Online-MegazineInterview

SOULFLY

Metal World Music

Gespannt warten Fans und Kritiker auf das neue Werk der Band um Max Cavalera. Da die Veröffentlichung von "Dark Ages" jedoch noch in einiger Ferne liegt, schnappten wir uns Gitarrero Marc Rizzo in Köln, um ihn schon mal vorab auszuquetschen.

Das Ergebnis und die vorläufige Tracklist findet ihr hier.

Du bist jemand, der musikalisch äußerst vielseitig und in den unterschiedlichsten Stilen zu Hause ist. Würdest du zustimmen, dass du dich eher fürs Gitarrespielen interessierst als für so was wie kategorisches 'Genre-Denken'?

»Yeah, ich liebe einfach alle Arten von Musik. Ich will niemals nur eine Musikrichtung spielen. In meinen Augen ist so was einfach nur langweilig. Ich liebe es, Metal zu spielen! Aber dann spiele ich auch sehr gerne Flamenco und ebenso gerne Jazz und Blues-Kram! Würde es dir gefallen, aufzuwachen und jeden Tag dasselbe zu essen? Ich möchte gern alle Musikstile spielen können und mir alle Musikarten, die es gibt, anhören.«

Hast du Unterricht genommen oder bist du eher ein Autodidakt?

»Ich hatte sehr viele verschiedene Lehrer in allen unterschiedlichen Musikstilen. Und ich lese eine Menge Bücher. Ich kaufe sie, lese die Musik(-noten) und übe entlang der CDs – tue einfach alles, was man tun kann, um jeden einzelnen Tag ein bisschen besser zu werden.«

Ich hab gelesen, dass du eine Gitarre hast, die sowohl akustisch als auch elektrisch ist. Wie funktioniert das genau?

»Die untere Gitarre ist elektrisch und hat eine separate Eingangsbuchse, die in meinen Hauptverstärker führt. Die obere ist akustisch und hat eine Buchse für eine DI-Box. Das ist eine Direktbox, die direkt zum FOH-Tontechniker führt. Wir senden also ein Signal zu ihm rüber und er leitet es direkt an das P.A.-System weiter. Die Akustikgitarre hat auch noch einen so genannten 'Piezo-Pick-Up', der die Vibrationen der Nylonsaiten auffängt. Das ist so was wie ein in die Gitarre eingebautes Mikrofon. Im Studio wechseln wir oft von Metal-E-Gitarrenparts mit Stahlsaiten zu Flamencoparts mit Nylonsaiten. Es im Studio zu machen ist leicht, weil Du einfach das Tape stoppen kannst. Aber live würde das nicht so wirklich funktionieren. Und dieses Prinzip macht es mir leicht, von einer zur anderen Spielart zu wechseln, indem ich einfach einen Schalter auf der Gitarre umlege. Das ist richtig cool!«

Kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit Max erinnern? Wie habt ihr euch kennen gelernt?

»Das allererste Mal haben wir uns nur ganz kurz gesehen, haben nur Hallo zueinander gesagt, das war's. Da war ich noch bei Ill Nino. Richtig kennen gelernt hab ich ihn dann erst, als ich mich mit ihm traf, um "Prophecy" einzuspielen. Und er war einfach unglaublich! Er ist einer der coolsten Menschen, die ich in dieser Musikszene kennen gelernt habe. Sein ganzer Tagesablauf basiert darauf, Musik zu machen und Musik zu hören.«

Kannst du mal eine alltägliche Situation beschreiben, wie es ist, wenn ihr zusammen im Studio arbeitet?

»Wir hauen uns einfach nur gegenseitig Riffs um die Ohren. Entweder kommt er mit einem Riff an und zeigt es mir, ich bin davon begeistert und versuche es zu toppen. Oder ich komme mit einem Riff an und er übertrumpft es. Wir können wirklich unglaublich gut miteinander arbeiten. Es ist großartig, mit ihm zusammen zu spielen. Ich liebe alles, was er schreibt und ich liebe es, mir seine Songs anzuhören und mir zu überlegen, was ich dazu beitragen kann, welche Kleinigkeiten ich ergänzen könnte und so was.«

Wo siehst du deinen größten Beitrag zur Musik von SOULFLY?

»Ich würde sagen, indem ich der Musik Gitarrensoli, etwas mehr Riffing und diese ganzen Flamencoklänge hinzufüge. Auf der neuen Platte habe ich versucht, etwas mehr thrashartige Rhythmen hineinzubringen. Auf diesem Album sind Parts, die sogar thrashiger und heavier sind als die alten Sepultura-Sachen, die ich sehr mag. Und auch heavieres und groovigeres Zeug als auf den alten SOULFLY-Alben. Ich trage diesen alten Nylonsaitenklang zur Band bei - ich würde es jedoch New Wave of Flamenco nennen. Flamenco ist etwas total anderes!«

Hast du einen Lieblingssong auf dem neuen Album?

»Ich denke, ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich gerade diese Platte sehr mag. Ich liebe jeden einzelnen Song auf der Platte! Aber wenn ich einen Lieblingssong auswählen müsste, würde ich 'Front Lines' nehmen. Er hat alles, was ich gitarrenmäßig mag: Er ist schnell, er ist heavy, er enthält Gitarrensoli und er endet mit einer kleinen Akustikeinlage.«

Wie verhält es sich mit diesen außergewöhnlichen Instrumenten, die ihr verwendet? Auf "Dark Ages" tummeln sich Instrumente aus der Türkei, Russland und Frankreich. Lernt ihr, die selbst zu spielen, oder engagiert ihr dafür lokale Gastmusiker?

»Yeah, das macht alles Max! Das ist es, was so cool an SOULFLY ist. Es ist nicht so, dass er einfach ein Instrument aus diesen Ländern haben will, es dann bestellt und damit zu Hause oder im Studio auftaucht. Er nimmt die Tracks vom Album, fliegt in diese Länder und sucht sich dort kleine Studios. Dann holt er sich entweder lokale Jungs oder besorgt sich die Instrumente und spielt sie selbst in diesen Ländern. Also wenn du World Music in Verbindung mit SOULFLY sagst, dann ist es nicht so, dass er vor einem Casio-Keyboard sitzt und Instrumente aus aller Welt darauf '(er-)findet'. Max ist äußerst kreativ, was das angeht. Er ist der einzige in der Metal-Szene, der mit jeder Platte, die er aufnimmt, Grenzen überschreitet und sich auch noch Gedanken darüber macht. Er wacht nicht einfach auf und geht ins Studio. Wegen seiner Einstellung sind die Alben in allen verschiedenen Teilen der Welt aufgenommen worden. Das ist so cool!«

Wie stehst du zu dem Etikett "World Music"?

»Ich denke, es passt perfekt zu SOULFLY. SOULFLY war in meinen Augen schon immer "Metal World Music". Da befinden sich so viele Klänge und Instrumente von überall her auf den Alben. Es ist endlich mal was anderes und einfach nur ein herrlich erfrischender Atemzug. Es ist immer populär, einfach das zu kopieren, was auch immer gerade in ist. Und ich denke nicht, dass SOULFLY das jemals getan hat. SOULFLY versucht immer, neue und andere Klänge zu finden, um sie der Band beizufügen. Und das ist Max – einfach nur cool!«

Was ist in deinen Augen die Funktion von Musik?

»Für mich geht's darum, positive Vibes zu übertragen. Wenn du Musik auflegst, sollte sie dich automatisch dazu bringen, dich gut zu fühlen. Du solltest keine CD auflegen und dich davon runterziehen lassen. Es sollte so sein, dass du meinetwegen irgendeine Pop-Platte auflegst und in deinem Haus herumtanzt, wenn's dir gut geht. Mich persönlich macht aber selbst der abgefahrenste Death Metal glücklich. Wenn ich etwas in der Art auflege, tanke ich wieder neue Energie. Es fühlt sich gut an, aggressive Musik zu hören. Und das ist es, was Musik für mich bedeutet: Sie ist eine positive Droge. Du legst sie auf, nimmst sie in Dein System auf und denkst dir: Jetzt kann mein Tag beginnen, jetzt kann ich den Tag überstehen, indem ich dies oder das tue – so lange ich meine Musik habe und ihr einfach nur zuhören kann. Das ist eine großartige Sache!«

Bei der vor diesem Interview angesetzten Listening Session von "Dark Ages" ließen wir es uns nicht nehmen, für euch die aktuelle Tracklist* zu ergattern – bitteschön:

1. The Dark Ages

2. Babylon

3. I And I

4. Carved Inside

5. Arise Again

6. Molotov

7. Front Lines

8. Inner Spirit

9. Corrosion Creeps

10. Riot Starter

11. Bleak

12. The March

13. Fuel The Hate

14. Stay Strong

15. Soulfly V

*(Stand 19.06.05)

www.soulfly.com