Online-MegazineInterview

SEPULTURA

Die Eroberung der Welt

Bereits vor drei Jahren erntete der Kanadier Sam Dunn mit seiner Dokumentation "Metal: A Headbanger's Journey" hervorragende Kritiken. Zusammen mit seinem Kollegen Scot McFadyen hat er nun eine Art Fortsetzung gedreht. Die Reise führt diesmal in Weltregionen, von denen vorher kaum jemand wusste, dass es dort äußerst kreative und lebendige Metal-Communitys gibt.

Brasilien und auch Japan haben durch Sepultura und Visual Kei ja noch die meisten auf dem Schirm. Aber wie sieht es mit Indonesien, Indien, China oder dem Nahen Osten aus? Und warum sollten es dort eigentlich keine Metal-Fans geben?!!

 Unter dem Motto "7 Countries. 3 Continents. 1 Tribe." hat Sam einen Film geschaffen, der eindrucksvoll, witzig und neugierig demonstriert, dass Metal tatsächlich auf der ganzen Welt Anhänger findet. Wenn auch ein wenig verspätet – er war wieder am filmen! – stand er uns nun Rede und Antwort.

 Sam, der Film ist ja zunächst mal eine Dokumentation. Aber als ausgebildeter Anthropologe hast du doch bestimmt auch eine Art "wissenschaftlichen" Anspruch an die Arbeit. Kannst du deine Erkenntnisse mal kurz zusammenfassen?

»Scot und ich haben entdeckt, dass Metal ein globales Phänomen ist – und nicht nur eine Musikkultur der weißen westlichen Welt, wie manche denken. Es gibt da etwas Universelles im Metal, mit dem sich Menschen mit den verschiedensten religiösen und kulturellen Hintergründen identifizieren können. Metal ist eine emotionale und rebellische Musikrichtung; und Menschen, die durch schwierige Zeiten oder politische Unruhen gegangen sind – zum Beispiel in Brasilien oder Indonesien – finden im Metal ein Ventil, über das sie ihre Frustration ablassen können.«

Ihr habt eine ganze Reihe von Regionen in der Welt bereist. Von welcher hättest du am wenigsten gedacht, dass es dort eine lebendige Metal-Szene gibt?

»Am meisten überrascht waren wir, als wir erfuhren, dass China bereits eine lange Metal-Geschichte hat. Die bekannteste Metal- und Hardrock-Band dort, TANG DYNASTY, war bereits in den Neunzigern richtig groß und spielte in ihrem Heimatland China in riesigen ausverkauften Hallen. Der Gründer von TANG DYNASTY, Kaiser Kuo, war aus den Vereinigten Staaten nach China emigriert und hat dort nahezu alleine die Metal-Szene aufgebaut. Außerdem waren wir komplett überrascht, dass Peking eine spannende Extrem-Metal-Szene hat; Black Metal schein dort groß im Kommen zu sein.«

Könnte es sein, dass SEPULTURA und Max Cavalera so eine Art Dreh- und Angelpunkt oder auch Vorbild für viele Metal-Fans auf der Welt sind, die nicht aus Europa oder Nordamerika kommen? Immerhin beginnst du deinen Film ja mit einem Interview mit Max. Zudem ist SEPULTURA auch eine der ersten Bands, die traditionelle "Heimatklänge" in ihre Musik integriert.

»An SEPULTURA führt ganz einfach kein Weg vorbei, wenn man solch einen Film machen will. Sie sind und bleiben die wichtigste Band, die nicht aus dem Westen kommt. SEPULTURA haben nicht nur viele Kids in Brasilien dazu inspiriert, eigene Bands zu gründen – sondern auf der ganzen Welt: zum Beispiel auch in Indonesien, einem Land das ebenfalls Diktaturen und korrupte Politiker zu ertragen hatte. Die Fans in Indonesien spüren da eine sehr enge Verbindung zu den Texten und der Energie der Musik. Das ist übrigens ein interessantes Beispiel für Globalisierung, von dem wir durchaus überrascht waren, es so zu entdecken.«

Hast du irgendeine Erklärung dafür, dass sich Bands aus eher "exotischen" Ländern wie China und Indonesien speziell an den härteren Spielarten, also zum Beispiel Thrash- und Blackmetal, orientieren?

»Uns ist aufgefallen, dass die extremen Stile des Metal einen Eindruck von Echtheit und Authentizität schaffen, mit dem sich die Fans von Popmusik und auch "leichteren" Spielarten des Metal abgrenzen können. Die Wut und Intensität von extremem Metal bietet Menschen, die in schwierigen politischen und ökonomischen Umgebungen aufwachsen, eine ganz spezielle Identifikationsfläche.«

Meinst du, dass andere Musikstile – zum Beispiel Hip Hop – eine ähnliche weltweite Popularität erreichen könnten und so etwas wie eine "Globale Szene" entstehen lassen? Oder ist das ein spezielles Merkmal von Metal und Rock'n'Roll?

»Hip Hop hat schon ein paar andere Musikstile aufgesogen und scheint eine recht lockere Musikrichtung zu sein. Inwieweit sich Hip Hop zu einer "Globalen Szene" auswachsen kann, weiß ich nicht. Aber es würde mich nicht wundern, wenn es in ihrer Art einzigartige Hip Hop Acts in Asien, Südamerika oder sonst wo gäbe.

Für Metal gilt: Die meisten Leute denken ja, dass das eine sehr eingefahrene Musikrichtung wäre, gegen Änderungen nahezu resistent. Auf der einen Seite stimmt das ja auch, da Metal sich nie allzu weit vom Kern-Sound entfernt. Aber während wir GLOBAL METAL gefilmt haben, ist uns aufgefallen, dass Metal andere Musikstile integrieren kann. In China zum Beispiel werden auch traditionelle Instrumente benutzt und alte Gedichte fließen in die Texte ein. Was ich sagen will: Es gibt da eine neue Bewegung im Metal, die versucht, der Idee eine "lokale Komponente" zu geben, anstatt einfach nur das zu kopieren, was bei uns im Westen passiert.«

Ihr müsst ja Tonnen an Material gefilmt haben! Was ist denn neben der Kamera noch passiert? Und wie habt ihr die Kids kontaktiert, die ihr interviewt habt?

»Wir haben über 300 Stunden Material gefilmt! Auf der DVD sind ja deshalb auch massig Extras. Was die Interviewpartner angeht: Das war meistens überraschend einfach. Die Metal-Community hat ja eine massive Präsenz im Internet, die im Moment die Tape-trading-Netzwerke des Undergrounds der Achtziger und frühen Neunziger ersetzt. So konnten wir auch mit Metallern in Ländern wie Iran oder Indonesien in Kontakt treten.«

Gab es eigentlich Probleme mit lokalen Sicherheitskräften?

»Nein, abgesehen davon, dass wir nicht nach Iran reisen konnten, hatten wir eigentlich keine Probleme. In dieser Hinsicht war das ein echt lockerer Trip!«

Was erwartest du von der "globalen" Metal-Szene in der nächsten Zeit?

»Metal wird – wie Kultur im Allgemeinen – wahrscheinlich weiter weltweit expandieren. Die momentane Situation erinnert mich ein wenig an die Achtziger, als viele Fans sich vom Glam-Metal abwandten und der Underground mit neuen extremen Spielarten reagierte, zum Beispiel norwegischem Blackmetal. Heute haben wohl viele den Eindruck, Metal dümpele so ein wenig vor sich hin und wirke über weite Strecken altbacken. Dabei passiert im Metal so viel Spannendes auf der ganzen Welt – in Ländern wie China, Indonesien, Israel und so vielen weiteren Regionen, für die im Film leider keine Zeit mehr war. Man muss eben lediglich über den Tellerrand schauen!«

www.globalmetalfilm.com/03/GM_03.html

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