Online-MegazineInterview

OSTINATO

Ein langer Sommer

OSTINATO entstammen einer neuartigen, ominösen Szene, in der so genannter Postrock mit Monumental-Sounds und Drone verschmolzen werden. Ihre Musik ist manchmal sanftmütig, manchmal ruppig - aber immer orchestral. Und das ohne Orchester. Ihr Album „Chasing The Form“ wird bereits jetzt von der Basis als Klassiker gefeiert. Gitarrist David Hennessy klärt auf.

David, eigentlich müsste „Chasing The Form“ eine Ohrfeige für all jene Bands sein, die überteuerte und überdimensionierte Orchester-Rock-Alben veröffentlichen. Eure Musik ist episch, orchestral, zuweilen monumental - und das nur mit Hilfe von Gitarre, Bass und Schlagzeug.

»Wir sind zu der Meinung gelangt, dass man nur drei verschiedene Stimmen - und mit Stimmen meine ich Instrumente - benötigt, um Musik orchestral machen zu können. Also verfolgen wir das Prinzip, dass sich Bass und Gitarre gegenseitig folgen und verfolgen, anstatt Riffrock mit drei Akkorden zu spielen. Erst, wenn die Instrumente nicht als simple Rockinstrumente eingesetzt werden, sondern eine Art Teppich bilden, kann man Melodien kreieren, die ein orchestrales Ganzes ergeben.«

Somit entsteht ein großflächiger Sound.

»Richtig, und mit einem großen Sound kann man seine Geschichten viel besser erzählen. Aber alles in allem ist es auch eine Frage der Balance: Ich mag einerseits große Sounds, andererseits aber auch straighten, simplen Rock. Man darf sowohl das eine als auch das andere nicht überstrapazieren. Ich glaube, dass OSTINATO beide Extreme sehr ausgewogen benutzen. Live sind wir übrigens viel rockiger als auf Platte.«

Die Presse vergleicht euch mit Bands wie Isis, Mogwai und Godspeed You! Black Emperor. Alles wohlklingende Namen...

»Alle genannten Bands spielen ihre Gitarren mit viel Echo und Hall. Das ist aber auch schon alles an Gemeinsamkeiten. Lass es mich so sagen: Wenn man OSTINATO mit Mogwai gleichsetzt, setzt man Äpfel mit Orangen gleich. Beides ist Obst (lacht). Alle genannten Bands sind fantastisch und originell. Aber wir klingen anders. Ich finde es sehr unterhaltsam, mit wem wir alles verglichen werden: King Crimson, frühe Pink Floyd, Sade oder U2. Die Wahrheit ist, dass wir Musikfanatiker über alle Genregrenzen hinaus sind. Und deshalb kann man in unseren Songs unzählige Einflüsse hören.«

Eure Musik sowie die eher spartanischen Gesänge sollen vorrangig Tagträume und Kurzgeschichten wiedergeben. Erzähl mir von euren Tagträumen!

»Es sind nur Schnipsel von Träumen und Gedanken. Jedes Instrument ist eine Stimme. Diese Stimmen bestehen also aus Tönen, nicht aus Worten. Das bedeutet, dass jeder Hörer das, was er bei uns hört, für sich interpretieren sollte. Ich kann nicht erzählen, um was es geht. Aber ich kann zumindest sagen, wie ich einige meiner Lieblingsplatten für mich interpretiere: „Daydream Nation“ von Sonic Youth erzählt die Story eines langen Sommers in meiner Jugendzeit, Velvet Underground erzählen Geschichten der Nacht, und die Musik von Led Zeppelin bedeutet für mich, sehr jung und völlig stoned zu sein.«

 

www.ostinatoproject.com