Online-MegazineInterview

WATERDOWN

Abwechslungsreicher Schwanengesang

WATERDOWN

Nach 13 Jahren, vier Alben und zwei EPs verabschiedet sich die Hardcore-Band aus Osnabrück und Ibbenbüren in den Ruhestand. Die Ankündigung sorgte für ein deutliches Blätterrauschen und so wollten wir von Christian Kruse nicht nur Wissenswertes über das neue Album „Into The Flames“ erfahren, sondern vor allen Dingen, wieso WATERDOWN sich etwas überraschend aufgelöst haben und ob und wie es nun weitergehen soll.

Christian, natürlich muss ich mit der Frage anfangen, die alle zuerst interessiert: Wieso dieser Schritt? Wieso löst ihr euch ausgerechnet jetzt auf?

»Weil wir gemerkt haben, dass wir uns musikalisch – von dem was wir möchten und von dem was wir hören – so weit von den Anfangszeiten von WATERDOWN entfernt haben, dass wir die Freiheit wollten, nochmal ganz neu anfangen zu können.
Wir wollten den Leuten, die von Anfang an dabei waren und einen gewissen Sound von uns erwarten, nicht mit unseren neuen Sachen komplett vor den Kopf stoßen. Wobei das jetzt mit „Into The Flames“ wahrscheinlich eh passiert ist (lacht). Aber was wir mit dem neuen Projekt machen, ist noch weiter weg davon.«

Habt ihr euch denn nur von dem Sound entfernt, den WATERDOWN darstellen wollte, oder auch bandintern musikalisch voneinander entfernt?

»Nee, überhaupt nicht. Wir machen auch weiterhin zusammen Musik.
Unser Problem ist: Als wir mit WATERDOWN angefangen haben, war diese Musikrichtung noch etwas ganz Neues. Die einzigen Bands, die außer uns so einen Sound gemacht haben, waren Boy Sets Fire, Grade und vielleicht noch As Friends Rust oder Hot Water Music. Mehr nicht.
Als das dann ein Hype wurde, hat sich die Szene zu etwas entwickelt, mit dem wir persönlich überhaupt nichts mehr zu tun haben. Auch damals schon nicht. Als die dritte Welle von Bands kam, die plötzlich alle zwei Sänger hatten, fanden wir das nur noch total nervig. Und dass alle Bands ihre Songs nach Schema F aufbauen – in den Strophen Geschrei und im Refrain schöne Gesangslinien – fanden wir schon vor sechs Jahren arschlangweilig.
Ich will aber auch niemandem auf die Füße treten und wenn Leute das für sich als Musikrichtung entdeckt haben und das toll finden, ist das cool für sie. Aber es ist einfach nicht unser Ding.«

Man wird ja auch älter und entwickelt sich musikalisch weiter.

»Richtig. Bei uns ist diese Weiterentwicklung allerdings eher eine Rückentwicklung zu unseren Wurzeln. Auf „Into The Flames“ sind jetzt zwar ganz neue, ruhige Einflüsse dabei, aber was wir mit dem neuen Projekt machen werden, ist „voll auf die Fresse“. Aber nicht im Sinne von Metalcore, dafür sind wir auch zu alt (grinst). Sondern im Sinne von Metal mit Hardcore-Einflüssen.«

Magst du mir zu eurem neuen Projekt und dem Sound, dem ihr huldigen wollt, einen Bandnamen an den Kopf werfen?

»Dürfen es auch zwei sein?«

Ausnahmsweise (grinst).

»Anthrax und Pantera.«

WATERDOWNDie neue WATERDOWN-Platte klingt beim ersten Hören zerrissen. Allerdings lässt sich erkennen, dass sie nach hinten hin immer ruhiger wird. Absicht?

»Ja, wir haben die Tracklist absichtlich so angeordnet. Und du hast recht: Wir wissen, dass die Platte den Leuten teilweise schwer zugänglich sein wird und für das Album eine ziemliche Offenheit nötig ist. Die ersten zwei Songs sind hart, langsam und auch ein wenig vertrackt, dann wird es melodisch, dann kommt eine Old-School-WATERDOWN-Sache, dann wird es fast ein wenig Emo und dann kommt Singer/Songwriter. Wir decken damit so eine riesige Bandbreite ab, dass wir damit rechnen, von den Leuten auch ein wenig Ärger zu kriegen.«

Ich hatte am Anfang wirklich fast das Gefühl, zwei unterschiedliche Bands auf einer Platte zu hören. Sind die Songs dennoch gemeinsam entstanden?

»Ja, klar. Kannst du dich an das Foo-Fighters-Doppelalbum erinnern, auf dem auf der ersten CD die Rock-Songs und auf der zweiten CD die akustischen Songs waren? („In Your Honor“ - ch) Ungefähr so, nur in klein (lacht). Und es war auch eine Herausforderung an uns selbst, weil wir mit den Akustiknummern Terrain betreten, das wir vorher noch nie betreten haben.
Als wir die Platte zusammengestellt und entschieden haben, welcher Song an welche Stelle kommt, wussten wir schon, dass wir uns auflösen werden. Von daher ist das auch eine gewisse Freiheit, die wir uns nehmen konnten. Quasi nach dem Motto: „Wir lösen uns sowieso auf und wir finden die Sachen gut.“ Und wer sie nicht gut findet, der kann sich ja unsere anderen Platten anhören (grinst).«

Mit 34 Minuten ist die Spielzeit eher kurz geraten. War das alles, was ihr noch zu sagen hattet, oder wolltet ihr euch mit eurem „Reign In Blood“ verabschieden?

»(lacht) Außer Slayer kann niemand „Reign In Blood“ schreiben.
Aber ansonsten: Jein. „Into The Flames“ gibt es nur als Vinyl oder als Download. CDs machen wir nicht mehr, weil das ein totes Medium ist. Auf 100 limitierten Vinyl-Versionen ist ein eigener Song drauf und bei der iTunes-Downloadversion ist ein anderer Song drauf. So ist momentan die Erwartungshaltung des Marktes. iTunes erwartet einen eigenen Song und dementsprechend mussten wir das so aufsplitten.
Außerdem habe ich persönlich ein ganz arges Problem mit Platten, die zu lang sind. Dort sind meistens irgendwelche Füller drauf. Schon bei der „All Riot“ haben wir gesagt: „Das darf nicht länger werden als 36 Minuten, und wenn wir drüber kommen, schmeißen wir Songs runter.“ Bis auf ganz wenige, grandiose Alben ist länger meistens einfach zu viel. Für mich persönlich hört nach einer halben Stunde bei ganz vielen Bands die Spannung auf.«

Das deckt sich dann ja mit dem Gedanken, das Album nur auf Vinyl zu veröffentlichen, aufgrund der dort maximal möglichen Spielzeit von ungefähr 45 Minuten.

»Richtig. Und dass wir die Songs so gesplittet haben, hat natürlich auch damit zu tun, dass das eine Vinyl ist. Man kann jetzt sagen: „Ich lege entweder Seite A auf, die ist aufs Maul, oder ich lege Seite B auf, die ist ruhig.“«

Wenn du auf 13 Jahre WATERDOWN zurückblickst, welche vier Gedanken oder Erinnerungen kommen dir dabei als erstes in den Sinn?

»Erstens: Unfassbar, was wir alles geschafft haben. Zweitens: Wir waren in den USA für sechs Wochen. Drittens: Wir waren insgesamt in 15 Ländern und haben dort 600 Shows gespielt. Und viertens: Ich hab mit fast allen meinen musikalischen Helden gespielt.«

Gerade letzteres ist bestimmt etwas ganz Besonderes für dich.

»Ja, auf jeden Fall! Aber nicht nur das, sondern einfach alles. Wenn ich mir überlege, dass wir in Amerika auf Tour waren und dort im legendären CBGBs gespielt haben: Das ist der Wahnsinn!«

WATERDOWNGeht ihr mit einem guten Gefühl, all das erreicht zu haben, was ihr euch vorgenommen habt, oder mit Wehmut?

»Wir gehen mit einem total positiven Gefühl, weil wir denken, dass alles, was wir erreicht haben, uns gar nicht als Ziel gesetzt hatten. Das ist einfach passiert und dann ist das nächste passiert und dann das nächste und wir haben die ganze Zeit einfach nur gedacht: „Alter, geil!“In den letzten Jahren ist es ruhiger um uns geworden, was mit verschiedenen Faktoren zu tun hatte. Einerseits natürlich damit, dass wir nicht mehr bei Victory waren und andererseits, weil wir kein neues Album, sondern nur eine EP gemacht haben. Eine EP geht medientechnisch unter. Wenn die nicht wie ein Album beworben wird, ist das für ganz viele Leute so, als würdest du gar nicht erscheinen. Große Touren haben wir auch nicht mehr gespielt. Wir waren zwar noch auf Tour, aber nicht mehr wie früher mit 100 Konzerten im Jahr. Das liegt daran, dass wir älter geworden und zum Teil sogar Familienväter sind. Wir studieren auch nicht mehr, sondern haben jetzt einen Job. Dann wird das alles etwas schwieriger.
Wenn man von der Musik nicht leben kann – und das konnten wir nie – dann muss man irgendwann Prioritäten setzen.«

Blicken wir in die Zukunft. Du hast schon von eurem neuen Projekt gesprochen: Magst du den Namen bekanntgeben?

»Nein, den gibt es nämlich noch nicht. Wir hatten zwar mal einen Favoriten, den haben wir aber wieder verworfen. Momentan habe ich zwar wieder einen neuen Favoriten, aber ich weiß noch nicht, was die anderen davon halten.«

Und wie sieht es mit der Zeitplanung aus? Was denkst du, wann man wieder etwas von euch hören wird?

»Bis Mitte Mai sind wir noch mit WATERDOWN auf Tour und erst danach können wir uns wieder mit neuem Kram beschäftigen. Wir haben schon die Hälfte der Platte des neuen Projekts geschrieben und bereits zwei Songs komplett fertig produziert aufgenommen; zusätzlich sechs Stücke als Demoversionen. Sobald wir alles fertig produziert haben, gehen wir an Labels raus. Von der Unterschrift bei einem Label vergeht bis zur Veröffentlichung meistens noch ein halbes Jahr, da die Plattenfirma ja auch eine gewisse Vorlaufzeit benötigt. Von daher wird das nichts vor 2013 werden.«

Von daher gilt: WATERDOWN bei ihren endgültig letzten Shows auf keinen Fall verpassen!

05.04. Ger – Hamburg @ Hafenklang
06.04. Ger – Berlin @ Cassiopeia
07.04. Ger – Lüdenscheid @ Eigenart
20.04. Ger – Lindau @ Club Vaudeville
21.04. Ger – Saarbrücken @ Garage
04.05. Ger – Großefehn @ Schlappohr’s Rockkneipe
05.05. Ger – Ibbenbüren @ JKZ Scheune FINAL SHOW!