Online-MegazineInterview

GRIFTEGÅRD

Der Doom und die Bibel (Demo-Band des Monats Oktober 07)

Wer auf Saint Vitus oder die frühen Candlemass steht, wird GRIFTEGARDs 12“-Maxi „Psalm Bok“ mit zwei Übernummern Doom der alten Schule lieben. Emotionaler, rauer Gesang, unterlegt mit christlich anmutenden Chören, schwere, melancholische Riffs - hier wird garantiert kein Fan des klassischen, zäh fließenden Dooms enttäuscht. Lest nun, was Bandchef Ola Blomkvist alles so aus dem Nähkästchen plauderte...

Was bedeutet „GRIFTEGARD“?

»GRIFTEGARD ist ein altmodischer schwedischer Begriff für die letzte Ruhestätte bzw. den Friedhof.«

Ihr seid Demo-Band des Monats im Rock Hard geworden, Vergleiche mit alten Trouble, Candlemass und Solitude Aeternus sind gefallen. Zugleich wurdet ihr als die wahrscheinlich beste traditionelle Doom-Band seit Jahren eingestuft. Zu viel der Lorbeeren?

»Wir sind sehr glücklich, dass ihr unsere Arbeit schätzt. In diesem Kontext genannt zu werden, ist eine Ehre, keine Frage. Aber ich denke es ist noch etwas zu früh, nach einer Zwei-Track-EP solche Vergleiche anzustellen.«

Warum wurde die Vorgängerband The Doomsday Cult aufgelöst?

»Erst einmal will ich darauf hinweisen, dass GRIFTEGARD nicht die Fortsetzung von The Doomsday Cult darstellen, sondern ein eigenständiges Gefüge. Viele glauben, dass wir lediglich unseren Namen geändert haben, aber GRIFTEGARD befindet sich auf einer ganz anderen Ebene, auch wenn die musikalischen Mittel der Umsetzung sich auf den ersten Blick zu ähneln scheinen. Nachdem wir mit The Doomsday Cult 2004 auf dem Doom Shall Rise II gespielt haben, ging es nur noch bergab, hauptsächlich auf privater Ebene, aber auch, da ich auch mit I Hate Rec. zu kämpfen hatte - was heute eigentlich leider nicht viel besser aussieht. Die Zeit ist mein ständiger Gegner.«

Der erste Song heißt 'Charles Taze Russell', benannt nach dem Begründer der internationalen Bibelforscherbewegung, aus der sich später die Gemeinde der Zeugen Jehovas formierte. Der zweite Titel lautet 'Paul Gustave Doré', nach dem französischen Künstler, der wiederum die Schriften Russels illustrierte. Gibt es einen besonderen Hintergrund diesen Betitelungen?

»Als der alleinige Verfasser unserer Texte sage ich: ja, hinter ihnen steckt eine sehr schwerwiegende Aussage. Charles Taze Russel prophezeite den Jüngsten Tag und war verantwortlich für die Verbreitung von Angst, Schrecken und Todessehnsucht unter seinen fanatischen Anhängern. Sein Schatten hängt noch immer wie eine giftige Wolke über Millionen von Menschen weltweit, er macht sie zu geistigen Krüppeln und isoliert sie vom Rest der Gesellschaft, was zugegebenermaßen nicht zwingend schlecht ist. Die Lyrics sind ein Versuch, einen Eindruck von religiös initiierter Paranoia zu vermitteln, aber auch den der sehnsüchtigen Seele, die nicht nur in den Zeugen Jehovas steckt, sondern in Menschen einer jeden „zeitbegrenzten“ Religion. Was Doré anbelangt: meines Wissens hat er nie irgendwelche Publikationen illustriert, die mit den Zeugen in Verbindung stehen, aber wie auch immer - er ist einer der berühmtesten Bibelillustratoren aller Zeiten. Seine Arbeiten sind in der Metal-Szene bereits in klischeehaftem Maße verbreitet. Einige seiner besten Gravuren zieren Cover klassischer Veröffentlichungen wie z.B. „Tale of Creation“ (viertes Candlemass-Album - mf), oder „Wrath of The Tyrant“ (drittes Emperor-Album - mf). Ich wählte seinen Namen als Titel, da seine Bilder Tagträume in mir entzünden, seit ich zum ersten Mal seine Arbeit erlebte. Er vermag Schicksal und Angst in Schönheit zu verwandeln.«

Auf deinem Label I Hate Records sind bis auf Nifelheim weitestgehend unbekannte Bands aller Herren Länder unter Vertrag, deren Platten auch nicht in schwindelerregend hoher Zahl aufgelegt sind. Bleibst du lieber im Untergrund tätig oder willst du ein fundiertes Unternehmen aufbauen, das Größeres zum Ziel hat?

»Wir verharren weder vorsätzlich im Untergrund, noch streben wir nach der Weltherrschaft. Komme was wolle, wir möchten einfach mit Bands zusammenarbeiten, denen Gefühl und Atmosphäre wichtig sind.«

Du zockst ja nebenher in der Black Metal Band Spetälsk und Per hält für die progressiven Wolverine die Gitarre. Wie sieht´s mit den persönlichen musikalischen Vorlieben der Band-Mitglieder sonst so aus?

»Ja, ich bin für die Vocals bei Spetälsk zuständig und ich gestehe meine Faszination für den Black Metal, aber auch für Neo-Folk schlägt mein Herz. Per hat bei Wolverine gespielt und steht auf den ganzen Kram aus den sechziger und siebziger Jahren. Jens spielt Schlagzeug für Rawhypnols und ist eher auf dem schnodderigen Rock´n´Roll hängen geblieben während Thomas mit seiner Hauptband Bokor auf der heavy-düster-teuflischen Schiene fährt. Dennis ist ein alter Thrasher und der einzige, der in kein weiteres Musikprojekt involviert ist. Klar, Doom mögen wir alle, aber ansonsten sind wir echt ein bunter Haufen.«

Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Werdet ihr fleißig an Songmaterial arbeiten und auf Tour gehen?

»Wir wollen ein Album aufnehmen, das über das deutsche Label Nachtgnosis erscheinen wird (Hail Vigridr!), der Zeitpunkt ist jedoch noch gänzlich unklar. Eine Tour ist nicht ausgeschlossen, da wir alle privat ausgiebig beschäftigt sind, scheint das aber vorerst eher unwahrscheinlich...«

Dankeschön, dass du dir Zeit genommen hast. Gibt es noch etwas hinzuzufügen?

»Danke für die Unterstützung! Ihr könnt die "Psalmbook EP" via www.n-c-u.de bestellen. Haltet außerdem Ausschau nach der „Knock´em down to Size“ 7“ Vinyl-Compilation, auf der wir mit dem Track „Pagan Altar Cometh“ vertreten sind. «