Online-MegazineInterview

STATIC-X

STATIC-X - Metal ist cool

Starkstromfrisur Wayne Static ist zufrieden: Er lässt die wohl simpelste Platte des Jahres auf die Menschheit los, diese wird sich mit Sicherheit verkaufen wie geschnitten Brot – und während die Edelmetallauszeichnungen auf ihn herabprasseln, sitzt der Chef von STATIC-X zu Hause und hört alte Journey-Klassiker. Herrlich, oder?

Wayne, obwohl deine Band noch nie etwas mit ausufernden, progressiven Songstrukturen zu tun hatte, klingt euer neues Album "Cannibal" noch viel simpler und direkter als eure Vorgängerplatten.

Wayne: Absolut! Jedes unserer früheren Alben hatte zumindest ein bisschen Ballast. Diesmal aber wollten wir jeglichen Ballast über Bord werfen. Noch nie fiel es mir so leicht, eine neue Platte zu schreiben. Ich wusste genau, was ich zu tun hatte, und wie die Stücke klingen müssen.

Ist es wirklich so einfach, simple Stücke zu schreiben? Eigentlich ist es doch einfacher, verspielte Songs zu kreieren, denn man kann songschreiberische Schwächen mit Gefrickel und Bombast kaschieren. In simplen Liedern kann man keinerlei Schwächen verstecken, die Lieder sind meist entweder sehr gut oder sehr schlecht.>

Wayne: Natürlich muss man die entsprechende Idee haben. Und es ist sicherlich kein Kinderspiel, einen guten Straight-forward-Song zu schreiben. Der Vorteil, den ich mit dieser Platte einfach hatte, war der, dass ich nicht nach der musikalischen Ausrichtung suchen musste. Mir war von Beginn an klar, dass die Platte ohne Umwege in die Fresse knallen soll.

Du redest in der "Ich"-Form. Seid ihr kein Songwriterteam?

Wayne: Ich schreibe die Nummern allein.

Es gibt also keinerlei Input von deinen Mitmusikern?

Wayne: Jedes Bandmitglied ist wichtig, und es gibt auch verschiedene Formen von Input. Mein Bassist Tony Campos half mir bei einigen Gitarrenriffs aus. Aber alles in allem ist "Cannibal" weitgehend auf meinem Mist gewachsen. Lass es mich so sagen: Ich habe die Songs geschrieben, Demos gemacht, diese an alle Bandmitglieder verteilt und ihre Meinungen dazu angehört und teilweise in die Stücken einfließen lassen.

Im Laufe der Jahre hatten Journalisten deine Band in die verschiedensten stilistischen Schubladen gesteckt. Mal war die Rede von Alternative-Metal, mal von Nu-Metal, mal Electro/Industrial-Metal. "Cannibal" jedenfalls klingt im Vergleich zu eurem Backkatalog puristisch und metallisch.

Wayne: Auch das war mein Ziel. Bevor unser Debütalbum "Wisconsin Death Trip" erschien, waren die Wurzeln der Band ganz klar im Metal zu finden. Erst später kamen die Electro-Elemente dazu. Ich muss ehrlich gestehen, dass wir uns damals nicht allzu offensiv als Metal-Band bezeichnet hatten, denn Metal war in Amerika nicht cool.

Und jetzt ist Metal cool?

Wayne: Ja, jetzt ist Metal cool. Nach langer Durststrecke.

Dein Label Warner Music hat von dir ein Statement verbreitet, in dem du Vergleiche zwischen "Cannibal" und dem AC/DC-Meilenstein "Back In Black" anstellst. Wie sollen wir dieses Statement verstehen?

Wayne: Zuerst mal beziehe ich mich auf die Einfachheit und Eingängigkeit der Songs. Beide Alben haben nur die allernötigsten Drumbeats sowie sofort ins Ohr gehende Gitarrenriffs. Außerdem ist bei beiden Alben der Sound sehr basisch und roh.

Wer ist der Kannibale?

Wayne: Der Song ist aus der Sicht eines Vegetariers geschrieben. Wenn ich sehe, wie in Fastfood-Restaurants oder bei einem Barbecue die Massen ihre Zähne in irgendwelche Fleischbatzen hineinschlagen, wird mir übel. Der Song ist eine spontane, sicherlich auch sehr einseitige Reaktion auf das Verhalten der Fleischfresser.

Unkenrufen zum Trotze existiert deine Band seit zwölf Jahren, und jedes eurer Alben war vor allem in den Staaten wahnsinnig erfolgreich. Was hast du aus deinen Fehlern, die sicherlich auch du in deiner Karriere gemacht hast, gelernt? Was würdest du einer jungen Band raten?

Wayne: Nun, zuerst mal sollte jeder seine eigenen Fehler machen. Wichtig ist, dass man sich niemals von außen reinreden lässt, was die Musik betrifft. In dem Moment, in dem man Zugeständnisse macht, kann man eigentlich aufhören, denn man hat sich selbst verraten. Und: Eine junge Band sollte so wenig wie möglich aus der Hand geben. Manager – gut und schön. Aber wozu braucht man als Newcomer einen Manager? Er ist teuer, redet überall rein und nimmt dem Musiker das Denken ab. Also, macht euer Demo alleine, macht eure Pressemappe alleine, kümmert euch selber um Gigs! Erst dann, wenn eine Band eine gewisse Größe erreicht hat, macht es Sinn, für bestimmte Aufgaben Außenstehende heranzuziehen.

Eure Musik ist im Grunde genommen untrendy, denn harter Industrial/Electro-Metal ist bis auf Ministry weitgehend gestorben. Welche anderen trendfreien Sounds hörst du zurzeit privat?

Wayne: Ich höre fast nur trendfreie Musik, da ich mich nur selten mit neuen Bands beschäftigte. Meistens lege ich mir die gleichen Platten auf, die ich bereits vor 15 Jahren geliebt habe. Allem voran Classic-Rock von Bands wie Journey. "Frontiers" ist ein Gottalbum! "Escape" auch! Na ja, und dann halt die alten Hardrock- und Metal-Größen wie AC/DC, Maiden, Motörhead.

Welche Sounds würdest du derzeit als "trendy" bezeichnen?

Wayne: Gruppen wie Shadows Fall, Lamb Of God, Mastodon – diese sogenannte New Wave of Metal ... Das ist nix für mich. Ich höre mir das gar nicht an. Ich gucke selten MTV, höre kein Radio, mag keinen HipHop. Ich bin ziemlich festgefahren, was populäre Musik betrifft. Aber ich vermisse auch kaum neue Sounds.

www.static-x.com