Online-MegazineInterview

AMON AMARTH, IN FLAMES

In Flames vs. Amon Amarth

Für unsere große Titelstory trafen wir uns mit Anders Fridén (IN FLAMES) und Johan Hegg (AMON AMARTH) in Schweden zu einem überaus informativen und unterhaltsamen Acht-Augen-Gespräch.

Johan, woran denkst du, wenn du den Namen IN FLAMES hörst?

Johan: »IN FLAMES haben für viele andere schwedische Bands diverse Türen geöffnet. Sie sind nicht nur im Metal-Bereich der größte schwedische Act - und das weltweit. Sie haben hart für ihren Erfolg gearbeitet, und zu sehen, wie weit sie es geschafft haben, spornt mich an. AMON AMARTH spielen zwar eine andere Art von Metal, aber wir haben einen ähnlichen Background und eine fast identische Herangehensweise. Auch wir setzen alles daran, nach vorne zu kommen.«

Siehst du Parallelen zu AMON AMARTH, Anders?

Anders: »Ja, ich finde mich in ihrer Karriere durchaus wieder. Sie bekommen mittlerweile den Respekt, den sie verdienen. Auch ihr Erfolg kam schließlich nicht über Nacht; sie haben Monate in ihrem Tourbus verbracht. Und das verlangt mir genauso Respekt ab wie die Tatsache, dass sie auch in Sachen Musik keine Kompromisse eingehen. Was meinst du, wie oft man als Band hört, was man gefälligst zu tun und zu lassen hat? Aber weder AMON AMARTH noch wir richten uns nach den Wünschen anderer. Die Plattenfirma kann uns gerne Ratschläge geben; wir hören sie uns natürlich an. Aber letzten Endes machen wir nur das, was WIR wollen. AMON AMARTH sind in dieser Hinsicht so stark und leidenschaftlich wie IN FLAMES.«

Johan: »Es ist ja kein Geheimnis, dass sich IN FLAMES im Laufe der Jahre musikalisch ziemlich verändert haben. Aber man merkt immer, dass diese Entwicklungen natürlich vonstatten gegangen sind und nicht von außen kamen. Wenn sie sich verändern wollten, haben sie es getan. Diese Ehrlichkeit ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu ihrem Erfolg. Viele andere Bands richten sich nach Trends, IN FLAMES setzen sie.«

Ihr seid euch einig, dass ausgiebiges Touren unerlässlich ist, um einen nachhaltigen Durchbruch zu schaffen. Welche Gefahren lauern für eine Band on the road?

Anders: »Man darf dem Hype nicht glauben. Auf Tour hast du nur beste Freunde um dich herum, die dir erzählen, dass du die mit Abstand beste Band der Welt bist. AMON AMARTH und wir wissen aber genau, woher wir kommen.«

Ist es wirklich so leicht, sämtlichen Verführungen zu widerstehen?

Anders: »Ja, das war nie ein Problem.«

Johan: »Als wir angefangen haben zu touren, haben wir alle Fehler gemacht, die wir machen konnten. Wir standen des Öfteren besoffen auf der Bühne, und vor dem ersten Konzert unserer allerersten Rundreise haben wir dem Tour-Manager gesagt, dass er sich gefälligst selbst ficken soll. So was ist kein guter Start (lacht). Aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Zum Beispiel wissen wir mittlerweile, dass die Fans kommen, um eine gute Show zu sehen; sie interessieren sich nicht für einen Haufen randvoller Langhaariger, die nur noch rumstolpern und ihre Songs nicht mehr beherrschen. Die Fans sind nicht für uns da - es ist genau umgekehrt. Wenn man das versteht, so wie IN FLAMES und wir, ist schon viel gewonnen.«

Unsere Frage zielte auch noch auf eine andere Sache ab: IN FLAMES haben massive Probleme mit ihrem Gitarristen Jesper Strömblad, der zurzeit einen Alkoholentzug macht und gegen seine Sucht ankämpt.

Anders: »Natürlich lauern da draußen diverse Fallen. Diese Probleme gab es schon seit Jahren. Wir trinken alle ziemlich viel, aber wir anderen überlassen dem Alkohol nicht die Kontrolle. Wir kontrollieren den Alkohol. Wenn ich nach der Show heute Nacht besoffen im Gras liege und mich vollkotze, ist das nicht eure Sache. Fuck off! Das ist nicht Anders, der Musiker. Passiert mir das auf der Bühne, haben wir allerdings ein massives Problem. Und wir hatten dieses Problem.«

Wie seid ihr die Sache angegangen?

Anders: »Es gab schon länger Gespräche. Sagen wir mal so: IN FLAMES sind größer als eine Person. Die Band muss alles aus sich rausholen, was möglich ist, und wenn das nicht mehr funktioniert, sollte man über Veränderungen nachdenken. Im speziellen Fall war es so, dass Jesper drei Tage vor unserer letzten Südamerika-Tour anrief und meinte, er könne nicht kommen. So was darf nicht passieren. Wenn eine Tour ansteht, muss man bereit sein. Es geht auch nicht, dass man als Band Angst haben muss, dass ein Mitglied plötzlich die Bühne verlässt. Die ganze Sache tut mir vor allem als Freund leid - und nicht als Musiker. Jesper muss sich in erster Linie als Mensch wieder gut fühlen.«

Habt ihr eine Vereinbarung, dass er zurückkommt?

Anders: »Nein, nicht wirklich. Das Angehen eines ernsthaften Alkoholproblems benötigt sehr viel Zeit. Diese Zeit geben wir ihm. Ich habe die Tage noch mit ihm gesprochen. Er ist in Gedanken bei uns. Ich vermisse Jesper, aber als Teil der Band hat er nicht mehr funktioniert. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder rutscht er immer weiter ab, oder er kriegt seine Sucht in den Griff.«

 

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Das komplette, sehr ausführliche Gespräch mit Anders Fridén und Johan Hegg findet ihr im aktuellen ROCK HARD, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zur aktuellen Ausgabe gibt´s hier.

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