Online-MegazineInterview

LEATHERWOLF

Zäh wie Leder

17 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum gibt es endlich wieder neue Songs von LEATHERWOLF. Die Besetzung von „World Asylum“ unterscheidet sich von der damaligen jedoch so stark, dass es sich eigentlich verbietet, von einer Reunion zu sprechen. Originalmitglied und Drummer Dean Roberts sieht das natürlich anders.

Dean und Gitarrist Geoff Gayer hätten so hart dafür gekämpft, die Band am Leben zu halten bzw. wieder zu beleben, dass ihnen allemal das Recht zusteht, den Namen LEATHERWOLF zu führen, meint der Schlagzeuger, und wenn man die von ihm geschilderte Leidensgeschichte hört, ist man fast geneigt, ihm zuzustimmen.

»Nach zehnjähriger Pause wurden wir 1999 von einem befreundeten Booker gefragt, ob wir nur so zum Spaß eine Show im Troubadour (Club in Los Angeles - ms) spielen wollen. Wir dachten uns: „Warum eigentlich nicht?“ Wir trommelten alle zusammen und hatten einen tollen Abend. Durch diesen Gig kam das Gerücht auf, dass wir wieder aktiv wären, woraufhin wir das Angebot erhielten, beim Wacken Open Air aufzutreten. Das war natürlich eine große Chance, die wir wahrgenommen haben. Obwohl wir dort recht früh auf die Bühne gehen mussten, war es rappelvoll, und die Leute drehten völlig durch. Das hat uns nachhaltig beeindruckt, und in der ersten Euphorie beschlossen wir, noch mal ein Album aufzunehmen. Als wir wieder zurück in Amerika waren, ließ die Motivation jedoch schlagartig nach. Nur Geoff und ich glaubten noch an die Band und schrieben kontinuierlich neues Material. Dann kam von unserem Kumpel Roy Z das Angebot, für Halford zu eröffnen. Plötzlich waren wieder alle am Start und spielten die Tour, nur um sich anschließend erneut in ihr Privatleben zurückzuziehen. Das war schon ganz schön frustrierend.«

Diese negativen Erlebnisse finden sowohl in den Lyrics als auch im Albumtitel und dem dazugehörigen Artwork ihren Niederschlag.

»Die Welt ist zwar in einem schlimmen Zustand, aber die Texte haben keine politische Intention, sondern handeln ausschließlich von unseren vielen Rückschlägen und dem jahrelangen Kampf, diese CD herauszubringen.«

Die Suche nach neuen Musikern gestaltete sich alles andere als einfach. Zig Sänger wurden getestet, aber erst Wade Black (Crimson Glory, Seven Witches) genügte den Ansprüchen der beiden verbliebenen Gründungsmitglieder. Allerdings stieß er so spät zu den Aufnahmen, dass er keinen kreativen Input mehr leisten konnte. Sowohl die Texte als auch die Melodielinien waren bereits fix und fertig ausgearbeitet und wurden von ihm nach Vorgaben eingesungen.

»Er hat einen großartigen Job gemacht und wird sich beim nächsten Album viel stärker einbringen können«, verspricht Dean.

Derzeit hat der nicht gerade für seine Loyalität und Ausdauer bekannte Sänger angeblich keine anderen Projekte laufen und konzentriert sich voll auf LEATHERWOLF. Dennoch dürfte sein Engagement nicht zuletzt vom Erfolg des neuen Albums abhängen. Außer ihm gehören noch Gitarrist Eric Halpern (ex-Destiny´s-End, Helstar) und Basser Pete Perez (Riot, Spastic Ink) zur Besetzung.

Die Demos entstanden in Deans kleinem Kellerstudio, wobei sich der Schlagzeuger nach und nach die Kniffe der modernen Studiotechnik aneignete.

»Auch das Album wurde bei mir zu Hause aufgenommen und von mir alleine produziert«, verkündet er mit berechtigtem Stolz. »Roy Z hat mir einige Tipps gegeben, und den Rest habe ich mir selber beigebracht. Joey Floyd (Warrior - ms) hatte ebenfalls noch einige gute Ratschläge für mich. Ich habe versucht, ihn dazu zu bringen, einige Gitarrenparts einzuspielen - leider vergeblich. Er hatte Sorge, Geoffs Tempo nicht mitgehen zu können und schlecht auszusehen.«

Bei den Aufnahmen schaute sogar der frühere Frontmann Mike Olivieri vorbei und sang einige Backing Vocals ein: »Er ist kein wirklicher Rocker und arbeitet gerade an einem Soloalbum, das eher in die Pop-Richtung tendiert.«

Auch Gitarrist Carey Howe und Bassist Paul Carman hätten gerne ihren Beitrag geleistet, aber der eine ist mit seiner Familie und seinem Job zu beschäftigt, und der andere lebt inzwischen in Phoenix. Immerhin verstehen sich die Musiker ungeachtet des ewigen Hin und Hers noch.

»Jeder von uns hat eine Familie zu ernähren, wodurch sich die Prioritäten zwangsläufig verschieben. Daher habe ich durchaus Verständnis für den Rückzug der Jungs, auch wenn ich ihn natürlich bedauere.«

„World Asylum“ ist ein starkes US-Metal-Album ohne krampfhafte Retro-Elemente, besitzt aber abgesehen von Geoffs markanter Gitarrensprache kaum Bezugspunkte zu den Vorgängerscheiben. Dean moniert an „Leatherwolf“ und „Streat Ready“ im Nachhinein vor allem die Produktion, die er wegen der fetten Chöre despektierlich „REO-Speedwagon-Sound“ nennt, und will mit der neuen CD ans härtere Debüt anknüpfen.

»Deswegen haben wir auf unsere Setlist fürs Bang-Your-Head-Festival auch ausschließlich ganz alte und ganz neue Songs gepackt. Die mittlere Phase wird ausgeklammert.« (Ganz tolle Idee... - bk)

Vielleicht überlegt sich das die Band noch mal, bis sie Ende des Jahres auf Clubtour kommt, denn nicht nur ich würde gerne Hymnen wie ´Rise Or Fall´ oder ´The Calling´ hören...

www.leatherwolfmusic.com

 

DISKOGRAPHIE

Leatherwolf (Endangered Species) (1984)

Leatherwolf (1987)

Street Ready (1989)

Wide Open - Live (Live, 1999)

World Asylum (2006)

 

SCHON GEWUSST?

Der frühere Iron-Maiden-Sänger Paul Di´Anno bot sich an, das neue Album einzusingen, wollte dafür jedoch 10 000 Dollar haben, die die Band nicht hatte.

Drummer Dean hält sich mit Wasserpolo fit, kennt viele Nationalspieler dieser bei uns wenig beachteten Sportart und hat sich sogar die WM vor Ort angesehen.

Der Schlagzeuger besitzt einen Dachdeckerbetrieb, bei dem auch Gitarrist Geoff Gayer angestellt ist.