Online-MegazineInterview

PETER PAN SPEEDROCK

Vollgas, Baby!!!

Das Speedrock-Trio aus den Niederlanden holt mit "Pursuit Until Capture" bereits sein siebtes Langeisen aus dem Höllenfeuer. Im Interview erinnert sich PPSR-Basser Bartman an die Anfänge der Herzinfarkt-Rocker, verrät die Herkunft der bandeigenen Genre-Erfindung Speedrock und erzählt, wie es zur Zusammenarbeit mit Dauergastmusiker Dikke Dennis kam.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

»Die anderen haben die Band vor etwa zwölf Jahren gegründet. Ich bin im Grunde genommen erst etwas später dazu gestoßen. Peter [g./v. -ls] und ich waren früher auf derselben Schule. Er ist jedoch drei Jahre älter als ich, von daher kannte ich ihn nur vom Sehen. Zudem spielte er damals in einer Schülerband, die tatsächlich eine der ersten Bands war, die ich jemals live gesehen habe. Unseren Drummer Bart kannte ich hingegen überhaupt nicht, bevor ich zu PPSR kam.«

Warum ist Eindhoven ein guter Nährboden für eine Band wie PPSR?

»Das liegt wahrscheinlich daran, dass Eindhoven im Grunde genommen eine richtig langweilige Stadt ist. Es gibt vielleicht zwei, drei gute Bars dort, wo es sich lohnt, hinzugehen, aber die restlichen kannste echt vergessen. Die Leute sind so dermaßen gelangweilt, dass sie alle anfangen, in Bands zu spielen.«

Eure Plattenfirma beschreibt eure Musik als Mix aus "Rock'n'Roll, Hardrock, Rockabilly and Speedrock". Siehst du das auch so?

»Das trifft den Nagel eigentlich schon sehr gut auf den Kopf. Der Begriff Speedrock geht auf einen unserer Freunde zurück. Zu Beginn hieß die Band einfach nur PETER PAN, was ein klein wenig albern klang (lacht). Also wollten wir den Bandnamen ändern, was aber auch nicht mehr so einfach ging, weil es für uns zu diesem Zeitpunkt bereits ganz gut lief. Deshalb fragten wir einen Freund, wie er unsere Musik beschreiben würde. Er bat uns um ein paar Tage Bedenkzeit und nannte uns schließlich den Begriff Speedrock. Wir dachten: "Hey, das hört sich echt gut an", und hängten das Wort einfach an den ursprünglichen Bandnamen dran.«

Inwiefern spiegelt der Titel eures aktuellen Albums "Pursuit Until Capture" eure Bandphilosophie wider?

»Tatsächlich hat das sehr viel miteinander zu tun. Wir gehören nicht zu den Bands, die eine Hitsingle veröffentlichen und dann vom einen auf den anderen Tag groß rauskommen. Wir müssen richtig hart dafür arbeiten und erspielen uns unsere Fans von Auftritt zu Auftritt. Vom ersten Tag an sind wir sehr oft aufgetreten, aber es ist nicht so, dass unser Bekanntheitsgrad an einem bestimmten Punkt plötzlich in der Szene explodiert ist, sondern er wächst langsam aber stetig. Unsere Philosophie besteht darin, einfach so viel wie möglich live zu spielen und dadurch kontinuierlich zu wachsen.«

Insgesamt ist die Platte für eure Verhältnisse recht melodiös ausgefallen. Zudem drückt ihr das Gaspedal nicht wie früher ständig bis zum Anschlag durch. Absicht oder Zufall?

»Ja, das stimmt. Diese Entwicklung war jedoch nicht von vorneherein beabsichtigt. Das Songwriting fällt uns nicht gerade leicht, das ist immer ein schwerer Prozess. Deshalb sind wir nicht in der Position, uns hinzusetzen und zu überlegen, was wir als Nächstes machen wollen. Wenn wir Songs komponieren, sind wir auf alles angewiesen, was dabei herauskommt, weil's immer so lange dauert. Tatsächlich fehlt uns die Zeit dafür, von unseren Ideen abzurücken und etwas anderes auszuprobieren.«

Willst du damit sagen, dass ihr Probleme mit eurer Kreativität habt???

»Haha, nein, nicht wirklich. Manchmal triffst du Leute, die dir erzählen, dass sie letzte Nacht zwei Songs komponiert haben, aber das ist bei uns nicht der Fall. Wir müssen uns die Songs erarbeiten. Letztendlich gehen daraus die Lieder hervor, aber das ist kein einfacher Prozess.«

Und wie erarbeitet ihr euch normalerweise eure Stücke?

»Das ist unterschiedlich. Normalerweise kommt einer von uns mit einem Riff oder einer Idee für ein Lied an. Dann arbeiten wir während der Proben die Musik aus und danach ist es meine Aufgabe, den Text dazu zu schreiben. Ganz selten kommt es vor, dass ich einen Song komplett alleine komponiere, aber im Grunde sind alle zusammen daran beteiligt.«

Warum habt ihr euch erneut dafür entschieden, Tomas Skogsberg als Produzenten an Bord zu holen?

»Der Grund dafür war, weil er so viele Platten produziert hat, deren Sound uns richtig gut gefällt, wie z.B. die ersten beiden Hellacopters-Alben, die Entombed-Scheiben und einiges von den Backyard Babies und den New Bomb Turks. Diese Platten klingen alle so verdammt großartig, dass wir unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollten.«

Mit knapp 33 Minuten Spielzeit ist das Album extrem kurz ausgefallen. Wie muss man sich die Entstehungsgeschichte von "Pursuit Until Capture" vorstellen?

»Yeah, die Platte ist wirklich ziemlich kurz geworden. Die Musik haben wir innerhalb von zwei Wochen aufgenommen. Danach sind wir nach Hause zurückgefahren und haben die Vocals dort selbst aufgenommen, weil wir das letzte Mal so lange im Studio gebraucht haben, dass es keinen Spaß mehr gemacht hat. Also haben wir uns gedacht: "Lasst uns den Gesang zu Hause aufnehmen und uns genug Zeit dafür nehmen, um es auf möglichst einfache Art und Weise zu gestalten." Unser Proberaum liegt nahezu direkt neben Petes Wohnung. Von daher konnte er sich jeden Tag dort hinsetzen, die Songs einsingen und sie uns dann zuschicken. Das hat ca. sechs Wochen gedauert. Danach haben wir alles zurückgeschickt und Tomas hat die Tracks abgemischt.«

Wovon handelt euer Song 'S.O.B.S.O.S.'?

»Das ist ein Lied über Leute, die wir nicht mögen. Wir haben 'ne Menge dumme Politiker hier in Holland - die gibt's wahrscheinlich überall auf der Welt, aber in Holland gibt's momentan ziemlich viele religiöse Arschlöcher. Und dann habe ich noch eine persönliche Fehde mit unserer Königin und ihrer ganzen stinkenden Familie am Laufen. Davon handelt dieser Song (lacht).«

Ihr habt mit G.B.H.'s 'Sick Boy' auch einen Cover-Song am Start. Was verbindet euch mit dieser Band?

»Tatsächlich hatten wir keinen richtigen Bezug zu dieser Band. Jürgen, der Präsident unserer früheren Plattenfirma Bitzcore, schlug uns irgendwann mal vor, diesen Song zu covern. Ich habe zwar einige G.B.H.-Platten zu Hause, aber es ist nicht so, dass ich sie täglich auflege. Ich hörte mir dann das Lied noch mal genau an und dachte: "Das könnte funktionieren!" Und dies war der Grund dafür, dass wir eine Coverversion davon aufnahmen. Und nun, da wir bei einem anderen Label unter Vertrag sind, haben wir das Stück auf unser neues Album mit draufgepackt (lacht).«

Ihr habt bereits über 1.250 Gigs auf dem Buckel. Warum sind Live-Auftritte die Essenz des Rock'n'Roll?

»Yeah, live aufzutreten ist wirklich das Allerbeste daran! Ich meine, ein Album aufzunehmen macht auch Spaß, aber live aufzutreten ist einfach ... - Ich würde behaupten, dass wir den besten Job der Welt haben! Das ist echt großartig!«

Mit welcher Band würdest du am liebsten mal auf Rundreise gehen?

»Nun, weil ich gerade erfahren habe, dass sie sich auflösen werden, würde ich gerne als Support der Hellacopters auf ihrer Abschiedstour auftreten. Das pisst mich echt so richtig an! Hoffentlich raufen sie sich irgendwann vielleicht noch mal zusammen. Ich bin mir zwar nicht sicher, aber wir werden sehen ...«

Ein legendärer Part eurer Live-Shows sind auch die Gastauftritte von Dikke Dennis. Wie kam's dazu?

»Tatsächlich kenne ich ihn schon sehr lange. Als ich noch sehr intensiv in der Psychobilly-Szene unterwegs war, war er bereits eine Legende. Wir wurden Freunde und irgendwann, als ich bereits in einer Band spielte, gingen wir zu einem Konzert und unterhielten uns über Musik. Ich erzählte: "Da gibt es diesen Song von der und der Band, der ist so verdammt großartig!" - "Ach, du magst den Song? Nun, dann komm nach dem Konzert mit zu mir nach Hause, dann gebe ich dir die 12 Inch." Ich stutzte nur und erwiderte: "Was???" Das lag daran, dass die Platte damals sehr teuer war und man sie nirgendwo bekommen konnte. Aber er meinte nur: "Nö, is mir Wurst! Du kannst sie haben." - "Jetzt mal im Ernst: Was willst du als Gegenleistung?" Daraufhin sagte er: "Nun, ich will eigentlich nur zwei Dinge im Leben: Ich will auf einer Bühne stehen und meinen Namen auf einem Platten-Inlay lesen." - "Okay", erwiderte ich: "Dann komm einfach in meine Band und sing einen Song mit uns zusammen!" So geschah es, dass er zu meiner früheren Band stieß und ein Lied mit uns aufnahm. Als ich diese Band dann verließ, um bei PPSR einzusteigen, kam er einfach mit.«

MUSIKERPLAYLIST

Bartman (Peter Pan Speedrock):

DEVIL DOGS - Saturday Night Fever

ROKY ERICKSON - Demon Angel: A Day & Night With Roky Erickson [Live]

THE HELLACOPTERS - Supershitty To The Max!

THE METEORS - In Heaven

Homepage:

www.peterpanspeedrock.nl

www.myspace.com/peterpanspeedrock

Diskographie:

Peter Pan (1997)

Rocketfuel (1998)

Killermachine (2000)

Premium Quality... Serve Loud! (2001, Best Of)

Speedrock Chartbusters Vol. 1 (2002, Cover-Album)

Lucky Bastards (2003)

Loud Mean Fast & Dirty (2004)

Spread Eagle (2005)

Speedfreak Manifesto (2006, DVD)

Pursuit Until Capture (2007)

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

EAGLES OF DEATH METAL + REFUSED + DANKO JONES + CARCASS + NAPALM DEATH + PETER PAN SPEEDROCK + OBITUARY + HIGH ON FIRE + PRO-PAIN + BOB WAYNE + u.v.m.21.11.2015NL-Eindhoven, KlogebouwSPEEDFESTTickets