Online-MegazineInterview

DARKEST HOUR

Donuts und Dope

Wir haben es längst geahnt: Schon seit Jahren buddeln die Metalcoreler DARKEST HOUR einen unterirdischen Tunnel von Washington D.C. nach Skandinavien und unterwandern die schwedische Melodic-Death-Elite mit einem unverschämt europäisch klingenden Sound.

Für die neueste Scheibe "Undoing Ruin" schnappte sich das US-Quintett Devin Townsend, der den Songs - gedopt mit literweise Kaffee und krümeligen Hasch-Donuts - einen atmosphärisch-spacigen Anstrich verpasste. Schlagzeuger Ryan Parrish blickt auf das lauteste Kaffeekränzchen der westlichen Hemisphäre zurück.

Ryan, euer Gitarrist Mike Schleibaum bezeichnete "Undoing Ruin" als ein Album, bei dem es um musikalische und persönliche Veränderungen geht. Erklär das bitte mal näher!

Ryan: Zu Beginn der Songwriting-Phase waren wir nicht sicher, in welche musikalische Richtung wir gehen wollten. Wir wussten nur, dass unser nächstes Album vielfältiger und melodischer klingen sollte. Außerdem wollten wir Mike und Kris endlich die Möglichkeit geben, die schon seit längerem von ihnen geforderten Gitarrensoli zu spielen. John fügte den neuen Kompositionen viele überraschend persönliche Songtexte hinzu, in denen es darum ging, Süchte, Beziehungsprobleme und das Leben im Allgemeinen wieder in den Griff zu bekommen. Plötzlich wurde uns klar, dass wir das emotionalste Album unserer Karriere geschrieben hatten.

Die Nummer 'District Divided' handelt davon, dass euer Sänger John aus seinem Apartment geschmissen wird. Die Story ist leider nicht erfunden, sondern hat einen ernsten Hintergrund.

Ryan: In dem Song geht es um die in Washington immer stärker um sich greifende Gentrifizierung (soziale Umstrukturierung in einem Stadtteil, die oft mit einem Segregationsprozess einhergeht - cs). John hatte seine Miete ein paar Mal nicht ganz pünktlich bezahlt. Für die Vermieter war das ein willkommener Anlass, ihn endlich auf die Straße zu setzen. Er passte nicht mehr in das gewünschte Bild des Stadtteils und wurde, wie viele andere auch, rausgeekelt, damit sich zukünftig eine reichere Klientel ansiedeln kann.

Bei eurer letzten Scheibe "Hidden Hands Of A Sadist Nation" habt ihr mit vielen Gastmusikern aus der europäischen Melodic-Death-Szene gearbeitet. Wer hat euch dieses Mal im Studio besucht?

Ryan: "Undoing Ruin" wollten wir alleine durchziehen. Außerdem wäre zwischen den zahlreichen Soli, die dieses Mal auf dem Album zu hören sind, gar kein Platz für Gastauftritte gewesen.

Neben den Gitarrensoli sind klare Gesangspassagen eine Neuheit auf "Undoing Ruin", die bestimmt viele Fans überraschen wird.

Ryan: Diese Gesangsparts sind auf Devin Townsends Mist gewachsen. Er wollte, dass man Johns Texte richtig versteht, weil sie interessante Themen behandeln. Außerdem setzen die melodischen Parts wichtige Akzente zwischen den nach wie vor dominanten brutalen Shouts. Sie lassen Johns Stimme abwechslungsreicher klingen.

Wie stark hat Devin Townsend insgesamt das Songwriting und die Aufnahmen beeinflusst?

Ryan: Devin hat in jeder Hinsicht seine Spuren auf diesem Album hinterlassen. Wir haben ständig diskutiert und Ideen ausgetauscht. Er war ein echtes Genie, wenn es darum ging, Vorschläge zu ordnen und unseren Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge zu lenken. Streit gab es nie, weil wir trotz der vielen Diskussionen das gleiche Ziel verfolgten.

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"Plötzlich umzingelten uns sechs Polizeistreifen. Immer wieder mussten wir den aufgeregten Cops erklären, was der Grund für unsere Fotosession war. Erst langsam kapierten wir, dass man uns für Terroristen hielt."

Mit einem harmlosen Bilder-Shooting versetzten Darkest Hour fast das Pentagon in Panik

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Eure letzte Scheibe wurde von Fredrik Nordström im Studio Fredman produziert. Warum habt ihr euch dieses Mal gegen ihn entschieden?

Ryan: Fredrik ist ein sehr guter Producer, der bei unserem letzten Album einen prima Job gemacht hat. Wir hätten uns beinahe wieder für ihn entschieden. Doch dann wurde uns klar, dass "Undoing Ruin" deutlich anders klingen sollte als "Hidden Hands Of A Sadist Nation" und dass uns eine stilistische Veränderung mit einem altbekannten Producer kaum gelingen würde. Wir wollten neue musikalische Elemente in unsere Songs integrieren und suchten eine Person, die unserem Sound mehr Atmosphäre, unterschiedliche Stimmungen und eine gefühlvolle Note verpasst. Devin Townsend schien dafür der perfekte Mann zu sein.

Laut eurer Homepage habt ihr schnell Devins Erfolgsgeheimnis entdeckt: Er gießt sich literweise Kaffee in den Schlund und nascht Cannabis-Donuts.

Ryan: Mister Townsend ist wirklich ein schräger Vogel. Er ist der bodenständigste und gleichzeitig abgefahrenste Typ, den ich je kennen gelernt habe. Sein Kaffeekonsum sprengt wirklich alle Grenzen. Er zieht sich die braune Brühe nonstop rein. Bei den Aufnahmen unserer Platte benötigte er aber auch viel Flüssigkeit, denn die Cannabis-Donuts waren ziemlich trocken (lacht).

Ihr scheint euch nicht nur gerne mit freakigen Producern, sondern von Zeit zu Zeit auch mit aufgebrachten Polizisten zu umgeben.

Ryan: Hell yeah! Die Cops umgeben uns ständig. Manchmal glaube ich, dass sie uns heimlich verfolgen (lacht). Wir drehten vor kurzem in New York ein Video zu unserer ersten Single 'Convalescence'. Das Set war in der Nähe einer alten Fabrik aufgebaut, und wir arbeiteten mit einer Menge Feuer und Rauch. Einige Anwohner gerieten in Panik, als sie Qualm aufsteigen sahen, und riefen aufgebracht die Polizei. Zum Glück konnten wir den Videodreh noch beenden, bevor die Cops eingriffen. Die New Yorker sind seit dem 11. September ziemlich paranoid. Ein anderes Mal schossen wir ahnungslos Bandfotos unter einer Brücke in Washington D.C. Plötzlich umzingelten uns sechs Polizeistreifen. Wir wurden festgehalten und verhört. Immer wieder mussten wir den aufgeregten Cops erklären, was der Grund für unsere Fotosession war. Erst als ein Officer einen langen Vortrag zum Thema Terrorismus hielt, dämmerte uns langsam, was wir falsch gemacht hatten. In Washington sind Brücken ein beliebtes Ziel für Bombenanschläge, und die Polizisten hielten uns für Terroristen.

www.darkesthour.cc

DISCOGRAFIE

The Misanthrope (EP, 1996)

The Prophecy Fulfilled (EP, 1999)

The Mark Of The Judas (2000)

So Sedated, So Secure (2001)

Hidden Hands Of A Sadist Nation (2003)

Undoing Ruin (2005)

<small>Pics: Mona-Christina Hamad</small>