Online-MegazineInterview

STONE SOUR

Train Keeps Rollin

STONE SOUR mausern sich immer mehr zu einer Band, die sowohl ein Mainstream- als auch ein Metalpublikum begeistern kann. Die Teilnahme die beiden Slipknot-Mitglieder Corey Taylor und James Root überschattet dabei oft die Arbeit eines Mannes, der ebenfalls für einen Großteil des kreativen Inputs verantwortlich ist. Im Rahmen ihres erneuten Deutschlandbesuches nahmen wir uns des dritten kreativen Kopfes des Quintetts an: Gitarrero Josh Rand.

Josh macht im Vorfeld des Interviews einen etwas müden Eindruck und will sich nach dem Interview auch noch mal in die Koje hauen, bevor es abends in der Kölner Live Music Hall auf die Bühne geht. Doch der Mann reißt sich massiv zusammen und entpuppt sich als smarter und zuvorkommender Interviewpartner.

Josh, STONE SOUR sind eine der wenigen Bands, die wirklich emotionale Nummern schreiben können, die sogar als Radioballaden funktionieren. Ihr büßt dabei niemals eure Glaubwürdigkeit als eine Hard&Heavy-Band ein. Wie schafft ihr das?

Josh: Ich denke, der Hauptgrund ist, dass die Songs einfach in dieser puren Form aus uns heraus kommen. Wir setzten uns nicht hin und nehmen uns vor, einen Radiosong oder einen Heavy-Song zu schreiben. Wir schreiben in erster Linie für uns. Das ist der Grund für unsere Credibility. Es muss eine "Pureness" geben, zu der die Leute emotional eine Verbindung aufnehmen können.

Führt ihr denn in der Band manchmal Diskussionen darüber, ob ein Song eventuell doch zu kommerziell ausgefallen sein könnte?

Josh: Nein, die einzige Diskussion gab es um einen richtig harten Song, den ich geschrieben hatte. Der Song hat Corey quasi dazu gezwungen, wie der Corey von Slipknot zu klingen. Das ist eigentlich das einzige, was wir versuchen zu vermeiden.

James hat einmal gesagt, dass du hauptsächlich für den Metal-Einfluss in STONE SOUR verantwortlich bist und dass er und Corey hingegen von dieser Schiene weg kommen möchten.

Josh: Ja, sie tun das ja mit ihrer anderen Band. Für sie bietet STONE SOUR eher die Möglichkeit Dinge zu tun, die sie mit Slipknot nicht machen können. 'sillyworld' oder 'Through Glass' wären bei Slipknot einfach nicht möglich. Mein Metal-Einfluss ist aber auch sehr anders, da ich einerseits viel von dem aktuellen Kram höre und mir andererseits viele Prog-Sachen reinfahre, die ich zu gewissen Teilen auch versuche als Einfluss einzubringen. Das ist einfach, wo ich zurzeit musikalisch stehe.

Laut James soll sich deine Demoversion, von '30/30-150' stark von der jetzigen Version unterscheiden.

Josh: Vom Arrangement ist es ziemlich genau dasselbe. Eigentlich sind alle Nummern, die ich geschrieben habe, nur mit geringfügigen Veränderungen durchgekommen. Als wir '30/30-150', 'Reborn', 'Hell And Consequences' und '1st Person' aufnahmen, habe ich auch darauf bestanden, die Sachen so aufzunehmen, wie ich sie geschrieben habe, da ich ja schließlich zwei Jahre Zeit hatte an diesen Songs und ihrem Finetuning zu arbeiten.

Diese vier Songs hast du also alleine für das Album geschrieben?

Josh: Ja, es gab auch noch Sachen, an denen wir gemeinsam gearbeitet haben. James hat zum Beispiel an einer Sache gejamt, gab mir das Zeug, und ich habe dann das Arrangement daraus gemacht, was letzlich zu 'Socio' wurde.

Corey und James betonen in letzter Zeit öfters, dass ihr Herz mehr für STONE SOUR als für SLIPKNOT schlägt. Freust du dich über diese Loyalität, die sie STONE SOUR entgegenbringen?

Josh: (überlegt) Ich weiß nicht, wie ich das beantworten soll. Es gibt zwischen uns eine Freundschaft, die so lange zurückreicht. Ich bin natürlich - als jemand der in dieser Band spielt - froh darüber, dass sie auch Spaß an der Sache haben (lacht). Wäre ja blöd, wenn es umgekehrt wäre, und ich in einem Interview lesen müsste: 'Eigentlich hasse ich es in STONE SOUR zu spielen.' Von dem Aspekt her schätze ich ihre Liebe natürlich. Es gibt zwischen uns einfach einen tiefen Bund, der auch nach dem Ende dieser Band noch weiterhin vorhanden sein wird.

Eure Vergangenheit ist von einer bezeichnenden Unsicherheit geprägt: Ihr habt euch wegen des Einstiegs von Corey und James bei Slipknot aufgelöst und wurdet dann aufgrund des massiven Erfolges von Slipknot reanimiert. Gab es zwischen dem ersten und zweiten Album auch eine Phase, in der es ungewiss war, ob ihr weitermachen würdet?

Josh: Ich denke nicht. Obwohl: Es gab da die Phase, als Slipknot mit "Duality" vor allem in den USA richtig durchgestartet waren. Zu dieser Zeit ist die Frage vielleicht mal kurzzeitig in unseren Köpfen aufgetaucht. Aber wir sind halt in Kontakt geblieben. Für mich gab es dann vor zwei Jahren den Punkt, als ich Corey das '30/30-150'-Demo vorgespielt habe und er seinen Text darauf gesungen hat. Ab diesem Zeitpunkt gab es keine Zweifel mehr und wir wussten, dass wir uns eine Marke gesetzt haben, an der sich das folgende Material messen lassen muss.

Hättest du dir nach eurem Split jemals ausgemalt, dass ihr zurückkehren und so einen massiven Erfolg einfahren würdet?

Josh: Wir tun einfach was wir tun. Denk dabei nicht, dass wir uns nicht den Arsch aufreißen! Wir sind jetzt schon seit Ewigkeiten ohne Unterbrechung auf Tour, ich glaube, seit Mai 2006. Wenn ich mir unseren Tourplan ansehe, dann sind wir noch nicht mal bei der Hälfte angelangt. Nach dieser fünfwöchigen Europatour werden wir direkt auf eine sechswöchige US-Tour gehen. Dann haben wir vier Tage Day-off, bevor es nach Australien und Japan geht. Anschließend kehren wir für die Sommerfestivals wieder nach Europa zurück. Von daher verdienen wir uns unseren Erfolg in gewisser Weise schon.

Fällt es euch denn mit zunehmendem Erfolg schwerer den Kontakt zu den Fans zu halten?

Josh: Nein, ich war heute sogar schon draußen und habe Autogramme gegeben. Ich gehe immer raus zu den Fans. Es gab nur ein einziges Mal auf der Tour zum ersten Album, wo ich wegen massiver Grippe nicht zu den Fans gegangen bin. Genauso wenig kam Corey auf der letzten Europatour raus, als er so krank war.

Wo wir gerade bei Corey sind: Warum hat er sich den Kopf kahl scheren lassen? Wollte er auf den Britney-Spears-Zug aufspringen?

Josh: Nein, um ehrlich zu sein, will er vielmehr so aussehen wie ich (lacht). Er hat aber für heute Abend sogar noch eine neue Frisurenüberraschung parat (Corey trat in Köln zum ersten Mal mit einem Iro auf, -rb).

Welcher Song fasst am besten alles zusammen, wofür STONE SOUR stehen?

Josh: Ich weiß nicht, das ist eine gute Frage. Ich glaube nicht, dass es einen Song gibt, der all unsere Elemente beinhaltet. Wenn es einen Weg gäbe, 'Zzyzx Rd', 'sillyworld'‚ '30/30-150' oder 'Get Inside' verschmelzen zu lassen, dann wäre das repräsentativ.

Corey spielt auf dieser Tour oft 'Wicked Game' von Chris Isaak. Wollt ihr den Song auch einmal veröffentlichen?

Josh: Wir haben den Song auch einmal zu dritt mit James gespielt und überlegen zurzeit, ob wir das Stück auf der Special Edition von "Come What(ever) May" veröffentlichen sollen. Daneben haben wir noch fünf unveröffentlichte Songs, die dafür auch in Frage kommen. Eine Bonus-DVD mit den Videoclips wird es wohl auch wieder geben. Über eine Live-DVD denken wir nach, aber wir haben noch keine Ahnung, wo wir sie aufnehmen sollen.

Man merkt: Der STONE SOUR-Zug ist zurzeit nicht zu bremsen.

www.stonesour.com