmelt werden. Ich kann mit diesem Brutalo-Scheiß nichts anfangen. Dafür liebe ich die neue Welle der Geisterfilme, angefangen bei "Die Frau in Schwarz" über "The Conjuring" bis "Insidious". Gestern habe ich mir "Rings" angeschaut, der war aber nicht so toll. "Es" ist ein gutes aktuelles Beispiel für einen schönen Geisterfilm. Generell finde ich, dass Ekel nichts mit Horror zu tun hat, und deshalb mag ich ernste Splatterfilme nicht.«

 

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DISKOGRAFIE

They're Alive! (2004)
We Are Who We Eat (2006)
The Place To Bleed (2008)
New Blood (2010)
The Devils You Know (2012)
Fear Itself (2015)
Casket Case (2017)

 

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

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