Online-MegazineInterview

EMIL BULLS

Whisky in Bayern

Seit ihrem 2001er Debüt rocken die EMIL BULLS durch unsere Boxen. Den kommerziell größten Erfolg hatten die Wahlbayern wohl mit ihrer Interpretation des A-HA-Hits "Take on me", die im Herbst des Debüt-Jahres von den Musiksendern rauf- und runtergedudelt worden ist.

Jetzt melden sich die Beinah-Nu-Metaller mit ihrem dritten Output "The Southern Comfort" zurück. Ein prima Anlass, mal wieder mit einem Hallo anzuklopfen. Gitarrist Moik gibt Auskunft.

Wie war denn der Gig gestern Abend?

Ich bin noch ein bisschen angeschlagen von gestern. Aber es war ziemlich cool. Es gab im Vorverkauf nur ein limitiertes Kartenkontingent von 100 Stück, weil wir in 'nem ziemlich kleinen Laden gespielt haben. Wir wollten die Party familiär halten: Es waren natürlich sehr viele Freunde eingeladen, ein bisschen Presse und Familie, also eine sehr gemütliche und entspannte Atmosphäre.

Wie viele neue Nummern habt ihr zu Gehör gebracht?

Wir haben elf Stücke von der neuen Platte gespielt, also fast das ganze Album. Dazu noch sechs oder sieben alte Songs, und ein kleines Akkustikset hatten wir auch dabei, darunter 'Friday Night' und 'At Fleischberg's' in einer Lagerfeuerversion.

Seid ihr zufrieden mit den neuen Songs? Mit Nu Metal hat die Platte ja nu' nichts mehr zu tun, sondern klingt sehr erwachsen.

Wir sind sehr zufrieden, gemessen an den Bedingungen, unter denen wir aufgenommen haben. Wir haben aus unserem Budget das Beste rausgeholt und sind sehr stolz auf unser neues Werk.

Wir waren in meinen Augen eh noch nie eine typische Nu Metal-Band. Natürlich haben wir im Zuge des Nu Metal-Hypes unseren ersten Vertrag gekriegt. Man kann nicht leugnen, dass uns dieser 'Trend' sehr weitergeholfen hat. Obwohl natürlich Korn oder die Deftones großen Einfluss auf uns hatten, haben wir uns aber immer gegen diese typische Nu Metal-Schublade gesträubt.

Wir haben uns beim Songwriting diesmal auch keine großartigen Gedanken über unsere Stilrichtung gemacht, sondern alles einfach mal ausgetestet. Beim Hören des Albums wird schnell klar, dass man die Musik nicht mehr in eine Schublade packen kann.

Wie lange habt ihr an dem Material geschrieben? Habt ihr zunächst Ideen gesammelt oder kontinuierlich komplette Songs geschrieben?

Wir haben uns quasi dazu gezwungen, indem wir uns drei Wochen ein Haus am Chiemsee gemietet haben. Da haben wir dann Tag und Nacht im Keller Musik gemacht, auf einem Haufen rumgesessen und haben jede Idee, unabhängig von der Stilrichtung, bearbeitet und haben in diesen drei Wochen schätzungsweise über 50 Songs geschrieben.“

Hast du gerade FÜNFZIG gesagt?

Ja, uns war so stinklangweilig, das war so weit ab vom Schuss, wir konnten da außer Musik einfach nix anderes machen, in München hätte das weitaus länger gedauert, weil jeder abends was vorgehabt hätte.

Ist Bayern für Metalheads kein zu spießiges Pflaster?

Natürlich ist Bayern etwas spießiger als Hamburg oder Berlin, aber hier gibt es genauso eine Rockszene wie überall anders. Schickimickiläden gibt's hier auch, ganz klar, aber man kommt schon gut drum rum, wenn man will.

Warum hat euer Drummer letztes Jahr die Band verlassen?

Das war schon ein ziemlich derber Schlag für uns, aber für ihn war es wichtiger, sein Studium voranzubringen. Wir haben uns dadurch natürlich einen Schritt weiterentwickelt, allein dadurch, dass ein neues Bandmitglied immer auch andere musikalische Einflüsse mitbringt.

Ihr galtet ja schon als quasi aufgelöst: Woher die Wiederbelebung? Neuer Spirit, Trotzreaktion?

Als klar war, dass Motor den Vertrag nicht verlängern würden, waren wir natürlich schon enttäuscht. Wir haben aber eigentlich nie mit dem Gedanken gespielt uns aufzulösen: Wir haben letztes Jahr im Januar/Februar unsere von den Zuschauerzahlen her beste Tour bisher gespielt, und das ohne Deal! Wir hatten immer viele Anfragen und uns geht es primär eh ums Spielen vor Publikum.

Mit der 'Chiemsee-Aktion' haben wir uns dann zusammengerauft, um konsequent am neuen Album zu arbeiten. Wenn man sich zusammen einsperrt, lernt man sich noch besser kennen und merkt, dass es genau das ist, was man machen will.

Reicht das aus? Könnt ihr von der Musik leben?

Nein, hier in München sind die Mieten so verdammt hoch (lacht). Wir haben alle noch Nebenjobs, aber wir verdienen natürlich schon einen Teil unseres Geldes mit der Musik. Allerdings ist es uns viel wichtiger, dass wir überhaupt Musik machen können, da spielt das Finanzielle nur eine untergeordnete Rolle.

Werden bei den bundesweit vier Releaseparties Bandmitglieder anwesend sein?

Nein, das ist leider vom Budget her nicht drin. Es gab Zeiten, wo wir für eine Fotosession so viel bezahlt haben wie jetzt für die komplette Produktion von 'The Southern Comfort'. Ich finde es aber gut, dass das Label aufs Geld achtet, auch wenn man dann natürlich Abstriche machen muss.

Mit "track1", einem Ami-Label, wagt ihr den Schritt über den großen Teich. Wie schätzt ihr den Markt dort ein? Plant ihr auch, dort zu touren?

Ich glaube, eine Veröffentlichung in Amerika ist für jede Band das Größte. 'Track1' ist noch sehr klein, da muss man mal abwarten. Eine Welttournee wär' echt ein Traum.

Wir waren ja auch vor 'ner Weile für fünf Shows in Nordamerika und haben dabei viel gelernt: Die 600 Meilen-Fahrten waren echt anstrengend. Party machen war da nicht drin, wenn man früh morgens um 6 Uhr aufstehen muss wie ein normal arbeitender Mensch, hehe.

Wo wir gerade beim Touren sind: Nenn mir doch bitte mal ein Beispiel für die Textzeile "our excesses are known...".

Hehe, ich nehme mich davon jetzt mal aus, da ich für die Tourleitung verantwortlich bin. Aber es ist schon vorgekommen, dass ich Christ (Vocals - Anm. d. Verf.) am Tag nach einem Gig um 12 Uhr mittags auf dem Festivalgelände abgeholt habe: Er hatte durchgesoffen und war dementsprechend verstrahlt. Abends mussten wir dann noch eine Show spielen. Das war schon ein Schockerlebnis. (lacht)

Im Nachhinein ist das allerdings recht lustig. Wir heben ja eh alle schon mal gern einen.

Und hinterher ladet ihr eure Freunde Jack, Jim und S.C. ein, mit euch zu feiern?

Naja, dieser Gag hat sich einfach ergeben, als wir unseren ersten Cateringrider schreiben durften: Wir haben dann überlegt, was man als echter Rock'n'Roller so trinkt, haha.

Seid ihr eigentlich öfters DJ-mäßig unterwegs oder war das gestern eher eine Ausnahme?

Unser alter DJ hat natürlich schon immer aufgelegt, für uns sind das aber doch eher Ausnahmen, obwohl wir sowas schon mal gern machen, wenn wir gefragt werden. Vor allem unser Sänger, der hat wohl einen der größten Plattensammlungen der Welt, hehe.

Bleibt noch der Dank an Moik. Und die Hoffnung, dass er trotz seiner Vorliebe für Weißbier und Knödel nicht mit dem Karl verwandt ist!

Am 20. Juni erscheint "The Southern Comfort".

www.emilbulls.de

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