Online-MegazineInterview

ZAKK WYLDE

Alles aus einer Hand

ZAKK WYLDE

Im Hause ZAKK WYLDE ist momentan einiges los. Neben der Veröffentlichung seines zweiten Soloalbums ''Book of Shadows II'' läuft gerade der Vertrieb für die ersten Gitarren seiner eigenen Marke “Wylde Audio” an. Außerdem ist er gerade gemeinsam mit Steve Vai, Yngwie Malmsteen, Nuno Bettencourt (u.a. Extreme) und Tosin Albasi (Animals As Leaders) als Generation Axe auf US-Tour. Einiges zu besprechen also.

Als Zakk nach ungefähr einem halben Klingeln ans Telefon geht, ist er gerade im wahrsten Sinne „on the road“ und bei guter Laune.

»Hey! Wir sind gerade auf dem Weg zum Las Vegas-Chapter, nachdem wir gestern in Oakland waren.«

Du bist gerade mit Generation Axe auf Tour, oder? Wie genau muss ich mir so ein Konzert vorstellen, spielt da jeder alleine oder alle zusammen?

»Wir jammen viel zusammen, auch in verschiedenen Konstellationen. Aber jeder hat auch sein Solo-Set. Außerdem reisen wir alle zusammen, was unglaublich viel Komik mit sich bringt und deshalb ordentlich Spaß macht.«

Das kann ich mir vorstellen, es sind ja auch durch die Bank großartige Gitarristen.

»Auf jeden Fall! Wenn du jedem die gleiche Gitarre in die Hand drücken würdest, könntest du trotzdem alle am Sound auseinanderhalten. Das ist auf jeden Fall was besonderes.«

Gibt es denn eine Chance, dass das Line-Up nach Europa kommt?

»Keine Ahnung, aber es wäre großartig wenn das klappen könnte!«

Dann lass uns mal über dein neues Soloalbum “Book of Shadows II” sprechen. Du hast ja auch mit Black Label Society schon ruhige Nummern aufgenommen, warum hast du dich jetzt entschieden, eine ganze Soloplatte damit rauszubringen?



»Na ja, es ist ein bisschen anders: Bei ''Chinese Democracy'' hat es 15 Jahre gedauert, bis sie fertig war, und ich dachte 16 Jahre nach dem ''Book of Shadows''-Release: “Jetzt warte ich halt noch vier Jahre und mache die 20 voll”. Denn so ist das Ding abgesichert. Wer sonst kann zwanzig Jahre  arbeitslos sein und dann ein Album machen (lacht)? Nein, im Ernst: Ich habe das gar nicht so realisiert, dass schon es schon zwanzig Jahre her ist, seit ''Book of Shadows'' rausgekommen ist, weil ich ja mit BLS konstant arbeite. Dann sind aber Leute auf mich zugekommen und fragten mich, ob ich zum zwanzigsten Jubiläum ein Re-Release plane und ob ich nicht noch Songs übrig hätte, die man als Bonustracks verwenden könnte. Ich konnte gar nicht glauben, dass es schon zwanzig Jahre her ist! Nachdem wir zwei Jahre mit “Catacombs Of The Black Vatican” getourt sind, haben wir eine kurze “Unblackened”-Tour von New York nach Los Angeles gemacht. Das war cool, weil wir nach dem harten Zeug mal wieder die etwas sanfteren Töne anschlagen konnten. Da meinte ich, dass wir nach der Rückkehr die ''Book of Shadows II'' machen sollten. Es ist ein Roadtrip-Album, weil es eben so ein sanftes Album geworden ist. Aber wenn dieses Jubiläum nicht gewesen wäre, hätte ich keine neue Solo-Scheibe rausgebracht, sondern wahrscheinlich sofort mit einem neuen BLS-Album angefangen.«

Heißt die Platte deshalb auch "Book of Shadows II" oder gibt es noch mehr Verbindungen?

»Im Laufe der Jahre kamen in vielen BLS-Chaptern Leute auf mich zu, die mich fragten, ob ich noch eine ''Book of Shadows''-Scheibe machen würde, weil sie dieses ruhige Zeug wirklich mögen. Das ist schon der Grund, vor allem als dann das Jubiläum noch dazu kam. Außerdem mag ich diese Abwechslung; so wie ich bei Led Zeppelin 'Black Dog' liebe, liebe ich auch 'Goin' to California'.«

Die Platte ist ja, im Unterschied zu den Black Label-Scheiben, sehr melancholisch ausgefallen. Woher kommt diese Melancholie?

»Wir haben ja bei BLS auch melancholische Songs wie 'In This River' oder 'Angel Of Mercy'. Für mich ist es wichtig, dass die Texte eine Aussage und ein gewisses Gewicht haben. Man benutzt verschiedene Metaphern, und musikalisch probiere ich auch verschiedene Sachen aus. Du stehst eben jedes mal wieder vor einer weißen Leinwand und erschaffst etwas neues.«

Die Texte sind ein guter Stichpunkt. Du hattest letztens ein "Ask Zakk Wylde" auf Twitter, bei dem du erzählt hast, dass deine Texte von Sachen inspiriert werden, die dir oder Leuten, die du kennst, passieren. Gibt es Situationen, in denen du sofort weißt, dass das Material für einen Song ist?

»Ja, schon. Wenn du und ich zum Beispiel in einer Band wären und es gäbe einen gemeinsamen Kumpel, der uns verarscht hätte, und wir dachten, er wäre der letzte, der so etwas tun würde. Das würde als Inspirationsquelle dienen, auch wenn du vielleicht nachher den Text liest und gar nicht mehr siehst, dass das die Inspiration war. Es haben mich auch Leute gefragt, ob ich die Songs im Laufe der letzten zwanzig Jahre geschrieben hätte. Ich habe verneint, denn so arbeite ich einfach nicht. Es ist eher so, dass ich weiß, dass ich noch anderthalb Monate habe, um ein Album zu schreiben, und dann setze ich mich hin und schreibe es. Es ist eine konzentrierte Explosion von Kreativität und anschließend entspanne ich erst mal ein bisschen. Aber daher kommt das normalerweise. Ich lese zum Beispiel auch viele Biografien und lasse mich davon inspirieren.«

Dein Songwriting-Prozess klingt so, als ob du den Druck brauchst, um fertig zu werden.

»Ähm, nein, nicht wirklich. Es ist eher wie vor einem Boxkampf: Du bleibst immer in Form, aber wenn der Kampf näher rückt, dann beginnst du wieder intensiver zu trainieren und dich darauf vorzubereiten. Zur Deadline ist dann alles perfekt vorbereitet.«

Eine Frage noch zu den Texten: Was genau sind die "Sleeping Dogs" in deiner ersten Single?

»Es ist eine Metapher für eine spezielle Situation. Du versuchst davon wegzukommen, aber es ist eben immer da, auch wenn du es eigentlich nicht willst.«

Hast du alle Instrumente auf deinem Album selbst eingespielt?

»Nein! Ich habe die Gitarren, die Hammondorgel und das Klavier eingespielt. Außerdem habe ich die Streicher arrangiert. Der Bass kommt von JD (John DeServio, BLS-Bassist, mab) und das Schlagzeug von Jeff (Fabb, BLS-Drummer, mab), also nur wir drei.«



Und du hast die Gitarren deiner eigenen Marke Wylde-Audio benutzt, oder?

»Ja, auf dieser Platte habe ich tatsächlich nur Wylde-Audio-Ausrüstung benutzt, das heißt die Gitarren und die Amps.«

Die kommen auch gerade in den USA raus.

»Genau, wir nehmen gerade die ersten Vorbestellungen für die Gitarren an, die werden also demnächst verschickt.«


Warum hast du dich dazu entschieden, eine eigene Marke rauszubringen?

»Es ist für mich der nächste logische Schritt. Du beginnst als normaler Spieler für ein Team, dann trainierst du es, dann wirst du Vizepräsident und am Ende der Manager. Der nächsthöhere Schritt ist dann nur noch, der Besitzer des Teams zu werden. Ich hatte immer gute Verbindungen zu all meinen Partnern, und ich habe ja auch lange mit ihnen zusammengearbeitet. Es ist jetzt so ein bisschen, als wenn du bei deinen Eltern ausziehst oder wenn du zum Beispiel lange bei McDonalds gearbeitet hast und jetzt deinen eigenen Burgerladen aufmachen willst. Wenn du es magst,  kreativ zu sein und deine eigenen Burger zu kreieren, musst du eben deinen eigenen Laden haben. Es ist großartig, weil ich einfach viel Freiheit habe und meine Kreativität da reinstecken kann. Es ist natürlich nicht für jeden etwas. Es gibt Leute, die einfach ihr Ding machen wollen und dahingehend nicht so interessiert sind, was auch vollkommen okay ist. Aber als Team-Besitzer will ich in alles involviert sein, von den Spielertransfers und den Finanzen bis zum Trikotdesign und den Restaurants im Stadion.«

Es geht dir also hauptsächlich um die Freiheit, in diesem Fall die Gitarren so zu gestalten wie du es möchtest.

»Auf jeden Fall! Vom Songwriting über das Artwork und die Produktion bin ich in alles involviert. Es ist nicht so, dass ich nur das Album einspiele, weitergebe und dann warte bis es fertig ist. Ich möchte für alles selbst verantwortlich sein. Warum sollte ich auch nicht?«

Ich denke, dass es für viele einfach zu viel Arbeit ist, dass alles selbst zu machen.

»Das ist es für mich aber nicht. Ich sehe das ganze nicht als Arbeit an, es ist etwas, das mir Spaß macht und ich möchte konstant etwas verbessern.«

 

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