Online-MegazineInterview

BLITZZ

Fünf Jahre lang Klassenfahrt

Steckbrief

 

Name: Vicki Vomit

Baujahr: 1963

Wohnort: Erfurt

 

Dein Outfit zu DDR-Zeiten: Lederjacke, Lederhose, Boots, T-Shirt

Deine damaligen internationalen Lieblingsbands: Deep Purple, Uriah Heep, Iron Maiden, Black Sabbath, Alice Cooper

Deine damaligen DDR-Lieblingsbands: Jürgen Kerth (wegen seines Gitarrenspiels), Scheselong (wegen den Texten, Haltung und Konzept)

Wann und wie bist du zum Metal gekommen:Nie so richtig, ich habe als Kind schon auf Hardrock gestanden, aber auch alles mögliche gehört. Das ist bis heute so.

Wie kam es zur Gründung der Metal-Band Blitzz: Wir kannten uns alle aus der Erfurter Szene. Tommy, Kerstin und ich hatten mit 17 schon zusammen bei Prinzz gespielt. Das war eine Teenie-Band in den frühen Achtzigern, die auch ab und zu im Radio gesendet wurde. Wie alle Teenie–Bands waren auch wir stellenweise ziemlich peinlich, haben das aber im Gegensatz zu anderen Combos irgendwann selber gecheckt. Nach einer Besinnungspause, in der wir als Coverband spielten, haben wir uns von der Hälfte unserer Mitmusiker getrennt, um als Metal-Band weiterzumachen. Die musikalische Richtung entsprang unserem damaligen Lebensgefühl. Wir haben für die ersten zwei Jahre den Namen Prinzz behalten, um unsere Veranstalter nicht zu verlieren, dann haben wir uns umbenannt, nicht ohne das Doppelzett im Namen mit zu übernehmen, damit uns der geneigte Zuhörer wieder erkennen konnte. Marktwirtschaftliches Denken zur Zeit des Staatssozialismus!

Wie kam es zu Vicki Vomit: Ich habe nach der Auflösung von Blitzz unter diesem Künstlernamen eine Solokarriere begonnen.

Das legendärste Blitzz-Konzert: 1988 bei einem nicht genehmigten Anti-AKW-Festival in Litauen vor 40.000 Leuten, mit total erkälteter Sängerin.

Standards bei einem Blitzz-Konzert:Wir haben unser eigenes Material gespielt und auch noch ein paar Sachen gecovert, unter anderem von Anthrax.

Eine spontane Erinnerung an DDR-Zeiten: Es war eine unglaubliche Zeit. Spielverbote und Flucht vor der Armee, die uns immer mal wieder einziehen wollte (nur Tommy hat es geschafft, ausgemustert zu werden). Auf der anderen Seite unglaublich geile Konzerte, riesige Partys mit den Fans, Alk in Strömen und heimlich angebautes Gras, das prima auf dem Balkon wuchs. Stellt euch einfach fünf Jahre lang Klassenfahrt ohne Lehrer und mit ganz viel Ostgeld vor.

Wie siehst du die Qualität von Blitzz heute rückblickend: Ich habe in dieser Band mein Handwerk gelernt. Und wir hatten eine gute Zeit. Ob ihm die Musik gefällt, sollte jeder Zuhörer selbst entscheiden.