Online-MegazineInterview

RAMMSTEIN

Schluss mit lustig!

In unserer großen RAMMSTEIN-Titelstory sprechen wir mit Paul Landers und Flake Lorenz über das brandheiße Album "Liebe ist für alle da", kontroverse Texte und die neue Bösartigkeit der Band. Nachfolgend einige Auszüge aus dem Artikel.

 

Paul, Flake, eines eurer Markenzeichen ist es, textlich in die Rollen von Menschen zu schlüpfen, die im negativen Sinne außergewöhnlich sind: Psychopathen, Kriminelle, psychisch Kranke. Gab es Rollen, die euch als Geschichtenerzähler eigentlich zuwider sind, oder habt ihr immer genügend Distanz zu euren "Helden"?

 

Paul: »Bis auf die Figur eines freundlichen, schwulen Neonazis aus Berlin füllen wir eigentlich alle Rollen gerne aus. Hahaha, das war jetzt Quatsch! Unser Sänger Till schafft es immer wieder - ich weiß gar nicht, wie er das macht - auf subtile und feinfühlige Art und Weise, vermeintlich heiße Eisen anzufassen und unliebsame Themen oder Themen, über die man nicht gerne redet, so darzustellen, dass man sich nicht schämt. Das beste Beispiel dafür ist ´Wiener Blut´. Ich wüsste nicht, welche Combo es sonst noch hinbekommen würde, diese Inzestgeschichte lyrisch anzugehen. Also, ich bin Till-Fan. Um auf deine Fragen zurückzukommen: Im Prinzip muss Till alles tragen. Er muss sich hinstellen und die entsprechende Rolle spielen. Wir anderen Bandmitglieder stehen fast immer geschlossen hinter ihm. Wobei man bedenken muss, dass wir sechs Musiker sind. Und sechs Leute unter einen Hut zu kriegen, ist immer schwer. Einer ist immer woanders, aber am Ende können wir mit allen gespielten und gesungenen Rollen gut leben.«

 

Flake: »Ich kann mich mit allen bisherigen Rollen einverstanden erklären. Bei uns hat jeder Mitspracherecht und darf durchaus auch sagen: Dieses Lied kann ich so nicht vertreten. Wenn ich von Till und seinen Texten rede, beziehe ich das auch auf mich. Generell finde ich es interessanter und wichtiger, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, als über ihn zu urteilen.«

 

Gab es bereits Texte, die dir zu weit gingen?

 

Flake: »Nein, denn es weiß ja jeder, dass nicht ich es bin, der auf dem Schulhof steht. Insofern mache ich alles an Texten und Rollen mit.«

 

´Wiener Blut´ geht einen Schritt weiter als euer Kannibalensong ´Mein Teil´, denn in dem neuen Stück lebt das Opfer. Es kann also durchaus sein, dass das Opfer euren Song zu hören bekommt. Gab es vor diesem Hintergrund innerhalb der Band Hemmungen oder gar Gewissensbisse, das Stück überhaupt aufzunehmen?

 

Paul: »Wir sollen Gewissensbisse haben?«

 

Nein, die Frage lautet, ob Gewissensbisse überhaupt aufgetaucht sind.

 

Paul: »Das ist ein Beispiel, das mir aufzeigt, dass wir die Welt Gott sei Dank anders sehen als die Journalisten. Wir machen uns ja in keiner Weise über das Opfer lustig; das wäre zu flach. Dann hätten wir bereits unser erstes Lied ´Rammstein´ gar nicht machen dürfen, denn viele Opfer leben ja noch. Es  gab auch nie Klagen über unsere Song-Inhalte, denn wir behandeln diese Themen ja nur - wir werten und bewerten nicht. Wir sind wie Nachrichtensprecher, und wenn ein solcher Sprecher "Michael Jackson ist gestorben!" sagt, dann ist das einfach so. Und wenn man erzählt, dass da ein Mann ist, der seine Tochter 20 Jahre lang im Keller gefangen gehalten hat, dann tut man das nicht, um das Opfer zu verletzen. Wenn man so herangeht, kann man gar keine Zeitung mehr machen. Ich jedenfalls bilde mir ein, dass nur wir es können, dass wir die Erlaubnis haben, uns derartigen Themen anzunehmen. Aber nicht mit der Brechstange, sondern mit dem Vorschlaghammer (lacht).«

 

Flake: »Wir urteilen nicht, sondern unternehmen den Versuch, uns in die Geschichte und die entsprechende Rolle hineinzuversetzen. Ich denke nicht, dass sich ein Opfer durch uns angegriffen fühlt. Ich kann nicht für das Opfer sprechen, aber ich kann versuchen, mich in das Opfer hineinzuversetzen. Und wenn dann jemand über mich ein solches Lied machen würde, würde ich das wohl gut finden. In unserem Stück ´Rammstein´ ging es ja um die Flugzeugkatastrophe. Wir besuchten Jahre später die Leute im Krankenhaus. Einige werden noch immer stationär behandelt, weil ihre Verbrennungen so großflächig sind, dass sie nur Stück für Stück ausheilen können. Die Verletzten haben sich über unseren Besuch sehr gefreut.«

 

 

 

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Das komplette, sehr ausführliche Gespräch mit Paul Landers und Flake findet ihr im aktuellen ROCK HARD, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zur aktuellen Ausgabe gibt´s hier.

 

ACHTUNG! Zusätzlich bieten wir euch online noch ein exklusives Interview, das Frank Albrecht mit Paul und Olli führte!

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