Online-MegazineInterview

THE GASLIGHT ANTHEM

Nostalgie und traurige Songs

Was kommt dabei raus, wenn man zu gleichen Teilen den Jersey-Shore-Sound von Bruce Springsteen und den druckvollen Punkrock von Joe Strummer mischt? Natürlich etwas Großartiges! Und zwar so etwas wie THE GASLIGHT ANTHEM aus New Brunswick, NJ. Mit der aktuellen Scheibe "The '59 Sound" hat die Band eine der Top-Veröffentlichungen des Jahres 2008 in der Hinterhand; eine vom ersten bis zum letzten Ton hervorragende Platte.

Tracks wie 'Meet Me By The River's Edge', 'Miles Davis And The Cool' oder 'Here's Looking At You, Kid' gehören zweifellos zum Besten, was in den letzten Jahren auf dem traditionellen Rock-Sektor erschienen ist. Am Rande der aktuellen Europa-Tour ergab sich nun die Möglichkeit für ein Interview mit Drummer Benny Horowitz.

Benny, ihr habt mal erklärt, dass ihr sehr an der Geschichte und Kultur der Länder, in denen ihr tourt, interessiert seid. Was gab es diesmal zu erkunden?

»Wir interessieren uns grundsätzlich für alle Orte, die wir besuchen. Allerdings ist Touren natürlich nicht gleich Reisen. Das bedeutet, wir haben häufig einfach nicht die Zeit, um uns Sehenswürdigkeiten anzusehen. Aber wir kosten zum Beispiel immer die lokalen kulinarischen Spezialitäten. Letztens hatten wir ein paar freie Tage in Stockholm und dabei die Gelegenheit, uns die Altstadt, das Schloss und allerlei Wikinger-Geschichte anzusehen. Das war mein persönliches Highlight dieser Tour.«

Und wie lief es sonst?

»Super! Die Shows im UK, in Deutschland und den Niederlanden waren unsere bislang größten in den jeweiligen Ländern. Und mit unseren Freunden Polar Bear Club und Frank Turner auf Tour zu sein ist einfach wunderbar: Tolle Musiker und tolle Menschen; mit denen könnte ich ewig touren! Klar, es gab auch die üblichen Unannehmlichkeiten: Schneestürme, Einbrüche, Notfall-Zähneziehen, wie das eben so ist. Aber im Großen und Ganzen sind wir absolut zufrieden.«

Kommen wir mal zur aktuellen Scheibe, "The '59 Sound". Mein Gesamteindruck ist, dass sie ein wenig ruhiger geworden ist als eure Debüt-Platte "Sink Or Swim". Auf der anderen Seite ist sie aber auch noch eine Spur eingängiger.

»Das mit der Eingängigkeit ist eher Zufall und Ergebnis des organischen Songwritings. Der ruhige Sound ist allerdings beabsichtigt. Wir haben da so eine Art Lo-fi-Ansatz verfolgt mit dem Ziel eines warmen, natürlichen Klanges. Also: Songentwicklung zufällig, Soundentwicklung beabsichtigt!«

Die meisten eurer Texte erzählen ziemlich düster-traurige Geschichten. Da befindet ihr euch eindeutig in einer Liga mit Bruce Springsteen oder Mike Ness ...

»Wir als Band und Brian (Fallon, Gesang/Gitarre –sö) im Speziellen werden beim Schreiben von Songs grundsätzlich von unserer Umgebung beeinflusst. Und die Realität kann eben deprimierend sein. Für die meisten Menschen ist das Leben halt nicht gerade leicht – und wir schreiben Songs über Orte, die wir besuchen, und über Menschen, die wir treffen. Wenn also die Texte häufig ein wenig traurig klingen, dann ist das so, weil sie ganz einfach eine traurige Realität wiederspiegeln. Aber in der Regel kann man aus ihnen auch ein wenig Hoffnung heraushören.«

Hast du eigentlich eine Ahnung, warum so viele Bands sich direkt oder indirekt auf die 50er Jahre beziehen; auf klassischen Rock'n'Roll, Straßenkreuzer, Autokinos und dergleichen? Immerhin möchte ja wohl eigentlich niemand in dieser Dekade leben, oder?

»Keine Ahnung, warum andere Bands das machen. Für uns repräsentiert es einfach ein bestimmtes Gefühl einer bestimmten Zeit. Sicher, wenn wir in jener Zeit gelebt hätten, wäre es wohl anders. Aber so schwingt da eben immer auch eine hübsche Portion Nostalgie mit.«

Einer eurer großen Einflüsse ist Joe Strummer, dem ihr mit dem Song 'Id'a Called You Woody, Joe' auch eine Hommage widmet.

»Unsere gesamte Musik ist zu einem Großteil von The Clash geprägt, schon allein, weil wir alle die Band lieben. 'Id'a Called You Woody, Joe' ist ganz einfach unsere Art, ihm einen kleinen Gruß zu senden – wo immer er ist.«

Wie geht es denn jetzt weiter?

»Bis September werden wir auf Tour sein. Im Juni eröffnen wir für Bruce Springsteen im Londoner Hyde Park. Und im Winter wollen wir uns dann intensiv um unser neues Material kümmern. Nächstes Jahr können wir dann hoffentlich bereits etwas Neues veröffentlichen.«

Eine wichtige Frage zum Schluss: Wofür steht eigentlich der Name THE GASLIGHT ANTHEM?

»The Gaslight war ein kleiner Klub in New York City, in dem in den 60ern großartige Folk-Musiker aufgetreten sind, zum Beispiel Bob Dylan und Joni Mitchell. Ich habe mit dem Namen "The Anthem" gespielt und Brian dachte an "Gaslight". So ist's passiert!«

Letzte Fragen ...

... die erste Aufnahme, die du je gekauft hast?

»Die erste Vinyl-Scheibe war eine Split-7" von (den Punkbands –sö) Sticks and Stones und Weston. Das erste Tape war der Soundtrack von "La Bamba", die erste CD "Dirt" von Alice in Chains.«

... der beste Musiker aller Zeiten?

»Zu viele, um sie alle aufzuzählen. Für mich John Bonham.«

... der beste Song?

»'Try A Little Tenderness' von Otis Redding.«

... der beste Film?

»"True Romance".«

... die beste TV-Serie?

»"It's Always Sunny In Philadelphia."«

www.gaslightanthem.com