Online-MegazineInterview

TSAR

Musik für die Ewigkeit

Nach langer Schaffenspause legen TSAR dieser Tage mit ihrem Zweitling "Band - Girls - Money" ein Album vor, das nicht nur junge Hüpfer vom Hocker zu reißen vermag. Kein Wunder, würde doch Fronthuster Jeff Whalen am liebsten mal mit den Monkees touren.

Und wenn's mit dem großen Durchbruch wider Erwarten doch nicht klappen sollte, so haben sie wenigstens schon für die Rente nach der Rente vorgesorgt: "Musik ist eine Möglichkeit, die Vergangenheit weiterleben zu lassen." Nach fünf Jahren Funkstille habt ihr mit "Band - Girls - Money" wieder ein neues Album am Start. Warum hat das so lange gedauert?

»Ich, öhmm, ich war krank! Mein Bein war gebrochen ... Nein, das ist wirklich eine lange Geschichte. Es lag hauptsächlich daran, dass wir Ärger mit unserer Plattenfirma wegen unseres Vertrags hatten. Aber das ist zum Glück jetzt vorbei. Wir sind froh, dass wir wieder eine Platte rausbringen konnten und hoffen, dass es das nächste Mal etwas schneller vonstatten geht.«

Geht's bei Rock'n'Roll nur um Band, Girls und Moneten?

»Natürlich nicht! Da geht's auch noch um andere Dinge als die Band, die Girls und die Kohle! Es geht darum, stolz auf dich selbst zu sein und andere Leute in den Arsch zu treten. Es geht darum, dein Leben auszufüllen. Jeder muss doch irgendwas zwischen Wiege und Grab machen. Und wenn du sagen kannst: "Hey, ich hab Rockplatten rausgebracht", ist das doch was Feines! Und das ist der wirkliche Bestandteil von Rock'n'Roll, der für mich wichtig ist.«

Meinst du damit auch, dass sozusagen etwas von dir bleibt, wenn du tot bist?

»Yeah! Meine Freunde und ich hören uns gerne Musik aus den 60ern und 70ern an. Wenn wir uns treffen, tauschen wir immer gegenseitig Geheimtipps aus. Eines Tages, egal was mit der Band passiert, ob wir nun die größte Band der Welt werden oder was auch immer, irgendwann in der Zukunft wird irgendjemand in einem Studentenwohnheim sagen: "Hey, wie hat dir die TSAR-Platte gefallen, die ich dir gegeben habe?" Und der andere wird antworten: "Hey, yeah!" Musik ist eine Möglichkeit, die Vergangenheit weiterleben zu lassen.«

Ihr kommt ja aus Los Angeles. Denkst du, dass die Heimat immer auch ein bisschen auf die Musik abfärbt?

»In Bezug auf Surfen und solche Sachen? Hoffentlich mehr von dieser dunklen, lustigen Seite von Los Angeles, von Rock'n'Roll-Los Angeles. Und natürlich etwas Surfen und Klettern. Ich meine, LA ist rundherum fantastisch. Es ist eine Menge los, sei es in Bezug auf die Bevölkerung oder die Film- und Plattenindustrie. Ich weiß nicht, ob irgendjemand überhaupt dazu in der Lage ist, Los Angeles als Ganzes fassen zu können. Wir haben das jetzt nicht bewusst gemacht, aber ich denke, unsere Platte streift schon einen bestimmten Teil von Los Angeles. Es ist eine Art mystischer Hollywood-Rock'n'Roll. Du fühlst die Schwingungen von Bands wie 'Guns'n'Roses' oder 'Jane's Addiction' und ähnlichen, dunkleren Bands von Hollywood/Los Angeles und das versetzt dich in eine ähnliche Stimmung.«

Euer Song 'You can't always want what you get' erinnert ja doch sehr stark an 'You Can't Always Get What You Want' von den Stones. Was verbirgt sich hinter diesem Wortspiel?

»Es ist sicherlich eine Verdrehung des Titels. Viele unserer Lyrics beziehen sich eigentlich auf andere Rock'n'Roll-Lyrics oder -Ideale und geben ihnen einen andere Drehung. Wir packen sie in einen anderen Kontext, um ihnen eine andere Bedeutung zu geben und damit eine andere Betrachtungsweise zu erreichen. Vieles von dieser Musik spielt mit verschiedenen Konzepten. In diesem Fall ist es ein zerstörerischer Song, die Leute reden darüber, dass man nicht immer das bekommt, was man gerne möchte, aber manchmal bekommst du auch etwas, das du gar nicht haben willst. Die Musik ist ironisch und ernst zugleich. Sie ist ironische Ernsthaftigkeit und ernsthafte Ironie.«

Warum habt ihr euch dafür entschieden, 'Rebel Rouser' zu covern?

»Der Song rockt! Ich bin ein richtig großer Sweet-Fan! Tatsächlich wusste ich gar nicht, dass er auf die europäische Version unseres Albums kommen würde. Wir haben den Song eigentlich nur zum Spaß aufgenommen. Dann gaben wir ihn dem Label und die haben ihn dann auf's Album gepackt.«

Zu welcher Art von Stimmung passt euer Album am besten?

»Mmh, eigentlich zu zwei ganz unterschiedlichen. Einerseits passt es perfekt, wenn du dich Samstag abends zum Ausgehen fertig machst. Du bist zu Hause, probierst Klamotten an, siehst gut aus und fühlst dich gut. Ein bisschen Eyeliner, Glitter ... Andererseits passt sie auch hervorragend, wenn du den ganzen Bullshit in deinem Leben nicht fassen kannst. Und dann sagst du: "Fuck 'em, let's rock!" Und drehst die Platte so richtig laut auf.«

Wann werdet ihr denn mal europäische Bühnen entern?

»Wir sind dabei, einen Europa-Trip zu planen. Es steht noch nichts Definitives fest, aber wir wollen es auf jeden Fall in die Tat umsetzen. Ich hoffe, es klappt so bald wie möglich. Im Moment haben wir noch 'ne Menge hier in Amerika anstehen. Aber sobald es geht, wollen wir kommen.«

Mit welcher Band würdest du am liebsten mal auf Tour gehen?

»Mit den Monkees! Aber ich würde eigentlich gerne mit jeder Band, die cool ist und rockt, touren. The White Stripes wären auch cool. Hauptsache, wir können auf die Bühne und abrocken!«

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