Online-MegazineInterview

SLASH

Zu Besuch bei Slash in Hollywood

Längst ist das Kapitel Guns N´Roses abgehakt, Velvet Revolver liegen auf Eis, und SLASH ist produktiver denn je: Mit seinem ersten Soloalbum "Slash" hat sich der Gitarrist ganz offensichtlich einen Traum erfüllt, der nur deshalb realisierbar war, weil der 44-Jährige dem Rockstar-Leben seit einiger Zeit abgeschworen hat. Er taucht sogar ohne Kippe im Mundwinkel zum Interview im sonnigen Hollywood auf.

 

SLASH, du hast vor zwei Jahren deine Biografie veröffentlicht und bringst jetzt deine erste Soloplatte raus. Schlägst du gerade ein neues Kapitel in deinem Leben auf?

 

»Das wäre zu viel gesagt, weil nichts davon großartig geplant war. Der Auslöser für meine Biografie war, dass jemand ein unautorisiertes Buch über mich geschrieben hat, woraufhin wieder dieser ganze Müll über Guns N´Roses verbreitet wurde, Leute, die über die Reunion sprachen und lauter Sachen rumgingen, die nicht wahr sind. Eine Biografie hat so was endgültiges, deshalb wehrte ich mich lange gegen dieses Vorhaben. Aber dann war ich von den Gerüchten so angepisst, dass ich mich dazu entschloss, die Dinge aus meiner Sicht zu schildern. Großen Anteil daran hatte auch mein Co-Autor Anthony Bozza, dessen Beweggründe für das Schreiben dieses Buches ganz andere waren als die der übrigen Leute. Ihm ging´s um die wahre Story und nicht notwendigerweise um Guns N´Roses. Parallel dazu entstand das zweite Velvet-Revolver-Album, und ich hatte mit dem Trinken aufgehört. Als das Debakel mit Scott Weiland passierte und er aus der Band flog, hatte ich das Gefühl, endlich etwas alleine auf die Beine stellen zu müssen. Einmal in meiner Karriere wollte ich ohne Band arbeiten - und ohne dass ich irgendwelche Fragen beantworten muss. Ich hatte diesen Wunsch schon in meinem Buch geäußert, und nun bot sich die perfekte Gelegenheit. Mit meiner jetzigen Erfahrung und meinen Kontakten ließ sich dieser Wunsch erfüllen. Vor fünf Jahren wäre ich nicht dazu in der Lage gewesen, solche Anrufe bei meinen Gastsängern zu machen.«

 

Hast du negative Reaktionen darauf erhalten, dass du auch mit Pop-Sängern bzw. -Sängerinnnen wie Fergie von den Black Eyed Peas gearbeitet hast?

 

»Ich selbst arbeite ja schon sehr lange mit Musikern aller Genres, insofern hatte ich keine Berührungsängste. Als ich damals bei Michael Jackson mitgemacht habe, war die Entrüstung groß, aber Michael war ein unglaublicher Typ. Ich bereue sowieso nichts von dem, was ich gemacht habe. Mit den Jungs von Cypress Hill spiele ich schon seit zehn Jahren den Song ´Paradise City´. Eines Tages holte ich Fergie mit auf die Bühne, worüber sich die Guns-N´Roses-Puristen total aufregten, während eine andere Generation von Fans Spaß an so was hat. Im Zusammenhang mit Fergie muss ich unbedingt noch erwähnen, dass sie bei einer Live-Performance von ´Sweet Child O´ Mine´ wirklich alles aus dem Song rausgeholt hat. Ich habe diese Nummer eigentlich nie jemand anderem als Axl zugetraut. Auf meiner Platte hört man sie das erste Mal ebenfalls einen Rocksong singen und wird feststellen, dass sie garantiert keine HipHop-Sängerin ist. Sie hat einen Rock´n´Roll-Background.«

 

In Deutschland sind die Metalfans vielleicht sogar noch intoleranter als in den Staaten...

 

»Das ist doch kein Problem - auf meinem Album ist richtiger Metal zu hören, hahaha! Das wird viele Leute überraschen, denn von meinen bisherigen Bands kennt man keine Doublebass-Nummern.«

 

Hast du nicht mal überlegt, selbst zu singen?

 

»Bloß nicht. Ich hasse es, zu singen! Dabei singe ich nicht mal schlecht und kann auch den Ton halten. Aber ich fühle mich höllisch unwohl dabei. Deshalb summe ich noch nicht mal vor mich hin. Singen war also keine Option. Ich hasse es auch, zu sprechen (lacht).«

 

Axl Rose ist der Einzige, der nicht nett von dir spricht, während du ganz entspannt bleibst.

 

»Ich habe einfach kein Interesse, über diese Sache zu reden. Das Drama und der negative Aspekt unserer Geschichte wurden alleine von den Medien aufrechterhalten. Und alles, was ich dazu sage, würde das Thema erneut anheizen. Ich habe allerdings auch nichts Schlechtes zu sagen, weil das Thema in meinem Alltag überhaupt keine Rolle spielt. Weder bin ich verbittert, noch habe ich Ressentiments gegenüber Axl. Auch wenn er es offenbar liebt, Scheiße über mich zu erzählen, tangiert mich das nicht. Ich freue mich, dass er es geschafft hat, die Platte zu veröffentlichen und auf Tour zu gehen. Fertig.«

 

Du hast vor knapp zehn Jahren einen Defibrillator eingesetzt bekommen. Wie geht es dir damit?

 

»Gut. Ich hatte ja nie große Probleme, bis auf eine Situation, in der mein Herz verrückt spielte. Der Defibrillator wurde für den Fall eingesetzt, dass ich durch den Alkoholkonsum wieder Probleme mit dem Herzen bekommen sollte. Ich habe zwar nach der Operation noch mal diesen Weg nach unten, also den Alkohol, gewählt, aber es kam zu keinen Komplikationen, obwohl mein damaliges Herzkammerflimmern eindeutig auf eine Alkoholvergiftung zurückzuführen war.«

 

Stimmt es, dass du mittlerweile gar keinen Alkohol mehr trinkst und sogar mit dem Rauchen aufgehört hast?

 

»Ja. Ich weiß aber nicht, wie lange ich es ohne Zigaretten aushalte.«

 

Du hast mal gesagt, dass du es nicht länger als zwei Wochen am Stück zu Hause aushältst. Ist es für kreative Menschen schwieriger, zur Ruhe zu kommen?

 

»Auf jeden Fall. Das ist einer der Hauptgründe für Drogenkonsum, Alkoholmissbrauch und all die anderen verrückten Sachen, die in unserer Branche passieren. Künstler sind extrem empfindliche Persönlichkeiten und haben Probleme damit, eine Beziehung zur Gesellschaft herzustellen. Deshalb sind sie einsam. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich permanent dafür sorge, dass ich beschäftigt bin, denn nur so kann ich funktionieren. Es hat mir gut getan, dass ich geheiratet habe und Vater wurde. Alle Wege, die ich zuvor für mich gewählt hatte, führten immer nur bergab ins Nirgendwo. Du kannst trinken, Drogen nehmen und vögeln, so viel du willst, aber das große Loch in dir lässt sich damit nicht füllen. Wenn ich auf Tour war, war ich glücklich. Zu Hause habe ich es nicht ausgehalten und es sogar vorgezogen, wochenlang hier in diesem Hotel zu wohnen, obwohl mein Haus um die Ecke lag. Es war hart für mich. Jedes Mal, wenn die Tour vorbei war, geriet ich wieder ins Straucheln, habe Drogen genommen und wie ein Wahnsinniger Alkohol in mich reingeschüttet, weil ich keine Balance für mich finden konnte. Irgendwann war ich endlich an dem Punkt, an dem ich beschloss, dass ich mit dem ganzen Scheiß aufhören muss. Dadurch hat sich meine Perspektive zum Positiven verändert. Seit vier Jahren bin ich clean und jage auch nicht mehr den Mädels hinterher, was mich als Musiker viel produktiver gemacht hat. Ich hätte mein neues Album auch deshalb nicht früher aufnehmen können, weil ich vorher viel zu fertig gewesen wäre. Trotzdem habe ich nach wie vor ein Faible für diesen Lifestyle, der einen großen Teil meines Lebens ausgemacht hat. In meiner heutigen Situation kann ich die Dinge aber auch aus der realen Perspektive bewerten.«

 

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