Online-MegazineInterview

DIE HAPPY

DIE HAPPY - Natalie und die Zugtoilette

Bislang gaben DIE HAPPY immer Vollgas und lieferten im flotten Ein-Jahres-Rhythmus drei Alben ab, die ausgiebig betourt wurden. 2004 waren die Akkus jedoch leer, und die Band gönnte sich eine Pause, aus der sie nun mit ihrem bis dato besten Werk "Bitter To Better" eindrucksvoll zurückkehrt.

Die für DIE HAPPY-Verhältnisse lange Pause von zwei Jahren hatte auch noch andere Gründe, wie Sängerin Marta Jandová ausführt. Zum einen nahm die Power-Frau zusammen mit Apocalyptica an Stefan Raabs "tv total-Bundesvision-Song-Contest" teil, für den extra der Song 'Wie weit' geschrieben und eingespielt wurde, und zum anderen gab es einen Plattenfirmenwechsel.

"Wir waren auf dem BMG-Ableger Firestarter, dessen Bands (u.a. Megaherz, Sub7even - ms) nach und nach rausgeworfen wurden, bis nur noch wir übrig waren. Für nur einen einzigen Act braucht man kein eigenes Sublabel, und so wurde es dicht gemacht. Da uns G.U.N. bereits beim ersten Album haben wollten, sie vom ganzen Konzept her perfekt zu uns passen und indirekt ebenfalls zur BMG-Familie gehören, war die Wechsel-Entscheidung einfach."

Ausgetauscht wurde auch mal wieder der Produzent. Die Band entschied sich diesmal für den jungen und noch vergleichsweise unbekannten Udo Rinklin (u. a. Allee der Kosmonauten), den Marta durch das christliche Projekt "Zeichen der Zeit" kennen gelernt hat. Dabei bekundete er Interesse an DIE HAPPY und bot sich an, probeweise einfach mal einen Song aufzunehmen. Das klappte so gut, dass er den Job fürs komplette Album bekam.

"Er ist mit ganzem Herzen bei der Sache und hat sich voll reingehängt", lobt Bassist Ralph Rieker. "Das war nach dem letzten Album eine wohltuende Erfahrung, weil das Produzententeam The Matrix seinerzeit nur zwei, drei Stunden pro Tag vor Ort war und andere Prioritäten wie Britney Spears hatte. Der Udo ist da von ganz anderem Kaliber, zumal er nicht nur Produzent, sondern auch Komponist ist und daher genau weiß, worauf es ankommt."

Apropos Songwriter: Im Gegensatz zu vielen anderen Bands haben DIE HAPPY diesbezüglich keine Berührungsängste. So arbeitete die Truppe erneut mit Peter Kvint zusammen, mit dem zuvor u. a. schon 'Big Boy" von "The Weight Of Circumstances" entstand, und ließ sich eine Ballade von Diane Warren (u. a. Aerosmith, Alice Cooper, Bon Jovi) schreiben.

"Früher dachten wir, alle Stücke selber komponieren zu müssen, aber das ist Unsinn", weiß Ralph inzwischen. "Man gewinnt durch einen außen stehenden Komponisten nämlich eine neue Perspektive und bricht das interne Bandgefüge auf. Schließlich hat jeder einen eigenen Ansatz, wie er Musik versteht. Vor allem die Schweden-Session mit Peter war mal wieder klasse. Mit seiner Hilfe entstand 'If I Could Fly'."

Bei Diane Warren lief die Sache anders, wie Marta ergänzt: "Bei den Arbeiten am letzten Album bekamen wir von ihr ein Demo, auf dem Steven Tyler sang. Die Nummer hatte sie ursprünglich für Aerosmith geschrieben, sie schaffte es aber letztendlich nicht auf deren Album. Weil wir alle große Fans von ihnen sind, hätten wir sie zwar gerne übernommen, aber sie war einfach zu bluesig für uns. Der Kontakt zu Diane blieb dennoch bestehen, und diesmal schickte sie uns die auch textlich tolle Ballade 'I Am'. Wir haben die Akkorde umarrangiert und natürlich noch am Gesang gearbeitet, aber die Basis stammt von ihr. Sie hat unsere Interpretation inzwischen gehört und ist begeistert. Das macht uns schon stolz, denn schließlich arbeitet sie mit den ganz Großen und weiß, wo's langgeht."

Nichtsdestotrotz stammt der Löwenanteil des Materials natürlich von der Band selbst, wobei sich die Arbeitsweise inzwischen stark verändert hat. Während die Musiker früher alle zusammen im Proberaum abgehangen und gejammt haben, komponieren sie inzwischen jeder für sich in ihren eigenen kleinen Homestudios.

 

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Ich möchte beim Songwriting direkt springen und abgehen können, denn daran merke ich, ob ein Lied funktioniert.

Marta Jandová und ihr ureigener Qualitätstest

 

"Da wir Multi-Instrumentalisten sind, können wir die Ideen komplett alleine ausarbeiten, wenn sie uns in den Kopf kommen", rührt der Bassist die Werbetrommel für diese Vorgehensweise. "Dann treffen wir uns, spielen uns die Sachen gegenseitig vor und entwickeln sie gemeinsam. Mit den aktualisierten Versionen auf den Festplatten geht dann jeder wieder nach Hause und arbeitet weiter daran."

Diese Methode hat sich nicht zuletzt ergeben, weil die einzelnen Bandmitglieder inzwischen alle an unterschiedlichen Orten wohnen: Thorsten in der Schweiz, Ralph in Stuttgart, Jürgen in Berlin und Marta in Dortmund. Der Proberaum liegt immer noch in Ulm, und Marta drängt darauf, ihn wieder öfter aufzusuchen.

"Ich möchte beim Songwriting direkt springen und abgehen können, denn daran merke ich, ob ein Song funktioniert."

Dieser Wunsch rührt nicht zuletzt daher, weil sie im Gegensatz zu den Jungs außer Keyboards keine weiteren Instrumente beherrscht und ihre Ideen daher oft in das Diktiergerät ihres Handys singen muss. "Das hat schon zu komischen Situationen geführt - beispielsweise, wenn ich mich dafür unterwegs in einer Zugtoilette eingeschlossen habe", lacht sie verschämt. "Außerdem ist es mir dann immer peinlich, den Jungs meine gesungenen "Instrumente" vorzuspielen."

Welche Figur Marta als Human Beatbox abgibt, bleibt das Geheimnis der Band. Gesanglich ist sie jedenfalls besser denn je, denn ihre Stimme klingt auf "Bitter To Better" deutlich rotziger und versprüht mehr Sex-Appeal.

"Das kommt wohl vom vielen Rauchen in der letzten Zeit", gesteht sie mit etwas schlechtem Gewissen. "Es ist aber auch Udos Verdienst, denn ihm kam es mehr auf den Ausdruck und das Gefühl und weniger auf die Perfektion an. Auf dem Album sind etliche First Takes von mir zu hören. Alles soll frisch und frech klingen. Aus diesem Grund haben wir auch meinen Gesang nicht auf Ami-Slang gestylt. Natürlich versuche ich so gut wie möglich, die englische Aussprache korrekt wiederzugeben, aber wenn ein leichter Akzent drin ist, dann ist das egal. Wenn beispielsweise Franzosen Deutsch sprechen, hat das doch auch seinen eigenen Charme."

Wohl wahr: Man denke nur an Madame Natalie aus der "Harald Schmidt-Show"!

www.diehappy.de

DISCOGRAFIE

 

Supersonic Speed (2001)

Beautiful Morning (2002)

The Weight Of The Circumstances (2003)

Bitter To Better (2005)