Online-MegazineInterview

DANKO JONES

My Time Is Now

Danko Jones hat seine Archive geplündert und nicht weniger als 27 hochkarätige B-Seiten und unveröffentlichte Songs zum Vorschein gebracht, die auf "B-Sides" Platz gefunden haben. Wir holten beim kanadischen Bad Boy die wichtigsten Infos dazu ein.

Danko, es ist gewissermaßen ironisch, dass ihr zu einer B-Seiten-Compilation eine der größten Tourneen absolvieren werdet. Schmiedet ihr das Eisen so lange es heiß ist?

»Eigentlich ist es keine Tour zu "B-Sides", es ist eine weitere Tour zu "Never Too Loud". Wir hätten die Tour auch gemacht, wenn "B-Sides" nicht veröffentlicht worden wäre. Die Tour wurde schon gebucht, bevor "B-Sides" überhaupt im Gespräch war.«

Besonders in der Metalszene ist es ein Hobby von Fans, sich alle Singles ihrer Lieblingsbands zuzulegen, um alle B-Seiten zu besitzen. Kannst du dir vorstellen, dass einige eurer Die-hard-Fans sich vor den Kopf gestoßen fühlen, da ihr eure B-Seiten nun für einen geringen Preis allen Fans zur Verfügung stellt?

»Erinnerst du dich, als Metallica die "Garage Days"-EP veröffentlichten und sie dann später wiederveröffentlichten? Oder als Rocket From The Crypt die "All Systems Go"-Compilation herausgebracht haben? Das ist mittlerweile eine gängiges Vorgehen. Ich habe das als Fan immer verstanden. Es ist doch cool, wenn all diese Songs auf einer CD sind. Außerdem sind auf "B-Sides" wirklich viele unveröffentlichte Stücke, die bis auf ein paar Dutzend Leute nie jemandem zu Ohren gekommen sind. 'Fucked Up', 'Drop Your Man', 'Make A Move' wurden zum Beispiel noch nie veröffentlicht. Daneben gibt es viele Tracks, die bisher nur in Kanada erschienen sind. Wir können nicht nur CDs für Leute veröffentlichten, die sowieso alles von uns kaufen. Wir müssen auch etwas auf den Markt bringen, bei dem wir das Gefühl haben, die meisten Leute damit zu erreichen.«

In den Linernotes zu 'Woogie Boogie' gibst du offen zu, einen Kiss-Rip-off-Part eingebaut zu haben. Im Begleittext zu 'Sugar High' erwähnst du, dass niemand deine Referenz an einen Jeff-Beck-Song erkannt hat. Was ist für dich der größte unentdeckte Rip-off im Musikbusiness?

»Keine Ahnung. Ich bin nicht besonders gut darin, das bei anderen Bands herauszuhören, das klappt nur bei unserer eigenen Band (lacht). Ich weiß nur, wer uns abgekupfert hat, und wen wir rippen. Bei anderen Bands müssen mich Leute meistens darauf aufmerksam machen, ich habe da kein Ohr für. Aber Testament haben sich bei einem Track auf ihrem neuem Album bei einem Sacred-Reich-Song bedient.«

In welchem Song?

»Moment, ich geh mal eben an meinen iPod. Der Sacred-Reich-Track ist 'Deathsquad' von dem "Ignorance"-Album. Moment, ich hör mal grad in die Testament rein, welcher Song es ist. Ja, hier 'The Evil Has Landed'. Hör mal (hält das Telefon an die Boxen). Testament sind eine großartige Band, aber ich bin überrascht, dass das bisher niemandem aufgefallen ist. Und hier das Sacred-Reich-Riff: (erneutes Gedröhne aus dem Hörer). Als ich die neue Testament gehört habe, hab ich mir drei oder vier Monate lang Gedanken gemacht, woher, zur Hölle, ich dieses Riff kenne. Es hat mich total genervt, dass ich nicht gleich darauf gekommen bin. Es ist aber ein hervorragendes Riff für Testament, es klingt super in ihrem Song.«

Wir wissen dass du ein großer Metallica-Fan bist. Was hältst du von "Death Magnetic"?

»Es ist unglaublich gut. "Death Magnetic" ist mein Lieblingsalbum des Jahres 2008. Auf meiner MySpace-Seite gibt es einen Youtube-Clip meiner Top-Ten-Alben von 2008. Es ist eine großartige Rückkehr und ein großes Statement der Metal-Kings. Was viele nicht begreifen, ist, dass man "Death Magnetic", ein Album, was du seit 45 Minuten hörst, nicht mit einem Album wie "Master Of Puppets" oder "Ride The Lightning", die du seit 20 Jahren kennst, vergleichen kannst. Das ist, als würde man den neuen U2-Song mit 'Happy Birthday' vergleichen. 'Happy Birthday' wird immer eingängiger sein als jeder noch so unglaubliche neue Song. Das ist einfach nicht fair. Ich beurteile "Death Magnetic" als ein Album, was 2008 erschienen ist, als nicht mehr und nicht weniger. Es geht mir nicht darum, ob es genau so gute Songs wie 'Battery', 'Damage Inc.' oder 'Creeping Death' hat. Es geht nur darum, ob es gut oder schlecht ist im Vergleich zu dem, was zeitgleich veröffentlicht wird.«

Und was ist deine Meinung zu dem umstrittenen Sound des Albums?

»Das ist ein weiterer Punkt, an dem sich viele Leute stören. Ich weiß, dass viele Leute bemängeln, dass Rick Rubin die Gitarren zu trocken und steril produziert hat. Für mich ist das Erbsenzählerei. Was haltet ihr von "Seasons In The Abyss"? Das ist verdammt noch mal der gleiche Gitarrensound. Da hat sich niemand beschwert. Und außerdem: Als ich anfing Musik zu hören, habe ich Kassetten gekauft, die ich auf meinem Sony-Walkman gehört habe. Das Ding war ein Stück Scheiße inklusive total beschissener Kopfhörer. Als ich zu Hause ankam, habe ich dann diese kleinen 2-Watt-Boxen an den Walkman angeschlossen. So habe ich jahrelang Musik gehört und entdeckt. Egal ob es die "Greatest Hits" von Aerosmith oder Motley Crües "Shouting At The Devil" war oder Van Halens "Diver Down". Die Alben habe ich alle auf meinem Walkman gehört. Und weißt du was? Die rocken mir immer noch den Arsch ab. Deswegen finde ich die Diskussion um den Sound von "Death Magnetic" reine Erbsenzählerei. Heilige Scheiße! Ich höre mir ein Album wegen der Songs an. Da ist, als wenn man auf ein Konzert geht und sich in der ersten Reihe beklagt, dass der Gitarrist zu viel Höhen im Sound hat. Wen kratzt das?«

Auf dem With Full Force haben wir ein Guitar-Hero-Battle mit dir und Björn von In Flames aufgenommen. Freust du dich auf die Metallica-Version des Spiels?

»Ja, aber wie man im Video ja sehen kann, stinke ich beim Spielen ziemlich ab. Deswegen gucke ich sicherlich lieber anderen Leuten beim Zocken zu.«

Die "Sleep Is The Enemy"-Tour hat dich ziemlich ausgelaugt. Hat sich die Lage auf der "Never Too Loud"-Tour gebessert?

»Ja, wir haben das Album noch mit unserem langjährigen Drummer Damon aufgenommen, der vor der Tour ausstieg, da ihm das ständige Herumreisen auf die Nerven ging. Nach der "Sleep Is The Enemy"-Tour war ich selbst ausgebrannt. Das ist auf den "Never Too Loud"-Lyrics auch zu hören. Seitdem hat sich die Situation aber verbessert, da wir vor "Never Too Loud" einfach ein Jahr Pause gemacht haben.«

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