Online-MegazineInterview

AGENTS OF MAN

Metallische Chemikalien

Mit 'Count your Blessings' haben AGENTS OF MAN ein beachtenswertes Longplayer-Debüt hingelegt, das man irgendwo zwischen Metalcore und Nu-Metal sowie traditionellem Metal und krachendem Hardcore einordnen kann.

Da sollte bei den fünf Jungs aus New Jersey also eigentlich für fast jeden etwas dabei sein. Grund genug, Bassist Mike Couls mal auf den Zahn zu fühlen.

Wie würdest du eure Musik jemandem beschreiben, der bis jetzt noch nichts von euch gehört hat?

»Also am ehesten könnte man wohl sagen, dass unsere Musik ziemlich facettenreich ist. Genau so, wie das Leben selbst viele verschiedene Seiten zu bieten hat, hat auch Musik verschiedene Seiten. Wir sind eine Band, die das feiert und keine Angst davor hat, anders zu sein. Wenn wir hart daher kommen, kommen wir eben megahart! Und wenn wir melodiös kommen, kommen wir super eingängig. Der Trick ist, diese Stile vernünftig zusammen zu bringen. Du kannst halt nicht einen einzelnen Song unserer Platte hören und sagen, dass der stellvertretend für den Rest steht. Du musst bei uns schon ein wenig tiefer graben!«

Es sieht ein wenig so aus, als ob es in den Staaten eine immer größer werdende Zahl an Bands gibt, die irgendwie schon von der Metalcore und Nu-Metal-Welle beeinflusst sind, sich jetzt aber wieder mehr auf ihre Wurzeln im Hard- und Emo-Core und traditionellem Metal zurückbesinnen. Wie siehst Du das?

»Das sehe ich ganz genauso. Viele neue Gruppen und jüngere Kids wissen doch heute gar nichts mehr von der Geschichte unserer Musik, wo sie herkommt, wie sie sich entwickelt hat. Wenn man sich hingegen die Geschichte unserer Band anschaut, sieht man, dass unsere Wurzeln in der Underground Hardcore- und Metal-Szene des letzten Jahrzehnts liegen, als das Ganze noch nicht populär war und noch kein Trend, keine Modenschau oder auch nur im Entferntesten 'cool'. Alle Bandmitglieder haben in Bands wie Cold As Life, One For One, Merauder, NJ Bloodline und Sworn Enemy gespielt. Chris, Zack und George (Schlagzeuger, Gitarrist und Sänger von AGENTS OF MAN - sö) waren immerhin 3/5 von Bulldoze, einer der brutalsten Combos der ganzen NYHC-Szene.

Als deren Sänger ins Gefängnis musste ('...for self defense...') bildeten sie Train Of Thought. Dort ist George dann vom Bass ans Mikro gewechselt. Train Of Thought klingen für mich schon sehr nach AGENTS OF MAN. Sie spielten diesen Stil schon 1995. Also zu einer Zeit, in der es die ganzen Bands, mit denen wir jetzt verglichen werden, noch gar nicht gab, geschweige denn die jetzige Popularität von Nu-Metal. Damals sangen schon Bands wie Leeway und Vod wie Sabbath, Zeppelin und Maiden zu aggressiver Musik. Nur weil beim Nu-Metal radiotauglich gesungen wird, heißt das noch lange nicht, dass man Nu-Metal macht, wenn man ähnlich klingt.«

Das Cover von 'Count your Blessings' wurde ja von eurem Gitarristen Rey Fonseca designed. Es zeigt einen leidenden Engel über der Erde. Ist das nur ein Symbol oder steckt da eine tiefere Bedeutung hinter?

»Naja, im Grunde hat das ganze Album irgendwie ein Thema. Das war gar nicht so geplant - es passierte einfach. Und das Cover gehört dazu. Es zeigt, wie du schon sagtest, einen Engel, der über unsere Welt weint. Eine Welt, die gefüllt ist mit Spannungen, Neid, Feindschaft, Krieg, Krankheit und Hass. Der Engel leidet mit allen guten Menschen die übrig geblieben sind und klagt über das verschwendete Potenzial der Menschheit, die sich ihres eigenen Paradieses beraubt hat. Sind wir es überhaupt wert gerettet zu werden oder wäre es nicht soger besser, wenn wir aussterben würden?

Bei 'Count your Blessings' geht es vor allem um das Gefühl dankbar zu sein, für das, was man hat, und darum, das Glas als halb voll zu betrachten, egal wie klein es auch sein mag. Und es geht darum, das zu betonen, was echt ist: Die Seele, das Herz und die wahren Ziele - NICHT die Annehmlichkeiten der materiellen Welt. Die bleiben alle hier, wenn du stirbst.«

Wie schon erwähnt ist euer Sound sehr vielseitig. Haben die einzelnen Bandmitglieder unterschiedliche musikalische Vorlieben?

»Wir sind eine Band, die aus Musikliebhabern besteht. So einfach ist das! Ich glaube, es wird viel zu sehr auf Kategorien geachtet. Für mich gibt es lediglich zwei Kategorien: Gute Musik und schlechte Musik! Wir sind alle mit klassischem Metal und Rock aufgewachsen: Sabbath, Ozzy, Zeppelin, Van Halen, alte Metallica, Anthrax, Slayer, Suicidal Tendencies, DRI und so weiter. Aber wir sind auch mit der Hardcore-Szene groß geworden, mit Bands wie Leeway, Cro-Mags, Agnostic Front, Madball oder auch Sick Of It All. Jetzt - als Musiker, privat und als Band -hören wir auch viel R&B, Hip-Hop, Reggae und Jazz. Wir mögen auch so Bands wie The Police, Faith No More, Bad Brains, U2 und Incubus.

Kann ja sein, dass manche Leute den ganzen Tag extreme Musik hören. Aber auch, wenn wir immer Aggressivität und harte Musik lieben werden, finde ich es schade, wenn man seine Augen vor allem anderen verschließt.«

Wer schreibt denn eigentlich die Texte bei euch? Und wie wichtig sind sie für eure Musik?

»Die meisten Texte schreibt George - und sie sind ultra-wichtig. Sie sind unsere Botschaft, unsere Bedeutung. Über die Texte bilden die Leute eine Beziehung zu uns auf und identifizieren sich mit uns. Wenn man ein Bild malt, ist die Farbe genauso wichtig wie die feinen Linien.«

Und wofür steht der Bandname AGENTS OF MAN?

»Zunächst mal kommt der Name aus einem sozialpolitischen Buch. Viele Leute reagieren zunächst mal seltsam auf den Namen, weil er - ganau wie unsere Band - anders ist. 'Agent' wird definiert als etwas, das einen Wandel verursacht, eine Chemikalie, eine Substanz oder ein Instrument. Es kann sich aber auch um einen Repräsentanten handeln, der für jemanden anderen spricht oder handelt. Ein 'AGENT OF MAN' zu sein, bedeutet, als ein Medium des Wandels zu dienen, oder zumindest die besten Interessen zu vertreten.«

Im Herbst kommt ihr ja mit einigen anderen Bands (u.a. Heaven Shall Burn, As I Lay Dying) auf Tour durch Europa. Seid ihr hier schonmal getourt? Und freut ihr euch schon darauf - oder seid ihr skeptisch wegen des Essens?

»Für AGENTS OF MAN wird es die erste Tour in Europa sein. Ich bin aber schon mit drei anderen Bands dort gewesen. In klitzekleinen Vans mit 'big ass motherfuckers on long ass drives'! Wir freuen uns riesig im Ramen einer so tollen Veranstaltung wie der Hell on Earth-Tour nach Europa zu kommen. Wir sind halt fürs Touren gemacht!

Zum Essen: Manche Amerikaner motzen vielleicht über europäisches Essen - ich liebe es! Bei euch besteht das Ganze nicht nur aus Gift wie in Amerika. Und euer Bier rult auch!!«

Erzähl doch mal, wie die U.S.-Tour bis jetzt lief. Gab es irgendwelche lustigen oder dramatischen Ereignisse?

»Bis jetzt lief alles super. Wir fangen gerade an für die Platte zu touren. Bis jetzt gab es ja nur die EP ('AOM EP 1' - sö). Aber es sind schon viele lustige Sachen passiert, die ich hier aber besser nicht ausplaudere! Eigentlich haben wir immer Spaß!«

Willst du sonst noch irgendwas los werden?

»Auf jeden Fall! Vielen Dank erstmal. ROCK HARD ist eines der besten europäischen Magazine. Und viele Grüße an unsere europäischen Brüder und Schwestern.«

www.agentsofman.com