Online-MegazineInterview

KING DIAMOND

Exklusive Audienz beim King

King Diamond

Für unsere diesmonatige Titelstory besuchten wir exklusiv KING DIAMOND zu Hause und nahmen ihm in einem viereinhalbstündigen Gespräch die Lebensbeichte ab.

King, fangen wir ganz von vorne an: Wann und wo wurdest du geboren?

»Kopenhagen, Dänemark, 14. Juni 1956. Es gibt eine MERCYFUL FATE-Textzeile, die darauf anspielt: "Thirteen days have come and gone since we had the first of June..." So was bau ich ja gerne mal ein. Zweideutige kleine Spielereien.«

Wie verlief deine musikalische Sozialisation? In welchem Alter und wie hast du Musik für dich entdeckt?

»Schon sehr früh. Ich hatte als Kind ein billiges Transistorradio mit eingebautem Kassettenrekorder. Damit konnte ich Songs vom Radio aufnehmen. Damals lief im dänischen Radio jeden Tag um 15 Uhr eine Rockshow, die ich wirklich immer gehört habe.«

Du warst immer pünktlich um 15 Uhr zu Hause?

»Ja, tatsächlich jeden Tag. Ich ging ja noch zur Schule, und die war glücklicherweise immer am späten Mittag zu Ende. Mein bester Kumpel war genauso musikverrückt wie ich; wir hockten jeden Tag gemeinsam vor dem Radio und hörten uns alles aufmerksam an. So entdeckte ich sämtliche Rockklassiker, aber auch viele obskure Bands, die vielleicht nur ein einziges Album veröffentlichten. Das erste Black-Sabbath-Album lief dort Anfang 1970, ebenso das Led-Zeppelin-Debüt. Als ich Jimmy Page bei ´Communication Breakdown´ Gitarre spielen hörte, bin ich fast verrückt geworden. Diesen Sound musste ich irgendwie selbst erzeugen!«

Jimmy Page war deine Initialzündung?

»Ja, absolut. Black Sabbath und Deep Purple waren fast genauso wichtig - aber Jimmy Page hatte noch etwas ganz Besonderes in seinem Sound. 1969/1970 fand eine technische Revolution in der klassischen Rockmusik statt: Auf einmal gab es verzerrte Power-Akkorde, die du 1967 auf den alten Who-Platten oder bei Jimi Hendrix noch nicht gehört hast. Und diese Akkorde trieben jeden Jugendlichen in den Wahnsinn. Wow, was war das denn??? Wie zur Hölle erzeugt man solch einen Sound? Ten Years After, Uriah Heep, Jethro Tull, Wishbone Ash... - sie alle profitierten von diesen neuen technischen Möglichkeiten und setzten sie ein. Ich kannte das alles nur aus dem Radio; eigene Langspielplatten besaß ich damals noch nicht. Zunächst legte ich mir ein Tonbandgerät zu, das zwei kleine Lautsprecher hatte. So konnte ich zum ersten Mal Stereo-Aufnahmen genießen: Ich platzierte das Tonbandgerät am Ende meines Bettes, oberhalb meines Kopfkissens. So lag ich jeden Tag auf dem Bett und hörte Rockmusik in sensationellem Stereo-Sound (lacht). Das war der pure Wahnsinn! Im Fernsehen liefen damals ab und zu ganze Konzerte, natürlich noch in Schwarzweiß. Ich erinnere mich an Iron Butterfly mit dem Gitarristen Rhino, der dann zu Captain Beyond wechselte. Sie hatten eine extralange Version von ´Easy Rider´, bei der Rhino mit dem Mund bestimmte Sounds erzeugte, die ich auf meinen Kassettenrekorder bannte - leider damals noch in Mono. Alles war so wahnsinnig spannend damals! Ich spannte ein strammes Gummiband auf ein dünnes Stück Holz. Oben ein Nagel, unten ein Nagel, dazwischen das Band. Wenn ich das Gummi zupfte, gab es hellere und dunklere Töne ab. Pling, pling, pling, pling - plong, plong, plong, plong. Das war meine erste "Gitarre", die ich ebenfalls auf Kassette aufnahm. Leider klang mein "Sound" überhaupt nicht wie der von Jimmy Page (lacht). Ich war frustriert, ich wollte doch rocken! Mir blieb nichts anderes übrig, als mein Taschengeld für eine richtige Gitarre zu sparen. Vorher bekam ich jedoch meinen ersten Plattenspieler zum Geburtstag. Das bisschen Geld, das ich damals besaß, trug ich natürlich sofort in den nächsten Plattenladen.«

Erinnerst du dich an deine erste LP?

(Entrüstet:) »Natürlich! Ich kaufte mir auf einen Schlag drei Platten: "Master Of Reality" von Black Sabbath, "Fireball" von Deep Purple und "Aqualung" von Jethro Tull; das muss 1971 gewesen sein. Ein paar Wochen später holte ich mir die erste Wishbone-Ash-LP - ein tolles, völlig unterbewertetes Hardrock-Album. Ich sparte weiter und kaufte mir einige Monate später meine allererste E-Gitarre. Ich rannte damit nach Hause und schrubbte darauf herum. Aber es machte nur "pring, pring", und ich war stocksauer. Das klang immer noch nicht nach Jimmy Page. Ich wusste ja nicht, dass man dieses Instrument über einen Verstärker spielen musste!«

Das hatte man dir im Geschäft nicht gesagt?

»Nein. Ich war auch viel zu aufgeregt, um danach zu fragen. Glücklicherweise wusste ein Bekannter meiner Eltern besser Bescheid als ich, und er baute zusammen mit mir aus Mitleid einen kleinen primitiven Verstärker, der zwei Knöpfe hatte: einen zum Ein- und Ausschalten in Rot - und einen magischen Knopf in Schwarz. Drückte man den schwarzen, hatte man einen verzerrten Klang! Ich drehte vollkommen durch und gründete bald darauf meine erste Band Brainstorm. Das muss 1976 gewesen sein.«

Du warst damals Gitarrist?

»Ja, zwei Jahre lang. Mein bester Schulkumpel war der Drummer. Der hatte eine ältere Schwester, und bei ihr hörten wir heimlich all diese coolen obskuren Scheiben. Titanic zum Beispiel, eine norwegische Band, die stark nach Uriah Heep klang. Diese Platte habe ich jahrelang verzweifelt gesucht - bis sie mir endlich ein Freund aus Norwegen, Immortal-Manager Hakon Grav, als Weihnachtsgeschenk besorgte. Ich wusste, dass ich genau das gleiche Gefühl beim Hören des Albums haben würde wie damals, 1972 oder 1973, im Zimmer dieser großen Schwester! Und genau so war es dann auch. Aerosmith und Captain Beyond - das Original-Album mit dem 3D-Cover - habe ich ihr sogar später abgekauft. Diese Platten stehen natürlich immer noch in meiner Sammlung. Ich hatte damals nur Musik und Fußball im Kopf.«

Als Fußballspieler hast du es sogar recht weit gebracht, oder?

»Ja. Ich durchlief einige Jugend-Nationalmannschaften und wäre fast Profi geworden, obwohl es so was damals in Dänemark noch gar nicht gab. Ich begann im Alter von acht Jahren und spielte, bis ich 20 wurde - u.a. zusammen mit Sören Lerby und Frank Andersen, die ja später Stars wurden. Mit 20 fehlte mir allerdings die Zeit, um auf diesem Niveau weiter zu trainieren.«

 

Die komplette zehnseitige KING DIAMOND-Story inklusive eines ausführlichen Album-Seziertischs (King Diamond & Mercyful Fate) und eines Gesprächs mit Andy LaRocque findet ihr im aktuellen ROCK HARD, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zur aktuellen Ausgabe gibt´s hier.

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

VOLBEAT + DISTURBED + KING DIAMOND + ABBATH + DARK FUNERAL + WINDHAND + HAVOK + AMON AMARTH + BABYMETAL + TREMONTI + u.v.m.04.06.2016
bis
05.06.2016
NL-Nimwegen, GoffertparkFORTAROCKTickets

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